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Washingtoner Prinzipien neu begutachtet

Berlin: Konferenz zur NS-Raubkunst

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste heißt heute rund 1.000 Experten über den Umgang mit NS-Raubkunst aus aller Welt in Berlin willkommen. Auf der Tagung „20 Jahre Washingtoner Prinzipien: Wege in die Zukunft“ soll bis zum 28. November erneut die historische Verpflichtung zur Kunstrückgabe gegenüber den Opfern und ihren Erben erörtert werden, die vor zwanzig Jahren bei der Verabschiedung der „Washingtoner Erklärung“ durchgesetzt wurde. Bis heute ist Aufarbeitung des nationalsozialistischen Kunstraubs noch immer nicht abgeschlossen.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, sieht die Tagung für die Zukunft der Provenienzforschung als notwendig: „20 Jahre nach der Washingtoner Konferenz ist es nun an der Zeit, nicht nur Bilanz zu ziehen, sondern auch eine Roadmap für die Perspektive unseres Engagements in der Zukunft zu entwerfen. Es bleibt wichtig, Werkprovenienzen aufzuklären, um den dahinter stehenden, erschütternden Schicksalen gerecht zu werden. Provenienzforschung trägt aber auch wesentlich dazu bei, unser Wissen über die NS-Terrorherrschaft insgesamt zu vervollständigen. Aktuelle extremistische Tendenzen zeigen, wie wichtig es ist, sich weiterhin mit den Auswirkungen totalitärer Herrschaft auseinanderzusetzen, in der Aufarbeitung nicht nachzulassen und die Erkenntnisse künftigen Generationen weiterzugeben.“

1998 versammelte die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright über 40 Staaten und zahlreiche nicht staatliche Organisationen, um sich auf die „Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden“ zu verständigen. Die Teilnehmer einigten sich darauf, eine faire und gerechte Lösung mit den Erben zu finden. Daraus entwickelten sich elf Prinzipien zum Umgang mit „NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut“. Stuart Eizenstat, US-Diplomat und ehemaliger Mitbegründer, beschrieb dieses Ereignis so: „Washington war eine Revolution.“

Auf Grundlage der „Washingtoner Prinzipien“ konnte beispielsweise die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) über 350 Kunstwerke und mehr als 2000 Bücher restituieren. Stiftungspräsident Hermann Parzinger merkt jedoch an, dass trotz Erfolgen weiterhin an Transparenz, Vernetzung und Vermittlung gearbeitet werden muss. So ist auch Ronald S. Lauder, Präsident des World Jewish Congress, davon überzeugt, dass in Deutschland zu wenig Spurensuche nach NS-Raubkunst betrieben wird. Neben Lauder werden unter anderem Eizenstat und Gilbert Lupfer vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste bei der Konferenz sprechen.

Im Rahmen der Tagung erscheint das SPK-Magazin, das Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte und Essays über aktuelle Forschungsarbeiten zum Thema Raubkunst beinhaltet. Es ist auch online unter www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/dossiers-und-nachrichten/dossiers/magazin-ns-raubkunst.html abrufbar.

Quelle: Kunstmarkt.com/Katja Hock

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