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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Bedeutungsvolle Fragen, zurückhaltende Ästhetik: Die in Berlin lebende deutsche Künstlerin und Documenta 13-Teilnehmerin Andrea Büttner ist Ende September zusammen mit anderen Teilnehmern Gast beim „Art Weekend“ im Hotel Castell in den Schweizer Alpen

Demut als ästhetische Haltung



Andrea Büttner, Yes, I believe, every word you say, 2007

Andrea Büttner, Yes, I believe, every word you say, 2007

Die Berliner Künstlerin Andrea Büttner, geboren 1972 in Stuttgart, wird Ende September im Rahmen eines dreitägigen „Art Weekends“ im schweizerischen Hotel Castell in Zuoz Einblicke in ihr anspruchsvolles und faszinierendes Werk geben. Das von Hausherr Ruedi Bechtler, der in Personalunion Hotelbesitzer, Sammler und selbst Künstler ist, kuratierte Wochenende findet unter dem Motto „Of Mice and Humans“ statt. Es steht in einer langen Tradition von „Art Weekends“ im Hotel Castell. In der Regel einmal im Jahr lädt Ruedi Bechtler zu diesem Veranstaltungsformat ein. Jedes Mal steht das Werk von ein bis zwei Künstlern im Vordergrund.


Die Teilnehmer, darunter Sammler, Künstler, Kuratoren, Vermittler, aber auch viele allgemein Kunstinteressierte, nutzen die entspannte und lockere Atmosphäre des auf fast 2.000 Meter Höhe gelegenen Berghotels im Engadin. Hier tauchen sie tiefer in ein künstlerisches Werk ein, tauschen sich mit den Künstlern selbst, dem Veranstalterehepaar Ruedi Bechtler und Regula Kunz Bechtler, den eingeladenen Experten und natürlich auch untereinander aus und knüpfen ganz nebenbei neue Kontakte. Kunstvermittlung und direkte Begegnungen dominieren das Programm. Trockener Seminarcharakter kommt hier gar nicht erst auf. An den Abenden finden – bevor es dann zum gemeinsamen Nachtessen geht – gelegentlich kleine Konzerte, Performances oder Filmvorführungen statt. Im Laufe der Jahre waren im Hotel Castell bereits zahlreiche hochkarätige Künstlerinnen und Künstler wie Roman Signer, Pipilotti Rist, Tadashi Kawamata, Katharina Grosse oder zuletzt Simon Starling zu Gast.

Zu den weiteren Gästen des diesjährigen „Art Weekends“ gehört der junge Schweizer Künstler Cédric Eisenring, Jahrgang 1983, der von seinem Künstlerkollegen Tobias Madison, Jahrgang 1985, begleitet und vorgestellt wird. Beide sind Preisträger der Swiss Art Awards 2017. Ebenso wird Barbara König erwartet. Die in Deutschland geborene Zoologin und Verhaltensforscherin lehrt an der Universität Zürich. Sie erforscht das Sozialverhalten von Säugetieren. Das Thema ihrer Präsentation lautet „Von Mäusen und Menschen“.

Doch zurück zu Andrea Büttner, deren Werk im Fokus des Wochenendes stehen wird. Die heute überwiegend von Berlin aus agierende Künstlerin hat lange Zeit in London gelebt, wo sie 2010 auch ihren Doktorgrad am Royal College of Art erworben hat und 2017 für den renommierten Turner Prize nominiert war. Bevor sie nach London ging, hatte Andrea Büttner in Berlin studiert. Sie war dort Meisterschülerin an der Universität der Künste, ebenso absolvierte sie aber auch ein Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Humboldt Universität. Andrea Büttner hat bereits an zahlreichen Ausstellungen auf der ganzen Welt teilgenommen, darunter 2010 an der 29. São Paulo Biennale und 2012 an der Documenta 13. Im Herbst tritt sie eine Professur an der Kunsthochschule Kassel an.

Am ersten Abend möchte Andrea Büttner den glücklichen Umstand, dass das Hotel Castell über ein eigenes Kino verfügt, nutzen, um anhand von zwei kurzen Filmen erste Einblicke in ihr Werk und ihre künstlerische Denkweise zu geben. Die Filme „Little Works“ von 2007 und „Little Sisters: Luna Park Ostia“ von 2012 vermitteln dem Betrachter eher beiläufige, vielleicht daher aber umso spannendere Aspekte des Alltags in weiblichen katholischen Ordensgemeinschaften. Für „Little Works“ besuchte die Künstlerin mit Bastel- und Handarbeiten befasste Nonnen in einem britischen Kloster. Im Zentrum des zweiten, für die Documenta entstandenen Films „Little Sisters: Luna Park Ostia“ stehen Ordensfrauen, die in einem in die Jahre gekommenen Vergnügungspark am Strand der Rom vorgelagerten Küstenstadt Ostia eine kleine Kirmesbude mit einem von der Arche Noah inspirierten Angelspiel betreiben. In Andrea Büttners Werk taucht das Motiv der selbst gewählten Armut, Bedürfnislosigkeit, Bescheidenheit und Demut immer wieder auf. Sie befragt es auf seine Tauglichkeit als ethisch unterfütterte alternative Lebensform in einer sich unablässig beschleunigenden, primär materialistisch orientierten Gesellschaft. Der Armut geht Büttner aber auch in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit den Marktmechanismen des Betriebssystems Kunst und der Ambivalenz der eigenen Verortung darin nach.

Salome Hohl, freie Kuratorin und Dozentin für Kunstgeschichte, wird im weiteren Verlauf des „Art Weekends“ ein vertiefendes Gespräch mit Andrea Büttner über allgemeine Themen zum Werk führen. Hohl ist mit dem Werk Büttners bestens vertraut, da sie Anfang 2017 an der Ausstellung „Gesamtzusammenhang“ der Künstlerin in der Kunst Halle Sankt Gallen mitwirkte. Andrea Büttners Denken ist unter anderem von folgenden Interessen geleitet: Moos, Scham, Religion, soziale Urteile, Kunstgeschichte. Warum sie etwa immer wieder moosbedeckte Felsen, Gehwege oder Häuserwände fotografiert hat, dürfte an diesem Wochenende ebenso zur Sprache kommen wie die überraschende Aktualität des nur scheinbar obsolet gewordenen Begriffs „Scham“. Andrea Büttner hat sich in ihrer Doktorarbeit und in ihrer künstlerischen Praxis ausführlich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.

Die Künstlerin arbeitet in unterschiedlichen Medien wie Holzschnitt, Video, Hinterglasmalerei oder Künstlerbuch. Typisch für ihre Strategie ist aber auch der forschende Umgang, die Neuordnung und installative Präsentation von Fundstücken aus der Kunstgeschichte oder dem Alltag. Das können Texte, Bilder oder auch Filme sein. Büttner und Hohl widmen dann ein zweites Gespräch dem für ihr Werk zentralen Medium Holzschnitt. Vor dem Hintergrund der in den vergangenen Jahren für das Hotel Castell angekauften mittel- und großformatigen Originale wird Andrea Büttner die Arbeitsweise, die Technik, aber auch die Bedeutung des Holzschnitts für ihr Schaffen erläutern. Anspielungen auf das Arts and Crafts Movement, auf den modernistischen Holzschnitt bei HAP Grieshaber, aber auch Reminiszenzen, die auf ihre Erziehung in einer Klosterschule verweisen, bieten eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für Fragen und Diskussionen. Wie immer bei den „Art Weekends“ im Hotel Castell ist das Publikum ausdrücklich eingeladen, sich jederzeit zu Wort zu melden.

Geplant ist aber auch die exklusive Vorstellung einer druckfrischen Neuerscheinung: Das Künstlerbuch „Beggars“, das voraussichtlich im September im Verlag der Buchhandlung Walther König erscheinen wird, umfasst eine Serie von Holzschnitten mit dem Motiv einer verhüllten Bettlerfigur sowie eine kunstgeschichtliche Recherche zum Thema Armut. Außerdem enthält es einen Bildessay mit dem Titel „Shepherds and Kings“, in dem die Darstellung von Armut in der Kunstgeschichte am Beispiel der Hirten untersucht wird. Weiterhin enthalten ist eine Serie, die während einer Recherche am Warburg Institute in London entstanden ist. Hierfür verwendet Andrea Büttner Reproduktionen aus Auktionskatalogen inklusive der rückseitigen Beschriftungen.

Das Künstlerbuch „Beggars“ wird von der Kunst Halle Sankt Gallen, der Kunsthalle Wien und dem Musée Régionale d’Art Contemporain im südfranzösischen Sérignan herausgegeben. In all diesen Institutionen war Andrea Büttner bereits mit Einzelausstellungen vertreten. Ebenso zu den Herausgebern zählt die norwegische „Bergen Kunsthall“, wo Büttners Werke ab dem 24. August zu sehen sind.

Was Andrea Büttners Kunst so besonders macht, ist die Tatsache, dass sich aus vielen Einzelwerken, Anspielungen, Zitaten, Gesten des Erinnerns und Querverweisen am Ende bedeutungsvolle Gesamtzusammenhänge ergeben, die nichts weniger zum Thema haben als grundlegende Fragen an die Eckpfeiler unserer Existenz: Wie wollen wir leben? Was können wir für andere tun? Was brauchen wir? Auf was lohnt es sich zu verzichten? Und wie können wir uns aus den eingefahrenen Gleisen unserer Existenz befreien, um etwas Neues anzufangen? Das kommende „Art Weekend“ im Hotel Castell bietet jetzt die Gelegenheit, ein Stück weit in den gedanklichen Kosmos dieser international beachteten Künstlerin einzusteigen.

Das Art Weekend findet vom 28. bis 30. September statt. Die Kosten beginnen ab 790 Franken. Darin sind enthalten:

  • 2 Übernachtungen inklusive Frühstücksbuffet
  • 2 Lunches inkl. Getränke
  • 2 Abendessen inkl. Aperitif und Getränke
  • die Teilnahme an den Seminaren
  • Zutritt zum Hamam sowie „Bergbahnen inklusive“
  • exkl. Kur- und Beherbergungstaxen

    Nähere Informationen und Buchung unter:
    Hotel Castell
    7527 Zuoz
    Schweiz
    Telefon: +41 81 851 52 53
    email: info@hotelcastell.ch
    www.hotelcastell.ch

    In der „Bergen Kunsthall“ im norwegischen Bergen läuft vom 24. August bis 28. Oktober eine Einzelausstellung von Andrea Büttner mit dem Titel „Shepherds and Kings“. Interessierte Teilnehmer des Art Weekends haben also in diesem Herbst noch die Gelegenheit, in Norwegen einen vertiefenden Eindruck in ihr Werk zu bekommen.

    www.kunsthall.no

  • www.hotelcastell.ch



    20.08.2018

    Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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    Andrea Büttner







    Andrea Büttner, Tent (two colour), 2012/13

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    Andrea Büttner im Walker Art Center Minneapolis, 2015/16

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    Andrea Büttner, I want ornaments on everything, 2005

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    Andrea Büttner, Duck and Daisy, 2015

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    Andrea Büttner, Phone Etching, 2015

    Andrea Büttner, Phone Etching, 2015

    Andrea Büttner, Phone Etching, 2015

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    in der Ausstellung „Andrea Büttner“

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    James Turrell, Skyspace Piz Uter

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    Panoramablick auf das Hotel Castell

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    in der Ausstellung „Andrea Büttner“

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    Lunch Break auf der Terrasse von Tadashi Kawamata

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    Andrea Büttner auf der Documenta 13 Kassel, 2012

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    Aussicht von der Hotelterrasse auf die Schweizer Alpen

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