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Im belgischen Oudenaarde widmet sich erstmals eine größere Übersichtsschau dem als „Bauernmaler“ bekannten Adriaen Brouwer

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Adriaen Brouwer, Die Raucher

Adriaen Brouwer, Die Raucher

Leicht aufgeschreckt und mit starren Kulleraugen erblickt der langhaarige Mann den Betrachter. Aus dem weit geöffneten Mund entweicht eine Wolke Tabakqualm, mit der rechten Hand setzt er einen Humpen zum Trank an. Der Maler Adriaen Brouwer hat sich selbst leicht in den Vordergrund gerückt. In dem muffigen Kneipenmilieu gesellen sich vier weitere Personen um ihn herum. Dabei handelt es sich um seine Malerfreunde Jan Lievens, Jan Davidsz de Heem, Joos van Craesbeeck und Jan Cossiers. Vorne links füllen ein Holzbottich, ein Keramikkrug und ein angelehnter Besen die Ecke, während diagonal gegenüber der Blick durch die geöffnete Tür in die flämische Landschaft fällt. Als das Bild um 1635 entstand, war Brouwer gerade in die Antwerpener Künstlergilde St. Lukas aufgenommen worden. Vielleicht hält er hier das aus diesem Anlass arrangierte Trinkgelage fest. Es gilt als Schlüsselwerk im späten Œuvre des Malers: Ein ockerfarbener Grundton mit einem Hang zum Grünlichen taucht die von exaltierter Mimik durchdrungenen Personen in gedämpftes Licht, die sich weg von traditioneller Genredarstellung hin zum Affektausdruck bewegen.


Nach 1986, als die Alte Pinakothek in München Adriaen Brouwer letztmalig in einer Einzelschau vorstellte, bietet sich nun im gotischen Rathaus der flämischen Stadt Oudenaarde die Chance, den zumeist als „Bauernmaler“ titulierten Künstler neu zu entdecken. Vieles über ihn bleibt bis heute nur knapp rekonstruierbar. Vermutlich wurde der Sohn eines Kartonmalers für Wandteppiche hier um 1605/06 geboren. Rund 65 Bilder weltweit können ihm heute sicher zugeschrieben werden, davon sind 27 in Oudenaarde versammelt. Hinzu kommen rund 25 Werke von Zeitgenossen, Dokumente sowie eine Zeichnung.

Seine Kunst wirft ihren Blick vornehmlich in niedere Lebenskreise. Adriaen Brouwer lebte aber damit gut: Seine Arbeiten sollen sich für Summen zwischen 10 und 90 Gulden verkauft haben, recht viel, wenn man bedenkt, dass der Monatslohn für einen Angestellten seinerzeit 1,5 Gulden betrug. Kurz vor seinem Tod stiegen dann die Preise sogar auf 250 Gulden an. Doch Brouwer gab den Vierdienst mit lockerer Hand aus, 1632 wurde sein Hausrat von den Gläubigern konfisziert. Ab 1634 musste er dann beim Kupferstecher Paulus Pontius in Antwerpen unterkommen, bis er im Januar 1638 in Antwerpen der Pest erlag.

Konkret lässt sich aus Brouwers legendenumrankten Dasein wenig erschließen. Immer geht es um Schulden, unsteten Lebensstil oder einen vermutlich auf politische Umtriebe basierenden Gefängnisaufenthalt im Jahr 1632. In den 1620er Jahren ist er in Haarlem nachweisbar, was Spekulationen nährt, er könnte Schüler bei Frans Hals und Adriaen van Ostade gewesen sein. Ab 1630 war er in Antwerpen heimisch. Wohlsituierte Städter erwarben mit Vorliebe seine satirischen Darstellungen mit der Botschaft, wie das bürgerliche Leben nicht verlaufen sollte. Wie stark Brouwers scharfe Beobachtungsgabe, die lockere Malweise und das Kolorit andere Kollegen inspirierten, zeigt das Vorhandensein von siebzehn seiner Bilder in der privaten Kunstsammlung von Peter Paul Rubens und sechs in der von Rembrandt.

Die Kuratorin Karin Richter gliederte den Parcours in vier Abschnitte. Zuerst geht sie auf den 1569 verstorbenen Pieter Bruegel d.Ä. und seine Schule ein und setzt Feste feiernde Bauern oder einen Besuch beim Pfannkuchenbäcker in Szene. Detailreich wie bei Bruegel illustrierte Brouwer um 1630 ein Schlachtfest in abgedunkelter brauner Ton-in-Ton-Malerei mit farblichen Höhepunkten. Weiße, rote oder rosafarbene Kleidungsstücke pointieren die Strukturen im düsteren Ambiente der Lokalität, in der sich die teils schon eingenickte Feiergesellschaft bewegt. Hier wie auch auf dem aus Philadelphia angereisten, fünf Jahre zuvor gemalten „Pfannkuchenbäcker“ bestechen die von deutlich psychologischer Durchdringung gekennzeichneten Gesichter in karikaturhafter Mimik. Dezent weist eine einzelne Bleistiftskizze mit Figurenstudien auf das zeichnerische Schaffen Brouwers hin, das bislang nur in Ansätzen rekonstruierbar ist. Altmodische Kleider, drastische Körpersprache sowie zerrbildhafte Gesichter kennzeichnen die flüchtigen, auf das Wesentliche reduzierten, aber sicheren Striche.

Freizeitbeschäftigungen in niederen Schichten enthält der von weniger Exzentrik geprägte Themenblock unter der Überschrift „Fröhliche Gesellschaften“. Die Farben sind heller, stärker nuanciert und abgestuft, was zu einer Verstärkung der Raumwirkung führt. Die Personen sind gleichmäßiger auf der Bildfläche verteilt, Tendenzen, die den Zeitgeschmack spiegeln. Bauern in der Herberge zeigen sich entspannt rauchend, lesend, beim Kartenspiel oder Biergenuss. In die Jahre um 1636 datiert die Darstellung einer Rückenoperation. Hell leuchtet der entblößte Oberkörper des schmerzverzerrt blickenden Patienten, in dem der ominöse Arzt mit einem Messer hantiert.

Im dritten, unter dem Leitmotiv „Meister der Emotionen“ stehenden Kapitel sind vom Gefühlsausdruck beherrschte Antlitze und Selbstporträts versammelt. Hier kommt das Talent des Malers zum Tragen, auf neuartige Weise grotesk verzerrte Gesichter sowie Ausdrucksformen individueller Gefühle zu erfinden. Neben dem eingangs erwähnten Selbstporträt, das einem von David Teniers d.J. um 1640 zum Verwechseln ähnlichen Porträt Brouwers gegenübergestellt ist, entfaltet sich ein Reigen Grimassen schneidender, singender, schreiender, Flöte spielender oder Früchte schälender Bauern. Zeitnah entstandene Bildnisse etwa von Frans Hals oder dem als einzigen Schüler Brouwers bekannten Maler Joos van Craesbeeck korrespondieren mit allgemeinen Tendenzen der Zeit, die Brouwers Talent offenbaren.

Zum Abschluss schlägt eine überraschende Auswahl von stimmungsvollen Landschaften eine neue, bislang nahezu unbekannte Schaffensseite Brouwers auf. In gleichfalls kleinformatigen Gemälden untersuchte er die Lichtwirkung zu verschiedenen Tageszeiten und brachte Darstellungsmuster hervor, die für die weitere Entfaltung der Landschaftsmalerei in den Niederlanden prägend werden sollten. Dies zeigt die Relevanz von Adriaen Brouwer als Meister des Übergangs von der Bruegel-Schule des 16. Jahrhunderts hin zu den Landschafts- und Genreszenen, wie sie für das neue Jahrhundert maßgeblich werden sollten.

Die Ausstellung „Zwischen Rubens und Rembrandt. Adriaen Brouwer. Meister der Emotionen“ ist bis zum 16. Dezember zu sehen. Das MOU Museum im alten Rathaus hat täglich außer montags von 9:30 Uhr bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, 5 Euro bzw. 1,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 29,99 Euro kostet.

Kontakt:

MOU – Museum Oudenaarde en de Vlaamse Ardennen

Markt 1

BE-9700 Oudenaarde

Telefon:+32 (055) 317 251



04.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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David Teniers d.J., Der Raucher, um 1640
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Adriaen Brouwer, Das Schlachtfest, um 1625/26
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Adriaen Brouwer, Landschaft mit Vollmond, um 1635/37
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Adriaen Brouwer, Trinkende Kompanie am Tisch: Die Holzkugelspieler, um 1635
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Adriaen Brouwer, Dünenlandschaft, um 1635/38
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David Teniers d.J., Der Raucher, um 1640

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Adriaen Brouwer, Das Schlachtfest, um 1625/26

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Adriaen Brouwer, Der Pfannkuchenbäcker

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Adriaen Brouwer, Trinkende Kompanie am Tisch: Die Holzkugelspieler, um 1635

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Adriaen Brouwer, Ein dicker Mann

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Adriaen Brouwer, Der Raucher

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Joos van Craesbeeck, Porträt eines betrunkenen singenden Mannes

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Adriaen Brouwer, Bauernrauferei beim Würfelspiel

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