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Im Museum im Kulturspeicher Würzburg überwindet der deutsch-japanische Künstler Hiroyuki Masuyama die Grenzen von Zeit und Raum und gewährt einen neuen Blick auf die Welt

Mittags leuchten die Sterne am hellsten



Hiroyuki Masuyama, 0, 2016

Hiroyuki Masuyama, 0, 2016

Es ist dunkel, es herrscht völlige Stille, und nur die Sterne spenden am wolkenlosen Himmel ihr zartes Licht. Kein Geräusch ist zu hören; aber sobald man auch nur den kleinsten Atemzug tut, scheint er in der endlosen Weite hundertfach widerzuhallen. Direkt in der Mitte strahlt oben der Polarstern, um ihn herum leuchten der Große Wagen und Kassiopeia. In pulsierendem Flimmern breitet sich die Milchstraße quer über der dunklen Fläche aus. Folgt man ihrem Lauf begegnet der Blick dem Orion, bevor er langsam über die Magellanschen Wolken gleitet und schließlich an Alpha Centauri hängen bleibt. Unmöglich! Für die Menschen auf der Erde sind die Sternbilder niemals alle gleichzeitig sichtbar. Höchstens vielleicht in einem Planetarium oder in einer Dokumentation der NASA. Oder man befindet sich im Kulturspeicher in Würzburg, genauer in der großen hölzernen Kugel mit dem Titel „0 (Star Sphere)“, einem Werk von Hiroyuki Masuyama.


Der Düsseldorfer Künstler mit japanischen Wurzeln beweist in seinem Œuvre eine große technische Breite, kombiniert mit ausgeprägten handwerklichen Fähigkeiten. „0 (Star Sphere)“ ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Die dunkle Kugel hat er selbst konstruiert und gebaut. Die Version in Würzburg entstand 2018 und besteht aus mehreren Tausend kleinen Kiefernholzstückchen. Das zerlegbare „Universum“ misst 3 mal 3 mal 3 Meter, eine erwachsene Person kann also mehr als bequem darin stehen und sich frei bewegen. Mithilfe von Sternenkarten übertrug Hiroyuki Masuyama sowohl den Nord- als auch den Südhimmel maßstabsgetreu in Form kleiner Bohrlöcher auf die Hülle der Kugel. Jedes der winzigen Löcher, in denen ein einzelnes Lichtleiterkabel von 0,2 bis 2 Millimeter Durchmesser liegt, repräsentiert einen Stern in unserem Sonnensystem. Steigt man in die Kugel und schließt die Luke, dringt das Tageslicht durch die feinen Öffnungen nach innen und man steht auf einmal mitten im Weltraum umgeben von 30.000 Sternen. Je mehr Licht die Kugel umgibt, desto heller strahlen sie im Inneren. Alle Sterne gleichzeitig zu sehen, macht Hiroyuki Masuyamas Sternenball möglich.

Mit seiner Kunst will Hiroyuki Masuyama den Menschen einen neuen Blick auf die Welt schenken. Der Mensch ist immer Teil eines größeren Ganzen, aber in der Wahrnehmung wird davon immer nur ein begrenzter Ausschnitt, ein kurzer flüchtiger Moment tatsächlich sichtbar. Die Existenz des Ganzen kann man nur erahnen, sehen kann man es nicht. Raum und Zeit erlegen den Menschen diese unüberwindlichen Grenzen auf. Hiroyuki Masuyama aber gelingt es, sie in seinen Werken ein wenig zu überschreiten. Die Zeit und ihr Verstreichen findet er vor allem in der Natur. Ihr ist der erste Raum der Ausstellung gewidmet. Im Rhythmus von Tag und Nacht, im Werden und Vergehen der Jahreszeiten, der Blumen und Tiere manifestiert sich der ständige Fluss der Zeit. Mit seiner Digitalkamera hielt der Künstler für das Werk „Flowers“ über insgesamt 13 Jahre hinweg in tausenden Aufnahmen das Erscheinungsbild einer Blumenwiese fest. In einem Traum habe er eine Wiese, frei von Zeit und Raum gesehen, sagt er. Dieses Traumbild setzte er anschließend aus den unzähligen Einzelbildern zusammen. Knallrot leuchtet die Blüte des Klatschmohns neben einem kleinen Teich, auf dessen Oberfläche etwas Schnee schwimmt und dessen Ränder zu Eis erstarrt sind. Rund herum tummeln sich Schmetterlinge und Bienen. Sommer und Winter verschmelzen zu einer harmonischen Einheit. Mit 2,6 Metern Höhe und einer Breite von über 30 Metern überwältigt diese Fülle das Auge und verschleiert zunächst das Detail. Doch tritt man näher heran werden sowohl die reiche Vielfalt als auch die „unnatürlichen“ Widersprüche sichtbar. Dadurch macht Hiroyuki Masuyama auf das besondere Verhältnis von Teil und Ganzem aufmerksam, schult den Blick und lehrt das Auge auf solche Dinge zu achten.

Das Motiv der Pflanzen und Blumen findet sich auch in einer gegenüber aufgestellten Reihe von „Stillleben“. Dafür hat der 1968 in Tsukuba geborene Maler, Fotograf und Bildhauer einen Blumenstrauß über mehrere Tage hinweg immer wieder fotografiert und die Aufnahmen ebenfalls in einer Fotomontage übereinandergelegt. So entsteht ein den Memento Mori-Motiven barocker Stillleben von Blumensträußen und Früchtearrangements nicht unähnlicher Effekt. Die Aufstellung auf hölzernen Staffeleien unterstreicht wie auch der Titel den bewussten Rekurs auf diese Gattung. Doch Hiroyuki Masuyama präsentiert kein einzelnes Bild. Die Fotocollage ist auf viele kleine wabenförmige Bildträger aufgeteilt. Die sechseckigen Plättchen erinnern absichtlich an die Strukturen in einem Bienenstock. Hiroyuki Masuyama möchte auch hier den Blick auf den großen Plan im Hintergrund lenken: Die Schönheit der Natur, die Vielfalt der Formen und Farben sind ursprünglich nicht dazu da, um den Menschen zu erfreuen. Die Pflanzen haben sich im Zuge der Evolution so entwickelt, um für die Insekten attraktiv zu sein und diese Bestäubungsassistenten in großer Zahl anlocken zu können, erklärt er seine Formenwahl. Auf die Frage, ob er mit speziell dieser Werkserie auch auf die aktuellen Debatten zum Thema Umweltschutz – Stichwort „Bienensterben“ – hinweisen möchte, antwortet Hiroyuki Masuyama aber mit einem klaren Nein. „Ich will den Menschen nicht so sagen, so ist die Welt und so ist sie nicht, aber ich lade sie ein, die Welt anzuschauen und darüber nachzudenken.“ Er ermöglicht nur den Blickwechsel, die Schlüsse aus dem Gesehenen soll jeder Einzelne für sich selbst ziehen.

Hiroyuki Masuyamas „Weltreise“ bildet gewissermaßen einen Gegenpart zum Konzept von „0 (Star Sphere)“. Blickte man in der Sternenkugel sozusagen von der Erde aus nach außen, zeigt er in der insgesamt 27 Metern langen Lightbox-Installation den Blick von außen auf die Erde herab. In insgesamt 42 Flugstunden verteilt auf sechs einzelne Flugreisen mit den Stationen Frankfurt, Bangkok, Tokyo, Honolulu, Los Angeles, New York und wieder Frankfurt umrundete er in etwa 10.000 Metern Höhe einmal den gesamten Globus. Als Instrument nutzte er seine erste Digitalkamera und seinen Verstand. Während des Fluges blickte Hiroyuki Masuyama beständig durch seine Kamera hindurch, im Kopf zählte er von eins bis 20 und drückte ab, dann begann er das Zählen von Neuem. 7.500 Aufnahmen, 7.500 Mal Zählen. „Am Ende war mein Kopf ganz klar.“ Das Produkt ist ein nahtlos zusammengesetztes Panoramabild. Der Künstler betont aber, ihm gehe es viel mehr um den Prozess während der Entstehung eines solchen Produktes. Die Meditation ist fester Bestandteil seiner asiatischen Heimatkultur. In vielen seiner Arbeiten ist sie ein wesentlicher Baustein, so auch in der „Weltreise“. Letztlich war es für Hiroyuki Masuyama eine beinahe zwei Tage andauernde Mega-Meditation. Natürlich hätte die Kamera auch automatisch alle paar Sekunden ein Bild schießen können, er ist aber davon überzeugt, dass sein ständiger Blick durch die Linse und sein eigenes Zutun nötig waren, um ihm einen Eindruck seines Motivs zu geben. Dieser Eindruck sei wiederum essentiell für das Zusammenfügen der Aufnahmen am Computer. Die Betrachtung kann letztlich ebenso meditative Züge annehmen, wie es die Erschaffung für den Künstler tat.

Hiroyuki Masuyama studierte zunächst in Tokyo Öl- und Wandmalerei. Über ein Stipendium kam er Mitte der 1990er Jahre nach Düsseldorf. Dort und anschließend in Köln studierte er dann zusätzlich Fotografie. In Europa intensivierte er seine Auseinandersetzung mit der Kunst der Romantik, vor allem von Caspar David Friedrich und William Turner. Hiroyuki Masuyama begann, die Orte ihrer Gemälde aufzusuchen. Ähnlich wie für „Flowers“ fotografierte er die Ansichten immer wieder, am Morgen, abends, bei Sonnenschein und wenn es regnete. Er achtete immer darauf, möglichst zur selben Zeit wie die Maler vor 200 Jahren an den Plätzen zu sein. War Turner also im Herbst in Venedig, tat Hiroyuki Masuyama es ihm gleich. Auf den ersten Blick sehen seine Lichtkästen aus wie Kopien, selbst das Format stimmt mit den Vorlagen überein. Aber dann taucht neben der Basilika Santa Maria della Salute ein Baukran auf. Oder ein motorbetriebenes Lastschiff schippert über den Rhein. Viele solcher kleinen Details offenbaren das eklektische Prinzip hinter den Bildern. Das Neue an den Künstlern der Romantik war, dass sie ihre Landschaften komponierten. Sie studierten die Berge und die See, sie zeichneten überall Tiere und Pflanzen, sie beobachteten Licht und Farbenspiel und fügten sie dann im Atelier zu idealen Ansichten zusammen. Das Gleiche macht Hiroyuki Masuyama, nur nicht mit Skizzenblock und Pinsel, sondern mit der Kamera, vielen Bildern und Photoshop.

„Turner und Friedrich sind für mich wie ein Spiegel. Über einen solchen Spiegel kann ich etwas über mich erfahren.“ Und der Betrachter erfährt etwas über die alten Kunstwerke, über die Orte und ihre Geschichte. Die Fotomontagen schlagen eine Brücke über die Jahrhunderte, man taucht ein in eine Welt jenseits der Zeit. Hiroyuki Masuyamas Anknüpfung an die europäische Romantik ist auch ein verbindendes Glied zum Ausstellungsort. Mit Turners Hilfe schlägt er eine weitere Brücke zu Würzburg: Um etwa 1830 schuf Joseph Mallord William Turner die Ansicht „Würzburg from the Path to the Käppele“, heute in der Tate Gallery in London. Extra für die Ausstellung 2018 verarbeitete Hiroyuki Masuyama dieses Werk und hielt die Festung auf dem Marienberg fotografisch fest.

Die Harmonie der Gegensätze ist ein wesentliches Prinzip seiner Kunst. So malte Hiroyuki Masuyama beispielsweise für „Universe“ ein insgesamt etwa 450 mal 880 Zentimeter großes Abbild des scheinbar endlosen und unermesslich großen Nachthimmels. Auch hier verwendete er wieder Sternenkarten für eine möglichst exakte Wiedergabe. Diese Unendlichkeit bricht der Künstler jedoch in 672 kleine, einzelne Leinwände auf, die erst als zusammengesetztes Puzzle letztlich das Gemälde ergeben. In der Summe der kleinen Teile zeigt sich die wahre Größe. Das Prinzip der Gegenüberstellung bestimmte auch das Konzept der Ausstellung. Totale und Detail, Hell und Dunkel, warme Fröhlichkeit und kühle Klarheit, fotorealistische Malerei und aquarellimitierende Fotografie stehen sich sowohl innerhalb wie auch im Vergleich der beiden Ausstellungsräume ausgeglichen gegenüber. Vielleicht werden sich die Besucher zu Beginn noch zaghaft an der etwas unheimlichen Kugel im Foyer vorbeischieben. Doch nach den erstaunlichen Eindrücken von Hiroyuki Masuyamas Werken lässt man sich vor dem Hinausgehehen gerne auf das Wagnis ein, die Schuhe abzulegen und in die Dunkelheit des Weltraumes einzutauchen.

Die Ausstellung „Hiroyuki Masuyama. Welt, Reise, Zeit“ läuft bis zum 4. November. Das Museum im Kulturspeicher hat dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Jeden ersten Sonntag im Monat ist er frei. Ein Katalog ist für 19,95 im Museumsshop erhältlich.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



11.09.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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Hiroyuki Masuyama, Weltreise, 2004
Hiroyuki Masuyama, Weltreise, 2004

Künstler:

Hiroyuki Masuyama







Hiroyuki Masuyama, J.M.W. Turner: Würzburg from the Path to the Käppele 1830, 2018

Hiroyuki Masuyama, J.M.W. Turner: Würzburg from the Path to the Käppele 1830, 2018

Hiroyuki Masuyama, Still life No 2, 2011

Hiroyuki Masuyama, Still life No 2, 2011

Hiroyuki Masuyama auf „0 (Star Sphere)“, 2018

Hiroyuki Masuyama auf „0 (Star Sphere)“, 2018

Hiroyuki Masuyama, Montblanc, 2005

Hiroyuki Masuyama, Montblanc, 2005

Hiroyuki Masuyama, Flowers, 2018

Hiroyuki Masuyama, Flowers, 2018

Hiroyuki Masuyama, 1000 Blumen

Hiroyuki Masuyama, 1000 Blumen

Hiroyuki Masuyama, Weltreise, 2004

Hiroyuki Masuyama, Weltreise, 2004




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