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Konstanz zeigt Meisterblätter aus der Sammlung Brandes

wohl Giovanni Battista Tiepolo, Zur Seite geneigter Kopf einer jungen Frau mit halb geschlossenen Augen, 1752

Spontan und direkt, dazu empfindlich und kostbar, aber auch Platz sparend – dies sind wesentliche Charakteristika von Zeichnungen, die sie zu einem beliebten Sammelobjekt machen. So war es auch beim 1839 in Kopenhagen geborenen und seit 1876 in Konstanz lebenden Bankier Wilhelm Brandes. Kunstinteressiert und im Vorstand des Konstanzer Kunstvereins aktiv, trug er in seinem Domizil am Bodenseeufer eine Kunstsammlung zusammen. Als ein Feuer im Jahr 1894 Haus und Kunstwerke vernichtete, erhielt er dank guter Versicherung eine opulente Entschädigungszahlung, die es ihm erlaubte, bis zu seinem Tod 1907 erneut eine Kollektion aufzubauen. Dabei konzentrierte er sich auf Handzeichnungen europäischer Künstler aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Den gesamten Fundus aus 450 Blättern vermachte er der Stadt Konstanz. Rund 100 dieser faszinierenden Handzeichnungen sind nun in der Städtischen Wessenberg-Galerie unter dem Titel „Das gezeichnete Leben“ zu sehen.

Zum Auftakt begegnet den Besuchern das Sammlerglück. Im Jahr 1899 erwarb Brandes zum Spottpreis von 20 Mark, heute rund 200 Euro, eine als kunstgewerblich unbedeutend eingestufte Skizze. Wenig später wurde sie Albrecht Dürer zugeordnet, der um 1521/22 den Entwurf eines Drachenleuchters mit Elchgeweih für das Nürnberger Rathaus gezeichnet hatte. Neben großen alten deutschen Meistern liegt das Hauptgewicht der nach Ländern und Epochen gegliederten Auswahl vor allem auf Werken italienischer und niederländischer Künstler. Von Giovanni Battista Tiepolo stammt beispielsweise eine in roter und weißer Kreide verfasste Zeichnung auf vom ihm bevorzugtem blauem Papier. Sie zeigt eine Frau mit geschlossenen Augen und wird von Experten als Entwurf für die Fresken in der Würzburger Residenz angesehen. Von Annibale Carracci bis hin zu Giulio Romano reicht das Spektrum der italienischen Künste.

Zeichnungen aus dem „Goldenen Zeitalter“ in den Niederlanden bilden den weiteren Schwerpunkt. Fußend auf einer starken Flotte, prosperierendem Überseehandel und wirtschaftlichem Erfolg, blühten im 17. Jahrhundert Wohlstand und künstlerische Liebhaberei, die geschätzte fünf Millionen Gemälde und noch mehr Zeichnungen für jeden Geschmack und Geldbeutel entstehen ließen. Meist spezialisierten sich die Künstler auf bestimmte Themenkreise. Szenen aus dem häuslichen Umfeld, auf der Straße, bei der Arbeit oder im Wirtshaus beherrschten das Schaffen Adriaen Brouwers, etwa in einem Blatt mit rauchenden und zechenden Bauern in einer Gaststube. Zeichnen war früher nicht nur Grundlage jeder künstlerischen Ausbildung, sondern auch Bestandteil höfischer Erziehung, wie das von Friedrich Wilhelm IV. angefertigte Blatt „Goethe und Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar beim Schachspiel“ vor Augen führt. Fulminant ist zudem, wie Adolph von Menzel eine junge Frau 1886 in starker Untersicht aufgenommen hat, charmant Oswald Kresses etwas jüngeres stehendes Mädchen.

Die Ausstellung „Das gezeichnete Leben. Meisterwerke aus der Sammlung Brandes“ ist bis zum 6. Januar 2019 zu sehen. Die Wessenberg-Galerie hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags bis 17 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Neujahr. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Städtische Wessenberg-Galerie
Wessenbergstraße 43
D-78462 Konstanz

Telefon: +49 (0)7531 – 900 921
Telefax: +49 (0)7531 – 900 608


24.09.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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wohl Giovanni Battista Tiepolo, Zur Seite geneigter Kopf
 einer jungen Frau mit halb geschlossenen Augen, 1752
wohl Giovanni Battista Tiepolo, Zur Seite geneigter Kopf einer jungen Frau mit halb geschlossenen Augen, 1752

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Adriaen Brouwer, Rauchende und zechende Bauern
Adriaen Brouwer, Rauchende und zechende Bauern

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Albrecht Dürer, Entwurf für einen Drachenleuchter mit einem
 Elchgeweih, 1521/22
Albrecht Dürer, Entwurf für einen Drachenleuchter mit einem Elchgeweih, 1521/22

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Oswald Kresse, An einem Tisch stehendes kleines Mädchen, seinen Kopf
 stützend
Oswald Kresse, An einem Tisch stehendes kleines Mädchen, seinen Kopf stützend

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Adolph von Menzel, Schulter und zur Seite
 geneigter Kopf einer jungen Frau in Untersicht, 1886
Adolph von Menzel, Schulter und zur Seite geneigter Kopf einer jungen Frau in Untersicht, 1886

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