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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Koller startet bei den Gemälden alter und jüngerer Meister mit einer ausgesuchten Vielfalt in die neue Auktionssaison, die mit dem Angebot an Zeichnungen und Grafiken in Zürich kaum Wünsche offen lässt

Versuchungen allenthalben



Hieronymus Bosch Nachfolger, Nächtliche Landschaft mit der Versuchung des heiligen Antonius, um 1550

Hieronymus Bosch Nachfolger, Nächtliche Landschaft mit der Versuchung des heiligen Antonius, um 1550

Laut Legende suchten den heiligen Antonius während des langen Wüstenaufenthalts immer wieder Visionen heim, die ihn von seiner asketischen Lebensweise abbringen wollten. Schon in der mittelalterlichen Buchmalerei und im Buchdruck avancierte seine Geschichte als Beispiel christlicher Standhaftigkeit und Tugend zu einem beliebten Thema. Während die Szene bis ins 16. Jahrhundert zumeist am Tage abgebildet wurde, ist die Darstellung bei Nacht, die ein Nachfolger Hieronymus Boschs in jener Zeit schuf, eine ikonografische Seltenheit. Einzig eine brennende Kirche beleuchtet das Gemälde, das deutlich vom Meister der skurrilen Figuren und Monster inspiriert ist. Den gesamten Raum füllen obskure Gestalten und höllenartige Wesen, fantastische Gebäude und Symbole der Lasterhaftigkeit. Vom infernalen Geschehen unbeeindruckt, sitzt der heilige Antonius unten links im Bild und betet vor einem Kruzifix, während er eine Hand treu auf die Bibel legt. Selbst eine dämonische Kreatur, die ihm über die Schulter blickt, kann ihn nicht vom rechten Weg abbringen. 180.000 bis 250.000 Franken soll das düstere und doch grotesk komische Querformat nun bei Koller einspielen.


Weitreichenden Versuchungen dürften auch die Kunden des Züricher Versteigerers am 28. September ausgesetzt sein. Denn dann offeriert er qualitätvolle Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Zeichnungen und Grafik aus vielfältigen Ländern, Epochen und Stilen, die einiges an Kaufinteresse wecken sollten. Eines der Spitzenstücke, das auch den Katalogtitel ziert, ist der Johan Moreelse zugeschriebene „Alchimist“ des frühen 17. Jahrhunderts. Dieser sitzt konzentriert in seiner Studierkammer und bedient den Blasebalg für eine kleine Destille, die an einen Glaskolben angeschlossen ist. Das Licht fällt von links in den Raum und bricht sich durch das Glas sowie die gelbliche Flüssigkeit, bevor es den alten bärtigen Forscher in seinem roten Umhang erhellt. Dieser Effekt ist deutlich von Caravaggio beeinflusst (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR). Gleich hoch veranschlagt ist Willem Bensons statuarische „Maria mit dem Kind“ aus der Zeit nach 1555. Vor dunkelgrünem Grund säugt sie den jungen Jesus, der nur von einem hauchfeinen Tuch umhüllt ist und in ihrem rechten Arm liegt. Ihr über den Kopf gezogener roter Umhang verleiht dem Werk einen gekonnten Farbkontrast und rahmt die Figuren.

Diesmal hat Koller einen „Schätzpreis auf Anfrage“ vergeben, der gemeinhin die teuersten Positionen einer Auktion kennzeichnet, für den Schweizer Versteigerer aber unüblich ist. Er gilt der Kopfstudie eines nach oben blickenden Mönchs. Vorsichtig hat Koller die Holztafel als „Antwerpener Meister“ um 1610/15 in den Katalog aufgenommen. Doch der Bezug zu Peter Paul Rubens ist evident. Denn der Kopf taucht exakt in seinen Altarbildern „Die heiligen Dominikus und Franziskus von Assisi als Beschützer der Welt vor dem Zorn Christi“ im Musée des Beaux-Arts in Lyon und „Der heilige Augustinus“ in der Real Academia de Bellas Artes in Madrid auf. Zudem verzeichnet Rubens’ Nachlassinventar mehrere Kopfstudien, so dass nur kleine Zweifel an der Urheberschaft Rubens’ blieben. Vielleicht hofft Koller ja auf einen siebenstelligen Betrag.

Altmeister mit Florenz-Bezug

Die ältesten Werke der Versteigerung gelten der frühitalienischen Malerei der Gotik. Die „Madonna dell’Umiltà“ aus der Zeit um 1375 haben die Experten dem sogenannten Meister der Madonna Lazzaroni zugeordnet. Der in Florenz tätige Maler holte die Jungfrau ins Zentrum, umhüllt von einem tiefblauen Gewand. Das Jesuskind, dem sie tief in die Augen blickt, sitzt auf ihrem Schoß, während vor dem goldenen Grund von rechts und links je ein Engel einfliegt (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Battista di Biagio Sanguigni, der etwas später ebenfalls in der toskanischen Stadt tätig war, gestaltete seine „Thronende Maria Lactans“ in einer Tafel mit dreieckigem oberem Abschluss, die wohl ein Element eines größeren Altarensembles war. Die nährende Mutter sitzt mittig auf einem mit edlem rotem Stoff überzogenen Stuhl, unter dem der fliesenbelegte Boden geometrisch räumliche Tiefe vorführt. Einen Dreipass über ihr füllt Christus mit einem Segensgestus (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR).

Unbekannt bleibt der Künstler hinter der florentinischen „Madonna im Rosenhag“ aus der Zeit um 1440. Vier begleitende Engel halten einen Baldachin über der Jungfrau, die sich mit ihrem Sohn vor den Blumen niedergelassen hat (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Aus Umbrien stammt eine weitere Maria mit dem Kind des frühen 16. Jahrhunderts, die auf einer dunklen Wolke vor einem wenig definierten Hintergrund aus Gold mit eingeritztem Strahlenkranz thront (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Herausragend ist die „Kreuzigung Christi“ eines florentinischen Meisters des 14. Jahrhunderts. In das Hochformat ist mit Tempera das monumentale Kreuz gemalt, das das Bild in zwei Hälften teilt. Bei den über die Tat klagenden Menschen im unteren Bereich ist die vor Trauer zusammengebrochene Maria zu sehen, die von Johannes in den Armen gehalten wird. Rechts innerhalb dieses durchdachten Aufbaus stehen die Befürworter der Hinrichtung (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).

Spezialisten ihres Sujets

Der im Goldenen Zeitalter der Niederlande rasch wachsende Kunstmarkt verlangte nach einer regen Produktion, der Künstler auch damit nachkamen, dass sie sich auf bestimmte Sujets spezialisierten. In den 1610er Jahren gestaltete Josse de Momper d.J. eine stimmungsvolle hügelige Winterlandschaft mit einem kargen Baum im Vordergrund, in die Jan Brueghel d.Ä. gekonnt die Figurenstaffage hineinkomponierte (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Obwohl Denis van Alsloot eine „Flucht nach Ägypten“ in seine verschneite Flusslandschaft integrierte, steht bei ihm ebenfalls die Natur im Vordergrund. Vor allem der stahlblaue Himmel und die rötlichen Wolken überzeugen durch ihre satten Farben, für die nicht zuletzt das verwendete Kupfer als Malgrund sorgt (Taxe 40.000 bis 50.000 SFR). In ein rundes Format setzte Simon de Vlieger sein Motiv „Marine mit Segelschiffen in Küstennähe“. In dem Seestück um 1626/27 ziehen sich Boote mit ihren Segeln harmonisch im Bild verteilt bis zum Horizont (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR).

Der Leidener Jan van Goyen setzte sich ebenfalls mit der Landschaft auseinander und ist gleich mehrfach mit seinen tonalen, meist brauntönigen Ausführungen vertreten, unter anderem mit den „Figuren vor einer Herberge an einem Wegrand“ von 1633, deren Stube zum Einkehren hinter einem bewachsenen Hügel kaum auszumachen ist (Taxe 45.000 bis 55.000 SFR). Die für ihn charakteristisch tief gesetzte Horizontlinie kennzeichnet genauso die „Fischer am Strand von Egmond“ von 1641, den er seit seinem Umzug nach Den Haag 1632 mehrfach verewigte. Vor der panoramahaft gezeigten Natur drängen sich die Personengruppen (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Jünger ist der „Bewaldete Dünenweg mit einem Gehöft“ von Meindert Hobbema, der den Fokus weniger auf die Weite legt, sondern ein einfaches Bauernhaus in den Mittelpunkt stellt. Düstere knorrige Bäume geben der Umgebung ihren urigen Charme, während das Gebäude in der Lichtung am hellsten hervorgehoben ist (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).

Großes Vorbild

Der einflussreiche Architekt Hans Vredeman de Vries verschrieb sich 1594 mit seinem „Gotischem Kircheninterieur“ dem Innenraum. Grautöne dominieren das durch die Baukunst in die tiefe strebende Bild, das detailverliebt die architektonischen Formelemente bis ins feinste Maßwerk und die Buntglasfenster aufgreift (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Tatsächlich für den Kirchenraum bestimmt war die anonyme Haupttafel eines Brüsseler Triptychons aus der Zeit um 1530/35 mit einer „Beweinung Christi“. Über der ausblauenden Landschaft schwebt Gottvater, und um die drei Kreuze scharen sich Engel, während auf der Erde Trauer um den vermeintlich verlorenen Gottessohn herrscht (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Als einflussreiche Größe unter den niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts gilt Rembrandt. Seine Selbstdarstellung mit Barett und weich bräunlichem Kolorit beeinflusste unter anderem Pieter Hermansz Verelst, der in ähnlichem Stil in den 1640er Jahren das „Porträt eines jungen Mannes mit Federbarett“ schuf. Die Nähe zu Rembrandt verwundert nicht, da Verelsts Meister Gerrit Dou selbst dessen erster Schüler war (Taxe 45.000 bis 50.000 SFR). Rembrandt selbst zugeschrieben war einst das „Porträt einer Dame in kostbarer Kleidung“ um 1631/35. Tatsächlich stammt die ernst drein blickende Frau mit unterlaufenen Augen und vorgewölbtem Bauch aber von dessen Schüler Isaac de Jouderville (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Rembrandt-Anklänge offenbart zudem Salomon Konincks Portrait eines alten bärtigen Mannes am Fenster, der eine Medaille vorweist (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR). Aus dem deutschen Sprachraum tummeln sich Gottfried von Wedig mit seinem feinen Stillleben samt Hummer, Weinkrug, Brot und Glas in einer Nische und Hans Rottenhammers biblische Historie der gut besuchten „Auferweckung des Lazarus“ (Taxe je 30.000 bis 40.000 SFR).

Die Einsamkeit in der Natur

Am Übergang zum 19. Jahrhundert steht ein weiterer deutscher Maler: Jakob Philipp Hackert komponierte seine weite Landschaft mit Blick auf das Tibertal nach harmonischen Kriterien und setzte pittoresk noch ein paar weiße Rinder und eine Bauernfamilie hinein. 2013 bei Koller schon einmal für 30.000 Franken veräußert, ist die Leinwand jetzt mit günstigen 18.000 bis 25.000 Franken angesetzt. Gustave Courbet gilt als großer Realist des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Um 1846/47 wandte er sich seinem „Stillleben mit Äpfeln in einem Teller und Wein auf einem Tisch“ zu, das mit der virtuosen Wiedergabe der Materialien von leuchtenden Äpfeln über das spiegelnde Messer bis zu einem reflektierenden Glas mit Likör überzeugt (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Virgilio Narcisso Diaz de la Peña platzierte 1857 Aktfiguren in eine Lichtung an einem Fluss. Während sich rechts drei Frauen mit Putti vergnügen, legt die abgeschiedene Frau links melancholisch den Kopf in die Hände (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).

Die Schule von Barbizon tritt zudem mit Paul Désiré Trouilleberts atmosphärischer Flusslandschaft mit Bauernhof und Hühnern (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), Léon-Victor Duprés ebenfalls unspektakulären „Kühen am Teich“ (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR) oder Henri-Joseph Harpignies’ charmanter Szene „Grave affaire“ von 1899 an, in der vier jungen ihren Drachen aus einem Baum befreien müssen (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Ländlich romantisch ist das Genrestück „Sitzendes Mädchen in den Bergen“ von Johann Georg Meyer von Bremen aus dem Jahr 1865. Gedankenversunken blickt die junge Frau, alleine auf einem Stein sitzend, in die eindrucksvolle vom Nebel umwobene Gebirgslandschaft, während in ihrer Nähe einige Ziegen grasen (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Vittoria Caldoni war eine von vielen Künstlern bewunderte Römerin; auch August Heinrich Riedel ließ sich von ihr zu einem stimmungsvollen Portrait mit ausgesuchten Lichteffekten hinreißen (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR). Arnold Böcklins Brustbild „Die heilige Katharina“ von 1880 in demütiger Haltung lässt auf keine bekannte Person schließen (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR).

In Carl Spitzwegs Landschaftspanorama steht „Der Adlerjäger“ um 1855/65 isoliert, entfernt und klein an einem See (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Selbst in Spitzwegs farbenprächtigerem und freundlicherem Gemälde „Vor der Stadt“ um 1875/80 sind die Personen auf einer gepflasterten Anhöhe teilnahmslos der breiten Szenerie ausgeliefert (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Für die Gattung der Tiermalerei listet der Katalog Thomas Sidney Coopers flache englische Flusslandschaft mit fünf Kühen von 1873 (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR) und Wouterus Verschuurs sanfte Lichtung mit Kühen und Pferden samt Dorf im Hintergrund (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR). Ein funkelndes Kolorit nutzte Félix Ziem für seine Vedute „Maria Himmelfahrt im Hafenbecken von Venedig“. Im türkisblauen Wasser spiegeln sich ein feierlich bunt beflaggtes Schiff in Frontalansicht sowie die weiteren Segel kleinerer Wasserfahrzeuge. Der Himmel unterstreicht mit seinem Hellblau die Strahlkraft der Ölmalerei für 50.000 bis 70.000 Franken. Diesiger ist da Eugène Boudins „Ansicht der Maas bei Dordrecht“ aus dem Jahr 1884. Seine Faszination für Licht und Schatten beweisen die detailgetreuen und doch flott gemalten Windmühlen am Ufer sowie die anderen Gebäude, die in der Wasseroberfläche schillern (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR).

Russische Kunst des 19. Jahrhunderts

Für die kommende Auktion konnte Koller ein größeres Konvolut mit Kunst aus Russland zusammentragen. Durch Julius Sergius Klevers „Herbstlandschaft“ von 1894 streift ein dick gekleideter älterer Mann über einen nass glänzenden Weg, den knorrige kahle Bäume einrahmen (Taxe 25.000 bis 40.000 SFR). Realistischer ging Alexej Petrowitsch Bogoljubow unter Barbizon-Einfluss seine „Brücke bei Auvers-sur-Oise“ an (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR). Im Jugendstil illustrierte dann Iwan Jakowlewitsch Bilibin das russische Märchen „Die weiße Ente“: Drei Jungen stehen an einem flächig gemalten See, auf dem das titelgebende Tier schwimmt. Die Szene wird von einem blumigen gemalten Rahmen umgeben, der nochmals in einen prunkvoll geschnitzten Holzrahmen eingefasst ist (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).

Einer der Hauskünstler bei Koller ist Ivan Fedorovic Choultsé. Doch 1907 und 1908 hat es ihn nicht in die winterlich verschneite Alpenwelt, sondern in die Arktis gezogen. Auf den Expeditionen sah er einen „Gletscher von Spitzbergen“, der sich seit 1911 aus bodennaher Sicht mit rohen Felsen im Vordergrund mächtig über einen hellblauen See erhebt und gleichfarbig leuchtend quer durch das Format zieht (Taxe 90.000 bis 120.000 SFR). Einen Blaustich hat ebenso Alexander Evgenevich Iacovleffs „Vue de Cassis“ von 1927, deren Hügelformationen und Bebauungen er skizzenhaft auf das Nötige reduzierte (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Als Zeichnerin tritt diesmal Natalja Gontscharowa mit dem Kostümentwurf für eine junge Frau in fantasievollem Traditionsgewand samt Bekrönung für 4.000 bis 6.000 Franken an.

Facettenreiche Zeichnungen

In das Renaissance-Umfeld Domenico Beccafumis ist die postkartengroße Studie zu einem gestikulierenden Apostel lokalisiert. Dessen weit ausgestreckte Arme formen eine Diagonale, die die Dynamik der flotten, aber gezielt gesetzten Zeichenstriche betont (Taxe 7.000 bis 12.000 SFR). Etwas später und im Umkreis Hans von Aachens entstand „Das Urteil des Paris“ mit delikat ausgeführter Feder in Schwarz und Braun sowie grauer Lavierung (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR). Der Mythologie bediente sich ebenso wohl Filippo Lauri im 17. Jahrhundert. Als bunte Gouache führte er den „Tanz der Nymphen und Satyrn“ aus, den bei gleicher Schätzung besonders seine sorgenfreie Atmosphäre auszeichnet. Einen dunklen monochromen „Sturm über einer Landschaft mit Häusern und Gewässer“ hielt dagegen Jacob de Heusch im Jahr 1700 mit seiner Feder fest. Wer wieder für 1.500 bis 2.000 Franken mitbietet, kann zusätzlich die rückseitige Studie zu einem sitzenden männlichen Akt in Rötel ersteigern. Virtuos hat Jacob Adriaensz Backer das Brustbild eines jungen Mannes mit Federhut auf das blaue Büttenpapier geworfen und den weiten Umhang über eine Brüstung wallen lassen (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). Mit roter Kreide setzte Giuseppe Antonio Petrini seine Studie der knienden Jungfrau Maria um, die vor allem durch den ausgreifenden Mantel mit starken Falten in Licht- und Schattenzonen besticht (Taxe 1.800 bis 2.500 SFR).

Die noch jüngere Feder- und Pinselzeichnung „Das Wehr bei Mühletal östlich von Innentkirchen“ von Caspar Wolf mit ihrem rauschenden Wasserfall hat genauso Entwurfscharakter, zum einen für die Vermarktung als Radierung und zum anderen für das Gemälde, das sich heute im Landesmuseum in Zürich befindet (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR). In seiner Vollendung herausragend ist in dieser Rubrik Hubert Roberts „Szene vor einer antiken Tempelfassade mit zahlreichen Personen zwischen Statuen, Spolien und Säulenresten“ von 1773, die mit ihrer Ruinenromantik eine eigene südländische Stimmung entwickelt (Taxe 9.000 bis 12.000 SFR). Mit einer virtuosen Ausführung kann ebenfalls Sebastian Wegmayr oder sein Umkreis im frühen 19. Jahrhundert glänzen. Leuchtende Farben und eine große Detailverliebtheit charakterisieren dessen Gouache „Blumenstillleben mit Weintrauben und Schmetterling“ (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Romantisch geht es bei Carl Blechens Bleistiftzeichnung eines einsamen Fischerboots an der Ostseeküste um 1834 zu (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR), präsurreal auf zwei Aquarellen Aloys Zötls mit fantastischen Muschelgebilden (Taxe je 2.500 bis 3.000 SFR), nüchtern erotisch auf Félix Vallottons Rötelblatt „Nu assis de dos sur un tabouret“ (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR) und recht wuselig auf mehreren Skizzen Edouard Vuillards, die bis zu 4.000 bis 6.000 Franken für eine „Femme au chapeau“ verlangen.

Prominente Grafiker

Im Bereich der Druckgrafik tun sich vor allem die großen Namen hervor. Allen voran steht Martin Schongauers Kupferstich „Der heilige Antonius, von Dämonen gepeinigt“ um 1469/73. Im undefinierten Himmelsraum greifen die teils skurrilen Höllengestalten mit allerlei Waffen den Heiligen in ihrem Zentrum an. Ausgeglichene Harmonie verleiht der Komposition die saubere Anordnung der Wesen im Kreis um Antonius (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Dämonisch kommt überdies Albrecht Dürers Holzschnitt „Die apokalyptischen Reiter“ aus der Folge „Die Apokalypse“ von 1497/98 daher. Mit Gewalt streben die endzeitlichen Bibelfiguren über die Menschen hinweg nach rechts, ein Drache tut sich schon an einem Bischof gütlich (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR). Statisch ist dagegen sein Kupferstich „Das Schweißtuch, von zwei Engeln gehalten“ aus dem Jahr 1513 (Taxe 6.000 bis 9.000 SFR). Von Dürers Zeitgenossen Lucas Cranach d.Ä. stammt die heilige Anna mit Maria und dem Kinde, die von Gottvater mit dem Heiligen Geist überfangen werden (Taxe 1.000 bis 1.500 SFR).

Das holländische 17. Jahrhundert prägte vor allem Rembrandt. Seinem Hang zum Naturalismus und seiner Vorliebe für Charakterköpfe sind die Radierungen „Der Bauer mit hohem Hut, auf einen Stock gelehnt“ und „Die Bettler an der Haustür“ von 1648 verpflichtet (Taxe je 1.500 bis 2.000 SFR). Den Apotheker „Abraham Francken“ hat Rembrandt um 1657 in seinen Arbeitskontext beim Studieren vor einem großen Buch in einer düsteren Kammer eingegliedert (Taxe 1.800 bis 2.500 SFR). Realismus war zudem Giovanni Battista Piranesis Credo, den er aber mit pittoresken Versatzstücken schmückte. Dementsprechend detailverliebt ist die „Veduta dell’Isola Tiberina“ von 1775 radiert. Aus der Untersicht wirkt die Schmalseite der Tiberinsel Roms wie der Bug eines Schiffes, der das Gewässer zu durchfahren scheint (Taxe 1.200 bis 1.500 SFR). Vier schwebende Stiere inszenierte Francisco de Goya um 1816/24 in seiner Grafikfolge „Los Proverbios“ vor einem abstrakten schwarzen Raum. „Disparate de Tontos – Lluvia de Toros“, die regenden Stiere, wirken damit surreal (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR).

Koller versteigert die Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, die Zeichnungen und die Alte Grafik am 28. September ab 10:30 Uhr. Eine Vorbesichtigung aller Lose ist vom 19. bis zum 23. September von jeweils 10 bis 19 Uhr möglich. Die Kataloge sind online unter www.kollerauktionen.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



16.09.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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