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Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens ermöglicht die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung eine Retrospektive zu Josef Albers. Vor 130 Jahren wurde der Künstler in der Ruhrgebietsstadt Bottrop geboren

I want to open eyes!



in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“

in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“

„Ich möchte Augen öffnen!“ waren dem Vernehmen nach die wenigen Worte, die Josef Albers in englischer Sprache von sich geben konnte, als er nach seiner Mission gefragt wurde. Dies geschah Ende 1933 bei seiner Vorstellung am Black Mountain College in North Carolina. Die neue fächerübergreifende und ganzheitlich orientierte Ausbildungsstätte entsprach in etwa dem deutschen Bauhaus. Dieses musste wenige Monate zuvor schließen. Dankbar nahm Albers daher den Ruf in die Vereinigten Staaten an. Hier konnte er aus dem Schatten des Bauhauses und dessen ästhetischen Vorstellungen heraustreten und ein Œuvre entfalten, das – ohne die Erfahrungen in der neuen Welt undenkbar – seinen Nimbus als Quadratmaler und Meister der kalten Abstraktion begründete.


Die Resonanzen auf sein Werk haben sich in Deutschland wie in Amerika erst in den letzten Jahren erschlossen. Am 19. März 1888 in Bottrop geboren, kam Josef Albers nach dem Zweiten Weltkrieg nur sporadisch in seine Heimat. Erst als er sich 1953 im Rahmen eines Lehrauftrages an der neu gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm nach 20 Jahren wieder in Deutschland aufhielt, besuchte er auf Einladung von Berthold Beitz auch das Ruhrgebiet. So schließt sich mit der umfangreichen, rund 170 Exponate enthaltenden Retrospektive auf der Villa Hügel der Kreis. Erstmals wird anlässlich des 50jährigen Bestehens der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung eine Ausstellung präsentiert, die sich ausschließlich einem Künstler des 20. Jahrhunderts widmet und dessen Werke in einen Dialog mit den historischen Räumen der „Wohnmaschine“ der Krupps treten.

Die Präsentation setzt ein mit gegenständlichen Arbeiten aus den Jahren um 1914, die man nicht unbedingt mit Albers in Verbindung bringt, sich aber aus der Biografie erschließen. Ausgebildet als Volksschullehrer und Kunsterzieher an Gymnasien, ging er ein Jahrzehnt lang passioniert dieser Tätigkeit in und um Bottrop nach. An der Essener Kunstgewerbeschule besuchte er Abendkurse des Glaskünstlers Jan Thorn Prikker. 1917 erhielt er den ersten öffentlichen Auftrag für ein Glasfenster in der Bottroper St. Michaels-Kirche. Mit 32 Jahren gab er seine sichere Lehrerstelle auf. Als Schüler trat 1920 ins Bauhaus Weimar ein. Auf Müllhalden sammelte er Glasstücke, die er zu rund 70 Assemblagen zusammenfügte. Einige davon sind in der Ausstellung zu sehen und signalisieren die Ablösung von der gegenständlichen Bildwelt und den fesselnden Reiz der Farbe.

Von 1923 bis 1933 lehrte Josef Albers selbst am Bauhaus im Vorkurs und in der Tischlerei die Erkundung von Materialien. Während dieser Zeit schuf er Möbel und andere Nutzgegenstände wie Schalen oder Teegläser, Typografien und Drucke. Nach dem Erwerb der ersten Leica begann er, 1928 zu fotografieren, und gestaltete Fotocollagen. Alles diente der auf das Sehen ausgerichteten Pädagogik, denn „ohne Sehen ist alles nichts“. Das Malen nahm Albers erst in den USA wieder auf. Bis 1946 experimentierte er mit vielen Ausdrucksoptionen. Gitterstrukturen und eine wohlig abgetönte Palette nehmen künstlerische Vorstellungen der 1950er Jahre vorweg.

„Lozenge Horizontal“ – Horizontaler Rhombus – betitelte Albers ein 1946 entstandenes Gemälde aus rottonigen Dreiecken und Trapezen, auf das der Besucher direkt beim Eintritt in die Ausstellungssäle zuläuft. Es zeigt, wie sehr Albers auf Reisen in Amerika sein ästhetisches Erleben erweiterte. Die Gelassenheit und Hierarchieferne im Lebensstil, die Weite der Landschaft prägten ihn ebenso wie die präkolumbische Kunst und Architektur. Von über ein Dutzend Reisen nach Mexiko und Südamerika zeugen Fotografien von gestaffelten Baukörpern und getreppten Pyramiden der Maya oder Azteken ebenso wie mexikanische Tonfiguren, von denen er einen Fundus mit rund 1.400 Objekten zusammentrug. Die intensive Farbstimmung Mexikos schlägt sich in den Bildern ebenso nieder wie die Lehmziegelhäuser, deren feststehende Muster aus Wänden und Türen er in der Serie der „Variant / Adobes“ abstrakt zu fassen versuchte.

Pädagogisch wie künstlerisch begann 1950 mit dem Wechsel an die Yale University in New Haven, Connecticut, ein neuer Abschnitt. Der Ausbildung verlieh Josef Albers dort einen neuen Zuschnitt in einer Verbindung von Kunst und Leben. In seinem Schaffen gewann die Farbe den Stellenwert als primäres Ausdrucksmedium. Im Sommer 1950 entstand das erste Gemälde der fast 2200 Varianten umfassenden Serie „Homage to the Square“, die seither unauflöslich mit dem Künstler verbunden ist. Eigentliches Thema dieses Forschungsprojektes zur Farbe sind nicht die ineinander geschachtelten Quadrate. Ihre formal-lineare Geometrie dient als Ordnungsrahmen, um die Farbe als eigentlichen Untersuchungsgegenstand wirken zu lassen. Die einfach gebaute Gestalt ermöglicht in kompakter Frontalität den Wirkungszusammenhang zwischen Farberscheinung und Quadratabstufung.

Auf Hartfaserplatten in satten Aufträgen mit dem Spachtel verstrichen, untersuchte Albers die komplexe Wirkung und Veränderbarkeit von Farben. Die Abtönungen und Kontraste der Quadrate bewegen sich vor oder zurück, nach innen oder außen, vergrößern oder verkleinern sich, steigen auf oder ab. Grenzlinien zwischen den Farben scheinen zu vibrieren oder ganz zu verschwinden. Das Rätselhafte und Spielerische optischer Täuschungen, subtile Wahrnehmungen und Verwandlungen bestimmten Albers’ Tun über 26 Jahre hinweg.

Die Essen Schau präsentiert die „Homage to the Square“ als zeitübergreifende Zusammenstellung großformatiger Gemälde im Galeriesaal der Villa Hügel sowie als Einzelaspekte thematisierende kleinformatigere Arbeiten in den angrenzenden Kabinetten. So sind die ersten in das Jahr 1950 datierten Varianten in dunklem, mittlerem und hellem Grau gehalten. In den Folgejahren begegnet man einem ockerfarben abgedunkelten Kolorit, während in den 1960er Jahren metallisch-grelle Versionen oder monochrome Erforschungen aus Rot-, Gelb-, Ocker- und Orangetönen vorherrschen. Alle Kompositionen münden in Albers’ letztes Bild aus blaugrünen Abstufungen, das er wenige Monate vor seinem Tod am 25. März 1976 malte.

Zum Ausklang stellt die Ausstellung noch drei wichtige Aspekte vor. Bezeichnender Weise sind im ehemaligen verspiegelten Ankleidezimmer geometrische Spiegelungen platziert. Arbeiten aus der Serie der „Biconjugates“ und „Kinetics“ versetzen scheinbar stabile Farbflächen in Schwingung. Anschließend kommt die religiöse Implikation ins Spiel. Albers, ein überzeugter und praktizierender Katholik, besichtigte am Rande seiner Lehraufträge an der Ulmer Hochschule für Gestaltung in den 1950er Jahren Kirchen und Klöster im Umkreis. Fotografische Collagen halten dies fest und bilden die Brücke zu religiösen Renaissanceskulpturen sowie Ikonen, die in ihrer einfachen Strukturierung aus Flächigkeit und Frontalität ähnlich wie bei Albers’ Gemälden Ruhe und Konzentration evozieren. Der Künstler selber hat seine „Homages“ als „Ikonen des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Erst in den letzten Jahren wurde der Einfluss von Josef Albers auf amerikanische Künstler erforscht. Im letzten Raum thematisiert daher das Kuratorenteam aus Heinz Liesbrock und Ulrike Growe vom Bottroper Albers Museum die Orientierungen, die Meister jüngeren Künstlern wie Donald Judd, Sol LeWitt, Agnes Martin, Ad Reinhardt, Robert Ryman oder Frank Stella gab, obgleich keiner von ihnen je Albers-Schüler war. Dessen sachlich reduzierte Sprache rief Resonanzen bei Künstlern der Minimal Art und Konzeptkunst hervor, die sich vom großformatigen, gestisch-expressiven amerikanischen Expressionismus lösen wollten.

Fälschlicherweise wurde Albers’ Kunst in Europa lange als eher intellektuelles Konzept des Konstruktivismus und der Konkreten Kunst aufgefasst und er als Theoretiker und Pädagoge angesehen. Damit räumt die beeindruckende Schau in der Villa Hügel nun auf. Der Farbphilosoph praktizierte eine Kunst, die neu zu sehen lehrt. Lässt sich der Besucher darauf ein, wird er wie Josef Albers denken: „So ist Kunst nicht Gegenstand, sondern Erlebnis.“

Die Ausstellung „Josef Albers. Interaction“ ist bis zum 7. Oktober zu sehen. Die Villa Hügel hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es gibt kein eigenes Ticket für die Ausstellung. Zu entrichten ist lediglich der Eintritt in Villa und Park in Höhe von 5 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet in der Villa Hügel 28 Euro. Bis zum 9. September würdigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Anni Albers, die Frau des Künstlers, mit einer Retrospektive.

Kontakt:

Kulturruhrstiftung Ruhr - Villa Hügel Essen

Haraldstraße 1

DE-45133 Essen

Telefon:+49 (0201) 61 62 90

Telefax:+49 (0201) 61 62 911

E-Mail: office@villahuegel.de



08.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Josef Albers, In Open Air, 1936
Josef Albers, In Open Air, 1936

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in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“
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in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“
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Josef Albers, Variant / Adobe. 4 Central Warm Colors Surrounded by 2
 Blues, 1948
Josef Albers, Variant / Adobe. 4 Central Warm Colors Surrounded by 2 Blues, 1948

Variabilder:

Rudy Burckhardt, Josef Albers, 1950
Rudy Burckhardt, Josef Albers, 1950







Josef Albers, In Open Air, 1936

Josef Albers, In Open Air, 1936

in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“

in der Ausstellung „Josef Albers. Interaction“

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Josef Albers, Variant / Adobe. 4 Central Warm Colors Surrounded by 2 Blues, 1948

Josef Albers, Variant / Adobe. 4 Central Warm Colors Surrounded by 2 Blues, 1948

Rudy Burckhardt, Josef Albers, 1950

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Josef Albers, Paul Klee. Dessau XI 1929, 1929

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Josef Albers, Kloster Maulbronn – Details von Architektur, Malerei + Plastik, o. J.

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Josef Albers, Kaiserlich, um 1923

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Josef Albers, Homage to the Square, 1976

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Josef Albers, Homage to the Square: Luminant, 1959

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Josef Albers, Familiar Front, 1948/52

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Josef Albers, Armlehnstuhl Model ti244, um 1929

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