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Claude Monet fasziniert noch immer. Nach dem Städel und der Fondation Beyeler feiert nun auch die Albertina in Wien den Großmeister des Impressionismus und folgt in ihrer Retrospektive seinen Lebensspuren

Die Welt im Fluss



Claude Monet, Junge Mädchen im Boot, 1887

Claude Monet, Junge Mädchen im Boot, 1887

1889. Es ist Frühling in Paris. Frankreich feiert mit der Weltausstellung das hundertjährige Jubiläum der Französischen Revolution. Der Eiffelturm, damals das höchste Gebäude der Welt, ist fertig gestellt und wird nach anfänglicher Skepsis auch von den Parisern bejubelt. Nur eine Woche zuvor, kurz vor der feierlichen Einweihung am 31. März, haben die monarchistisch-revanchistischen Boulangisten, Wegbereiter der Neuen Rechten, in der Hauptstadt eine Massendemonstration veranstaltet. Während in Paris so viel passiert, befindet sich der zu diesem Zeitpunkt 48jährige Claude Monet weit entfernt von den Aufregungen der französischen Metropole in der Mitte Frankreichs: in Fresselines, einem kleinen Ort auf dem Hochplateau über dem Zusammenfluss der Quellflüsse der Creuse im Nordwesten des Massif Central. Die raue, wilde Landschaft hat schon bei seiner ersten Reise zwei Monate zuvor eine große Faszination auf den Maler ausgeübt. Nun ist er mit Farben und Leinwand an diesen einsamen Ort zurückgekehrt und wird während der kommenden Wochen unter widrigen Wetterbedingungen eine Reihe von Bildern malen, die kompositorisch und in ihrer Farbigkeit wegweisend sind.


Vier Versionen von insgesamt 13 Bildern, die während Monets Arbeitsaufenthalt im französischen Zentralmassiv entstehen, bescheren nun eines der besonderen Seherlebnisse, mit denen die Monet-Retrospektive in der Albertina aufwartet. Jedes der vier Gemälde zeigt ein und dasselbe Motiv: von einem erhöhten Standpunkt des Plateaus lenkt Monet den Blick auf den Fluss, das gegenüberliegende Ufer, den wieder ansteigenden Gebirgszug und den schmalen Himmelausschnitt im Hintergrund. Claude Monet malt das, was er sieht: die steinig und karg bewachsenen Hänge, die Bodenerhebungen, die Felsvorsprünge und Wiesenstellen, Steine und Moose, die Reflexionen der Mittagssonne und die dramatischen Felsenzüge, die sich als dunkle Schatten am Abend in der Wasseroberfläche spiegeln. Mittels schnell und in verschiedenen Richtungen gesetzter Pinselhiebe, grüner, blauer, türkiser, gelber, brauner, violetter und roter Flecken und Striche in delikatesten Farbnuancierungen erfasst Monet sein Motiv, durchflutet von den unterschiedlichen Stimmungen, die er an diesem besonderen Ort durch Sonne und Wind, Helligkeit und Hereinbrechen der Nacht erfährt.

Angesichts der vier in Wien präsentierten Gemälde von der Creuse im Sonnenlicht, bei trübem Wetter, bei Sonnenuntergang und am Abend lässt sich trefflich studieren, wie Claude Monet Natur und Landschaft erfassen will. Im Ineinanderfließen von Wasser, Dunst, Licht und Nebel, den sich mit Wetter und wechselnder Tageszeit verändernden Farben und den Spiegelungen auf der Wasseroberfläche fixiert Monet eine empfundene Stimmung und nimmt damit bereits vieles vorweg, was er Jahre später zur Vollendung bringen wird. Fasziniert vom Licht und seinen Wirkungen, variiert er sein Motiv und leitet damit ein malerisches Verfahren ein, das er mit der „Kathedrale von Rouen“, den „Heuschobern“ und später in den Gartenbildern von Giverny und den Seerosenmotiven systematisiert.

„Die Welt im Fluss“ heißt die Ausstellung in der Albertina, die mit Unterstützung des Pariser Musée Marmottan und vielen internationalen Leihgebern rund 100 Gemälde versammelt. Sie folgt einem zeitlich chronologischen Aufbau, den Spuren des impressionistischen Pleinairisten und hält an den wichtigen Lebensstationen inne. Die Retrospektive beginnt in Paris, der Geburtsstadt von Monet, wo der junge Maler das quirlige Leben und die flirrenden Lichter der Großstadt etwa im „Quai du Louvre“ von 1867 oder im „Boulevard des Capucines“ von 1873 einfängt. Die Spur führt weiter nach London, wohin Monet mit Gefährtin Camille und seinem Sohn 1870 vor dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges flüchtet, um der Einberufung zu entgegen. Beeinflusst von den Werken John Constables und William Turners und fasziniert von dem unvergleichlichen Licht über der Themse, wird Monet in den folgenden Jahren wiederholt nach London reisen. Hier entstehen zwischen 1899 und 1904 Hauptwerke wie „Charing Cross Bridge“, „Dampfschwaden im Nebel“ und „Impression“ oder „Das Parlament“ und „Sonnenuntergang“.

Nach seiner Rückkehr lässt sich der 32jährige Maler 1872 an der Seine in Argenteuil bei Paris nieder, wo er mit Alfred Sisley, Pierre-Auguste Renoir und Edouard Manet arbeitet. In dieser Schaffensphase beobachtet Claude Monet die Veränderungen durch die Industrialisierung und den Eisenbahnverkehr. Er hält zahlreiche Flusslandschaften mit Brücken, Bahnhöfen und Fabrikanlagen samt dampfenden Schornsteinen fest, die sich in den reflektierenden Wasseroberflächen spiegeln und die Monet von seinem schwimmenden Atelierboot aus malt, wie 1874 die „Straßenbrücke von Argenteuil“.

Die Ausstellung folgt Monets Lebensweg weiter nach Vétheuil, wohin sich der Maler zu Beginn des Jahres 1878 angesichts seiner prekären finanziellen und familiären Situation zurückzieht. Alice, die Frau des Sammlers Ernest Hoschedé, der zahlreiche Arbeiten von Claude Monet erworben hat, folgt ihrem bankrotten Mann nicht nach Paris, sondern zieht mit ihren sechs Kindern zu den Monets nach Vétheuil. Der kleine abgeschiedene Ort verändert Monets Sichtweise. Von Modernität und Zeitgeist geprägte Motive fehlen hier. Zwar ist weiterhin die Seine das bevorzugte Ziel von Monets Malexkursionen, doch sein Interesse gilt nun vor allem der Unberührtheit der Natur. 1879 stirbt Camille. Das tief verschneite Vétheuil und der aufgrund des eiskalten Winters zugefrorene Fluss sind die Motive, die Monet in der Zeit des Misserfolgs und des persönlichen Unglücks wählt. Allein die Frühlings- und Sommerbilder wie „Frühling. Blick durch die Zweige“ von 1878 und „Blühender Obstgarten. Vetheuil“ von 1879, die Monet in diesen Jahren großer Armut fertigt, verraten nichts von der persönlichen Lage des Malers, der unter seinen Freunden bereits als unumstrittenes Haupt der Impressionisten angesehen wird.

1883 übersiedeln Claude Monet und Alice Hoschedé mit ihren acht Kindern nach Giverny, einem kleinen Ort an der Seine, 70 Kilometer von Paris. Das angemietete Presshaus kann der Künstler nach Erfolgen mit seinen Serien der „Creuse“ und der „Kathedrale von Rouen“ 1890 kaufen. Nach Ernest Hoschedés Tod im März 1891 heiraten Monet und Alice im Jahr darauf. Während Monet damit beginnt, das Anwesen umzugestalten, mehrere Ateliers zu bauen und einen paradiesischen, wie ein Gemälde komponierten Garten nach seinen Vorstellungen anzulegen, arbeitet er an zwei großen Panoramen, den „Grandes Décorations“. Claude Monet wird sie nach dem Ersten Weltkrieg dem französischen Staat zum Geschenk machen. Bei dem hauseigenen Albertina-Gemälde „Der Seerosenteich“ aus der Sammlung Batliner handelt es sich um eine dieser Vorarbeiten. Es findet sich nun inmitten jener Bilder wieder, in deren Verbund es einst entstand.

Monets Paradies, dem Garten von Giverny, ist der umfangreichste und immerhin 30 Jahre seines Werks abbildende Teil der Ausstellung gewidmet. Es sind vor allem die späten, ab 1916 entstandenen Bilder, denen die Wiener Ausstellung am Ende besonderen Respekt zollt: die Seerosenbilder und viele Varianten zur Rosenallee und zur Japanischen Brücke, die der mit starken Sehschwierigkeiten kämpfende Maler am Ende seines Lebens inmitten seines Gartens malt – Bilder, mit denen Monet zum Wegbereiter von Abstraktion und abstraktem Expressionismus werden wird. Über all die Werke, die nun zum Mitwandern an die vielen Stationen in Monets Leben einladen und die es nach Wien zu holen gelang, lässt sich also nur staunen. Prognostizierte 450.000 Besucher werden die Ausstellung sehen und sich in den Räumen der Albertina so zahlreich tummeln wie die Passanten auf dem „Boulevard des Capucines“.

Die Ausstellung „Claude Monet. Die Welt im Fluss“ ist bis zum 6. Januar 2019 zu sehen. Die Albertina hat täglich von 9 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 14 Euro, ermäßigt für Senioren 11 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 32,90 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



10.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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