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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Gutes Geld für die „kleinen“ Zeitgenossen bei Sotheby’s in New York

Schwarz im Kommen



Erst im Mai dieses Jahres konnte Sotheby’s für Kerry James Marshall den neuen Auktionsrekord aufstellen. 18,5 Millionen Dollar für sein Picknick „Past Times“ ragen nun weit abgeschlagen aus den sonstigen Preisen für den Afroamerikaner heraus. Auch in diesem Gemälde von 1997 widmet sich Marshall seiner eigenen Identität als Schwarzer, der sozialen Ungerechtigkeit und den Rassenbeziehungen in den USA. Denn die angenehm lässige Freizeitbeschäftigung mit Golfen, Wasserski und Krocket ist ausschließlich Schwarzen vorbehalten und steht in starkem Kontrast zu Marshalls eigenen Erfahrungen innerhalb der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und den Bildtraditionen der westlichen Kunst. Nun hatte Sotheby’s die vorbereitende Studie, die die Anlage des Gemäldes weitgehend vorwegnimmt, im Angebot, und auch hier ließen die Kunden nicht locker. 900.000 Dollar waren dafür veranschlagt, doch 1,5 Millionen Dollar kamen dabei zusammen.


High End ist es mitunter nicht, was Sotheby’s seit fünf Jahren in seinen Auktionen „Contemporary Curated“ zusammenstellt, doch listet der Katalog interessante Kunst seit dem Zweiten Weltkrieg im unteren und mittleren Preissegment, das sich schon in den unteren Millionenbereich hineinziehen kann. Zudem kommen hier viele junge Kunstschaffende zu Wort, die es oft noch nicht in die prestigeträchtigen Abendauktionen geschafft haben, so etwa die 1987 geborene New Yorkerin Avery Singer, die mittels 3D-Programmen ihre Bilder entwickelt. Dabei kam 2014 der monochrom graue, wie aus Legosteinen zusammengesetzte „Flute Soloist“ heraus, der nun für 350.000 Dollar seine Melodien in neuen Räumen erklingen lässt (Taxe 120.000 bis 180.000 USD). Zu dieser jungen Künstlergeneration gehören noch Matthew Day Jackson mit seinem kleinteiligen bunten Holzrelief „8/29/60“, das für taxgerechte 30.000 Dollar das Cover des Life-Magazins von 29. August 1960 adaptiert, Aaron Garber-Maikovska mit dem 65.000 Dollar teuren abstrakten Hochformat von 2014, das sich mit seinen bunten Linien und Schraffuren der gestischen Malerei anschließt (Taxe 40.000 bis 60.000 USD), und der Brasilianer Christian Rosa, Jahrgang 1982, mit einem noch feineren, diesmal schwarzweißen Liniengespinst auf Papiercollage von 2016 für 22.000 Dollar (Taxe 18.000 bis 25.000 USD).

Für den bisher höchsten Umsatz einer Contemporary Curated-Auktion mit 30,9 Millionen Dollar bei einer guten losbezogenen Verkaufsrate von 75 Prozent waren am 25. September aber auch einige Schwergewichte etablierter Künstlergrößen nötig. Platz 1 der Top Ten-Liste besetzt Frank Stella mit seinem strengen geometrischen Bildobjekt „Scramble: Descending Green Values/Descending Spectrum“ von 1977, bei dem vor allem die innenliegenden roten Quadrate hervortreten, bei erwarteten 2,2 Millionen Dollar. Nach Kerry James Marshalls Studie und George Condos picassoartiger Menschenverzerrung „Girl with Ponytail“ von 2009 für 1,4 Millionen Dollar (Taxe 1 bis 1,5 Millionen USD) trat mit Robert Motherwell ein weiterer Altmeister der Abstraktion auf den Plan. Seine lastenden, gleichwohl rhythmisierten schwarzen Formen in der „Elegy to the Spanish Republic No. 169“ brachten es ebenfalls auf 1,4 Millionen Dollar; damit war der Schätzpreis von mindestens 1,5 Millionen Dollar aber nicht erreicht. Der nächsthöhere Wert galt dann dem 1977 in Boston geborenen Jonas Wood und seinem figurativen Gemälde „Hunting with Mochi“ aus dem Jahr 2005. Die naiv-bunte holzschnittartige Waldszene mit einigen friedlich grasenden Tieren steigerte sich auf 850.000 Dollar (Taxe 400.000 bis 600.000 USD).

Auch die Brasilianerin Adriana Varejão mischte mit ihrem Fliesenbild „Língua com padrão de flor“, aus dem seit 1998 eine aufgerissene blutartige Fleischmasse hervorquillt, bei 600.000 Dollar in den vorderen Rängen der Versteigerung mit (Taxe 250.000 bis 350.000 USD). Ornamental arbeitete gleichfalls ihre Kollegin Beatriz Milhazes 2004 in dem Hochformat „Santo Christo“ mit Blumen und Kreisen und erreichte damit 280.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Südamerikanische Konzeptkunst mit gesellschaftlichen Konnotationen war dann mit Cildo Meireles und seinen drei leeren Coca-Cola-Flaschen „Inserções em Circuitos. Ideológicos: Projeto Coca-Cola“ von 1970/88 und seinen sieben im Zick-Zack-Muster angeordneten Zollstöcken unter der Titel „Metros“ von 1992 für jeweils 45.000 Dollar vertreten (Taxe 50.000 bis 70.000 USD und 45.000 bis 65.000 USD). Seine brasilianische Kollegin Jac Leirner überzeugte mit ihren Arrangements aus biografisch aufgeladenen Alltagsgegenständen, etwa den zu einem Quadrat genähten Banknoten von 1992 bei 62.000 Dollar (Taxe 35.000 bis 45.000 USD) oder den 1200 Cellophanfäden zum Öffnen von Zigarettenpackungen bei 42.000 Dollar, die sie 1987 zu dem braunen lungenartigen Gebilde „Pulmão“ verwoben hat (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

Die Klassiker der Pop Art redeten bei der Auktion ebenso ein Wörtchen mit, an erster Stelle Keith Haring mit einem rot bemalten, stark gestikulierenden und psychedelischen Holzmännchen von 1983 bei 550.000 Dollar (Taxe 600.000 bis 800.000 USD). Mit Strichmännchen kannte sich auch der im vergangenen Jahr verstorbene Graffiti-Künstler Richard Hambleton aus, der 1983 mit dem reitenden „Marlboro Man“ eine Ikone der amerikanischen Werbeindustrie persiflierte. Hier stehen nun 180.000 Dollar auf der Rechnung (Taxe 30.000 bis 50.000 USD). Es folgten Robert Indiana mit seiner viergeteilten rot-gelben Raute „The Red Yield Brother IV“ von 1964 zur unteren Schätzung von 400.000 Dollar, Robert Rauschenberg mit seinen 1969 kopierten und mit Aquarell sowie Tempera übergangenen Zitaten aus der realen Welt der USA für 280.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 USD) oder der silbergrauen collageartigen Variante von 1991 für 220.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 200.000 USD), oder Jim Dine mit seinem bunten pointillistischen Morgenmantel „Fast Sunshine“ von 2003 bei 160.000 Dollar zum Doppelten der Erwartung. David Hockney glückte der Auktionsauftakt mit der lapidaren Buntstiftzeichnung eines Gartenstuhls von 1976 bei 190.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Janet Fish heimste mit ihrem farbenfrohen und luziden Stillleben „Glass and Shells“ von 1990 gute 48.000 Dollar ein (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

Auch die ungegenständliche Kunst fand ihre Anhänger. Zum Abstrakten Expressionismus gehört der 1904 in Italien geborene, schon 1920 in die USA ausgewanderte Maler Giorgio Cavallon. Seine ausgefransten, leuchtenden Farbmassen auf der Leinwand „Sunday Morning“ aus dem Jahr 1962 kletterten von 40.000 Dollar auf 110.000 Dollar. Ähnlich tat es ihm der gebürtige Berliner Friedel Dzubas mit „Aftermath“ von 1985 und konnte sich dann über 55.000 Dollar freuen (Taxe 30.000 bis 40.000 USD). Bei Kenneth Nolands stiller horizontaler Streifenkomposition „Greek Vision“ von 1970 verdoppelte sich der Schätzpreis auf 240.000 Dollar, bei Richard Anuszkiewicz’ spielerischer Farberkundung „Translumina V“ im strikten Quadratraster waren es dann 65.000 Dollar (Taxe 40.000 bis 60.000 USD), und in die Dreidimensionalität griff Anne Truitt 1983 bei ihrer mit verschiedenen Farben bemalten Stele „Axilla“ aus. Die überlebensgroße, mehransichtige Gemäldeskulptur fuhr mit 260.000 Dollar den Auktionsrekord für die 2004 verstorbene Künstlerin ein (Taxe 70.000 bis 90.000 USD). Rechte Winkel bestimmen ebenfalls Tony Smiths schwarz patinierten Bronzemäander „We Lost“ von 1962, der sich auf 130.000 Dollar verbesserte (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Bildhauerisch betätigte sich Jenny Holzer bei ihrer auf Sprache basierten Konzeptkunst und meißelte 1983/85 wie bei einem Grabstein ihre Ideen in den Marmorblock „Selection from Survival: Die fast and quiet…“, den die Kunden mit 160.000 Dollar honorierten (Taxe 40.000 bis 60.000 USD).

Neben Kerry James Marshall stießen Werke anderer afroamerikanischer Künstler auf große Resonanz, vor allem Sam Gilliam, dessen „Drapes“ derzeit noch im Kunstmuseum Basel zu sehen sind. Von diesen abstrakten Farbräuschen, für die er zwischen 1967 bis 1973 dickflüssige Acrylfarbe direkt auf die unpräparierte Leinwand goss, sie dann faltete und knitterte und dann teils auf einen Keilrahmen aufzog oder frei an den Wänden oder im Raum drapierte, kam die rechteckige Variante „Maybe“ von 1971 auf 350.000 Dollar (Taxe 100.000 bis 150.000 USD), die freie Wandfaltung „Sydney“ von 1967/95 auf 300.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD). Ungegenständlich arbeitet zudem McArthur Binion, der 2016 in „DNA: Sepia: VIII“ eine dichte dunkle Netzstruktur auf einer Papiercollage für 85.000 Dollar entwickelt hat (Taxe 50.000 bis 70.000 USD). Gut dotiert sind auch die 300.000 Dollar für Faith Ringgolds „Listen to the Trees“ von 1997. Dafür hat die heute fast 88jährige New Yorker Malerin eine schwarze Frau mit Blumenstrauß am Waldrand in naiver Malweise auf die Leinwand gebannt und mit einem charakteristischen bunten Quiltrahmen versehen (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Auch der 1977 geborene Kehinde Wiley ließ sich nicht lumpen und gab seine markanten, in ornamentalen Blumenranken posierenden Heranwachsenden in „Passing/Posing Annunciation“ von 2005 für 180.000 Dollar ab (Taxe 100.000 bis 150.000 USD). Seine ebenso auffällige Portraitstudie aus den „Conspicuous Fraud Series“ von 2001 folgte mit 170.000 Dollar gleich dahinter (Taxe 30.000 bis 50.000 USD).

Ungezwungen geht Gerhard Richter mit Abstraktion und Figuration um. Zwar tendiert sein Schaffen zur Ungegenständlichkeit, doch immer wieder setzt er auch Abbildhaftes für die Erforschung grundlegender Gegebenheiten der Malerei ein und überrakelte so 1990 eine Fotografie mit grauen und roten Farbschlieren und betitelte sie mit „Haus“. 140.000 Dollar waren nun sein Lohn (Taxe 150.000 bis 200.000 USD). Während Anselm Kiefers Materialschlacht „Die Himmelspaläste“ von 2002 liegenblieb (Taxe 400.000 bis 600.000 USD), reüssierten Wolfgang Tillmans’ Fotoarbeit „Monument“ eines hellbeigen gepflasterten Wegs auf dunkelblauem Grund von 2006 bei 95.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD) und Stephan Balkenhols kleiner, auf einem roten Kubus hockender und wesenlos in die Ferne blickender Mann bei 45.000 Dollar (Taxe 20.000 bis 30.000 USD). Preislicher Höhepunkt bei den Deutschen war mit 200.000 Dollar Jörg Immendorffs wandfüllendes Gemälde „Großer Tisch“ von 1980, das sich mit deutscher Geschichte und Befindlichkeit zur Winterszeit auseinandersetzt (Taxe 100.000 bis 150.000 USD).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s New York

1334 York Avenue (at 72nd Street)

US-NY 10021 New York

Telefon:+1 (212) 606 70 00

Telefax:+1 (212) 606 71 07



28.09.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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