Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 17.11.2018 Auktion 40: Moderne und Zeitgenössische Kunst

© Sturies Kunst und Auktionen

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Irene Lehr offeriert in Berlin einen Querschnitt durch die Kunst des 20. Jahrhunderts und geht auch Seitenwegen der Avantgarde nach

Bemalter Kühlschrank



Alexander Kanoldt, Il Paese di Bellegra II, 1925

Alexander Kanoldt, Il Paese di Bellegra II, 1925

„Kehrt man sich um und schaut zwischen den Stämmen und Wipfeln der Eichen hin nach Norden, da steigt der ganz kahle und schroffe Felsrücken empor, auf dessen höchster Spitze das armselige Civitella liegt. Es machte mir diese bleiche Steinmasse immer einen geheimnisvollen, fast unheimlichen Eindruck, wie eine versteinerte Sphinx.“ Dies schrieb Adrian Ludwig Richter in seinen „Lebenserinnerungen“, und man meint, Alexander Kanoldt habe die Beschreibung des Bergdorfes gekannt, als er 1925 seine „Paese di Bellegra“ malte. Ein imposanter grauer Fels schiebt sich markant in den Himmel empor und trifft auf grüne, braune und ockerfarbene Felder. In der Ferne thront einsam und trutzig das kleine Civitella, das ab 1880 Bellegra hieß. Auf schmückendes Beiwerk und erzählerische Noten hat Kanoldt verzichtet, nichts lenkt von dem fast mystischen Zauber der kargen Landschaft ab. Mit einer Schätzung von 50.000 Euro tritt nun Kanoldts „Il Paese di Bellegra II“ bei Irene Lehr auf das Auktionspult.


Der Katalog zur Versteigerung am 27. Oktober hält weitere schöne Beispiele für die Neue Sachlichkeit bereit. Da gibt es ein wundervoll schnörkelloses „Stillleben mit Wiesenblumen“ des Kölners Josef Mangold in altmeisterlicher Brillanz für 15.000 Euro oder das wehmütige „Kinderbildnis Karen Jesse mit Perlenkette“ von Anita Rée aus dem Jahr 1928 für 20.000 Euro. Teilnahmslos erstarrt geben sich die beiden sommerlich gekleideten Männer auf Peter Abelens Ölgemälde „Los dos amigos“ von 1936 (Taxe 6.000 EUR). Aus dem Frühwerk Hans Theo Richters existierten nur wenige Arbeiten. Denn durch den Bombenangriff auf Dresden 1945 verlor er nicht nur seine Frau, sondern auch sein gesamtes Schaffen vor dem Zweiten Weltkrieg. Beides ist nun in einem Bildnis von Gisela Richter zu haben, die im Abendkleid mit Nelke vor dunklem Grund sitzt. Das Portrait, das eigenartig von innen heraus leuchtet, entstand 1929 ein Jahr vor der Heirat Richters mit Gisela Hergesell (Taxe 22.000 EUR). Ausgeprägte Züge weist der Gesichtsausschnitt „Porträt Frau Mieth“ auf, den Paula Lauenstein um 1926 mit hervortretenden Wangenknochen zeichnete (Taxe 2.500 EUR).

Mit Blumen beschäftigten sich in dieser Zeit Alexandra Povorina bei ihrem verspielten Gladiolenstrauß von 1926 samt Schmetterling und zwei Händen in gedecktem Kolorit (Taxe 5.000 EUR) oder Ludwig Ernst Ronig bei seinem gleichaltrigen blühenden Kakteenstock in kräftigeren Farben (Taxe 4.000 EUR). Auf seinem kantigen Farbholzschnitt eines Stilllebens mit blauer Blume um 1919/20 hat Otto Lange zudem eine Männerfigur der afrikanischen Kunst platziert (Taxe 9.000 EUR). Bei Adriaan Lubbers spielen die beiden Alpenveilchen nur eine untergeordnete Rolle. Zentral auf seinem dunklen Gemälde von 1923 ist der Mann mit hoher Stirn und leeren Augen, der einsam in einem Zimmer mit Ausblick auf eine Stadt steht. Bei ihm könnte es sich um Max John, den Drucker der Dresdner Sezession Gruppe 1919, handeln (Taxe 2.500 EUR). Heller und freundlicher ist da Otto Muellers Farbkreidezeichnung einer Landschaft mit gegabeltem Baum um 1925 (Taxe 20.000 EUR).

Doch auch die sozialkritische Kunst der Weimarer Republik kommt in der Auktion nicht zu kurz. Eindeutig Kritik übt Georg Scholz mit drei feisten Honoratioren auf der Lithografie „Apotheose des Kriegervereins“ von 1921/22 (Taxe 4.000 EUR). Zeugnis der Gräuel des Ersten Weltkriegs ist zudem Hermann Max Pechsteins expressiver Holzschnitt „Verwundeter“ von 1917, den er selbst aquarellierte und seinem Lehrer Otto Gussmann übereignete (Taxe 7.000 EUR). Etwas verhaltener agiert Erich Wegner in seinem Ölgemälde „Mann mit Schiebkarre“ von 1922; dennoch hält auch er in dem Arbeiterriesen am Strand mit zwei winzigen Kindern auf der Karre illusionslos das Leben des kleinen Mannes fest (Taxe 14.000 EUR). In das Kohlerevier des Ruhrgebiets zog es Conrad Felixmüller. Auf seiner ausdrucksstarken Tuschezeichnung „Vor der Kneipe (Arbeitslos)“ stellt er 1922 einen Bergarbeiter vor, der sich entscheiden muss, wohin er gehen will: in die Restauration, um im Alkohol seinem Alltag zu entfliehen, oder zu seinen beiden Kindern (Taxe 80.000 EUR). Aus Gerta Overbecks Blatt mit einer nackten Schwangeren und eines abgemagerten Hundes in der Küche von 1921 spricht der blanke „Hunger“ (Taxe 450 EUR).

Wohl um eine Darstellung des Märchens von „Jorinde und Joringel“ dürfte es sich bei Georg Tapperts farbintensivem Gemälde von 1919 handeln. Fantasiefiguren, Puppen und groteske Geschöpfe bevölkern in jenen Jahren seine Kompositionen, die in der Zeit der Revolution und des gesellschaftlichen Aufbruchs Traumsequenzen und Visionen verhandeln (Taxe 40.000 EUR). Da ist Max Beckmanns Mappe „Jahrmarkt“ von 1921 nicht weit entfernt. Mit diesen Radierungen aus dem Leben der Schausteller gibt er seinen Kommentar auf die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse. Acht Blätter aus der Mappe für Schätzungen zwischen 2.000 Euro und 8.000 Euro liegen im Berliner Auktionshaus nun vor. Eines der letzten Gemälde des früh verstorbenen Österreichers Anton Faistauer ist ein zurückhaltendes Frauenbildnis zwischen Melancholie und Zuversicht von 1930 (Taxe 15.000 EUR). Eine frohgemute, gleichwohl nicht überbordende Sinnlichkeit verströmen die nackten „Drei Grazien“, die Karl Hofer 1952 auch als „Varietétänzerinnen“ bezeichnete (Taxe 80.000 EUR). Das Menschenbild führen Willi Sitte in seiner „Liegenden mit Radio“ von 1985 (Taxe 9.000 EUR), in dem „Liegenden Akt mit Männerfragment“ von 1992 (Taxe 12.000 EUR) und Clemens Gröszer in seiner extravaganten nächtlichen Straßenszene „Feuer und Flamme“ mit brennender Frau von 1990 weiter (Taxe 10.000 EUR).

Eher mit formalen Kriterien beschäftigt sich Hermann Glöckner in seiner Mischtechnik „Freunde“ von 1927. Denn die zwei schemenhaften, hintereinander gestaffelten männlichen Profilköpfe tendieren in die Abstraktion (Taxe 10.000 EUR), ebenso wie sein „Dorfweg zur Kirche in Fürstenau“ um 1950 (Taxe 15.000 EUR). Vollkommen in der Ungegenständlichkeit ist er um 1967 mit seiner „Flächenteilung in rotbraunem Grund (Raute)“ angekommen (Taxe 7.000 EUR). Landschaftlich geht es bei Bernhard Kretzschmars heiterem „Ostseestrand mit Sandburg und Strandkorb“ in Ahrenshoop um 1960 (Taxe 12.000 EUR), Bernhard Heisigs neoexpressiver „Straße nach Sosopol I“ am Schwarzen Meer von 1969 (Taxe 15.000 EUR) und Michael van Ofens schematisierter Küstengegend von 1990 weiter (Taxe 5.000 EUR). Die Anmutung einer Landschaft spricht aus Gerhard Altenbourgs kleinteiligem wunderlichem Blatt „Mephisto“ von 1977 (Taxe 15.000 EUR).

Seine Kriegserlebnisse verarbeitete Ernst Wilhelm Nay von 1945 bis 1948 in den sogenannten „Hekate-Bildern“, in deren Titel Themen aus Mythen, Legenden und Dichtung anklingen. Auch seine Gouache „Männer mit braunem Stier“ von 1947, die stark zwischen figürlichem Abbild und abstrakter Gestaltung changiert, gehört hierzu (Taxe 18.000 EUR). Farbenergien durchströmen dann Raimund Girkes dynamische „Aufsteigende Dunkelheit“ von 1995 (Taxe 12.000 EUR). Auf die Figuration verzichten zudem Pierre Soulages in seinem kraftvollen Balkenarrangement auf der Farbradierung „Eau-forte II“ von 1952 (Taxe 6.000 EUR), Ferdinand Spindel in seinem weißen welligen Schaumstoffquadrat von 1975 oder Max Uhlig in seiner schwarzen Gitterstruktur „Ciel dramatique“ auf blauem Grund von 1993 (Taxe je 4.000 EUR). Während Carlfriedrich Claus in seiner „Psychischen Landschaft“ von 1980 mit filigranen Schriftzeichen arbeitet (Taxe 8.000 EUR), greift Eduardo Chillida in seiner Radierung „Hildokatu (Furchen ziehen)“ von 1981 auf geballte Farbmassen in Schwarz zurück (Taxe 4.000 EUR).

Das Skulpturenangebot von Irene Lehr durchschreitet ebenfalls das gesamte 20. Jahrhundert und führt exemplarisch Beispiele aus verschiedenen Stilen an. Los geht’s mit Paul Gauguins lyrischem Bronzerelief mit dem Selbstbildnis „Oviri (Der Wilde)“ nach dem Gipsmodell von 1894/95 (Taxe 30.000 EUR) und Fritz Behns geschmeidig „Schleichender Raubkatze“ mit goldtauschierten Augen um 1910 (Taxe 3.500 EUR). Noch dem Jugendstil ist Aristide Maillols frühe Kleinplastik „Femme au crabe“ verhaftet (Taxe 40.000 EUR). Ein weiterer französischer Klassiker ist Pablo Picasso mit seiner Keramik „Woman lamp“ von 1955, die bei Irene Lehr in einer nicht nummerierten Variante außerhalb der Auflage von hundert Stück für 18.000 Euro zum Verkauf steht. Dass es damals auch schon abstrakt zuging, macht Emil Cimiottis amorphes Formenspiel „Figuren“ von 1956/57 deutlich (Taxe 8.000 EUR).

Typisch für Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff sind miteinander verlötete Messing- und Zinnstränge, wie in der kleinen abstrakten „Landschaft II“ von 1979 (Taxe 6.000 EUR). Pavlos arbeitet hingegen mit Papier und baute 1975 gemäß den Ideen des Nouveau Réalisme die Flaschen und Gläser seiner „Bar 2“ aus zerschnittenen Posterstreifen auf (Taxe 15.000 EUR). Noch einen direkteren Bezug zur Alltagswelt hat Bertrand Laviers Arbeit „Nevada“ aus den 1980er Jahren. Dafür hat der Franzose einen ausrangierten Kühlschrank der Marke „Nevada“ hergenommen und ihn mit weißer Acrylfarbe pastos übermalt (Taxe 20.000 EUR). Kompakt sind auch die minimalistischen Quaderblöcke aus Anröchter Dolomit, die Ulrich Rückriem 1987 lediglich mit Bohrungen für Sprenglöcher und Spaltungsmarkierungen versehen hat (Taxe 40.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 27. Oktober um 13 im Hotel Bristol am Kurfürstendamm 27 in Berlin. Der Katalog ist online unter www.lehr-kunstauktionen.de abrufbar.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



26.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 21

Seiten: 1  •  2  •  3

Adressen (1)Kunstwerke (1)Im Verkauf - Events (1)Im Verkauf - Kunstwerke (18)

Kunstwerk:

Blumenstilleben
Blumenstilleben

Kunstwerk:

Selbstbildnis, Oviri (der Wilde)
Selbstbildnis, Oviri (der Wilde)

Kunstwerk:

Drei Grazien (Varietétänzerinnen)
Drei Grazien (Varietétänzerinnen)







Ernst Wilhelm Nay, Männer mit braunem Stier

Ernst Wilhelm Nay, Männer mit braunem Stier

Taxe: 18.000,- EURO

Losnummer: 361

Alexandra  Povòrina, Blumenstilleben

Alexandra Povòrina, Blumenstilleben

Taxe: 5.000,- EURO

Losnummer: 384

Josef Mangold, Stilleben mit Wiesenblumen

Josef Mangold, Stilleben mit Wiesenblumen

Taxe: 15.000,- EURO

Losnummer: 322

Karl Hofer, Drei Grazien (Varietétänzerinnen)

Karl Hofer, Drei Grazien (Varietétänzerinnen)

Taxe: 80.000,- EURO

Losnummer: 218

Conrad Felixmüller, Vor der Kneipe (Arbeitslos)

Conrad Felixmüller, Vor der Kneipe (Arbeitslos)

Taxe: 80.000,- EURO

Losnummer: 136

Paul Gauguin, Selbstbildnis, Oviri (der Wilde)

Paul Gauguin, Selbstbildnis, Oviri (der Wilde)

Taxe: 30.000,- EURO

Losnummer: 148

Erich Wegner, Mann mit Schiebkarren

Erich Wegner, Mann mit Schiebkarren

Taxe: 14.000,- EURO

Losnummer: 508

Bernhard Heisig, Straße nach Sosopol I

Bernhard Heisig, Straße nach Sosopol I

Taxe: 15.000,- EURO

Losnummer: 205

Anita Rée, Kinderbildnis Karen Jessen mit Perlenkette

Anita Rée, Kinderbildnis Karen Jessen mit Perlenkette

Taxe: 20.000,- EURO

Losnummer: 390

Anton Faistauer, Frauenbildnis

Anton Faistauer, Frauenbildnis

Taxe: 15.000,- EURO

Losnummer: 129

Bertrand Lavier, o.T. (Nevada)

Bertrand Lavier, o.T. (Nevada)

Taxe: 20.000,- EURO

Losnummer: 294

Carlfriedrich Claus, Psychische Landschaft

Carlfriedrich Claus, Psychische Landschaft

Taxe: 8.000,- EURO

Losnummer: 104

Fritz Behn, Schleichende Raubkatze

Fritz Behn, Schleichende Raubkatze

Taxe: 3.500,- EURO

Losnummer: 69




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce