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Zeitgenössische Kunst in der Albertina: Das Wiener Museum gibt in seiner Contemporary Art-Reihe den neuen Abriss aus seinem reichen Fundus

Für Geschichte und Gegenwart



Mit einer Auswahl von 70 Werken bietet die Albertina derzeit einen Einblick in ihren umfangreichen, 20.000 Werke zählenden Bestand zeitgenössischer Kunst. Den Auftakt der von Antonia Hoerschelmann kuratierten Ausstellung bilden drei großformatige Gemälde des Österreichisches Gottfried Helnwein. Sein Gruppenbild „Epiphanie III (Darstellung des Herren im Tempel)“ von 2015/16 sowie „Das Gemurmel der Unschuldigen“ von 2012 und „Rosa Maus“ von 2016, die bereits in der Contemporary-Reihe vor einem Jahr am selben Ort zu sehen waren, übernehmen gleich zu Beginn die Aufgabe, die Besucherinnen und Besucher vom grausamen Realismus des Dargestellten zu fesseln. Schmerz, Verletzung und Gewalt sind wiederkehrende Motive in Helnweins beunruhigenden Arbeiten. Die verstümmelten Figuren verlangen nach einer Erklärung, die die Bilder verschweigen. Momente nationalsozialistischer Ikonografie irritieren gleichermaßen wie solche aus Manga- und Anime-Welten und fügen sich zu einer Ästhetik des Schreckens, die Helnwein auf hohem Niveau kultiviert.


Ungleich subtiler thematisiert Rainer Wölzl mit drei großformatigen Kohlezeichnungen die Darstellbarkeit beziehungsweise Nichtdarstellbarkeit der Shoa, der er eine, wie er es selbst nennt, „Malerei des Verschwindens“ entgegensetzt. Der 1954 in Wien geborene Künstler setzt sich in seinen Arbeiten, in denen die Farbe Schwarz eine vorherrschende Konstante bildet, mit kulturellen, sozialen und politischen Themen auseinander. Der Ausdruck „Museum der Schatten“ begegnet in Wölzls Werk als Titel erstmals in den 1990er Jahren. Seit dem Jahr 2008 bezeichnet er damit eine Serie meist großformatiger, aus mehren Einzelteilen zusammengesetzter Tableaus, in denen sich Wölzl motivisch auf kunsthistorische Vorbilder und Bilder des medialen Zeitalters bezieht und zeitgeschichtlichen wie gegenwärtigen sozialpolitischen Themen widmet. Der Begriff des Schattens dient hierbei „als vielfältiger Bezugsrahmen, als Projektionsbild, als ständiger Begleiter und als Teil der Erinnerung“.

Ausgangspunkt für die 2008 entstandene und aus zwölf Einzelblättern zusammengesetzte Kohlearbeit „Die Hecke I – zur Tarnung des Krematoriums V in Auschwitz Birkenau“ war eine Fotografie eines KZ-Aufsehers. Sie ist in dem Buch „Bilder trotz allem“ des französischen Kunsthistorikers Georges Didi-Huberman abgebildet, in dem er die theologisch-moralisch motivierte Doktrin der Nichtdarstellbarkeit der nationalsozialistischen Massenvernichtung hinterfragt. Im wechselseitigen Zusammenwachsen von Adaption und Modulation paraphrasiert Rainer Wölzl die kleine Aufnahme zu einem extremen Querformat, zu einer scheinbar sich endlos über den Bildrand fortsetzenden Barriere. Auch die zwei anderen, ebenfalls zwölfteiligen Panoramen „Gras des Vergessens I“ und „Gedicht I“ von 2009 thematisieren den Holocaust und die Möglichkeiten seiner Wiedergabe. Wölzl hinterfragt das Diktum des „Unvorstellbaren“ und „Unsagbaren“ und überzeugt mit einem virtuosen zeichnerischen Statement, einem Denkmal ohne Auftrag, das Statthalter für die Erinnerung ist.

Einen ruhigen Gegenpart zu Wölzls Kohlearbeiten bilden die beiden großformatigen Zeichnungen des ebenfalls in Wien geborenen Künstlers Eduard Angeli, dem die Albertina im vergangenen Jahr anlässlich seines 75. Geburtstages eine Retrospektive ausrichtete. Zu sehen sind zwei dunkel-düstere, auf Leinwand gezeichnete Szenarien der Lagunenstadt Venedig: „Leuchtturm 2“ von 2006 und die im selben Jahr entstandene „Bar 2“. In seinen regungslosen und menschenleeren Kompositionen isoliert Angeli die Objekte. Er transferiert das Motiv des Leuchtturms und das der Bar zu einem Symbol der Verlassenheit des Menschen. Angelis Kompositionen sind Szenen, in denen die Zeit stehen geblieben ist. Seit über fünfzig Jahren arbeitet der Künstler konsequent an „seinem“ Thema: dem Mythos der Stille, der Melancholie und der Regungslosigkeit der Welt. Einsamkeit und Leere erscheinen in seinen Arbeiten ebenso bedrohlich wie sehnsuchtsvoll angesichts einer Wirklichkeit voller Lärm und Gedankenferne.

Mit einem ganz der Pop Art gewidmeten Raum setzt sich der Ausstellungsparcour fort. Gezeigt werden Arbeiten von Tom Wesselmann, Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Warhols „Mercedes-Benz Formel-Rennwagen W 125“ von 1987 war ebenso wie Wesselmanns „Smoker“ von 1973 Anfang des Jahres Eyecatcher in der Ausstellung „America! America! How real is real?“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Beide Künstler transformieren die Oberflächen der Konsumkultur in eine Kunst, die von Verführung und kühler Distanz geprägt ist. Ein stimmiger Beitrag in diesem von amerikanischen Positionen geprägten Saal stammt vom dem österreichischen Künstler Markus Prachensky. „Red on White“ entstand 1969 während eines zweijährigen Aufenthalts in Los Angeles. Die kalifornische Landschaft, ihre Wüsten und Felsformationen transformierte der Maler in eine abstrakt-expressive Bildsprache: Verwandlung des Gesehenen und der persönlichen Erfahrung. Die Sammlung Rita und Herbert Batliner, die in der Albertina eine neue Heimat gefunden hat, steuert fünf Werke von Alex Katz bei, außerdem Arnulf Rainers „Rotes Land“ von 1960/63, Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ von 1986 und mit „Espenbaum – für Paul Celan“ von 2005, „San Loreto“ von 2008 und „A.E.I.O.U.“ von 2011 drei Arbeiten von Anselm Kiefer.

Franz Gertsch beteiligt sich mit dem Gemälde „Waldweg – Campiglia Marittima“ von 2013/14, einem signifikanten Beispiel für seine Auseinandersetzung mit Natur. Hier greift er ein aus seiner Holzschnittkunst bekanntes Sujet auf und interpretiert es neu. Die malerische Arbeit vereint fotorealistische Elemente, die für Gertschs Frühwerk bestimmend sind, ebenso wie eine abstrahierende Malweise. Er löst den Bildgegenstand aus der Bindung an einen konkreten Ort, gleichzeitig abstrahiert der kleinflächige, getupfte Farbauftrag das Motiv. Eindrucksvoll erschließt sich dem Besucher die enge Verzahnung von gemaltem und druckgrafischem Schaffen des heute 88jährigen Schweizer Künstlers, der mit souveräner Geste die Betrachtung von Malerei aus der Nähe mit dem fotorealistischen Eindruck aus der Ferne zugunsten der Malerei verschiebt.

In einem weiteren Saal treffen Arbeiten von Sonja Gangl, Xenia Hausner, Adriana Czernin und Michela Ghisetti auf das kubanische Künstlerkollektiv Los Carpinteros und auf ein kleinformatiges Mädchenbildnis von Lucian Freud. „Banshee Pearls“ von 1991 und „Tree with Yellow Roses“ von 2006, frühe und aktuellere Werke von Kiki Smith, einer der wichtigsten Künstlerinnen der feministischen Avantgarde, und Maria Lassnigs Gemälde „Mit einem Tiger schlafen“ von 1975, „Doppeltes Selbstportrait mit Hummer“ von 1979 und „Kartoffelpresse“ von 1989 bilden eine weitere temporäre Gemeinschaft, die von einer Neon-Spiegel-Installation Brigitte Kowanz’ ergänzt wird. So stringent die Werke der männlichen Kollegen präsentiert werden, sind die nachbarschaftlichen Bezüge der Werke aus weiblicher Hand nicht immer schlüssig nachvollziehbar. Immerhin stammt rund ein Drittel der insgesamt rund 20 vertretenen Positionen von Künstlerinnen.

Hervorzuheben sind vor allem die Kombinationen von etablierten und unbekannteren Positionen, wie Werke von Gerhard Richter mit drei unlängst fertiggestellten Papierarbeiten von Marcus Kaiser. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet der 1967 in Tübingen geborene und multimedial tätige Künstler und Musiker an seiner Serie der „Grünen Bilder“. Mit Pigmenttusche, Bleistift und Aquarellfarben zeichnet er Urwaldszenen, deren Detailreichtum im All-Over der Überlagerungen und Schatten zu verschwinden droht. Die Albertina gibt mit „Contemporary 2018“ nicht allein einen Einblick in ihre reichen Schätze zeitgenössischer Kunst, sondern präsentiert eine höchst sehenswerte Auswahl von Kunstschaffenden, die mit ihren Werken auf Geschichte und Gegenwart reagieren.

Die Ausstellung „Contemporary Art. Warhol bis Richter“ ist bis zum 31. März 2019 zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



23.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


12.07.2018, Contemporary Art. Warhol bis Richter

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