Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 29.11.2018 Auktion 69: Alte Meister bis Klassische Moderne & Autographen, Manuskripte

© Galerie Auktionshaus Hassfurther

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Genaues Hinschauen unbedingt erforderlich: Die fragilen Zeichnungen der griechischen Künstlerin Christiana Soulou sind mit einer derartigen Zartheit aufs Papier gehaucht, dass man sie aus der Distanz fast übersehen könnte – was im Übrigen bei ihrer Schau in Donaueschingen sehr schade wäre

An der Grenze des Sichtbaren



Christiana Soulou, Griffon, 2013

Christiana Soulou, Griffon, 2013

Christiana Soulou ist das, was man gerne als „Künstler-Künstlerin“ bezeichnet. Ihr ausschließlich aus Zeichnungen bestehendes Werk konzentriert sich ganz auf die emotional und metaphorisch aufgeladene Darstellung menschlicher, manchmal auch tierischer Körper. Es ist einem breiten Publikum bislang eher unbekannt. Unter Künstlerkollegen und -kolleginnen jedoch wird es aufgrund seiner einzigartigen Feinheit und Sensibilität seit Langem geschätzt und gesammelt. Christiana Soulou wurde 1961 in Athen geboren, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Studiert hat sie an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist jetzt in der Ausstellung „Hommage aux mères“ bei Fürstenberg Zeitgenössisch in Donaueschingen zu sehen. Kuratiert hat die Schau Moritz Wesseler, der künstlerische Berater der Sammlung, der nach seiner Zeit als Direktor des Kölnischen Kunstvereins in diesem Herbst die Leitung des Fridericianums in Kassel übernimmt.


Wie für den Ort der Ausstellung gemacht – im Erdgeschoss des Donaueschinger Museumsgebäudes befindet sich die im 19. Jahrhundert zusammengetragene Naturaliensammlung des Fürstenhauses – erscheinen besonders die Blätter aus der zwischen 2013 und 2015 entstandenen Serie „The Book of Imaginary Beings after Jorge Luis Borges“. Christiana Soulou ließ sich für diese Auswahl zoologischer Fantasie- und Mischwesen von Borges’ auf Deutsch unter dem Titel „Einhorn, Sphinx und Salamander. Buch der imaginären Wesen“ erschienener Publikation inspirieren. Der 1986 verstorbene argentinische Schriftsteller, der als Mitbegründer des Magischen Realismus und Vorläufer postmodernen Erzählens gilt, hatte darin ein ganzes Panoptikum imaginärer Wesen entworfen.

Auch auf Christiana Soulous Zeichnungen begegnen dem Betrachter hybride Kreaturen, die er bei flüchtigem Anschauen zunächst beispielsweise als halb Löwe, halb Krokodil wahrnimmt. Soulou, die genau über diese Werkgruppe einen längeren philosophischen Text geschrieben hat, geht es aber um viel mehr, als ein oberflächliches Ratespiel nach dem Motto: „Was ist was?“. Sie möchte mit ihren Zeichnungen Türen zu unbekannten Räumen und Sichtweisen aufstoßen. Reales und Surreales amalgamiert sie zu etwas vollkommen Neuem. Was, wenn wir uns davon loslösen, diese Mischwesen rein analytisch in ihre Bestandteile zu zerlegen und sie stattdessen als etwas zuvor nicht Dagewesenes, allein aus der Verbindung von Linien auf dem Papier Hervorgegangenes sehen könnten?

Christiana Soulou möchte neue, aus ihrem inneren Empfinden heraus entstandene Wesen präsentieren, bei denen es auf herkömmliche Kategorien wie Ähnlichkeit, Imitation oder Unterscheidbarkeit nicht mehr ankommt. Allein ihre Existenz auf dem Papier verleiht ihnen Evidenz und Wahrhaftigkeit. Rationale Gewissheiten interessieren die Künstlerin nicht, Zonen der Unentschiedenheit, in denen sich Reales und allein aus der Fantasie Geborenes vermischen, dagegen umso mehr. Aus Vertrautem und Fremdem entsteht die Gewissheit, dass es jenseits der sichtbaren Welt noch eine weitere, allein der Einbildungskraft vorbehaltene Dimension gibt.

Betrachtet man Christiana Soulous geradezu altmeisterlich anmutende Zeichnungen auf rein formaler Ebene, dann sind ganz sicher, was das Beherrschen der Technik und die Akkuratesse des Strichs angeht, deutliche Parallelen zu Künstlern wie etwa Lucas Cranach, Hans Holbein, Antonio Pisanello, Raffael oder Albrecht Dürer erkennbar. Während Letzterer sich jedoch der rationalen Erfassung und akribisch genauen Abbildung der Realwelt verschrieb, setzt Christiana Soulou ihr zeichnerisches Können häufig ein, um neue fantastische Dimensionen der Wahrnehmung zu erfinden.

Ihre Zeichnungen resultieren keineswegs nur aus der perfekten Beherrschung der handwerklichen Technik, sondern aus der ungewöhnlich hohen Intensität, mit der sie ihre eigene psychische und physische Verfasstheit im Moment des Zeichnens zu Papier bringt. Zentral für das Gelingen ist ein hoher Grad der persönlichen Einfühlung in den Zeichenprozess und Empathie für die auf dem Blatt Gestalt und Charakter annehmenden Wesen, seien sie nun tierischer oder menschlicher Natur.

Dass sie sich gerne von literarischen Vorlagen inspirieren lässt, stellt die Künstlerin auch in der 2011 entstandenen Serie „Les Enfants Terribles“ unter Beweis. Hier bezieht sich Christiana Soulou auf Jean Cocteaus 1929 erschienenen, gleichnamigen Roman, in dem es um eine tragisch endende, inzestuöse Beziehung zwischen den Zwillingen Paul und Elisabeth geht. Doch auch deren Schulkamerad Dargelos spielt eine entscheidende Rolle. Ausgeführt in Rötel, Bleistift, Buntstift oder mit Aquarellfarbe, zeigen Soulous Blätter Figuren in Zuständen der Transformation und des Übergangs. Ihre Kleidung ist nicht ganz eindeutig einer bestimmten Epoche zuzuordnen. Ihre mal an höfische Rituale, mal an intime menschliche Interaktionen erinnernden Handlungen verbleiben ebenso im Ambivalenten. Detailliert ausgearbeitete Hintergründe oder komplexe Raum- oder Landschaftsansichten sucht man bei Christiana Soulou vergebens. Scheinbar völlig losgelöst von allen Restriktionen der Dingwelt auf dem Blatt schwebend, ähnelt das Tun ihrer Protagonisten eher spielerisch aufgefassten Versuchsanordnungen.

Christiana Soulou dazu: „Um diese Charaktere zu kreieren, habe ich nicht etwa das Aussehen jedes Einzelnen erfunden, es waren vielmehr meine Sinnesempfindungen, die ihnen körperliche Form verliehen haben. Ich zeichne Empfindungen. Wenn ich Dargelos, Elisabeth und Paul hervorbringe, dann geht es mir darum, Lebewesen so beseelt zu Stande zu bringen, als würden sie leben oder hätten gelebt. Für mich zählt nur ihre Intensität.“ Wie auch in dieser Serie bewegen sich ihre Protagonisten stets in einem Spannungsfeld, das von Liebe, Sexualität, Harmonie, Konflikt, Gewalt, Einsamkeit und Tod charakterisiert ist – mithin den Grunderfahrungen der menschlichen Existenz.

Andere Autoren, deren Werk Soulou teilweise seit ihrer Jugend intensiv gelesen und häufig auch zeichnerisch verarbeitet hat, sind etwa William Shakespeare, Heinrich von Kleist oder Georges Bataille. Auch wenn sie Werktitel dieser Autoren oder Namen von Protagonisten ausdrücklich in den Titeln ihrer Blätter verwendet, so haben ihre Zeichnungen jedoch keineswegs illustrierenden Charakter. Soulou geht zwar von konkreten Texten aus, weitet ihren Blick dann aber auf die menschliche Existenz allgemein betreffende Fragestellungen.

Auch aus ihrer seit 2010 entstehenden Serie „Dancer“ sind in Donaueschingen sechs Arbeiten aus dem Jahr 2012 zu sehen. Sie zeigen teils marionettenhaft wirkende, extrem feingliedrige Wesen in durchscheinenden trikotartigen Kostümen, die eine androgyn aufgeladene Mädchenhaftigkeit zu Tage treten lassen. Ballettschuhe, tänzerische Posen, auffällige Schminke oder eine manieriert zwischen zwei Finger geklemmte Zigarette produzieren hier einen Hauch von Verruchtheit, der an die selbstbewussten modernen Frauen der Roaring Twenties erinnert. Gleichzeitig strahlen die „Dancer“ aber auch eine große Verletzlichkeit aus.

Die Künstlerin hat sich für diese Serie zwar von einzelnen Tänzern, denen sie persönlich begegnet ist, inspirieren lassen, fasst die Zeichnungen allerdings nicht als Porträts auf. Statt individualisierter Gesichtszüge weisen alle ihre „Dancer“ eine eher prototypische Kopfform mit großen Mandelaugen, gezupften Augenbrauen, kleinem Mund und kleiner Nase auf. Ihr Blick ist dabei mal verträumt, mal cool, mal herausfordernd auf den Betrachter gerichtet. Zudem scheinen auch sie erdenfern und völlig losgelöst von den Gesetzen der Schwerkraft über das Blatt zu schweben.

Das Werk von Christiana Soulou war bisher in Deutschland nur einige wenige Male zu sehen. So nahm sie 2006 an der von Maurizio Cattelan, Massimiliano Gioni und Ali Subotnick kuratierten 4. Berlin Biennale teil. Damals war sie mit fünf Zeichnungen in der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße vertreten. Ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland hatte sie dann im Herbst 2016 im Kölnischen Kunstverein. Die ebenfalls von Moritz Wesseler kuratierte Schau trug den Titel „Sonnet to the Nile“. Außerhalb Deutschlands war die Künstlerin 2016 mit einer großen Einzelausstellung im Baltic Centre for Contemporary Art im britischen Newcastle zugegen. Außerdem war sie in Gruppenausstellungen, etwa im New Museum in New York und dem Londoner Camden Arts Centre zu sehen. 2013 nahm sie an der Biennale Venedig teil.

Mit der Ausstellung „Hommage aux mères“ bei Fürstenberg Zeitgenössisch besteht jetzt die Gelegenheit, eine größere Auswahl ihrer in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Werke an einem Ort versammelt zu sehen. Der Besucher sollte sich angesichts der Finesse der Ausführung und der metaphorischen Tiefgründigkeit dieser Blätter genügend Zeit nehmen. Genaues Hinschauen ist unbedingt erforderlich, um der Sensibilität einer Zeichnerin auf die Spur zu kommen, die weitgehend isoliert von den Aufgeregtheiten des globalisierten Kunstbetriebs seit den frühen 1980er Jahren ein beachtliches zeichnerisches Werk geschaffen hat.

Die Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“ ist bis zum 30. November zu sehen. Fürstenberg Zeitgenössisch hat täglich außer montags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen durchgehend von 10 bis 17 Uhr.

Kontakt:

Fürstenberg Zeitgenössisch

Am Karlsplatz 7

DE-78166 Donaueschingen

Telefon:+49 (0771) 22 96 77 563



25.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 12

Seiten: 1  •  2

Adressen (1)Variabilder (10)Künstler (1)

Variabilder:

Christiana Soulou, Griffon, 2013
Christiana Soulou, Griffon, 2013

Variabilder:

Christian zu Fürstenberg, Jeannette zu Fürstenberg, Christiana Soulou und
 Moritz Wesseler
Christian zu Fürstenberg, Jeannette zu Fürstenberg, Christiana Soulou und Moritz Wesseler

Künstler:

Christiana Soulou







Christian zu Fürstenberg, Christiana Soulou, Jeannette zu Fürstenberg

Christian zu Fürstenberg, Christiana Soulou, Jeannette zu Fürstenberg

Christiana Soulou in ihrer Ausstellung „Hommage aux mères“

Christiana Soulou in ihrer Ausstellung „Hommage aux mères“

Christiana Soulou in ihrer Ausstellung „Hommage aux mères“

Christiana Soulou in ihrer Ausstellung „Hommage aux mères“

Christiana Soulou, Peritio, 2013

Christiana Soulou, Peritio, 2013

Christiana Soulou, Le Dévoreur d’ombres, 2013

Christiana Soulou, Le Dévoreur d’ombres, 2013

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

in der Ausstellung „Christiana Soulou – Hommage aux mères“

Christian zu Fürstenberg, Jeannette zu Fürstenberg, Christiana Soulou und Moritz Wesseler

Christian zu Fürstenberg, Jeannette zu Fürstenberg, Christiana Soulou und Moritz Wesseler




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce