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Olaf Nicolai bespielt die Kunsthalle Wien und darüber hinaus noch andere Orte in der Donau-Metropole und interessiert sich hierbei für die gegenwärtige Bildpolitik

Kunst in Veränderung



in der Ausstellung „Olaf Nicolai. There Is No Place Before Arrival“

in der Ausstellung „Olaf Nicolai. There Is No Place Before Arrival“

Seit vier Jahren ist der deutsche Konzeptkünstler Olaf Nicolai in der Wiener Innenstadt mit einem Auftragswerk präsent. Er zeichnet für den Entwurf des Denkmals X verantwortlich, das am Ballhausplatz in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt an hingerichtete Deserteure der Wehrmacht erinnert. Der Bezug zu den Verfolgten der NS-Militärjustiz und damit zum Umgang mit der Vergangenheit als auch zur Durchsetzung der Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure und Verfolgten der NS-Militärjustiz soll Anstoß für ein gegenwärtiges zivilgesellschaftliches Engagement geben.


Für die Kunsthalle Wien hat Nicolai nun aktuell ein Ausstellungsprojekt geschaffen, für das er, seinem konzeptuellen Ansatz folgend, verschiedene Orte und mediale Kanäle bespielt. Der 1962 in Halle an der Saale geborene Künstler, der in Leipzig, Budapest und Wien Germanistik studierte, hatte schon während seines Studiums eine besondere Affinität zur österreichischen Metropole. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Geste zwischen Expression und Kalkül. Zur Poetik der Wiener Gruppe“ untersuchte er die Spannung zwischen Ausdrucksformen und ihrer strategischen Umsetzung anhand von Poesie und ging damit Fragestellungen nach, die später auch sein künstlerisches Werk charakterisieren. Seine vielfältigen interdisziplinären Projekte nehmen Bezug auf die primäre Erfahrung von Raum, Zeit und Körperlichkeit. Performative Elemente, sich verändernde Werke, modifizierte Alltagsgegenstände sowie ein umfangreiches Bezugsfeld aus singulären Momenten der Politik- und Geistesgeschichte bestimmen seine künstlerische Praxis.

„There Is No Place Before Arrival“ lautet der Titel der Werkschau. Die Ausstellung stellt Fragen einer speziellen „Methode“ ins Zentrum – einer Praxis, die nicht nur Nicolais künstlerische Arbeitsweise bestimmt, sondern auch selbst Werkcharakter annimmt. Für die Kunsthalle Wien im Museumsquartier entstand eine temporäre, ortsspezifische Installation, für die der Künstler „Auftragsmaler“ verpflichtete, Bilder nach Vorlagen aus Zeitungsausschnitten in extremer Vergrößerung mit farbigen Kreiden auf dem Boden der Ausstellungshalle nachzuzeichnen. Bei den insgesamt 22 Motiven handelt es sich um Fotografien aus Tageszeitungen wie der Süddeutschen Zeitung, der Neuen Züricher Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die zwischen 2006 und April 2018 veröffentlicht wurden und alle aus dem Privatarchiv des Künstlers stammen.

Viele dieser Bilder haben einen doppelten Charakter: sie enthüllen nicht gleich, was sie zeigen sollen, und haben gleichzeitig eine Präsenz, die die Betrachterinnen und Betrachter auf fremde Fährten lockt. Die in großformatige Kreidearbeiten übersetzten Motive zeigen beispielsweise auf dem Boden kauernde Demonstranten in Mazedonien, die Versenkung eines ausrangierten US-amerikanischen Flugzeugträgers, Schneespuren auf dem Gipfel des Schweizer Rottalsattels ebenso wie einen Dandy im weißen Outfit, der schwungvoll und gleichzeitig mit eleganter Geste einen Sommerhut vor sich hält. Wenn man allerdings erfährt, dass das Bild des schneebedeckten Gipfels den Artikel über 16 Schweizer Rekruten begleitete, die in einer Lawine getötet wurden, oder es sich bei dem Dandy um einen Rechtsradikalen handelt, der sich 2006 beim brauen Aufmarsch durch den beschaulichen Vorort Münster-Hiltrup beteiligte, wird das Bild zu etwas anderem.

Entstanden ist in der großen Ausstellungshalle ein riesiges Tableau, eine begehbare Abfolge von Motiven aus unterschiedlichen großen Bildern sowohl mit politischen, als auch poetischen Konnotationen. Movens für Nicolai war die Transformation der Bilder in ein anderes Medium, ein Medium, das man aus dem urbanen Kontext kennt. Durch die konzeptuelle Geste der Übertragung werden die Bilder in einen fremden Zusammenhang eingebettet, was sich auf ihre Wahrnehmung und Rezeption auswirkt. „Bilder“, sagt Olaf Nicolai, „bilden Realität nicht ab, sondern konstruieren sie... das heißt, ein bestimmtes Wissen kann ein Bild massiv verändern.“

Nicolai interessiert sich für die Bildpolitik, die Medien, Machthaber, Unternehmen, aber auch Einzelpersonen betreiben. Er hinterfragt gewohnte Sichtweisen und reflektiert die Art und Weise, in der die Verbindung zwischen Bedeutung und Erfahrung sich immer wieder neu gestaltet. So wird sich das Bodentableau im Laufe der Ausstellung verändern. Sowohl SchriftstellerInnen, TänzerInnen, MusikerInnen und PerformerInnen, als auch die BesucherInnen sind eingeladen, sich auf dem bemalten Fußboden zu bewegen, so dass auch sie das Prozesshafte der Arbeit zum Vorschein bringen: Die Installation wird durch diese Eingriffe aktiviert und verändert. Gleichzeitig ist intendiert, dass die Kreidebilder verwischen und unkenntlich werden, bis sie am Ende nur mehr fragmentarisch sichtbar sind. Während der Laufzeit der Ausstellung sollen diese veränderten Bilder nun wiederum in verschiedenen Medien veröffentlicht werden. Das Ausgangsmaterial wird in einen medialen Umlauf gebracht, sodass ein kontextueller Feedback-Loop entsteht, eine Schleife, die auf erneute mediale Rezeption fokussiert und die transformierten Bilder des Ausstellungskontextes in die öffentliche Wahrnehmung streut.

Ein weiterer Aspekt von Nicolais methodischer Herangehensweise ist die Auseinandersetzung mit dem Ort, an dem seine Werke gezeigt werden. Um diesen zu reflektieren und zu hinterfragen, führt er seine Ausstellung mit interdisziplinären Projekten außerhalb der Institution etwa in Kollaborationen mit dem Sigmund Freud Museum, dem ZOOM Kindermuseum und dem Wiener Antiquariat von Georg Fritsch weiter und vervielfältigt so die Bezüge der Arbeiten untereinander und zu ihrer jeweiligen Umgebung. Auch das Deserteursdenkmal am Ballhausplatz ist Schauplatz für Nicolais breit angelegte Ausstellungsaktivitäten. Als Bestandteil des Projekts wird das Monument neu aktiviert, indem GesangsperformerInnen A cappella-Stücke aufführen. Es handelt sich dabei um eine Fortsetzung des Projekts „Escalier Du Chant“, das Nicolai 2011 für die Pinakothek der Moderne in München umgesetzt hat. Das Konzept sieht vor, dass der Künstler KomponistInnen einlädt, jeweils kurze Werke ausgehend von aktuellen Ereignissen zu schreiben, die dann von den Vocalsolisten musikalisch interpretiert werden.

Reflexion ist Teil dieses komplexen Wechselspiels, das sich vor allem aus der Rückkoppelung an gemachte Erfahrungen speist. Häufig stellt Olaf Nicolai bekannte Motive in neue Kontexte oder versucht sich am Wiederholen von Bildern aus der Erinnerung. Echos entstehen, die Dinge miteinander verbinden, von denen man nicht wusste, dass sie etwas miteinander zu tun haben. Geschichten werden nicht auf einer einzelnen Ebene erzählt, sondern laufen parallel oder werden übereinander geblendet.

Nicolais Tun führt auch dazu, veränderte Blickweisen auf und Bezüge zu seinem Werk herzustellen, die abermals belegen, dass diese Rückkopplung niemals eindeutig ist. Hierfür bedient sich der Künstler des facettenhaften Instrumentariums aktueller Kunstproduktion: partizipative Projekte baut er ebenso ein wie sinnliche und poetische Elemente, Fragen um das System des Kapitalismus paaren sich mit dem kritischen Blick auf Institutionen und Orte, Kooperationen mit Musikern und Performern erweitern Nicolais Auseinandersetzung um Themen wie Migration, Arbeit und Produktionsbedingungen, Naturkatastrophen und -zerstörung sowie Krieg. Aus seinem reich bestückten Fundus zauberte Olaf Nicolai sogar noch den unlängst erworbenen roten Mercedes Ponton, mit dem Helene Weigel, die Ehefrau von Bertolt Brecht, als Direktorin des Berliner Ensembles durch Ost-Berlin cruiste. Die Autoikone war Ende Juni essentieller Bestandteil von Nicolais Theaterstück „Brecht in der Auto-Werkstatt“, das in einem Kfz-Betrieb im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg zur Aufführung kam. Kurz darauf stand der Fetisch des kapitalistischen Westens vor dem Wiener Burgtheater. Er soll an den Wiener „Brecht-Boykott“ von 1953 bis 1963 erinnern, der erst mit einer Aufführung im Volkstheater beendet wurde. Vor diesem wird die Auto-Ikone dann im Herbst stehen.

Bei „Brecht in der Auto-Werkstatt“ ging es Olaf Nicolai dem Programmzettel zufolge um „den Charakter der Performance und des Theaters, der Bedeutung von Ökonomie“ und um die Frage, was Arbeit heute sei. Vor allem von dieser Frage wird sich die Crew um den Wiener Malermeister Markus Tripolt angesprochen fühlen, besteht das sechsköpfige Team, das die von Nicolai ausgewählten Fotos ins Monumentale übersetzte, doch bis auf eine Ausnahme aus weiblichen „Mitarbeiterinnen“, die unter anderem an der Wiener Akademie der Künste und der Universität für Angewandte Kunst studierten und als freischaffende Künstlerinnen tätig sind. Nur leben können sie davon anscheinend nicht. So regiert das Geld die Kunst – auch die eines Olaf Nicolai.

Die Ausstellung „Olaf Nicolai. There Is No Place Before Arrival“ ist bis zum 7. Oktober zu sehen. Die Kunsthalle Wien hat täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Studierende 2 Euro und für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos.

Kontakt:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 521 891 201

Telefax:+43 (01) 521 891 217

E-Mail: office@kunsthallewien.at



25.09.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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13.07.2018, Olaf Nicolai. There is No Place before Arrival

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Kunsthalle Wien

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Olaf Nicolai, Ein Zeichenbuch für Kinder nach
 Motiven von Arnulf Rainer, 2002
Olaf Nicolai, Ein Zeichenbuch für Kinder nach Motiven von Arnulf Rainer, 2002

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Olaf Nicolai, Ein Zeichenbuch für Kinder nach Motiven von Arnulf
 Rainer, 2002
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Variabilder:

Olaf Nicolai, Helene Weigels Auto vor dem Burgtheater Wien
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Olaf Nicolai, There Is No
 Place Before Arrival [Völkisch und international], 2018
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Variabilder:

Olaf Nicolai, Trauer und Melancholie, 2009/12
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Olaf Nicolai, There Is No
 Place Before Arrival [Weg ohne Umkehr – Schneelawine], 2018
Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Weg ohne Umkehr – Schneelawine], 2018

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Die
 Auferstehung der Champions / geklontes Pferd], 2018
Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Die Auferstehung der Champions / geklontes Pferd], 2018







Olaf Nicolai, Ein Zeichenbuch für Kinder nach Motiven von Arnulf Rainer, 2002

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Olaf Nicolai, Ein Zeichenbuch für Kinder nach Motiven von Arnulf Rainer, 2002

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Olaf Nicolai, Helene Weigels Auto vor dem Burgtheater Wien

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Völkisch und international], 2018

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Olaf Nicolai, Trauer und Melancholie, 2009/12

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Weg ohne Umkehr – Schneelawine], 2018

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Die Auferstehung der Champions / geklontes Pferd], 2018

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Nach dem Massenmord in Las Vegas Motiv des Täters unklar], 2018

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Olaf Nicolai, There Is No Place Before Arrival [Die USA fliegen Luftangriffe auf Syrien], 2018

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Olaf Nicolai, Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, 2014

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Olaf Nicolai, Installationsansicht Antiquariat Georg Fritsch

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in der Ausstellung „Olaf Nicolai. There Is No Place Before Arrival“

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