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Aachener Kunstpreis für Walid Ra’ad

Der Kunstpreis der Stadt Aachen geht in diesem Jahr an Walid Ra’ad. „Mit ihm zeichnet die Jury einen Künstler aus, dessen Praxis für eine deutliche Erweiterung des Kanons der Kunst über Europa und die USA hinaus steht. Das mehrjährige Projekt des Künstlers mit dem Titel ‚The Atlas Group‘ lenkte den Blick nicht nur auf die verworrene Geschichte des Nahen Ostens, sondern stellte zudem wichtige Fragen über das Verhältnis von Fakten und Fiktion in historischen Narrativen. Die Arbeiten Walid Ra’ads überzeugen gleichermaßen durch ästhetische Präzision und durch ihre hohe Dichte an konzeptionellen Verweisen“, so die Begründung der Preisrichter.

Walid Ra’ads Œuvre besteht im Wesentlichen aus drei großen Werkkomplexen: Neben „The Atlas Group“ von 1989 bis 2004 sind dies die noch laufenden Projekte „Scratching on things I could disavow“ seit 2007 und „Sweet Talk: Commissions“ seit 1987. Es ist ein Werk, das das Verständnis von Dokument, Fakt und Fiktion in Film, Fotografie, Video, Performance, Geschichte und Kunstgeschichte kritisch auf die Probe stellt. Alle drei Gruppen untersuchen mehr oder weniger intensiv die Frage, wie die Kunst und die Kultur der arabischen Welt materiell und immateriell durch die unterschiedlichen Konflikte, die die Region im vergangen Jahrhundert verwüstet haben, beeinträchtigt wurden.

Walid Ra’ad wurde 1967 in Chbanieh im Libanon geboren. 1983 verließ er seine Heimat und begann ein Studium an der Boston University. 1985 wechselte er an das Institute of Technology in Rochester in den Fachbereich Fotografie. Im Anschluss erwarb er den MA in Cultural and Visual Studies an der University of Rochester und erhielt dort 1996 den Doktortitel. Heute arbeitet er als Künstler und Professor in New York City. Als Teilnehmer der Documenta 11 und 13 sowie zahlreicher weiterer Ausstellungen, beispielsweise in Zürich, Paris, London, Neapel und Berlin, ist er in den letzten Jahren auch in Europa einem breiteren Publikum bekannt geworden und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Aachener Kunstpreis wird alle zwei Jahre an einen Künstler verliehen, dessen Werk der internationalen Kunstszene nachhaltige Impulse gibt. Er beinhaltet eine Einzelausstellung im Ludwig Forum für Internationale Kunst, die 2019 von Walid Ra’ad realisiert wird. Der Kunstpreis Aachen ist eine Stiftung der Freunde des Ludwig Forums für Internationale Kunst e.V. und wird durch eine Kooperation mit der Stadt Aachen und der Wirtschaft ermöglicht. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Richard Long, Michael Asher, Roman Signer, Paulina Olowska sowie zuletzt 2016 Franz Erhard Walther.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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