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Das Leopold Museum in Wien und die Moritzburg in Halle an der Saale feiern mit ihren Ausstellungen Gustav Klimt. Der große Maler der Wiener Moderne starb von 100 Jahren

Unter den Vorzeichen des Wandels



Gustav Klimt, Bildnis Marie Henneberg, 1901/02

Gustav Klimt, Bildnis Marie Henneberg, 1901/02

Zurückgelehnt und auf Distanz bedacht, blickt die vornehme Dame über den Betrachter hinweg. Ihre rechte Hand und das darauf gestützte Gesicht sind minutiös, fast schon fotorealistisch ausgearbeitet. Die leicht geröteten Wangen sind ein Markenzeichen des Malers Gustav Klimt. Daneben bieten nur noch die Spitzenvolants des kaskadenartig dem Betrachter entgegenstürzenden Kleides etwas fassbar Gegenständliches. Denn der Hintergrund ist pointillistisch aufgelöst. Er scheint die der Realität enthobene Figur schweben zu lassen. Selbst das unscharf konturierte Sitzmöbel verschwimmt in fließenden Übergängen. Die Frau mutiert zum Ornament, das Bildnis zu einem Malmosaik.


Gustav Klimt porträtierte um 1901/02 Marie Henneberg, Ehefrau des kunstaffinen Unternehmers Hugo Henneberg. In der Eingangshalle ihrer Villa in der Wiener Künstlersiedlung Hohe Warte war das Gemälde zentral platziert. Nach dem Tod ihres Gatten 1918 musste die Dargestellte das Portrait veräußern. So gelangte es in den Besitz des Leipziger Musikers und Verlegers Max Kuhn, dessen Schwägerin es 1966 der damaligen Staatlichen Galerie Moritzburg in Halle an der Saale als Leihgabe überließ, die es dann 1979 erwarb. Das heutige Kunstmuseum Moritzburg kann sich rühmen, zu den lediglich drei bundesdeutschen Museen zu gehören, die Gemälde von Gustav Klimt besitzen. Anlässlich seines Todes vor 100 Jahren ist das Portrait von Marie Henneberg nun Ausgangspunkt der einzigen monografischen Klimt-Schau außerhalb Österreichs.

Ein Klimt für Halle

Aus Japan entliehen ergänzen das von einer frühlingshaften Farbfrische gekennzeichnete Gemälde der Eugenia Primavesi aus den Jahren 1913/14 sowie das 1917 entstandene, aber unvollendete Bildnis der Amalie Zuckerkandl die Auswahl. Es verdeutlicht in seltener Weise, wie der Künstler versucht, Gewichtungen zu setzen und das Kolorit auszutarieren. Im dritten Kapitel vereinen sich einige Landschaftsgemälde, darunter der von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ausgeliehene „Buchenwald“ aus den Jahren um 1902. Den Abschluss bilden symbolistische Arbeiten, in deren Mittelpunkt das 1903 geschaffene Gemälde „Irrlichter“ steht, umgeben von Kompositionsentwürfen sowie einigen Aktstudien.

Da aus konservatorischen wie rechtlichen Gründen Klimts Werke heute kaum noch verliehen werden, ist die Schau in Halle mit ihren zehn Gemälde und 63 Zeichnungen schon ein außergewöhnliches Ereignis. Eine geradezu ideale Vollendung erfährt sie im Leopold Museum. Das Wiener Haus beleuchtet den Jahrhundertkünstler in einer stark biografisch gefärbten Auswahl mit rund 35 zentralen Gemälden, 90 Zeichnungen, 30 Fotografien und 150 Archivalien aus allen Schaffensphasen. So bietet sich nun die wohl auf lange Sicht einzigartige Chance, den „gesamten Klimt“ durch den Besuch beider Ausstellungen zu erfassen.

1862 als Sohn eines Ziseleurs in Baumgarten bei Wien geboren, war Gustav Klimt schon früh in die Ausführung väterlicher Arbeiten eingebunden. Nach dem 1883 erfolgten Abschluss der Kunstgewerbeschule blieb er zunächst Teil des traditionellen Kunstbetriebs und bildete mit seinen Brüdern Ernst und Georg sowie Franz von Matsch eine Arbeitsgemeinschaft, die unter dem Namen „Künstlercompagnie“ bekannt wurde. Die rege Bautätigkeit in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts führte zu zahlreichen Aufträgen, allen voran für die Deckengemälde des neuen Wiener Burgtheaters oder für die Hermesvilla von Kaiserin Elisabeth.

Doch veränderte Sichtweisen auf die immer deutlicher werdenden sozialen, ethischen und politischen Probleme beförderten ein inhaltliches und formales Abrücken von Ideen und Normen des Historismus. Gegen den Konservatismus formierte sich in den 1890er Jahren eine junge aufstrebende Künstlerschaft, wobei Klimt zum streitbaren Kämpfer und Wortführer avancierte. 1897 wurde unter seiner Präsidentschaft die Secession etabliert. Angelehnt an Otto Wagners Stadtbahnstationen schuf er eine selten präsentierte Entwurfsskizze für ein neues Secessionsgebäude, das 1898 dann aber von Joseph Maria Olbrich ausgeführt wurde.

Wien im Kulturkampf

Zeitgleich baute sich Klimt mit der Porträtmalerei ein alternatives Standbein auf und ließ sich vom belgischen Symbolismus inspirieren. Rasch stieg er zum begehrten Porträtisten der Damen des Wiener Großbürgertums auf. Frühe Bildnisse und Aktdarstellungen leiten in die acht Abschnitte der Wiener Schau ein und offenbaren eine noch zarte, lyrisch auflodernde, impressionistisch anmutende Malweise. Doch ausgerechnet Klimt als Leitfigur der Secession erhielt 1894 den Auftrag für drei Gemälde in der neuen Universitätsaula. Er nutzte ihn zum Angriff auf die staatlicherseits praktizierte konservative Haltung in Kunstangelegenheiten. Die drei vorgegebene Themen Philosophie, Medizin und Jurisprudenz illustrierte er in vernebelnder Undeutlichkeit unter Verzicht auf die Verherrlichung der Wissenschaften. Wie in den Kosmos traumhaft entrückt, formte Klimt schablonenhafte nackte Körper und stellte eine irrationale triebgesteuerte Naturhaftigkeit in den Mittelpunkt. Dies löste einen über Jahre öffentlich diskutierten Kulturkampf aus, bis er 1905 den Auftrag und sein Honorar zurückgab und die vollendeten Werke privat veräußerte. Da sie 1945 auf Schloss Immendorf in Niederösterreich verbrannten, kann das Leopold Museum lediglich mit drei Reproduktionen aufwarten.

Klimt entsprach so gar nicht den Moralvorstellungen des Großbürgertums. Er blieb ledig und zeugte sieben Kinder mit diversen Frauen. Nach 1900 verbrachte er die Sommerfrischen am Attersee. Frei und ohne Auftraggeber widmete sich Klimt hier der Landschaftsmalerei. In über 50 quadratischen Bildern, die rund ein Viertel seines Gemäldeœuvres einnehmen, fokussierte er Teilstücke der Natur mit Hilfe eines Fern- oder Opernglases. Die ausschnitthaften Motive wie Blumenwiesen, Obstbäume, Baumgruppen oder Uferzonen sind menschenleer und ohne Tiere, vollkommen zeitlos und symbolhaft im Ausdruck. In stakkatohaften Pinselstrichen aufgetragene Farben bewirken das Verschmelzen von Fläche und Ornament in flirrendem Blaugrün des Wassers, von Blättern und Baumstämmen.

Der private Klimt

In weiteren Abschnitten führen die Wiener Kuratoren Sandra Tretter und Hans-Peter Wipplinger ins private Leben. Klimts eigene Sammlung bestand aus außereuropäischer Kunst, die ihm als Inspirationsquelle diente. Ethnologische Objekte, japanische Farbholzschnitte, chinesische Malereien oder Textilien verwahrte er im schwarzen Josef Hoffmann-Schrank der Wiener Werkstätte auf, der im Empfangsraum seines Ateliers im Hinterhof eines Mietshauses stand. Privat wohnte er jedoch zeitlebens mit seinen beiden Schwestern und der Mutter in einer herkömmlichen Wohnung. Emilie Flöge, eine der stilbildenden Modeschöpferinnen Wiens und Muse des Malers, ging inspiriert von den neuen Tendenzen ihren eigenen künstlerischen Weg, unabhängig, selbstbewusst und kreativ, wie ein separates Kabinett vor Augen führt.

Daneben treten in einem schwarz abgedunkelten Raum erstmals zwei allegorische Monumentalwerke in einen Dialog. „Tod und Leben“ zeigt den Tod, der seine kleine rote Keule zum Schlag ansetzt. Gegenüber hat Klimt in einem Oval eine Menschengruppe verdichtet, die mit einem Liebenspaar, Mutter samt Kind und einer älteren Frau den dreiteiligen Lebenszyklus verkörpert. Klimts letztes Werk „Die Braut“ ist eine fragmentarisch ausgeführte, flächenfüllende Komposition. In den ebenfalls miteinander verwobenen Menschkörpern mischen sich fernöstliche, expressive und ornamentale Züge.

Zu den rund 4.000 Papierarbeiten, die Klimt hinterlassen hat, zählen viele erotische Frauendarstellungen, die zu Lebzeiten weder ausgestellt noch verkauft werden sollten, sondern lediglich als Studien zu Gemälden dienten. Sie sind schemenhaft, schüchtern oder unschuldig, aber auch delikat, revolutionär und freizügig. Der Blick verliert sich in reduzierten Lineamenten oder in üppigen, mit Kräuseln ausgeformten Körpern ohne Umriss- und Binnenzeichnungen, in zarten vergeistigten wie auch spannungsvoll-expressiven Rhythmen. Besonders einprägsam ist, mit welcher Achtsamkeit und Behutsamkeit sich Klimt in bis ins Nichts aufgelösten Linien den Modellen annäherte.

Ergänzt werden beide Ausstellungen von kleineren korrespondierenden Begleitschauen. In Halle lenkt sie den Blick auf den Mäzen, Physiker und Unternehmer Hugo Henneberg (1863-1918), der sich als Schöpfer von Gummidrucken einen Ruf als Piktoralist und Pionier moderner Fotografie zulegte. Neben eigenen künstlerischen Arbeiten als Maler, Radierer und Schöpfer von Farbholzschnitten sind auch einige Ausstattungsgegenstände aus seiner von Josef Hoffmann geplanten Wiener Villa zu sehen, etwa ein Salonschrank von Koloman Moser oder Vasen von Max Laeuger. In Wien ist der Klimt-Schau die erste umfassende Personale von Moritz Nähr (1859-1918) zur Seite gestellt, einem modernen Prominentenfotografen. Mit seinen bis zur Neuen Sachlichkeit vorstoßenden Landschaftsaufnahmen, Straßenbildern und Porträts, darunter etlichen von Gustav Klimt, gilt er als der Erneuerer der Fotografie um 1900, dessen Werke heute hochpreisig gehandelt werden.

Die Ausstellung „Gustav Klimt. Jahrhundertkünstler“ ist noch bis zum 4. November zu besichtigen. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 9,50 Euro, 9 Euro und 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 27,90 Euro kostet.

Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 525 70 0
Telefax: +43 (0)1 – 525 70 1500

Die Ausstellung „Klimt“ läuft bis zum 6. Januar 2019. Das Kunstmuseum Moritzburg ist täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 24,90 Euro.

Kontakt:

Stiftung Moritzburg - Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

Friedemann-Bach-Platz 5

DE-06108 Halle an der Saale

Telefon:+49 (0345) 21 25 90

Telefax:+49 (0345) 202 99 90



30.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Moritz Nähr, Gustav Klimt mit Katze, 1911
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Variabilder:

in der Ausstellung „Klimt“
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Gustav
 Klimt, Am Attersee, 1900
Gustav Klimt, Am Attersee, 1900

Variabilder:

in der Ausstellung „Gustav Klimt. Jahrhundertkünstler“
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Moritz Nähr, Gustav Klimt mit Katze, 1911

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in der Ausstellung „Klimt“

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Gustav Klimt, Am Attersee, 1900

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in der Ausstellung „Gustav Klimt. Jahrhundertkünstler“

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Gustav Klimt, Weiblicher Halbakt nach rechts in kniend-kauernder Stellung. Studie zu „Leda“, 1913/14

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Blick in die Halle der Villa Henneberg mit Gustav Klimts Bildnis Marie Henneberg, 1903

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Madame d’Ora-Benda, Gustav Klimt, 1908

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