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In Merseburg gewähren die Vereinigten Domstifter Einblicke in Kunst und Alltag des Mittelalters. Ausgangspunkt ist die berühmte Chronik des Bischofs Thietmar

Punktlichter mittelalterlicher Lebenswelten



T-Initiale mit eigenhändig eingetragenem Gebetswunsch Thietmars

T-Initiale mit eigenhändig eingetragenem Gebetswunsch Thietmars

Im hohen und späten Mittelalter erlebte das Verfassen von Chroniken eine Blüte. Abgeleitet vom griechischen Wort Chronos für Zeit, gewähren die in Prosa verfassten Erinnerungsschriften viele aufschlussreiche Details über damalige Kultur und Lebensumstände. Zwischen 1012 und 1018 verfasste der Merseburger Bischof Thietmar ein nach ihm benanntes Traktat. Motivation war die Sorge um ein angemessenes Gebetsgedächtnis. Diese Verpflichtung zum Gedenken haben die Vereinigten Domstifter nun im Rahmen einer Ausstellung aufgegriffen, um den vor 1.000 Jahren am 1. Dezember 1018 vermutlich in Merseburg verstorbenen Kirchenfürsten stärker in Erinnerung zu rufen.


Neben der Geschichte Merseburgs schildert Thietmar in der Chronik die „Lebenswege und Taten der frommen Könige Sachsens“. Die ersten vier Bände widmen sich je einem König, die letzten vier König Heinrich II. bis ins Jahr 1018. Von acht Schreibern aufgezeichnet sowie von Thietmar eigenhändig ergänzt und berichtigt, umfasste das Konvolut ursprünglich 207 Pergamentblätter, von denen sich 192 erhalten haben. Über viele Zwischenstationen gelangte das Schriftstück in die königliche Bibliothek nach Dresden. Dem Bestand der späteren Sächsischen Landesbibliothek setzten 1945 Bombenangriffe und Löschwasser stark zu. Verblockte, gerußte Lagen, teilzerstörte Blätter und die erhaltenen Seiten kennzeichnen heute den ambivalenten Erhaltungszustand von Thietmars Chronik. Da aber 1905 ein hochwertiges Faksimile angefertigt wurde, ist der Inhalt komplett überliefert.

Erstmals sind in der Schau „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ alle Teile des Originals an einem Ort zu sehen. Zudem stellten sich Kurator Markus Cottin und Ausstellungsdesigner Jürg Steiner der Herausforderung, die Aufzeichnungen zum Sprechen zu bringen. 110 erlesene Kunstobjekte inklusive einiger Alltagsgegenstände unterstützen ausdrucksvoll den Gang durch die Chronik. In der Curia Nova vis-à-vis des Merseburger Domportals folgt der Parcours den Berichtskapiteln. Bereit angelegt informierte der Bischof über Verhältnisse der Zeit, würdigte Leistungen der Ottonen-Herrscher, schilderte Konflikte, beschrieb prachtvolle Hoftage und kirchliche Feste, ging aber ebenso ein auf Reisen, Hungersnöte, Gefahren durch wilde Tiere, Sitten, Gebräuche, das seinerzeitige Frauenbild oder die Reaktionen der Menschen auf Sonnenfinsternisse. Dieses bedeutende Geschichtswerk bringt damit Licht in die Epoche vor 1.000 Jahren.

Der Parcours setzt im Handschriftenraum ein, der die erhaltenen Reste der Chronik und die Editionsgeschichte thematisiert. Neben Abschriften, Ausgaben und Interpretationen sowie historischen Schreibfedern findet sich als erstes Highlight ein in der Dauerausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien beheimatetes Elfenbeinrelief aus dem zehnten Jahrhundert. Das bemerkenswerte Stück inszeniert zentral Papst Gregor samt einer auf der Schulter sitzenden Taube. In seinem prachtvollen Studierzimmer schreibt er gerade an einem Buch. Die Kopierarbeit erledigen im unteren Register drei zugleich den Papst stützende Mönche. Zu den kleineren, aber nicht minder gehaltvollen Kostbarkeiten gehört ein Sakramentar aus dem elften Jahrhundert. Auf einer Seite ist eine wundervoll in Gold und Silber ausgeführte T-Initiale zu sehen. Der aus Flechtwerk und Blättern gebildete Buchstabe, der auf die Abendmahlliturgie verweist, ist von eigenhändigen Eintragungen Thietmars umgeben und bildet daher auch das Logo der Schau.

Im Anschluss schreitet der Besucher die Chronik nach Kapiteln ab. Das erste, Heinrich I. gewidmete zeigt das einzig bekannte zeitnahe Bildnis des Ottonen. Das Brustbild ist zentral in ein Medaillon aus dem zehnten Jahrhundert gerückt und wird von einer breiten Fassung geflochtener Filigrandrähte sowie einem äußeren Perlstabkreis umgeben. Ein Bruchstück einer Fayencefliese aus dem Papstgrab Benedikts V. in Hamburg soll Kaiser Otto I. auf die Spur kommen, der Benedikt nach einmonatigem Pontifikat absetzte und nach Hamburg in die Verbannung schickte. Ebenfalls dem Bauschmuck ist ein schmales hölzernes romanisches Rundbogenfenster aus dem Kloster St. Emmeram in Regensburg zuzuordnen. Ursprünglich mit Quadern bemalt, gibt es eine Anmutung von den damals noch kleinen Fensteröffnungen und dunklen Räumen.

Von Otto II., dem sich das dritte Chronikbuch widmet, ist für das Jahr 980 ein Besuch in Mailand überliefert. Vom prunkvollen Empfang, bei dem Weihwasser eine zentrale Rolle einnahm, zeugt ein hierbei verwendeter Weihwasserkübel aus Elfenbein. In fünf Arkaden ist die Wandung eingeteilt. Neben Maria mit dem Kind füllen die vier schreibenden Evangelisten die Bogenfelder. Weitere kostbare Artefakte versuchen, Otto III. den Besuchern nahezubringen, mit dem sich das vierte Chronikbuch beschäftigt. Aus dem Nationalmuseum Krakau bereichert die silberne Schale von Wloclawek die Auswahl. Neben vegetabilen Sujets zieren vier konvex vorstehende Medaillons das Gefäß, auf denen figurale Szenen die Geschichte von der Befreiung Israels illustrieren. Aus dem Budapester Nationalmuseum fand eine goldene Taschenplatte den Weg in die Merseburger Ausstellung. Als Symbol byzantinischen Christentums gibt sich mittig ein Kreuz zu erkennen, das von Palmen und Tieren umgeben ist.

Ins 13. Jahrhundert datieren Experten ein kleines, ursprünglich vergoldetes Spiegeltürchen, das für einen Handspiegel Verwendung fand, damals ein beliebtes Geschenk. Zu sehen ist eine attraktive Frau im Profil mit einem viereckigen Hut und bis auf die Hüfte fallendem Haar als Zeichen der Ehelosigkeit. Menschen und Vögel verschmelzen auf einem durchbrochenen runden Anhänger zu einem Zwitterwesen. Verdeckt verwiesen solche Darstellungen auf animalisches Verhalten und Kindesmissbrauch, untermauerten Moralpredigten und implizierten religiöse Deutungen. Die letzten Abschnitte widmen sich Kaiser Heinrich II. und dem Alltag, veranschaulicht durch eine breit angelegte Auswahl von Gegenständen wie Münzen, Wagenrädern, Eisenschuhen bis hin zu kostbaren Artefakten, etwa dem T-förmigen Stab des heiligen Heribert mit einer reich verzierten Krümme aus Wahlrosszahn oder dem Goldschmuck von Hiddensee.

In den Gewölben der Südklausur widmen sich Stücke dem Umfeld und praktischen Wirken Thietmars. Der am 25. Juli 975 an einem unbekannten Ort geborene Merseburger Bischof stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Walbeck und gehörte damit zur Elite des Reiches. Schon früh schlug er eine geistliche Laufbahn ein. In Quedlinburg und an der Domschule zu Magdeburg ausgebildet, bestimmte König Heinrich II. Thietmar im Jahr 1009 zum Bischof in Merseburg. Das 968 gegründete, aber schon 981 aufgelöste Bistum Merseburg errichtete Heinrich II. 1004 wieder. Es bestand bis 1565, als sich mit dem Tod des letzten Bischofs die Reformation durchsetzte.

Merseburg besaß eine Königspfalz, die zu den meist besuchten im Reich zählte. Thietmar kam die Nähe zum Königtum zunutze, denn er war bestrebt, nach der temporären Auflösung verloren gegangene Rechte und Besitztümer wieder zu erlangen, ein zusätzlicher Grund, die Chronik zu verfassen. Seine Politik der Sicherung von Einkünften, Territorien und Dörfern half, den Fortbestand des Bistums sichern. Dass ihm dabei alle Mittel recht waren, beweist der Einsatz gefälschter Urkunden. In der Ausstellung demonstriert dies eindrucksvoll eine um 1016/17 ausgefertigte Urkunde, in der es um die Restitution eines Forstes geht. Andere Gegenstände nehmen auf persönliche Ereignisse Bezug, wie etwa eine aus vergoldetem Kupfer gefertigte Windfahne eines Schiffsstevens im wikingerzeitlichen Ringerike-Stil der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. Als ein Onkel Thietmars auf einer Schiffsreise gefangen genommen wurde, sollte der Bischof als Austauschgeisel übergeben werden; der Onkel aber konnte fliehen.

In Merseburg erwartet den Besucher abermals eine gehaltvolle Schau an authentischen Orten, die die hohen Erwartungen in beeindruckender Weise einlöst. Den Abschluss sollte ein Blick in die Bischofskapelle des Doms bilden, zu dem Thietmar 1015 den Grundstein legte. In der Reihe der Merseburger Bischöfe an der Chorschranke enthält ein Bogenfeld das Abbild Thietmars. Davor ist in den Boden die Gedenkplatte des Gedächtnisgrabmals eingelassen, da Thietmar noch im Vorgängerbau bestattet worden war. Es war ihm nicht mehr vergönnt, die Vollendung der neuen Kathedrale mitzuerleben. Aber der Abschied ist die Geburt der Erinnerung.

Die Ausstellung „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ ist bis zum 4. November zu sehen. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, Ermäßigungen liegen zwischen 3 und 8 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet 39,95 Euro.

Kontakt:

Merseburger Dom

Domplatz 7

DE-06217 Merseburg

Telefon:+49 (03461) 21 00 45



20.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


15.07.2018, Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte

Bei:


Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Bericht:


Wahrhaft himmlisch

Variabilder:

Erste Seite der Originalchronik Thietmars von Merseburg
Erste Seite der Originalchronik Thietmars von Merseburg

Variabilder:

Westfassade des Merseburger Doms
Westfassade des Merseburger Doms

Variabilder:

T-Initiale mit eigenhändig eingetragenem Gebetswunsch Thietmars
T-Initiale mit eigenhändig eingetragenem Gebetswunsch Thietmars

Variabilder:

Weihwasserkübel, Mailand, vor 980
Weihwasserkübel, Mailand, vor 980

Variabilder:

schwer beschädigte, verblockte und verrußte Lage der
 Chronik Bischofs Thietmar
schwer beschädigte, verblockte und verrußte Lage der Chronik Bischofs Thietmar

Variabilder:

Schale von Wloclawek, wohl Metz oder St. Gallen, 10. Jahrhundert
Schale von Wloclawek, wohl Metz oder St. Gallen, 10. Jahrhundert







Erste Seite der Originalchronik Thietmars von Merseburg

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Westfassade des Merseburger Doms

Westfassade des Merseburger Doms

Weihwasserkübel, Mailand, vor 980

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schwer beschädigte, verblockte und verrußte Lage der Chronik Bischofs Thietmar

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Schale von Wloclawek, wohl Metz oder St. Gallen, 10. Jahrhundert

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Gedächtnisgrabmal für Bischof Thietmar von Merseburg, wohl 13. Jahrhundert

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Bruchstück einer Fayencefliese mit der Darstellung eines Heiligen vom Kenotaph Papst Benedikts V. in Hamburg, 2. Hälfte 13. Jahrhundert

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Heiliger Gregor mit den Schreibern, 10. Jahrhundert

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Goldene Altartafel, sogenanntes „Baseler Antependium“, wohl 1015/19

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durchbrochener Anhänger mit der Darstellung eines Zwitterwesens, Burg Regenstein bei Blankenburg, 12./13. Jahrhundert

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Windfahne vom Wikinger-Schiff, Kirche von Heggen, Norwegen um 1000/50

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Mantel Kaiser Ottos des Großen – sogenannter „Ottomantel“

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Bischof Thietmar in der Reihe der Merseburger Bischöfe an der Chorschranke zur Bischofskapelle im Merseburger Dom, um 1505

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