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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Verhalten war die Kauflaune bei der Impressionisten- und Moderne-Auktion von Sotheby’s in London. Vor allem auf die deutsche Kunst hatten die Sammler nur selten Lust

Murnauer Farbspiele



Wassily Kandinsky, Gabriele Münter im Freien vor der Staffelei, 1910

Wassily Kandinsky, Gabriele Münter im Freien vor der Staffelei, 1910

Wassily Kandinsky wollte einen neuen Weg in der Malerei beschreiten, eine ganz neue Art und Weise, Pigmente und Leinwand in Kunst zu verwandeln. Er transformierte seine Gemälde in ein abstraktes Fest der Farben und Formen. Wichtig waren dafür auch seine Aufenthalte in Murnau. In den Voralpen am Staffelsee verbrachten er, Gabriele Münter und weitere Künstler wie Alexej von Jawlensky oder Marianne von Werefkin mehrere Sommer. Gemeinsam experimentierten und diskutierten sie ihre Gemälde, oft an der selben Stelle und mit der selben Szene gemalt. So war es auch 1910, als er seine damalige Geliebte inmitten der bayrischen Berge in der Farbsymphonie „Gabriele Münter im Freien vor der Staffelei“ verewigte. Das Gemälde, auf dem Münter mehr zu erahnen, als tatsächlich zu sehen ist, steht exemplarisch auf dem entscheidenden Weg des russischen Künstlers hin zur Ungegenständlichkeit. Sotheby’s hatte das prominente Werk, das aus dem Nachlass des Malers und Freundes Jawlensky stammt, auf 3 bis 5 Millionen Pfund taxiert. Motivierte Bieter brachten den Preis letztlich auf 4,5 Millionen Pfund.


Die Erfahrung künstlerischer Einflüsse in Frankreich und auch die Abstammung aus dem ehemaligen Zarenreich verbindet Kandinsky mit Marc Chagall. Dessen Papierarbeit „Le Baiser“ oder „Les amoureux en bleu“ von 1930 sorgte für einen überraschend positiven Einstieg in die Auktion, als die Gebote nicht bei der Schätzung von 300.000 bis 500.000 Pfund, sondern erst bei 960.000 Pfund aufhörten. Liegen blieb dagegen ein von Kandinskys Kollegen Franz Marc beidseitig bemaltes Blatt aus den Jahren 1910/11. Recto zeigt es zwei in Öl und Tempera gearbeitete „Stehende Mädchenakte mit grünem Stein“, auf der anderen Seite die Kohlezeichnung zweier Pferde (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Auch sonst tat sich die deutsche Kunst schwer. Die Kunden waren wählerisch und verschmähten Emil Noldes spätes farbintensives Ölgemälde „Mohn“ von 1950 (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP), Max Liebermanns impressionistische Ansicht der „Birkenallee im Wannseegarten. Blick auf das Kohlfeld“ aus dem Jahr 1919 (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP) oder auch Alexej von Jawlenskys strenge Meditation „Abstrakter Kopf: Klarheit“ von 1925 (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Ein höher Ausfall war zudem Joan Mirós dunkle „Peinture“ von 1933 mit 8 bis 12 Millionen Pfund, so dass Sotheby’s bei einer losbezogen Verkaufsquote von 72 Prozent nur 87,5 Millionen Pfund umsetzte und damit die untere Gesamtschätzung von rund 100 Millionen Pfund verfehlte.

Von den Musen geküsst

Das teuerste Los des Abends war eines der zahlreichen Porträts von Pablo Picassos Muse und Geliebter Marie-Thérèse Walter. Das Ölgemälde „Buste de femme de profil (Femme écrivant)“, 1932 vor einem Fensterkreuz in zarten Pastelltönen gefertigt, erreichte die angepeilten 33 Millionen Pfund jedoch nicht. Schließlich musste es der Garantiegeber bei 24 Millionen Pfund übernehmen. Sieben Jahre später malte Picasso seinen „Tête de femme au chapeau orange“. Noch stärker teilt er in dieser Darstellung das weibliche Gesicht in eigenständig agierende Komponenten auf. Denn in hier bildete er zwei Personen parallel ab: die bereits bekannte Marie-Thérèse und seine neue Geliebte Dora Maar, die Pablo Picasso 1936 kennengelernt hatte. Für den ausdrucksstarken „Tête de femme au chapeau orange“, der Picassos doppeltes Liebesleben dokumentiert, fiel der Hammer bei 4,2 Millionen Pfund (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP).

Ein Garantiekringel stand auch vor Picassos später Schnellmalerei mit dem typischen Sujet „Le peintre et son modèle“ von 1964. Doch auch hier wurde es aus den anvisierten 7,5 Millionen Pfund nichts; bei 5,5 Millionen Pfund war Schluss. Freundin und Kollegin war die Britin Mary Hutchinson für den Franzosen Henri Matisse. Auf Vermittlung seines Schwiegersohnes fertigte er 1936 zwei Porträts von Mrs Hutchinson in seinem Pariser Studio. Eine dieser Zeichnungen, die seit der Entstehung im Familienbesitz der Hutchinsons verblieben ist, offerierte Sotheby’s nun für 2 bis 3 Millionen Pfund, was die elegante Dame bei 2,6 Millionen Pfund auch bestätigte. Aus einer japanischen Sammlung wurde Paul Gauguins noch impressionistisches Stillleben „Fleur dans un panier“ um 1880/85 eingeliefert, das sich ein Russe bei 1,9 Millionen Pfund nicht entgehen ließ (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Einträglich waren zudem die 500.000 Pfund für Pierre-Auguste Renoirs stimmungsvolle Natur „Après la tempête“ um 1872 (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP).

Mit einer Garantie und einem unwiderruflichen Gebot war Claude Monets „La Méditerranée par Vent de Mistral“ von 1866 versehen. In der Küstenansicht fing Monet während seines Aufenthaltes in der Region von Antibes gekonnt die Klarheit des Wassers und das stimmungsvolle Licht des Südens unter dem Einfluss des Mistral-Winds ein. Dennoch reichte es nicht für den Schätzpreis von 6,5 bis 8,5 Millionen Pfund, das Ölgemälde blieb an 6,2 Millionen Pfund hängen. Camille Pissarro war ebenfalls ein Meister darin, die auf der jeweiligen Lichtsituation basierende Stimmung einer Landschaft, eines Bauwerkes oder einer Stadtansicht einzufangen. In „Le Boulevard Montmartre, brume du matin“ malte der Impressionist 1897 eine von mehreren detailreichen Ansichten der Pariser Hauptstraße. Der Zuschlag von 2,9 Millionen Pfund verpasste knapp die untere Preisgrenze von 3 Millionen Pfund. Das Werk gehörte zu einer amerikanischen Impressionistenkollektion, die Sotheby’s mit „Masters of Light“ betitelt und mit Garantien versehen hatte. Das wurde zu einem kostspielen Unterfangen. Denn zwei weitere Montes blieben bei mindestens 3,5 Millionen Pfund und 2,5 Millionen Pfund liegen. Nur Eugène Boudins bewölkter Tag mit „Crinolines sur la plage“ von 1866 ging taxgerecht für 700.000 Pfund weg.

Katze wieder aufgetaucht

Die Skulpturen waren gefragt, wenn auch nicht immer für den angestrebten Preis. Obwohl Hans Arps golden glänzende Bronze „Déméter“ von 1960 die typische Abstraktion seiner reifen Werke aufweist, lassen die dem weiblichen Körper nachempfundenen weichen Rundungen deutlich den Verweis auf die antike griechische Fruchtbarkeitsgöttin erkennen. 600.000 Pfund brachte dieses erste von Georges Rudier 1962 gegossene Exemplar (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP). Balletttänzerinnen waren eines der bevorzugten Sujets des französischen Impressionisten Edgar Degas. Gern zeigte er sie abseits der Bühne, in der Pause, beim Aufwärmen oder in der Übungsstunde, so auch die „Danseuse habillée au repos, les mains sur les reins, la jambe droite en avant. Nach Degas’ Wachsentwurf um 1895/1905 wurde die Version aus dem ehemaligen Besitz von Alfred Flechtheim 1926 gegossen und trägt die Nummerierung 51/O. Mit 550.000 Pfund platzierte sich die Ballerina an der oberen Schätzgrenze.

Alberto Giacomettis schlanken drahtigen „Chat“ hatte Sotheby’s kurzfristig aus der New York Mai-Auktion genommen. Wie es heißt, sei das Bronzetier zu spät angeliefert worden, um es noch genügend zu bewerben. Nun sollte die mit einer Garantie versehene Skulptur von 1951 die Londoner Auktion als zusätzliches Highlight bereichern, was ihr mit 11 Millionen Pfund und Platz Zwei auf der Zuschlagsliste auch gelang (Taxe 10 Millionen GBP). Giacomettis „Buste de Diego“ von 1957 schaffte es ebenfalls unter die Top Ten. Die ausdrucksstarke Darstellung seines Bruders ging für 2,4 Millionen Pfund an einen japanischen Sammler (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP). Freuen konnte sich Camille Claudel über ihre „Buste de Charles Lhermitte“. Der feinsinnige Sohn ihres Malerkollegen Léon Augustin Lhermitte, der bis heute im Besitz seiner Familie war, kletterte von 400.000 Pfund auf 850.000 Pfund.

Die nächste Runde

Der anschließende Day Sale am 20. Juni wartete in zwei Sitzungen mit 275 Positionen auf, von den 186 zu einer Quote von knapp 67,6 Prozent weggingen. Star der Auktion war die „Femme en forêt, chapeau bleu à la main, bras levé“ von Rik Wouters aus dem Jahr 1914. Für das expressive Ölporträt fiel der Hammer erst bei einer Million Pfund. Damit erzielte Sotheby’s nicht nur einen Wert deutlich über der Taxe von 280.000 bis 350.000 Pfund, sondern auch einen neuen Künstlerrekord. Schon zuvor hatte dies sein niederländischer Mitstreiter, der spätere Beuroner Benediktinermönch Jan Verkade, mit „Herinnereng. Fiesole Reminiscence“ geschafft. Die „Erinnerung“ bezog sich auf seinen Aufenthalt in Fiesole bei Florenz im Jahr 1893. Das stille Brustbild einer jungen Frau mit weißer Haube führte Verkade als Mitglied der Künstlergruppe Nabis in deutlich abgetrennten kräftigen Farbzonen aus. Hierfür waren 160.000 Pfund und damit das Doppelte der unteren Schätzung fällig. Ein kleiner Erfolg waren auch die 12.000 Pfund für den deutschen Expressionisten Paul Busch, einen Mitarbeiter von Herwarth Waldens Zeitschrift „Sturm“. Für seine vor 1919 entstandene, kleinteilig aufgesplitterte Vision „Burschen, mein Dorf!“ kamen nun 1.000 Pfund mehr zusammen, als vor einem Jahr beim Konkurrenten Christie’s (Taxe 12.000 bis 18.000 GBP).

Der Katalog listete weitere Künstler aus dem deutschsprachigen Raum. Für sie war die Nachfrage aber wiederum durchwachsen. Zu Rückgängen wurde etwa Hermann Max Pechsteins wohl zu braves „Calla-Stillleben im Spiegel“ von 1917 (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP) oder Emil Noldes farbsattes Aquarell „Bärtiger Mann und Frau“ um 1931/35 (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Für sein Ölgemälde „Einschiffung“ von 1911 mit einem Pferdegespann, das im Meer auf ein Segelboot zutrabt, sprang im zweiten Anlauf wenigstens die untere Erwartung von 150.000 Pfund heraus. Im März 2017 hätte es noch mindestens 300.000 Pfund bringen sollen. 1923 porträtierte Fritz Burmann „Frau Biene aus Worpswede, 87 Jahre alt“. Seine schonungslose Wiedergabe der vom Leben gezeichneten Frau im Sinne des Verismus fiel beim Publikum aber ebenfalls durch (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP), genauso wie Ernst Barlachs posthume Güsse der „Kussgruppe II“ und der „Russischen Bettlerin II“ (Taxen 7.000 bis 10.000 GBP und 30.000 bis 50.000 GBP).

Für Karl Schmidt-Rottluffs spätexpressionistisches „Stillleben mit Krug“ von 1927 gab es wenigstens 245.000 Pfund (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP), für Gabriele Münters „Landschaft mit blauen Häusern“ von 1936 immerhin die oberen anvisierten 70.000 Pfund. Leicht untertourgig ging Lesser Urys Stadtvedute „Berliner Straßenmotiv mit Automobilen und dem Hotel Adlon“ von 1925 bei 78.000 Pfund ins Ziel (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP). Besser lief es für die österreichischen Künstler der Moderne, etwa für Gustav Klimts „Nach links sitzenden Halbakt“, ausgeführt in blauem Farbstift auf Papier, für schätzungsgemäße 65.000 Pfund. Seine Studie zu einem Bildnis von Magda Mautner-Markhof um 1904 war bei 26.000 Pfund gefragt (Taxe 18.000 bis 25.000 GBP). Alfred Kubin reüssierte mit seinem erotisch-surrealen Tuscheblatt „Männlicher Arm mit weiblichem Akt“ um 1898 für 68.000 Pfund (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP), Egon Schiele mit seiner fast pornografischen Bleistiftzeichnung einer „Liegenden“ bei der Selbststimulation von 1913 für 270.000 Pfund (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1AsAA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



01.08.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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