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Auslösen und bis zehn zählen: Die Ausstellung „Wim Wenders Sofort Bilder“ bei C/O Berlin im Berliner Amerika Haus versammelt jetzt 240 sehenswerte Polaroid-Aufnahmen aus den Archiven der Wim Wenders Foundation

Die Materialisierung des Augenblicks



Wim Wenders, In Sydney, frühe 1980er Jahre

Wim Wenders, In Sydney, frühe 1980er Jahre

Mit preisgekrönten Spielfilmen wie „Der amerikanische Freund“ von 1977, „Paris Texas“ von 1984, „Der Himmel über Berlin“ von 1987 oder „The Million Dollar Hotel“ aus dem Jahr 2000 ist Wim Wenders international berühmt geworden. Danach hat er sich lange Zeit auf die Produktion von Dokumentarfilmen verlegt. Noch im Mai feierte sein Film „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ auf den Filmfestspielen in Cannes Premiere. Dass der 1945 in Düsseldorf geborene und heute in Berlin lebende Regisseur, Produzent, Fotograf und Autor jedoch neben der Filmkamera auch jahrzehntelang eine Polaroid-Sofortbildkamera als tägliches Werkzeug zur skizzenhaften Aneignung der Welt benutzte, zeigt jetzt die Ausstellung „Wim Wenders. Sofort Bilder“ in der C/O Berlin Foundation im Amerika Haus.


Rund 3.200 Sofortbilder, die im Laufe der Zeit in den landschaftlichen Weiten und urbanen Verdichtungen zwischen Berlin, dem Wohnort des Filmemachers, und Los Angeles, einem seiner Sehnsuchtsorte ganz tief im amerikanischen Westen, entstanden sind, befinden sich heute noch im Besitz der Wim Wenders Foundation. Viele andere hat er verschenkt, oder sie sind verlorengegangen. Auf dunkelblau gestrichenen Wänden ist jetzt eine Auswahl von 240 Polaroids zu sehen. Die Aufnahmen stammen aus der Zeit zwischen den späten 1960er und den frühen 1980er Jahren. Außerdem werden Auszüge von Wenders’ filmischen Arbeiten präsentiert. So zum Beispiel eine kurze Sequenz aus dem Film „Der amerikanische Freund“, in der der Hauptdarsteller Dennis Hopper sich, auf einem Billardtisch liegend, gleich dutzendfach mit der Polaroid-Kamera selbst fotografiert. Die beiden Kuratoren der Schau, Felix Hoffmann und Anna Duque y González, treten mit diesem kurzen Ausschnitt gleichsam den Beweis an, dass das so häufig als Symptom unseres digitalen Zeitalters apostrophierte „Selfie“ durchaus seine analogen Vorläufer hat.

Im Alter von sechs Jahren bekam Wim Wenders von seinem Vater die erste Leica-Kamera geschenkt. Lange Zeit fertigte er aber nur Kontaktbögen von seinen Aufnahmen an. Auf größere Abzüge legte er keinen Wert. Ende der 1960er Jahre entdeckte er dann die erste Polaroid-Kamera für sich – und alles war plötzlich ganz anders. Wenders erinnert sich: „Das Fantastische beim Polaroid war – eine neue Erfahrung nicht nur für mich – in dem Moment, in dem man das Photo machte, gab es dann auch sofort einen Abzug... Man konnte die Bilder sofort zeigen, darüber reden und auch weitergeben.“

Als vollwertige Fotografien hat er seine Sofortbilder jedoch nie betrachtet. Viel mehr als „soziales Medium“. „Ich hab die benutzt, wie um Notizen zu machen“, so Wenders. Zunächst nur in Schwarz-Weiß erhältlich, eroberte das Polaroid-Format spätestens mit der populären SX-70-Kamera auch das Massenpublikum. Der französische Philosoph Jean Baudrillard bezeichnete die sofortige Verfügbarkeit des Bildes 1987 – durchaus medienkritisch – als „Spezialeffekt unserer Zeit“. Baudrillard: „Das ist auch die Ekstase des Polaroid, fast gleichzeitig den Gegenstand und sein Bild zu erhalten... die optische Materialisierung eines magischen Prozesses... Das Polaroid ist wie ein vom realen Gegenstand abgefallener Film.“

Für Wim Wenders war die Polaroid-Kamera eher eine Art Spielzeug, vergleichbar vielleicht mit dem Smartphone unserer Tage. Wenders dazu: „Selbst wenn man die SX-70 heute in die Hand nimmt, ist der Spiel- und Lusteffekt nach wie vor ziemlich groß.“ Keine schlechte Voraussetzung also, um spontane, nicht übertrieben kopflastige Bilder zu produzieren, wie sie jetzt in der Berliner Ausstellung zu sehen sind. Das tut dem Sehvergnügen jedoch keinerlei Abbruch. Im Gegenteil. Wim Wenders zeigt uns die Welt, so wie er sie just in dem Augenblick wahrgenommen und empfunden hat, als er auf den legendären roten Auslöser seiner Polaroid gedrückt hat: die Golden Gate Bridge im Dauernebel, Straßenschluchten in New York und Chicago, einen Wasserfall in Island, leere Hotelzimmer, volle Schreibtische, sich selbst im Spiegel, seinen Schriftstellerfreund Peter Handke im Closeup oder einfach nur bizarre Wolkenformationen irgendwo im amerikanischen Westen. Daneben aber auch Aufnahmen, die er notizbuchartig am Rande seiner Filmsets gemacht hat, oder vom Fernseher abfotografierte Szenen aus Klassikern der Filmgeschichte.

Die 1972 entstandene Aufnahme „Postkarte aus New York“ mit einer ausgestreckten Hand, die eine Postkarte vom Empire State Building und ein kleines Spielzeugkrokodil vor die Kamera hält, hingegen könnte man auch als popkulturelle Aneignung von Großstadtmythen und „Urban Legends“ lesen. Wenders, ein Geschichtenerzähler par excellence, scheint hier auf die moderne Sage anzuspielen, wonach ausgesetzte Riesenechsen die Kanalisation einer Großstadt erobern. Auch wenn er das Fotografieren mit der Polaroid-Kamera immer eher als beiläufiges Bildermachen oder Knipsen empfunden hat und sich Anfang der 1980er wieder der Arbeit mit professionellen Kameras und Negativfilmen zugewandt hat, so bleibt das Kapitel Polaroid doch eine zentrale Erfahrung im Œuvre Wim Wenders’. Im Rückblick stellt er nicht ohne einen Anflug von Weltschmerz fest: „Durch diese Polaroids wird einem augenfällig, wie sehr sich unsere Lebensführung und unser Umgang mit der Zeit verändert haben. Das ist einfach eine harte Wahrheit: Wieviel auf der Strecke geblieben ist, wovon man sich nicht aus freien Stücken verabschiedet hat.“

Und noch etwas. Obwohl er selbst, wie er freimütig zugibt, „irrsinnig viele Bilder“ mit dem iPhone macht, traut er dem digitalen Medium keine lange Halbwertzeit zu. Wim Wenders: „Die Leute, die heute all diese Fotos auf ihren Handys machen, werden die meisten davon verlieren. Wer kann diese Formate in ein paar Jahren noch lesen?“

Die Ausstellung „Wim Wenders. Sofort Bilder“ ist bis zum 22. September zu sehen. Das C/O Berlin hat täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der Katalog aus dem Verlag Schirmer/Mosel kostet 49,80 Euro.

Kontakt:

C/O Berlin Foundation

Hardenbergstraße 22-24

DE-10623 Berlin

Telefon:+49 (030) 28 444 160

Telefax:+49 (030) 28 444 16 19

E-Mail: info@co-berlin.org



31.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Die C/O Berlin Foundation im Amerika Haus
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Wim Wenders, New Yorker Parade, 1972

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Unbekannter Fotograf, Wim Wenders. unwillig, 1971

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Wim Wenders, Tokio, 1977

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Die C/O Berlin Foundation im Amerika Haus

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