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Kollwitz-Preis geht an Hito Steyerl

Die Akademie der Künste in Berlin zeichnet Hito Steyerl mit dem Käthe-Kollwitz-Preis 2019 aus. „Wo ist die neue Form für den neuen Inhalt der letzten Jahre?“ befragt Käthe Kollwitz am 6. November 1919 ihr Tagebuch. „Hito Steyerl“, so die Jury, „gelingt es 100 Jahre später wie kaum einer anderen bildenden Künstlerin auf provokante und scharfsinnige Weise physische, visuelle und intellektuelle Informationen in einem Werk zu bündeln.“ Die Juroren und Akademie-Mitglieder Douglas Gordon, Katharina Grosse und Ulrike Lorenz heben bei ihrer Wahl hervor, „dass Hito Steyerl mit ihren Bildmontagen aus Computeranimationen, aus Massenmedien und aus selbstgedrehten Szenen auf den Einfluss digitaler Informationen und digitalen Lebens reagiert und mit ihrer Arbeit auf gegenwärtige politische, gesellschaftliche und soziale Prozesse aufmerksam macht.“

Auseinandersetzung mit Geschichte und politisches Engagement sind Leitmotive der Videokünstlerin: Kurzfilme wie „Deutschland und das Ich“ von 1994 thematisieren Antisemitismus in Deutschland. Die 2009 eigens für Linz entwickelte Installation „Unter Uns“ thematisiert die Rolle der Kunst im Zuge der Verbrechen des NS-Regimes. In ihrem Documenta-Beitrag „Red Alert“ behandelt sie neben Fragen der Gattung die US-amerikanische Außenpolitik. In ihren Texten, Performances und essayistischen Dokumentarfilmen setzt sich Hito Steyerl zudem mit postkolonialer Kritik und feministischer Repräsentationslogik auseinander.

Hito Steyerl, 1966 in München geboren, ist seit 2010 Professorin für Experimentalfilm und Video sowie Mitbegründerin des Research Centers for Proxy Politics an der Universität der Künste Berlin. Sie studierte in Tokio und München Kinematographie und Dokumentarfilmregie. 2003 schloss sie ihre Promotion im Fach Philosophie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ab. Ihre Werke wurden unter anderem auf der Biennale in Venedig, im Museum of Contemporary Art in Los Angeles und im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. Neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin war sie am Center for Cultural Studies des Goldsmiths College in London sowie als Gastprofessorin an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen und der Academy of Fine Arts in Helsinki tätig. 2017 wurde Hito Steyerl von der englischen Kunstzeitschrift „Art Review“ zur einflussreichsten Akteurin der Kunstwelt gekürt.

Der Käthe-Kollwitz-Preis wird seit 1960 jährlich an in Deutschland lebende Künstler vergeben. Er ist mit 12.000 Euro dotiert und beinhaltet eine Ausstellung und einen Katalog. Zu den bisherigen Empfängern zählen unter anderem Karl Erich Müller, Otto Nagel, Martin Kippenberger, Douglas Gordon und heuer Adrian Piper. Die Präsentation der Werke Hito Steyerls wird anlässlich der Preisverleihung im Februar 2019 in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin zu sehen sein.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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