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Im Frankfurter Städel widmet sich eine Retrospektive dem Op-Art-Pionier Victor Vasarely

Das Unmögliche als Möglichkeit



Unversehens betritt der Besucher des Städel Museums einen Speisesaal. Auf den silbern glänzenden Paneelen der Stirnwände sind runde Kunststoffscheiben montiert, die sich farblich von hellem Grau über tiefes Schwarz, dunkles Ocker bis hin zu leuchtendem Gelb ziehen. Die grauen Scheiben vor der gelb unterlegten Längswand ordnen sich zu einem auf die Ecke gestellten Quadrat. Beim Umhergehen fesseln die Farbverläufe die Sinne so stark, dass das Sehen zum Ereignis wird. Der arglose Betrachter steht im Mittelpunkt bewusster Seh- und Wahrnehmungsakte. Als der Ungar Victor Vasarely 1972 die Kantine der Deutschen Bundesbank gestaltete, war seine Karriere auf dem Höhepunkt angelangt. Zeitgleich sorgte sein für die Olympischen Spiele in München entworfenes Logo für markante Omnipräsenz.


Eine Reihe weiterer Interventionen und monumentaler Außenwerke wie etwa das Relief am Bonner Juridicum künden noch heute von Vasarelys Intentionen, Kunst in den Alltag zu integrieren, zum Lebenselixier zu erheben, zu demokratisieren. Auf Menge, Masse und Vielfalt als Aspekte von Gemeinschaft verweisen Skulpturen und Multiples, die in der Mitte des ausgebauten und nun im Ausstellungstrakt des Städels installierten Speisesaals anstelle der Möbel platziert sind. Als räumliche Erweiterung seiner Gemälde überführen die modulhaft kombinierbaren und farblich gefassten Objekte Bilder in räumliche Dimensionen.

Victor Vasarely wird oft als der bekannteste Unbekannte unter den europäischen Nachkriegskünstlern bezeichnet. In Verbindung gebracht wird sein Werkschaffen fast ausschließlich mit augentäuschenden Darstellungstechniken. Doch wie vielgestaltig sich über sechs Jahrzehnte hinweg das Œuvre des gelernten Werbegrafikers unter der Bezugnahme auf künstlerische Traditionslinien vom Bauhaus, Suprematismus, Kubismus, Surrealismus, geometrischer Abstraktion, Minimalismus bis hin zur Op-Art entwickelte, macht jetzt die Frankfurter Retrospektive mit über 100 Gemälden und Plastiken deutlich.

Anders als gewohnt entfaltet sich der Ausstellungsrundgang in einer rückläufigen Chronologie. So setzt sich die Auswahl mit Bildern der bunt-tranceartigen „Vega“-Serie fort. Das ins Jahr 1968 datierte Acrylgemälde „Vega 200“ gehört zu jenen, mit denen Victor Vasarely in die Kunstgeschichte einging. Rasterförmig arrangierte, in gesättigten Grün-, Blau- und Rottönen erstrahlende Quadrate mit innenliegenden Kreisen verzerren sich zur Mitte hin und formen eine dynamisch vorgewölbte Halbkuppel, die scheinbar in die Dreidimensionalität vorstößt. Das monumentale Format scheint den Betrachter körperlich zu bedrängen. Hier manifestieren sich die Swinging Sixties und die Flower Power-Zeit. Den Namen der mittlerweile zum Inbegriff der Op-Art arrivierten Serie leitete Victor Vasarely von einem der hellsten Himmelssterne ab. Die frühesten Arbeiten daraus datieren in die Jahre um 1956 und wölben sich als verzerrte Schachbrettmuster in die Fläche hinein oder aus ihr heraus.

Parallel entstanden in den 1960er Jahren die Folgen „Vonal“ und „Hommage à l’hexagone“. Dafür wandelte Vasarely Grundkonstanten seines Werks ab und schuf in den Raum vordringende, im Dialog mit dem Betrachter sich verwandelnde Gemälde. Hierbei tut sich eine erstaunliche Korrespondenz zur Minimal Art auf, ohne jedoch tatsächlich selbst dreidimensional plastische Gestalt anzunehmen. Mit dem modulhaften Baukastensystem des „Plastischen Alphabets“, das Kreis und Quadrat mit wiederholenden Lokalfarben kombinierte, verfolgte Vasarely das Ziel, in die unmittelbare menschliche Alltagsumgebung gestaltend einzuwirken.

Im Untergeschoss des Ausstellungsanbaus zeigen vor 1960 entstandene Werke den Weg in die Abstraktion und die Geburt der Op-Art. Das aus dem Wiener Belvedere entliehene Monumentalgemälde „Ha-Ko-Da-Te“ aus dem Jahr 1960 verweist mit seinen elliptischen Formen im Schwarz-Weiß-Kontrast auf zwei wesentliche Komponenten im Schaffensgang. In den 1950er Jahren löste sich Victor Vasarely vollständig von der Figuration, indem er in der Werkphase „Belle-Isle“, inspiriert von organischem Meeresgut wie Muscheln oder Steine, deren Naturformen in einen abstrakten Bildraum überführte, ja sogar gefundene Kieselsteine oder Glas in die Kompositionen einfügte. Zu dieser Zeit betrachtete Vasarely durch eine tiefe Fensteröffnung einströmendes Sonnenlicht. Dies erschien ihm wie ein aus der Fläche heraustretender Kubus. Aufgrund dieser Initialzündung verwandelte er Kompositionen zu imaginären, Form und Fläche gleichrangig visualisierenden Bildern, die die Wahrnehmung des Betrachters zwischen beiden Polen schwanken lassen.

Exemplarisch stehen dafür die Motive der ab 1950 einsetzenden „Gordes-Cristal“-Periode. So formulierte Vasarely ab 1952 in „Hommage à Malevich“ erste illusionistische dynamische Bildkompositionen. Die Neuorientierung um 1950 rundet die Auseinandersetzung mit dem Positiv-Negativ-Prinzip der Fotografie ab, die ihn endgültig zum Erfinder der Op-Art werden ließ. Die optischen Effekte nicht deckungsgleich übereinander liegender positiver und negativer Versionen einer Fotografie überführte Vasarely in Collagen aus schwarzweißen Streifen mit flirrenden vibrierenden Oberflächen.

Am Ende der Zusammenstellung begegnet man zur Überraschung figurativen Gemälden aus den 1930er und 1940er Jahren, die allerdings schon in ihrem Gegeneinander von Form und Farbe, Hell und Dunkel auf die Entwicklung des neuen visuellen Vokabulars hindeuten. So als blicke er in einen gebrochenen Spiegel, malte sich Vasarely auf multiperspektivische Weise im Jahr 1944 selbst. Der im Folgejahr entstandene und surreal anmutende „Le Prisonnier“ ist eine nicht genau definierte Gestalt mit Licht- und Schatteneffekten der Gitterstäbe auf dem Körper, was zu visuellen Irritationen und Steigerung der Unheimlichkeit führt. Benachbart illustriert die „Bewegungsstudie“ eines ins Wasser fallenden Tropfens von 1939, welch künstlerische Herausforderung sich Vasarely zu stellen versuchte, um Vibrationen, Rotationen und Schwingungen auf die Leinwand zu bringen. Und das Motiv der „Zèbres“ aus den 1930er Jahren nimmt schon deutlich die Spirale des Olympia-Labels von 1972 vorweg.

Die frühesten, ins Jahr 1929 datierten abstrakten „Ètudes Bauhaus“ künden im Titel von Vasarelys Ausbildung. Der am 9. April 1906 in Pécs geborene Künstler ging zwar nach dem Studium der Werbung und Ökonomie in Budapest seiner Profession als Grafiker nach. Doch schon kurz nach der Eröffnung der als ungarisches Bauhaus geltenden „Mühely Schule“ begann Vasarely 1929 beim Bauhausschüler Sándor Bortnyik das Studium, bevor er 1930 nach Paris zog. Ab 1944 vertrat ihn die Galeristin Denise René, mit der ihn eine enge Freundschaft verband. In Deutschland machte er durch die Beteiligungen an der Documenta 3 und 4 in den Jahren 1964 und 1968 auf sich aufmerksam. Zehn Jahre nach der Eröffnung des Vasarely-Museums in Budapest verstarb der Namensgeber am 15. März 1997 in Paris.

Die Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ ist bis zum 13. Januar 2019 zu sehen. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. An Heiligabend und Silvester bleibt das Städel geschlossen. Der Eintritt beträgt dienstags bis freitags 14 Euro, anderntags 16 Euro, ermäßigt 12 Euro respektive 14 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 39,90 Euro, ein Begleitheft 7,50 Euro.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



12.12.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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