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Tomás Maldonado gestorben

Tomás Maldonado im Unterricht an der HfG Ulm, 1958

Tomás Maldonado starb am Montag im Alter von 96 Jahren in Mailand. Der gebürtige Argentinier prägte zwischen 1955 und 1967 in der Hochschule für Gestaltung Ulm das Berufsbild des Designers. „Er war die beeindruckendste Persönlichkeit, die ich je in der Design-Szene erlebt habe“, so Dagmar Rinker, ehemalige Archivleiterin der Hochschule. Seine Abkehr vom Bauhaus führte zur Herausbildung des modernen Berufsbildes für Industriegestalter. So ist es Maldonado zu verdanken, dass das Industriedesign als wissenschaftliche Disziplin ernst genommen wurde. Zusammen mit Otl Aicher schuf er das Konzept des „Ulmer Modells“, das für viele Hochschulen weltweit Anwendung finden sollte.

Tomás Maldonado wurde 1922 in Buenos Aires geboren und studierte von 1936 bis 1942 an der Escuela Nacional de Bellas Artes Prilidiano Pueyrredón. Bis zu seiner Übersiedlung nach Deutschland 1954 spielte er eine wichtige Rolle in Kunst, Architektur und Produktgestaltung in Argentinien. 1954 wurde Maldonado provisorisch an der Hochschule für Gestaltung in Ulm angestellt und übernahm ein Jahr später die Leitung der Grundlehre. Ab 1964 war er für drei Jahre Rektor der Schule. Für die hochschuleigene Zeitschrift „ulm“ verfasste der Designer Aufsätze wie 1963 die Abhandlung „Ist das Bauhaus noch aktuell?“ Seit 1967 lebte er in Mailand und avancierte in den folgenden Jahren zu einem international bekannten Designer. Maldonado war mit der deutsch-italienischen Fotografin und Verlegerin Inge Feltrinelli verheiratet, die im September dieses Jahres verstarb.

In den 1970er und 1980er Jahren war Maldonado als Professor für Umweltplanung an der Universität Bologna tätig. 1988 erhielt er den Italienischen Staatspreis, 2001 den Ehrendoktortitel des Polytechnikums Mailand und 2012 das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik. In den letzten Jahren wandte sich Tomás Maldonado wieder der konkreten Malerei zu und war 2016/17 mit seinen Werken in der Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ im Haus der Kunst in München vertreten. Eine seiner ersten Publikationen handelte 1955 von Max Bill. Während seiner Recherchen kamen sie damals in Kontakt, und Bill holte ihn daraufhin nach Ulm. Zu Maldonados jüngsten theoretischen Werken zählt „Digitale Welt und Gestaltung“ von 2007.


27.11.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/Robert Seegert

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