Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 27.10.2018 Auktion 49

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Während sich die Klassische Moderne bei Neumeister gut verkaufte, zeigten sich die Kunden bei den Zeitgenossen wählerisch. Trotzdem boten sie beherzt auf ihre persönlichen Lieblingsstücke

Ein Auge für das Unscheinbare



Die gebürtige Berlinerin Gabriele Münter hatte in ihrem Leben viel erlebt. Es verschlug sie unter anderem in die Niederlande, nach Tunesien, Stockholm, Kopenhagen, Sachsen und Belgien. „Aber nirgendwo hatte ich eine solche Fülle von Ansichten vereint gesehen, wie hier in Murnau, zwischen See und Hochgebirge, zwischen Hügelland und Moos“, schrieb sie in ihr Manuskript „Murnau und ich“. Die unscheinbare oberbayerische Gemeinde am Staffelsee inspirierte Münter ab 1908 zu einer hochproduktiven Schaffensphase. Noch im Jahr ihrer Ankunft bildete sie die „Dorfstraße“ ab. Malerisch trug Münter mit breitem Pinselduktus die leuchtenden Farben auf. Flächen dominieren und abstrahieren die Häuserreihe um den schlichten Weg, auf dem einige Menschen einhergehen. Durch die Ölfarbe scheint teils noch die braune Malpappe durch, was die Strahlkraft und Leichtigkeit zusätzlich steigert. Damit sticht die frühe Arbeit aus der Gruppe der Murnauer Gemälde hervor. Das sah auch das Publikum bei Neumeister so und honorierte das Gemälde mit 180.000 Euro. Veranschlagt waren dafür 150.000 bis 200.000 Euro.


Münters „Dorfstraße“ war das Spitzenstück der Auktion am 8. Juni. Der Münchner Versteigerer punktete an diesem Tag vor allem mit der Klassischen Moderne. Inklusive Nachverkauf ging sie losbezogen zu guten 74,6 Prozent bei einem Bruttoumsatz von 1,1 Millionen Euro weg. Bei den Zeitgenossen wählte das Publikum spezifischer aus. 386.000 Euro waren für 35,2 Prozent der trotzdem teils sprunghaft hochgesteigerten Werke das Ergebnis. Eine dritte Rubrik war für die „Afrikanische Kunst“ eingerichtet. Aus den dort offerierten 21 Schnitzwerken fanden acht einen Liebhaber, darunter die rot und schwarz gefasste Helmmaske der Makonde für den Mapiko-Tanz für 8.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder die Elefantenmaske „Ogbodo Enyi“ der Ibo-Izzi aus Nigeria für 5.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Die Gesichtsmaske der Kumu aus dem Kongo mit einem bedrohlich anmutenden rechteckigen Mund voller spitz gefeilter Zähne stieg auf 4.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Der Charme des Exotischen in Bild und Plastik

Otto Dill überraschte mit zwei Werken. Der undatierte „Ausritt im Englischen Garten“ mit Kutschen, Hunden sowie elegant gekleideten Damen und Herren im Querformat kletterte von 3.000 Euro auf 16.000 Euro. Besser noch als die eigentliche „Afrikanische Kunst“ kamen bei Neumeister künstlerische Eindrücke von der Region an. Dills „Tripolis“ aus dem Jahr 1936 mit traditionell gekleideten Nordafrikanern am Strand, die auf Kamelen, Pferden oder zu Fuß in Richtung der Stadt im Hintergrund ziehen, bestach für hohe 15.000 Euro durch satte Farben und die belebte Atmosphäre (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Der aus Friedrichshafen stammende Karl Caspar porträtierte einen „Abessinier“ in warmem Kolorit vor gelbgrünem Grund. Anmutig schaut der Einwohner des heute nicht mehr existenten Kaiserreichs in prachtvoll bunt ornamentierten Gewand zum Betrachter und brachte es auf 6.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Plastisch griff Hans Wimmer 1962 während seiner Zeit als Nürnberger Professor das Kamel als Nutztier jenes arabisch-afrikanischen Gebiets auf. Auf Knien wartet es mit seinem geometrisch verzierten Sattel auf einen Reiter, wofür 11.000 Euro gefragt waren (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Noch jünger ist Fritz Koenigs „Bilderschrifthalbkugel 70“ aus dem Jahr 1970. Auf der Schnittfläche der kleinen Kugelhälfte aus Silber finden sich in mehreren Zeilen Fantasieschriftzeichen, die an Keilschriften oder abstrahierte Hieroglyphen erinnern. Das Exemplar aus einer Zehnerauflage war beliebt, die Gebote endeten erst bei 8.200 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Exotisch erscheint auch die dreiköpfige Schlange, die sich um die ausgestreckten Arme von Fritz Klimschs „Schlangenbändigerin“ wickelt. In dynamischer Geste hält sich die nackte Frau die beißenden Köpfe des Untiers vom Körper. Die knapp 1,50 Meter hohe, erotisch-symbolistische Bronze um 1899 erfreute sich großer Nachfrage und schaffte es, mit dem Sprung auf 100.000 Euro die zweitteuerste Position der Auktion zu werden (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Grafische Textgestaltung

1956 erschien eine von Marc Chagall illustrierte Bibel. Das Großprojekt beauftragte der Verleger und Kunsthändler Ambroise Vollard schon in den späten 1920er Jahren. Eine erste Radierungsserie entstand zwischen 1931 und 1939. Mit einer Unterbrechung durch den Tod Vollards vollendete Chagall die zwei Bände mit 105 Radierungen in seiner typisch träumerischen Darstellungsweise, die einem Kunden 30.000 Euro wert war. Wer die farbigen „Dessins pour la Bible“ als 24 Lithografien von 1960 bevorzugte, musste noch 6.000 Euro mehr zahlen (Taxe je 30.000 bis 50.000 EUR). Zum kleinen Musikwerk für Kinder namens „Le Petit Solfège“ von Claude Terrasse schuf Pierre Bonnard schon weit früher Illustrationen. Zwei Feder- und Bleistiftzeichnungen von 1893, die skizzenhaft um den Text angeordnet sind und sängerisch überzogene Gesichtsausdrücke zeigen, schafften es von 6.000 Euro auf 9.000 Euro. Ähnlich charakterstark ist Boris Grigorievs „Étude sur le ‚Revizor‘ de Gogol“ aus der Zeit um 1937/38. Die Gouache mit Deckweiß über Bleistift einer streng drein blickenden Figur mit wilden Haaren im Profil nach links für 13.000 Euro verbildlicht einen Akteur aus Nikolaj Gogols Verwechslungskomödie „Der Revisor“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Düsterer ist Emil Noldes „Dampfer“, der ohne Literaturvorlage auskommt und fast in den tosenden Wellen zu verschwinden droht. Lediglich der dicke Rauch aus seinem Schornstein macht es möglich, das Schiff im Unwetter zu erkennen. Die für Nolde untypisch dunkle Radierung von 1910 aus einer Auflage von mindestens 30 Exemplaren kam auf 11.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Lesser Urys freundlichere Kohlezeichnung „Allee im Tiergarten, Berlin“ weist sein gekonntes Gespür für Details sowie Licht und Schatten auf. Das Blatt um 1919 respektierte die untere Schätzgrenze von 10.000 Euro. Monochrom blieb 1947 auch Pablo Picasso bei seinem stilisierten Stier der Lithografie „Le Taureau noir“, die taxkonforme 8.000 Euro einbrachte. Über der Erwartung ging sein späterer dreifarbiger Linolschnitt „Femme à la source“ einer Fünfziger-Auflage mit 11.000 Euro weg. Die in Braun gehaltene abstrahierte Dame mit fantasievollen Proportionen beugt sich über eine Quelle. Schwarze Umrisse und Flächen geben ihr und der Vegetation die Form (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Abstrakte Formen der Nachkriegszeit

Während das spätimpressionistische Spitzenstück der Auktion „Sommer im Park. Jardin du Luxembourg in Paris“ von Maurice Brazil Prendergast aus der Zeit um 1907 für 100.000 bis 150.000 Euro liegenblieb, griffen die Sammler bei den abstrakten Vertretern der Nachkriegszeit beherzter zu. Ernst Wilhelm Nays titelloses Aquarell von 1955 am Übergang zu den Scheibenbildern baut für 9.000 Euro spannungsreiche Kontraste mittels verlaufender und sich überlagernder Farbflächen auf (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Günter Fruhtrunk komponierte 1958 bei seinen „Zwei Kreisen“ dunkelgrüne geometrische Formen schärfer getrennt voneinander. Ihre Anordnung lässt das Auge des Betrachters rhythmisch zwischen diesen hin und her springen, wofür ein Freund der konstruktiven Kunst 28.000 Euro investierte (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Der „Sigle Olympique / variante verte-rouge“ von 1972/73, eine rot-grüne Spirale von Victor Vasarely, stieg noch 2.000 Euro höher, erreichte damit aber nur den unteren Taxrahmen. Piero Dorazios knallbunte, zumeist hochkant gestellte Rechtecke auf einer quadratischen Leinwand überzeugten deutlicher. „Giardino dell’Imperatore, IX Giorno“ von 1968/74 sprang im Bietergefecht mit 34.000 Euro auf über das Doppelte der Preisvorstellungen.

Ähnlich leuchtende Farben nutzte Andy Warhol für seine im Auktionsteil „Post War & Contemporary Art“ offerierte Serigrafie „Flowers“ von 1970. Vier auf ihre Grundform reduzierte Blüten, für die 29.000 Euro nötig waren, heben sich vom hellgrünen Gras ab (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR). Warhols etwas farbschwächeres Pendant blieb bei gleicher Erwartung dagegen liegen. Sein Mulitple „You’re IN“ von 1967 weckte dann wieder Begehren. Eine silbern gefärbte Coca-Cola-Flasche steht alleine in einem metallenen Traghalter. Das seiner Bestimmung enthobene Massenprodukt schoss mit 6.500 Euro weit über die Expertenmeinung von 1.500 bis 2.000 Euro. Zum selben Preis war das collagenhaft zusammenskizzierte und beschriebene Offsetblatt „Super Comb“ aus dem Jahr 1988 von Jean-Michel Basquiat zu haben, der mit Warhol eng zusammenarbeitete (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Auch Roy Lichtenstein gilt als Hauptvertreter der Pop Art. Die späte Serigrafie „Rain Forest“ von 1992 beweist, wie lange er diesem Stil treu blieb. Ein einsamer Baum mit getupften Blättern steht vor dem abstrahierten Hintergrund mit Rasterpunkten und Diagonalstreifen. Der Hammer fiel erst bei 28.000 Euro (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Mit dicken Linien umriss ebenso Keith Haring 1982 seine stilisierten Figuren in symbolhaften Posen für die „Bayer Suite“. Die Mappe aus sechs Offsetlithografien verlangte einem Interessenten 11.000 Euro ab (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR).

Bekannte Zeitgenossen

Bei der jüngeren Kunst hielten sich die Kunden vor allem an bekannte Namen. Selten hatte ein nicht so geläufiger Künstler einen großen Auftritt, wie etwa Natela Iankoshvili. Mit leuchtend grünem, rotem und gelbem Laub an dunklen Bäumen im Herbst konnte die 2008 verstorbene Georgierin punkten. Die Kontraste in „Autumn“ von 1979, die durch die schwarzen Stämme und den teils türkisblau durchzogenen Nachthimmel entstehen, lösten einen Bieterwettstreit aus, der erst bei 40.000 Euro zu Doppelten der Schätzung endete. „Wenn es Nacht wird in Berlin“ geht Elvira Bach zum Tanz. Dynamische, unterschiedlich gefärbte Figuren schälen sich bei genauerem Betrachten aus ihrem zunächst chaotisch erscheinenden Bild von 1982 und stellen für 12.000 Euro das bunte Nachtleben der deutschen Metropole zur Schau (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Markus Lüpertz’ Zeichnung „Apollo“ von 1989 hingegen ist weniger reduziert. Der Gott des Lichts ist mit farbigen Binnenstrukturen gefüllt und wirkt mit seiner clownhaft grotesken Physiognomie wie eine spannungsgeladene Karikatur seiner eigentlichen Symbolkraft. Hierfür spendierte ein Sammler 7.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Lüpertz’ „Triumph der Linie. Eins Mal Eins“ von 1986 ist ungegenständlich. Schwarze Linienbögen stehen über den einfachen Flächen in verschiedenen Farben. Gute 20.000 Euro wollte das programmatische Werk sehen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Mit geometrischen Grundformen überzeugte Sol LeWitt. Die Gouache „One Cube in Colors (on Red)“ von 1987 mit einem angeschnitten Würfel rechts im Querformat vor rotem Grund spielte 11.000 Euro ein (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ein Kubus in ähnlichen satten Gold-, Blau- und Rottönen schwebt links in „Cube in Colors (on Black/Blue)“. Das gleichaltrige Blatt ging gemäß seiner oberen Schätzung von 8.000 Euro weg. Beinahe fotorealistisch malte Mirjam Völker 2007 einen Jägersitz. Schärfe und Unschärfe lassen in ihrem „Ansitz“ Nähe und Tiefe für 7.000 Euro surreal verschwimmen (Taxe 4.5000 bis 5.000 EUR). Erst im Nachverkauf verabschiedete sich Peter Zimmermann fließende Farbvision sich überlagernden Flächen von 2016 bei 12.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Zwischen Figuration und Abstraktion wandelte Christian Probst im Jahr 2015 mit „O.T. 15-02 (Hommage Francis Bacon meets Koons)“. Die Leinwand füllt eine organische Struktur, die an die Formgebung von Francis Bacon genauso erinnert, wie an die glänzend bunten und plastisch fragil wirkenden Skulpturen von Jeff Koons. Die ungeahnt gut funktionierende Symbiose verlockte einen Bieter, mit 16.000 Euro das Doppelte der Taxe auszugeben. Zum Schluss kam Wolfgang Petrick an die Reihe und unterzog sich auf einer Blei- und Buntstiftzeichnung von 1974 einer „Therapie“. Das Aktblatt des Kritischen Realisten heimste mit seinen vielen Motiven und Bezügen gute 3.200 Euro ein (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



20.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


08.06.2018, Klassische Moderne, Post War & Contemporary Art

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Vom Kampf mit der Schlange

Kunstwerk:

Pierre Bonnard, Petit Solfège Illustré, 1893
Pierre Bonnard, Petit Solfège Illustré, 1893

Kunstwerk:

Lesser Ury, Allee im Tiergarten Berlin, um 1919
Lesser Ury, Allee im Tiergarten Berlin, um 1919

Kunstwerk:

Boris Grigoriev, Étude sur le „Revizor“ de Gogol, um 1937/38
Boris Grigoriev, Étude sur le „Revizor“ de Gogol, um 1937/38







Pierre Bonnard, Petit Solfège Illustré, 1893

Pierre Bonnard, Petit Solfège Illustré, 1893

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 5

Lesser Ury, Allee im Tiergarten Berlin, um 1919

Lesser Ury, Allee im Tiergarten Berlin, um 1919

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 7

Boris Grigoriev, Étude sur le „Revizor“ de Gogol, um 1937/38

Boris Grigoriev, Étude sur le „Revizor“ de Gogol, um 1937/38

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 13.000,- EURO

Losnummer: 4




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce