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Angelika Kauffmann wird immer wieder als die Mutter weiblicher Malkunst tituliert. In Wörlitz vermittelt eine Ausstellung zahlreiche neue Einsichten ins Schaffen der klassizistischen Porträt- und Historienmalerin

Feminine Kühle in der Wiege des Klassizismus



Angelika Kauffmann, Bildnis der Louise Herzogin von Anhalt-Dessau, 1796

Angelika Kauffmann, Bildnis der Louise Herzogin von Anhalt-Dessau, 1796

Auf dem Weg durch die Provinz nach Wörlitz drängt sich die Frage auf, was wohl die Grande Dame klassizistischer Malerei – von stilistischen Anklängen abgesehen – mit dem beschaulichen Gartenreich bei Dessau verbindet. Den gespannten Besucher erwartet hier derzeit ein kunsthistorischer Hochgenuss, wie er jedem renommierten Großstadtmuseum wohl gut zu Gesicht stehen würde. Persönliche Beziehungen und beharrliches Forschungsengagement haben dazu geführt, dass abseits musealer Zentren eine umfassende Ausstellung zur Vorarlberger Malerin Angelika Kauffmann zu bewundern ist, die neu zugeschriebene und noch nie öffentlich gezeigte Werke versammelt.


Im „Grauen Haus“ gleich neben dem Schloss Wörlitz führt der Parcours über eine knarrende Holzstiege in die grün gefasste, neugotische Galerie mit originalen Sammlungsschränken. Als Rückzugsort vom höfischen Leben wurde das Haus um 1790 speziell für Fürstin Louise von Anhalt-Dessau errichtet. Gleich zu Beginn stellt die Schau die Hausherrin in der Form eines Porträts vor, das Angelika Kauffmann 1796 in Rom schuf. Kauffmann verfasste das Freundschaftsbildnis ohne die typischen Repräsentationsformeln, aber mit stark idealisierten Zügen und verjüngte bei betonter Hautrötung das Gesicht als Zeichen der Sensibilität. Vom dunklen Grund abgehoben, sollte die Seele durch das Antlitz sprechen. Den hoch gezogenen Rüschenkragen hält eine mit Edelsteinen besetzte Kette zusammen. Zartgelb ist der Umhang getönt. Ein breiter Gürtel aus dunkelblauem Stoff sowie das im gleichen Ton gehaltene Stoffband im Haar runden den Komplementärkontrast ab.

Das Gemälde entsprach Kauffmanns Standarttypus des schlichten Brustbildnisses ohne Hände, Attribute und aufwendige Kleidung – ihrer preisgünstigen Variante, für die rund 15 bis 20 Arbeitsstunden vonnöten waren. Die Fürstin erschien dreimal zu Porträtsitzungen bei der Malerin. Kauffmann konzipierte ihre Sujets vorwiegend kühl, distanziert und statisch angelegt. Ein beiseite gestelltes anderes Porträt Louises signalisiert die extreme Aufhübschung durch Kauffmann, was der innigen Verbindung beider geschuldet war.

Fürstin Louise (1750-1811), eine geborene Prinzessin von Brandenburg-Schwedt, wurde auf Geheiß des preußischen Königs Friedrich II. mit Leopold III. Friedrich Franz, dem späteren Fürsten und Herzog von Anhalt-Dessau, vermählt. Umfassend ausgebildet, geistreich und kulturell versiert, unterstützte sie ihren Mann bei Reformvorhaben und begleitete ihn auf Reisen. Doch die weniger glückliche Ehe führte zu zahlreichen physischen und psychischen Krankheiten. Nichts mag wohl mehr ihre Sehnsucht verkörpern, als das benachbart präsentierte Bildnis „Amor und Psyche“, ein Hauptwerk von Angelika Kauffmann. Noch 1792 im Jahr der Entstehung erwarb Fürstin Louise das großformatige Gemälde direkt von der Künstlerin in Rom. Der Mythos von Amor und Psyche stieß ohnehin am von Aufklärung und Philanthropie durchsetzten Dessau-Wörlitzer Musenhof auf weites Interesse. Kernthema sind das dualistische Verhältnis von Körper und Seele sowie die glückliche Vereinigung von irdischem und himmlischem Dasein unter dem Leitgedanken, sich selbst zu erkennen.

Louise platzierte das programmatische Bild in ihrem Schlafzimmer im Sommerschloss Luisium bei Dessau. Im abgeschiedenen Übergangsbereich zwischen Leben und Tod sollte es Erinnerungen an verlorene Liebes-, Freundschafts- und Seelenbünde auslösen. Kauffmann griff aus dem Mythos die anrührende Szene der Lockentröstung heraus, die sie vor dem Hintergrund des von Buschwerk und Felsen umgebenen Eingangs in die Unterwelt platzierte. Gekreuzte Bäume spielen auf die Vereinigung des in verschmelzender Anmut sitzenden Paares an, wobei die weiche, fleischige, wenn auch abermals kühle Nacktheit der Figuren zu einer Erotisierung beiträgt, die für die Malerin eher unüblich ist. Verständlich, dass sich die Fürstin in der Rolle der Psyche verorten konnte, die nach einem Leidensweg durch die Heirat mit Amor in den Kreis der Unsterblichen aufgenommen wurde.

Angelika Kauffmann, 1741 in Chur geboren und in Schwarzenberg im Bregenzer Wald aufgewachsen, begann schon früh zu malen und startete ihre Karriere mit einem Zufall. Nach dem Brand der Schwarzenberger Dorfkirche wurde die gerade erst 15jährige mit der Ausführung von Apostelfiguren als Fresken beauftragt, die die Begabung für die Gestaltung charaktervoller Köpfe visualisieren. In den 1750er und 1760er Jahren kopierte sie italienische Renaissancekünstler während mehrerer längerer Reisen durch Italien. Mit dem 1764 illustrierten Porträt des Altertumsforschers Johann Joachim Winckelmann gelang Kauffmann der Durchbruch. Ab 1765 in London ansässig, eröffnete sie ein repräsentatives Atelier und führte zahlreiche Aufträge für den königlichen Hof aus.

1775 besuchte Fürstin Louise die Malerin mit ihrem Ehemann Fürst Leopold Friedrich Franz, den sie auf einer Englandreise begleitete. Hier nahm die enge Freundschaft der beiden Frauen ihren Anfang. Im Dezember 1768 wurde Kauffmann zum Gründungsmitglied der Royal Academy of Arts ernannt. Preislisten belegen den Erfolg ihrer Gemälde. Deren Beliebtheit löste europaweit eine Modewelle aus, die zu jener Zeit ihren Höhepunkt erreichte. Ab 1782 bezog sie mit dem im Vorjahr geheirateten venezianischen Maler Antonio Zucchi ein Atelier in Rom, das rasch zu den renommiertesten der Metropole aufstieg. Ungewöhnlich mutet für die damalige Zeit der Rollentausch des Künstlerehepaares an: Sie war berufstätig, der Vedutenmaler im Schatten seiner Frau assistierte nur. Vertreter von Hochadel und Geldaristokratie gingen bei ihnen ein und aus. Besuche von Kaiser Joseph II. von Österreich oder Johann Wolfgang von Goethe belegen ihren internationalen Bekanntheitsgrad. Am 5. November 1807 starb Angelika Kauffmann in Rom. Sie war zu ihrer Zeit eine außergewöhnliche Frau – emanzipiert, geschäftstüchtig, erfolgreich, verfügte über ein großes internationales Netzwerk, war reisefreudig und wechselte häufiger ihre Wohnsitze.

Die Düsseldorfer Kunsthistorikerin Bettina Baumgärtel, Kauffmann-Expertin und Leiterin des Angelika Kauffmann Research Project, kuratierte die Schau in Wörlitz und legte bei der Auswahl der rund 150 Arbeiten den Schwerpunkt auf Werke, die Fürstin Louise erworben hat oder mit ihr in einem Zusammenhang stehen. Baumgärtel schätzt das gesamte Œuvre Kauffmanns auf etwa 2500 Werke, davon gut 800 Ölbilder. Einiges gilt als verschollen, selten tauchen noch Originale im Kunsthandel auf. In Wörlitz stammen die Exponate vorwiegend aus zwei Privatsammlungen: der Löwenanteil aus rund 90 Bildern sowie Dokumente stammen aus dem Fundus eines Vorarlberger Privatsammlers. Etliche Neuzuschreibungen und noch nie öffentlich präsentierte Werke inklusive aller 40 geschaffenen Radierungen konnte die Kuratorin vereinen und zu einem umfassenden Überblick zusammenstellen.

Zu den Höhepunkten der Schau zählt ein Gemälde aus der Sammlung des Herzogs Peter von Biron und seiner Gemahlin Dorothea Herzogin von Kurland. Das verschollen geglaubte Gemälde „Ceres“ befindet sich heute in der Vorarlberger Privatsammlung und ist mit seinem Gegenstück, der berühmten „Bacchantin“ aus der Berliner Gemäldegalerie, sowie dem Bildnis der Herzogin von Kurland erstmals wieder zusammengeführt. Am Ende ihres Schaffens steht die Serie der Prophetenköpfe, in der Angelika Kauffmann an die flämisch-niederländische Tradition der Tronies anknüpft. Eher expressiv gehalten, kommt die Malerin damit wieder an ihre Anfänge als Schülerin zurück. Mit der 1807 gemalten „Büßenden Maria Magdalena“, ihrem letzten Gemälde, endet die Schau.

Einen Kontrapunkt setzt die Arbeit des zeitgenössischen Künstlers Peter Baldinger. Im Kirchhof vor dem Grauen Haus implantierte der Österreicher in den Rasen eine lange Rabatte blühender Tagetes in der Form einer steilen Potentialverlaufskurve. Sie nimmt direkt Bezug auf das Gemälde „Amor und Psyche“ und soll die von Liebe und Sexualität ausgehende Erregung versinnbildlichen.

Die Ausstellung „Angelika Kauffmann. Unbekannte Schätze aus Voralberger Privatsammlungen“ läuft bis zum 21. Oktober. Sie hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog für 29,90 Euro erschienen.

Haus der Fürstin
Kirchhof am Schloss Wörlitz
D-06785 Oranienbaum-Wörlitz

Kontakt:

Schloss Wörlitz

Schloss Wörlitz

DE-06786 Wörlitz

Telefon:+49 (034905) 40 90

E-Mail: ksdw@ksdw.de



31.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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08.07.2018, Angelika Kauffmann. Unbekannte Schätze aus Voralberger Privatsammlungen

Bei:


Kulturstiftung Dessau Wörlitz

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Angelika Kauffmann, Selbstbildnis, um 1764
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Angelika Kauffmann, Paulus Aemilius, 1798
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Angelika Kauffmann, Flora, 1790
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Peter Baldinger, Amor sucht Psyche, 2018
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Angelika Kauffmann, Amor und Psyche, 1792
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Angelika Kauffmann, Bildnis der Louise Herzogin von Anhalt-Dessau,
 1796
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Variabilder:

Gotische Galerie im Grauen Haus mit Bildern von Angelika Kauffmann
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Angelika Kauffmann, Selbstbildnis, um 1764

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Angelika Kauffmann, Paulus Aemilius, 1798

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Angelika Kauffmann, Flora, 1790

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Peter Baldinger, Amor sucht Psyche, 2018

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Angelika Kauffmann, Amor und Psyche, 1792

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Gotische Galerie im Grauen Haus mit Bildern von Angelika Kauffmann

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