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Markus Lüpertz gestaltet die Bühne für die Oper „Una cosa rara“ in Regensburg

Gebrochene Illusionen



Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Das Theater in Regensburg setzt eine Opernrarität auf seinen Spielplan und gewinnt Markus Lüpertz als Ausstatter. „Una cosa rara“, 1786 in Wien uraufgeführt, gerät in einem bildkräftig gestalteten Raum zu einem heiteren Spiel mit märchenhaften, hin und wieder überdreht surrealen Zügen. Die Vision einer arkadischen Idylle, bevölkert von heiteren, friedlichen, tugendhaften Landleuten, hat schon Librettist Lorenzo da Ponte in eine Realität zurückgeholt, die eher von Aggression, Eifersucht und hemmungslosem Machismus als von friedfertiger Harmonie geprägt ist.


Der heute fast vergessene Komponist Vicente Martín y Soler, damals ein ernsthafter Konkurrent Wolfgang Amadeus Mozarts, schreibt dazu eine gewitzte Musik, die buffoneske Züge, aber auch Momente von Ernst und Empfindsamkeit kennt. Eine Musik, die dem aufklärerischen Anspruch fasslicher Einfachheit ebenso genügt wie dem Wunsch des Publikums nach leicht verdaulicher Tonsprache. Und eine höchst erfolgreiche Musik, der es damals sogar gelang, Mozarts „Le Nozze di Figaro“ vom Spielplan zu verdrängen. Ein Welterfolg, der freilich schnell und nachhaltig vergessen wurde.

Vor 15 Jahren zeigte Jossi Wieler an der Staatsoper Stuttgart, wie sich das Stück ganz nach heute anfühlt, angesiedelt in einer unwirtlichen italienischen Vorstadt und interpretiert als Konflikt, in dem sich gewitzte Frauen gegen dir mangelnde Affektkontrolle ihrer Machos behaupten. In Regensburg hat Regisseur Andreas Baesler nichts mit Aktualisierung am Hut, sondern eher mit einer malerisch-metaphorischen Lösung. Der Grund dafür sind sicherlich die Entwürfe des „Malerfürsten“ Markus Lüpertz, die Ruth Groß ins Format der Bühne umgesetzt hat.

Lüpertz, der umstrittene Großmeister monumental gesteigerter expressionistischer Malerei und Skulptur, der virtuose Bildner manchmal hintergründiger, manchmal trivialer Motive, das sich selbst stilisierende Genie, der „Liberace der heftigen Malerei“: In Regensburg zitiert er sich selbst in den kraftvollen Menschengestalten auf riesigen Tafeln, die zunächst die Bühne verdecken. Er assoziiert die Theaterwelt des 18. Jahrhunderts, wenn er die alten Lämpchen an der Rampe nachgestaltet. Er begrenzt die Spielfläche nach hinten mit einem Horizont von massiv gemalten, ins Schwarz driftenden Bäumen. Die Natur, die Martín y Soler und da Ponte thematisieren, die Folie der Schäferspiele des 18. Jahrhunderts und deren Arkadiensettings sind gebrochen und driften ins Unheimliche.

Die Bühne könnte auch an eines der Illusionskabinette erinnern, die sich kunstliebende Potentaten dieser Zeit ausstatten ließen, vollendete Kammern der Fiktion, des Traums, der Fantasie. Ein Spiel-Raum also, der aber nicht in sich geschlossen ist: Er ist zugänglich durch eine Flügeltür, wie sie in Palästen zu finden ist, bevölkert von Tieren und Menschen, denen die Adligen aus einer Galerie, getarnt zwischen den Baumkronen, zusehen. Riesige gemalte Eber werden wie Karusselltiere auf der Drehbühne hereingefahren, als Königin Isabella mit ihrem prinzlichen Sohn Giovanni zu Beginn eine Jagd veranstaltet – das bevorzugte Vergnügen in der Natur.

Die Bauern im zweiten Akt sehen aus wie gemalte Schießbudenfiguren; ein windschiefes Häuschen könnte aus einer Kinderzeichnung stammen. Eine Welt, in der auch die Menschen aus Fleisch und Blut zu den Objekten der Naturinszenierung gehören: Die tugendsame Lilla und die etwas frechere Ghita stecken Lüpertz und Groß in Röcke und Mieder, wie sie die idealisierte Landbevölkerung eines vorgestellten Arkadien zu tragen haben – grell bemalt mit Zacken- und Gittermustern. Bei den beiden jungen Männern, getrieben von Eifersucht, Triebgier und aggressiven Affekten, sind die Ruralbewohnerzitate etwas verhaltener; ihre Kostüme wirken, als seien sie bei einem Atelierbesuch bei Lüpertz kindisch-impulsiv mit Farbe beschmiert worden. Die Konstellation des niederen Personals wird komplettiert durch einen Podestá, gekennzeichnet durch einen Dreispitz und einen etwas würdevolleren Rock.

Vor allem die sanftmütige Lilla, die Lorenzo da Ponte nur mit verhaltenen charakterlichen Grautönen versehen hat, steht im Kreuzfeuer: Sie soll auf Wunsch ihres Bruders Tita mit dem Bürgermeister verheiratet werden, liebt aber Lubino, ein hemmungslos eifersüchtiges Miststück. Bedrängt wird sie gleichzeitig vom Sohn der Königin: Der Infant, unter seiner Perücke und mit rotbemalten Bäckchen ganz und gar ein Stutzer vom Hofe, sieht kein Problem darin, würde Lilla als verheiratete Frau zwei Männer lieben, und versucht erst durch Komplimente, dann durch Geschenke an sein amouröses Ziel zu gelangen.

Da Ponte lässt seine Figuren aber nicht in den üblichen Buffa-Schemata hängen. Dem Prinzen ist es ernst, die „seltene Schönheit“ gilt ihm mehr als ein Thron. In seiner großen Arie im zweiten Akt, in der er mit der finsteren Macht des „amor tiranno“ ringt, lässt ihn Baesler als Maler mit entblößtem Oberkörper agieren: Eine Person, die tief in sich selbst vordringt, indem sie ein Kunstwerk schafft – vielleicht eine Anspielung auf Markus Lüpertz selbst. In solchen Momenten verliert die Musik ihre unbeschwerte Heiterkeit und wächst zu empfindsamem Ernst heran: Der Abstand zu Mozart verringert sich, man wird erinnert, dass es neben dem Genie eben nicht nur „Kleinmeister“ gegeben hat. Komponisten wie Antonio Salieri oder eben auch Vicente Martín y Soler waren nicht umsonst berühmt.

Auch die Königin trägt zunächst pompöse, á la Lüpertz bemalte Hofmode mit ausladendem Kleid und spanischer Halskrause. Aber auf der kunstvollen Frisur thront ein schräges Hütchen, das aus dem Kabarett der 1920er Jahre kommen könnte. In ihrer Soloszene im zweiten Akt entledigt sie sich der großen Robe bis aufs Hemd. „Libertá“ ist das Stichwort, unter dem sich drückende Realität und ersehnte Freiheit verknüpfen: Die höchste Standesperson des Stücks preist Glück, Ruhe und Frieden ihrer inszenierten Landidylle, Tugend und Redlichkeit ihrer Bewohner und wünscht sich selbst, um den Preis von Thron und Gütern ein Teil dieser idyllisch-empfindsamen Fantasiewelt zu werden.

In ihrer Koloraturkadenz für einen Moment ganz bei sich, findet Königin Isabella später den Absprung aus dem künstlichen Paradies, bevor es ernst wird. Während die Schäferwelt zu ihrer Ordnung zurückfindet, hängen die Standespersonen isoliert in den hölzernen Streben hinter der Kulisse: die Königin, der Prinz und der im amourösen Intrigenspiel des Stücks gescheiterte Höfling Corrado.

Lüpertz und Baesler stellen mit der hintersinnigen Buffa die Frage nach einer in der Kunst sich materialisierenden fiktiven Realität. Die Freiheit, sich ihr zu entziehen, haben die Adligen, aber sie zahlen einen hohen Preis: Wer den Raum der Kunst verlässt, sitzt einsam zwischen den Streben, Balken und gespannten Leinwänden einer trostlosen Faktizität. So lässt sich Lüpertz’ „Una cosa rara“ auch als ein Plädoyer für das Lebenselixier Kunst lesen. Weh dem, der den Begriff des Lebens verliert, auch wenn er nur Fiktion sein mag. Und wehe, denen die Träume verloren gehen. Auch wenn das Paradies künstlich ist: Die Vertreibung ist schmerzvoll.

Mit einem vorzüglich disponierten Orchester lässt Christoph Spering die Musik Martín y Solers springlebendig werden: Da herrschen Schwung und kleinteilige Beweglichkeit, melodischer Esprit, aufgeregt-differenzierte Accompagnati, aber auch ein schlichtes, ruhiges Pathos. Keine Frage: Wer den subtilen Aufbau, die kontrapunktische Meisterschaft und die Variabilität eines Mozart-Finales erwartet, wird bei Martín y Soler nicht bedient. Aber Eleganz und Erfindungsgabe müssen sich nicht verstecken, und für die Stürme von Herzschmerz, Eifersucht und Aggression schärft er den expressiven Gestus. Spering und das Orchester beleuchten diese Facetten mit Elan; nur in den Tutti wird der Klang bisweilen dick.

Und auch das Sängerensemble muss sich nicht verstecken: Theodora Varga bringt für die emotionalen Facetten der Königin Isabella zwischen Selbstbewusstsein und Sehnsucht die vokalen Mittel einer gut positionierten Stimme mit. Angelo Pollak gibt dem Prinzen Giovanni glanzvolle, schmeichelnde, aber auch nachdenkliche Töne. Anna Pisareva kann als Lilla erst im zweiten Akt zeigen, dass ihr leuchtender Sopran auch zu zärtlichen Momenten und verhaltenen Farben fähig ist, während Sara-Maria Saalmann ungenierte weibliche Schläue in locker gebildete Töne kleidet. Die beiden Männer Lubino (Seymur Karimov) und Tita (Mario Klein) zeigen sich den Ausbrüchen von Wut und Rachedurst gewachsen. Jongmin Yoon ist der unglückliche Bürgermeister Lisargo, der am Ende ebenso leer ausgeht wie der Höfling Corrado, mit kalter Eleganz und Zielstrebigkeit verkörpert von Philipp Meraner.

Die Aufführung in Regensburg hat gezeigt, welches Potenzial in einem da Ponte-Libretto steckt, auch wenn es nicht von Mozart in Musik gefasst ist. „Una cosa rara“ – gemeint ist mit der „seltenen Sache“ übrigens die frauenverachtende Annahme, Schönheit und (moralische) Anständigkeit fänden sich nur selten zusammen – ist ein glänzender Nachweis dafür, wie leistungsfähig und innovativ Häuser dieses Formats sein können, wenn sie den Mut haben, die breite Straße des Repertoires hinter sich zu lassen. Und mit der Ausstattung eines Künstlers vom Rang Lüpertz’ ist dem Theater fernab der großen Metropolen überregionale Aufmerksamkeit sicher.

Die Galerie „Art Affair“, Neue-Waag-Gasse 2, 93047 Regensburg, zeigt bis zum 21. November Malerei auf Papier für das Bühnenbild, Figurinen und weitere ausgewählte Einzelstücke des Künstlers Markus Lüpertz zu „Una cosa rara“. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 11 bis 13 und 14 bis 19 Uhr; Samstag 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Vorstellungen von „Una cosa rara“ sind geplant am 18. und 24. November, 13. Dezember 2018; im Jahr 2019 am 13. Januar, 17. Februar (15 Uhr), 6. und 24. März, 15. Mai, 14. Juni und 1. Juli.

www.theater-regensburg.de



12.11.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schaf“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una
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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schäfer“ zu Vicente Martín y Solers Oper
 „Una cosa rara“
Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schäfer“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

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Markus Lüpertz hat die
 Ausstattung für „Una cosa rara“ am Theater Regensburg geschaffen
Markus Lüpertz hat die Ausstattung für „Una cosa rara“ am Theater Regensburg geschaffen

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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“
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 Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“
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 Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“
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 Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“
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Markus Lüpertz: Bühnenbilder in den Werkstätten
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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schäfer“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

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Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

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Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz hat die Ausstattung für „Una cosa rara“ am Theater Regensburg geschaffen

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Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Faun“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

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Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz im Malersaal des Theaters Regensburg, 2018

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Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbilder in den Werkstätten

Markus Lüpertz: Bühnenbilder in den Werkstätten

Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schaf“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbildelement „Schaf“ zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“

Markus Lüpertz: Bühnenbild und Kostüme zu Vicente Martín y Solers Oper „Una cosa rara“




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