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Thomas P. Campbell geht nach San Francisco

Direktorenrochade in den USA: Zum 1. November übernimmt Thomas P. Campbell die Leitung der Fine Arts Museums in San Francisco (FAMSF). Dies bestätigte gestern der Aufsichtsrat der Institution und beruft damit den 1962 in Singapur geborenen Anglisten und Kunsthistoriker. Der Wechsel besitzt eine gewisse Ironie, da Campbell bis 2017 Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York war, aber wegen Budgetüberschreitungen und wachsenden Drucks von Kuratorium und Belegschaft das Amt niederlegte. Sein Nachfolger an der New Yorker Institution ist seit April dieses Jahres Max Hollein, der zuvor Direktor der Fine Arts Museums in San Francisco war.

Thomas P. Campbell äußerte sich zu seiner neuen Rolle: „Ich fühle mich sehr geehrt, die Verantwortung für die Leitung der Fine Arts Museums San Francisco zu übernehmen. Es ist ein großes Privileg Teil einer Institution zu werden, die für ihr herausragendes kuratorisches Wissen und ihr loyales Publikum sowie ihre Förderer berühmt ist. Ich bin insbesondere darüber erfreut, die Arbeit meines Freundes und Vorgängers Max Hollein fort zu führen.“ Carl Pascarella, Mitglied des Auswahlkomitees, führte aus, dass die Wahl für Campbell einstimmig ausfiel. Belva Davis, ebenfalls im Auswahlkomitee, lobte Campbell als einen Kandidaten, der die Museen durch eine Zeit schneller technologischer Änderungen führen und ein nicht kunstaffines Publikum ansprechen könne.

Thomas P. Campbell wuchs im englischen Cambridge auf und studierte zunächst Anglistik an der Universität Oxford. Danach wechselte er zur Kunstgeschichte am Londoner Courtauld Institute of Art. Nach dem Master im Jahr 1987 wurde er 1999 am Courtauld Institute mit einer Dissertation zur Kunst und Kultur am Hofe König Heinrichs VIII. promoviert. Campbell widmete sich besonders der Rolle der Tapisserie in der europäischen Kunst. Hieraus erwuchs zwischen 1987 und 1994 das Franses Tapestry Archive in London. 1995 begann Campbells Karriere am Metropolitan Museum in New York. Seine Forschungen zur europäischen Teppichkunst mündeten 2002 in die erfolgreiche Ausstellung „Tapestry in the Renaissance: Art and Magnificence“, deren Katalog mit dem Alfred H. Barr Jr. Award ausgezeichnet wurde.

2009 wurde Thomas P. Campbell dann zum Direktor des Metropolitan Museums ernannt. Er modernisierte das Haus und verantwortete mehrere große Projekte, darunter einen Austausch von Konservatoren in Indien und Nahost ebenso wie ein zweijährliches Kolloquium globaler Museumsleiter. Die Publikumsquote stieg um 50 Prozent bis zu einem Rekord von sieben Millionen Besuchern pro Jahr an. Seit seiner Amtsniederlegung im Juni 2017 war Campbell er bis Oktober dieses Jahres ein Getty/Rothschild Fellow am Getty Research Institute in Los Angeles und im Schloss Waddesdon Manor im englischen Buckinghamshire. Thomas P. Campbell erforschte dabei die Auswirkungen globaler Veränderungen auf Museen und das kulturelle Leben.

Teil des FAMSF sind das de Young Museum in Golden Gate Park sowie die Legion of Honor in Lincoln Park. Beide Häuser haben einen Personalstamm von mehr als 500 Beschäftigten. Die Sammlungen des de Young Museum umfassen neben amerikanischer Kunst vom 17. bis 21. Jahrhundert auch afrikanische Werke, Arbeiten aus Ozeanien sowie Lateinamerika, Kostüme und Textilkunst. Das Legion of Honor Gebäude beheimatet Exponate europäischen Kulturgeschichte der letzten 4.000 Jahre.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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