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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Neben dem niederländischen Goldenen Zeitalter punktete die alte Kunst Italiens bei Koller in Zürich. Doch auch die Russen des 19. Jahrhunderts fanden ihre Liebhaber und waren für Preissprünge gut

Die Wiederentdeckten



Kopfstudie eines Mönchs nach oben blickend, Antwerpen, um 1610/15

Kopfstudie eines Mönchs nach oben blickend, Antwerpen, um 1610/15

Aus einer europäischen Privatsammlung ging bei Koller in Zürich die Kopfstudie eines Mönchs ein, deren prominente Autorschaft erst kürzlich erkannt wurde. Niemand geringeres als Peter Paul Rubens soll die Ölmalerei auf Holz als Vorarbeit gefertigt haben. In kaum veränderter Weise basiert auf dieser der Kopf des Dominikus im Altargemälde „Die Heiligen Dominikus und Franziskus von Assisi als Beschützer der Welt vor dem Zorn Christi“, das um 1618 entstand und sich heute im Musée des Beaux-Arts in Lyon befindet, sowie der des heiligen Augustinus auf Rubens’ gleichnamigem Altargemälde aus der Zeit um 1615 in Madrid. Das Haupt mit Tonsur und Bart ist auf Untersicht angelegt und blickt nach oben. Die Schattenwürfe der Gesichtspartien lassen schon auf die angestrebte Lichtführung schließen. Zur Absicherung der Echtheit und Datierung auf die Zeit um 1610 bis 1615 bemühte Koller eine dendrochronologische Analyse der Holztafel, hielt sich bei den Preisvorstellung aber bedeckt: Eine Auskunft erfolgte nur auf Anfrage, womit zusätzlich die Besonderheit des Loses betont wurde. Die akribische Vorarbeit zahlte sich aus, denn erst bei 280.000 Franken fiel der Hammer im Rahmen der bis 300.000 Franken gesteckten Erwartung.


Am 28. September versteigerte das Züricher Traditionshaus Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts sowie Grafik und Zeichnungen. Zwar konnte Koller inklusive des Nachverkaufs 70 Prozent seiner Lose absetzen und damit 3,88 Millionen Franken erwirtschaften, doch gerade bei den hoch bewerteten Gemälden klafften dann einige Lücken. Diesmal waren mehr die Arbeiten auf Papier gefragt, die mit 68 Prozent für die Zeichnungen und 92 Prozent für die Druckgrafik das meiste Interesse auf sich vereinigen konnten. Bei den Gemälden Alter Meister standen nur 58 Prozent losbezogene Zuschlagsquote und einige hohe Ausfälle in der Bilanz. So wollte niemand den Johan Moreelse zugeschriebenen „Alchimisten“ mitnehmen, der prominent den Katalogtitel zierte, ebenso nicht Willem Bensons statuarische „Maria mit dem Kind“ aus der Zeit nach 1555. Beide waren mit 200.000 bis 300.000 Franken veranschlagt. Diese hätten mit Hans Vredeman de Vries’ „Gotischem Kircheninterieur“ von 1594 für 80.000 bis 120.000 Franken oder einer Florentiner „Kreuzigung Christi“ des 14. Jahrhunderts für 150.000 bis 250.000 Franken den Bruttoumsatz von knapp 2,3 Millionen Franken bei den Alten Meistern noch etwas aufhübschen können.

Entsprechend der Schätzungen fielen die Rückgänge bei den Neueren Meistern nicht so hoch aus. Hier lagen die losbezogene Verkaufsrate bei 65 Prozent und der Bruttoumsatz bei 1,13 Millionen Franken. Erfolgreich war Koller mit seinen genauen Recherchen und den daraus resultierenden Wiederentdeckungen. Neben der Analyse der Rubens-Studie erkannten die Experten eine „Heimsuchung Mariens“ als Werk des Antwerpener Malers Simon de Vos aus der Zeit um 1639. Diese kleine Holztafel diente wohl als Vorlage für ein gleichartiges Altargemälde in der Sankt Jakobskirche seiner Heimatstadt, das vorher Victor Wolfvoet II. zugeschrieben war. Die Bieter honorierten die kunsthistorisch wertvollen Erkenntnisse mit 10.000 Franken über der oberen Schätzung von 15.000 Franken.

Niederländische Naturfreuden

Rege Nachfrage zogen einige Stillleben aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande auf sich. Trotz der nicht zweifelsfrei geklärten Zuweisung eines „Rosenstraußes in einer Vase“ aus den Jahren um 1620/30 und lediglich der stilistischen Ähnlichkeit zu Alexander Adriaenssen zeigten sich die Sammler vom strahlenden Kolorit, der raffinierten Lichtführung, dem detailverliebten Vorzeigen des Materials der gläsernen Vase und der hohen Präsenz der Blüten beeindruckt und boten schließlich 60.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Das Christiaen Striep zugeschriebe „Stillleben mit Zitrusfrüchten und Weingläsern auf einem Tisch“, das durch seine atmosphärische Dichte glänzt, erreichte mit 34.000 Franken zwar nicht eine derart hohe Summe, dafür aber das Vielfache seiner Schätzung von 5.000 bis 8.000 Franken. Cornelis de Heem kam bei seinem „Stillleben mit Römer, Trauben, Kirschen, Orangen und Austern auf einer Tischplatte vor einer Nische“ der 1660er Jahre mit 45.000 Franken nah an die obere Grenze seiner Erwartung von 50.000 Franken heran, Gaspar Peeter Verbruggen d.Ä. übertraf mit seinem 1675 fein gemalten Blumenarrangement die seinige bei 13.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Bei den Stillleben blieb Gottfried von Wedigs wunderbar zurückhaltende Zusammenstellung von Hummer, Weinkrug, Brot und Glas in einer Nische bei 30.000 bis 40.000 Franken liegen.

Ein Hauptstück der Auktion war die „Nächtliche Landschaft mit der Versuchung des heiligen Antonius“ um 1550, bei der den Heiligen allerlei skurrile Dämonen umgeben. Sie verraten ein Werk in der Nachfolge Hieronymus Boschs. Eine brennende Kirche bildet das Zentrum der Komposition und ist die Hauptlichtquelle der dramatisch infernalen Szene, für die letztlich nur 170.000 Franken bewilligt wurden (Taxe 180.000 bis 250.000 SFR). Düster neblig ist die Atmosphäre in der „Winterlandschaft mit Figuren“ der 1610er Jahre, die gleichzeitig die 120.000 Franken teure Zusammenarbeit zweier Künstler dokumentiert: Während sich Josse de Momper d.J. der Natur widmete, fügte Jan Brueghel d.Ä. die Reisenden hinzu (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Eine ähnlich fruchtbare Kooperation gingen sein Sohn Jan Breughel d.J. und Hendrik van Balen d.Ä. bei ihrem „Puttenreigen“ um 1630 ein. Ersterer setzte für heute 32.000 Franken seine vom Vater inspirierte Hingabe ans Detail für die Vegetation ein, während sich van Balen auf die verspielten Putti konzentrierte (Taxe 28.000 bis 35.000 SFR).

In der anonymen flämischen „Bewaldeten Gebirgslandschaft mit rauschendem Bach“ treten die Menschen zugunsten der rohen Naturgewalt zurück. Klein erscheinen sie und ihre Häuser neben dem rauschenden Gewässer in stimmungsvollem Lichtschein, an dem sich die Käufer bis zu unerwarteten 34.000 Franken abmühten (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Gerade bei den günstig taxierten Gemälden langte das Publikum kräftig zu und hob etwa Ludolf Backhuysens Fischerboote an der Nordseeküste bei Flut und unruhiger See um 1655 auf 24.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR) oder Claes Molenaers Dorflandschaft zur Winterszeit mit vornehmen Paar und sich vergnügenden Menschen auf dem Eis auf 26.000 Franken (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Pieter Hermansz Verelsts Porträt eines jungen charmanten Mannes mit Federbarett hielt sich an die untere Bewertung von 45.000 Franken.

1654 malte Jan van Goyen die „Fischerboote mit einer Salut feuernder Fregatte“ in romantisch rötlicher Dämmerung für 75.000 Franken, die trotz des angestrengten Treibens eine friedliche Ruhe ausstrahlt (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Seine höher angesetzten, eng gruppierten „Fischer am Strand von Egmond“ aus dem Jahr 1641 konnten da bei 55.000 Franken nicht ganz mithalten, blieben aber taxkonform. Im Gegensatz zu der hier vorgeführten schweren Arbeit mutet der „Zechende Musikant“ aus der Werkstatt Gerrit van Honthorsts weitaus entspannter an. Fröhlich blickt er mit seinen geröteten Wangen auf sein erhobenes Weinglas und deutet noch mit der anderen Hand darauf, in der er eine Violine hält. Das Ölgemälde lässt vor allem in seiner theatralen Lichtführung die Einflüsse Caravaggios auf die Utrechter Maler erkennen, was nicht zuletzt den Preis auf 56.000 Franken trieb (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR).

Die Bibel in Bildern

Um 1375 schuf der Florentiner Meister der Madonna Lazzaroni in Tempera auf Goldgrund für jetzt 80.000 Franken seine „Madonna dell’Umiltà“, die ihrem Sohn tief in die Augen blickt. Rechts und links schweben neben ihrem wertvollen blauen Mantel zwei Engel in der Anbetung (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Ebenfalls in Florenz entstand um 1440 die „Madonna im Rosenhag“, die auf einem Kissen sitzt und das Jesuskind auf ihrem Schoß trägt. Vier Engel umgeben sie und halten einen Baldachin, während im Hintergrund der 48.000 Franken teuren Tafel, die auf einen Maler der Fresken des Chiostro degli Aranci der Badia Fiorentina zurückgehen könnte, der Blick auf eine ornamenthafte Vegetation frei ist (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Battista di Biagio Sanguignis „Thronende Maria Lactans“ um 1420 ist dagegen noch in einer spätgotischen Formensprache verhaftet. In einem vom Bildraum unabhängigen Dreipass im oberen Bereich des spitz zulaufenden Altarflügels, der ebenfalls 48.000 Franken erzielte, steht Christus mit einem Segensgestus (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR).

Im Kontext der christlichen Ikonografie überraschte die Antiveduto Grammatica zugeschriebene „Heilige Cecilia mit Laute“ als Allegorie des Hörsinns. Denn die junge Dame, die Laute spielt und von Singvögeln und Heuschrecken umgeben ist, weist keine religiösen Attribute auf. Dennoch fand das Bietgefecht erst bei 43.000 Franken ein Ende (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR). Die Technik der Kupfermalerei machte sich Frans Francken II. für die gekonnt dynamisch komponierten „Israeliten nach dem Durchzug durchs Rote Meer“ für 30.000 Franken zunutze (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR), ebenso Denis van Alsloot bei seiner „Winterlandschaft mit der Flucht nach Ägypten“, die sich mit 48.000 Franken im oberen Bereich der bis zu 50.000 Franken bezifferten Schätzung platzierte.

Der russische Winter

In der Malerei des 19. Jahrhunderts punkteten bei Koller viele russische Künstler, darunter Konstantin Alexeievitch Korovin gleich mehrfach. Seine undatierte Gouache „Winterlandschaft mit einem Boot“ in kühlem Blau und mit intensiv breiter Pinselführung kletterte von 6.000 Franken auf 22.000 Franken. Seine ebenfalls impressionistischen „Häuser in einer russischen Flusslandschaft“ in weniger abstrahierendem Stil stiegen immerhin auf 18.000 Franken (Taxe 7.000 bis 10.000 SFR) und seine späte sonnige „Ansicht von Yvoire“ am Genfer See des Jahres 1928 auf 17.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Kühl ging es beim gebürtigen Sankt Petersburger Ivan Fedorovic Choultsé zu, dessen „Gletscher von Spitzbergen“ aus dem Jahr 1911 bis heute die Faszination der dort unangetasteten Natur verbreiten. Das Dokument der damals noch beschwerlichen Reise in solche Gebiete honorierten die Bieter mit 100.000 Franken (Taxe 90.000 bis 120.000 SFR). Kälte knapp vor dem Gefrierpunkt fing 1894 Julius Sergius Klever ein. Auf der von spiegelnden Wasserfurchen durchzogenen Straße, die urig knorrige Bäume und ein Gehöft säumen, wandert ein einsamer Mann durch das mit 30.000 Franken taxkonform übernommene Querformat.

Deutlich wärmer ist es bei Félix Ziem, der einen großen Teil seines Schaffens der Stadt Venedig widmete. Sein Festtreiben „Maria Himmelfahrt im Hafenbecken von Venedig“ für 72.000 Franken flimmert vor Farben, die sich von den Segeln der Schiffe, gemischt mit dem hellen Blau des Himmels, im Wasser spiegeln (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Diesen Effekt schrieb ebenso Alexandre Isailoff der Lagunenstadt zu, der ihre markanten Gebäude impressionistisch vor dem tiefblauen Meer niederlegte und damit unerwartete 15.000 Franken einfuhr (Taxe 2.500 bis 3.500 SFR). Schon früher zog es seinen russischen Kollegen Alexej Petrowitsch Bogoljubow nach Frankreich. Unter Barbizon-Einfluss malte er hier in den frühen 1880er Jahren seine „Brücke bei Auvers-sur-Oise“, für die es 18.000 Franken an der unteren Schätzgrenze gab.

Die gleißende Mittagssonne evoziert in Albert Joseph Frankes „Orientalischer Marktszene vor dem Stadttor“ die kurzen, aber starken Schattenwürfe. Hinter einigen Händlern mit Kamelen erhebt sich die typische ornamentale Wüstenarchitektur mit Resten von Bemalung am prächtig gestalteten Stadttor. Die Ölmalerei ließ ihre geschätzten 6.000 bis 8.000 Franken mit einem Zuschlag bei 15.000 Franken schnell hinter sich. Auch sein „Orientalisches Interieur mit rauchenden Männern“ blieb bei 11.000 Franken nicht unentdeckt. Weniger exotisch, aber ebenfalls in Sonnenlicht getaucht ist die „Donaulandschaft“ von Matthias Rudolf Toma, die für 17.000 Franken in der goldenen Dämmerung erstrahlt (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). In die wolkenverhangenen Berge ging es dann mit Johann Georg Meyer von Bremen und seiner jungen sitzenden Hirtin, die gedankenversunken ihren Ziegen nachschaut. Das ländlich romantische Genrestück von 1865 kletterte von 10.000 Franken auf 22.000 Franken.

Unter bewölktem Himmel liegt ebenfalls Eugène Boudins „Ansicht der Maas bei Dordrecht“ von 1884 mit den typischen Windmühlen am Ufer. Der Sohn einer Seemannsfamilie brachte mit dieser Flusslandschaft 98.000 Franken ein (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR). 26.000 Franken waren für Carl Spitzwegs idyllische Flusslandschaft mit junger Bäuerin um 1870 nötig, die einsam im Zentrum steht (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Spitzwegs höher angesetzte und feiner ausgearbeitete Szenerie „Vor der Stadt“ mit Schlagbaum, Wachsoldat und den bäuerlichen Staffagefiguren der Jahre 1875/80 blieb mit 56.000 Franken knapp unter den Hoffnungen von mindestens 60.000 Franken. Mehr Aufmerksamkeit konnte dann wieder Johann Michael Wittmers spätnazarenische „Predigt Johannes des Täufers“ von 1858 mit gestenreichem Personal bei 16.000 Franken auf sich lenken (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Besonderes Gefallen fanden Gustave Courbet und sein „Stillleben mit Äpfeln in einem Teller und Wein auf einem Tisch“, das er um 1846/47 in Öl auf Holz malte. 25.000 bis 35.000 Franken waren da weitaus zu wenig, der Zuschlag für den prominenten Franzosen erfolgte nach einem Wettstreit der Bieter erst bei 115.000 Franken.

Grafik, die große Versuchung

Wie der Nachfolger des Hieronymus Bosch beschäftigte sich schon um 1469/73 Martin Schongauer mit dem Thema des heiligen Antonius’, der von Dämonen gepeinigt wird. Bei ihm steht der Heilige in der Mitte der Komposition und wird Höllenwesen angegriffen, die im Kreis um ihn angeordnet sind. Der seltene Kupferstich erreichte marktgerechte 48.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Dicht gefolgt war er mit 45.000 Franken von Albrecht Dürers dynamischen und virtuos ausgeführten „Apokalyptischen Reitern“ um 1497/98, für die nur 7.000 bis 9.000 Franken angesetzt waren. Sein Kupferstich „Das Schweißtuch, von zwei Engeln gehalten“ aus dem Jahr 1513 stieg auf 11.000 Franken (Taxe 6.000 bis 9.000 SFR) und sein drei Jahre älterer „Christus in der Vorhölle“ aus der sogenannten „Großen Holzschnittpassion“ auf 10.500 Franken (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). In etwa zur selben Zeit konnte sich Lucas Cranach d.Ä. mit Dürers Detailfülle und Präzision im Medium des Holzschnittes messen. Sein „Urteil des Paris“ von 1508 wurde mit 6.500 Franken gewürdigt (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR). Und auch Albrecht Glockendon d.Ä., Dürers Vorgänger in Nürnberg, überzeugte die Kundschaft mit seinem Kupferstich „Die Geißelung Christi“ bei 2.200 Franken (Taxe 500 bis 700 SFR).

In diese bekannten Namen reihte sich Rembrandt ein. Seine Radierung „Der Knabe Jesus unter den Schriftgelehrten sitzend“ von 1654 weist seinen typisch ungeschönten, aber gekonnten Zeichenstil auf und kam damit auf 3.800 Franken (Taxe 1.200 bis 1.800 SFR). Rembrandts sechs Jahre ältere „Bettler an der Haustür“ belegen für 2.800 Franken zudem sein Interesse an einfachen Menschen (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR). Giovanni Battista Piranesi richtete sein Augenmerk dagegen auf die Architektur und ist bis heute für seine genauen römischen Veduten beliebt, wie die Radierungen „Veduta del Pantheon d’Agrippa“ von 1761 für 3.800 Franken (Taxe 900 bis 1.200 SFR) und die „Veduta dell’Isola Tiberina“ von 1775 für 3.300 Franken belegen (Taxe 1.200 bis 1.500 SFR). An der hohen Abnahmequote in der Grafikabteilung waren auch die Helvetika beteiligt. Hier stach etwa die Passhöhe „Vue du Col de Balme“ von Jean-Antoine Linck heraus. Das klassizistische Aquarell verbesserte sich von 900 Franken auf 5.300 Franken. Etwas günstiger war seine aquarellierte Umrissradierung „Vue de la Mer de glace, des Aiguilles des Charmos“ für 3.800 Franken (Taxe je 900 bis 1.200 SFR). Vervierfachen konnte Jacques-Henri Juillerat die obere Schätzung von 800 Franken für zwei kolorierte Radierungen mit Schweizer Gletscheransichten. Ein Liebhaber spendierte für Emil Orliks 1923 radiertes Porträt von Albert Einstein 5.500 Franken (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR).

Sprunghafte Zeichnungen

Unter den Zeichnungen bestach vor allem eine in Tusche ausgeführte, weite hügelige Landschaft aus Umkreis Claude Lorrains, um die bis zu 15.500 Franken gefochten wurde (Taxe 900 bis 1.200 SFR). Aus Italien des 17. Jahrhunderts stammt zudem der anonyme kraftvolle „Auferstandene Christus“ mit fliegendem Gewand auf Wolken für 4.000 Franken (Taxe 500 bis 700 SFR). Noch in der Renaissance entstand dort die Studie zu einem Fries mit fünf Personen, die sich allesamt nach rechts wenden, in brauner Feder für nun 5.000 Franken (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR). Giuseppe Antonio Petrini zeichnete im frühen 18. Jahrhundert mit Rötel die liebliche „Vision des heiligen Johannesknaben“ für 2.800 Franken und eine kniende Jungfrau Maria für 2.500 Franken (Taxe je 1.800 bis 2.500 SFR). In den Niederlanden warf Jacob Adriaensz Backer das „Brustbildnis eines jungen Mann mit Federhut, an eine Brüstung lehnend“ auf das blaue Büttenpapier. Der selbstbewusste Jüngling in seitlicher Ansicht spielte 9.500 Franken ein (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). „Die Zähmung des Bucephalus durch Alexander den Großen“, die Karel van Mander II. zugeschrieben wird, strahlte dagegen weniger Eleganz als kriegerische Stärke aus, die einem Kunden die obere Schätzgrenze von 3.000 Franken wert war.

Die zerstörerische Kraft des Wassers manifestiert sich in Caspar Wolfs weiß gehöhter Feder- und Pinselzeichnung „Das Wehr bei Mühletal östlich von Innentkirchen“ für unerwartete 14.000 Franken, die Jean-François Janinet als Vorlage für seine 1776 gestochene Aquatinta diente (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR). Kurze Zeit später zeichnete und aquarellierte Hubert Robert seine ruhige Szene vor einer antiken Tempelfassade mit einigen Personen zwischen Statuen, Spolien und Säulenresten für taxgerechte 9.000 Franken, in der sich die Antikenbegeisterung seiner Zeit manifestiert. Auf 7.000 Franken schoss Carl Blechens einsames Fischerboot an der Ostseeküste bei Swinemünde um 1834. Minimalismus und die Reduzierung auf das Nötigste machen das Blatt aus (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR). Im Gegensatz dazu steht Sebastian Wegmayrs bunte detailverliebte Gouache „Blumenstillleben mit Weintrauben und Schmetterling“ mit aus der Vase überquellenden Blüten für 3.600 Franken (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Bei Félix Vallottons Rötelblatt „Nu assis de dos sur un tabouret“ waren dann noch 2.400 Franken zur Übernahme nötig (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR), bei Ferdinand Hodlers frontalem Bildnis des Generals Ulrich Wille, um 1915 mit wenigen Strichen fast karikaturhaft gezeichnet, 1.900 Franken (Taxe 800 bis 1.200 SFR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

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01.11.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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