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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Auswahl der Zeitgenossen mit einem Schwerpunkt auf italienischer Kunst gefiel den Kunden des Dorotheums und sie griffen beherzt zu

Das Spiel mit dem Blickwinkel



Jesús Rafael Soto kam 1950 nach Paris, wo er seine Wahlheimat fand. Der schon früh von der Op-Art und kinetischen Kunst beeinflusste Kreative stieß mit seinem Schaffen in Europa schnell auf Gegenliebe, denn diese Strömungen befanden sich dort mit ihrer neuen Bildsprache im Aufwind. Die Optik selbst und das Spiel mit ihren Gesetzmäßigkeiten rückten in den Mittelpunkt: von räumlichen Illusionen bis hin zur tatsächlichen Dynamik der Werke. Aus diesem Nährboden heraus schuf der gebürtige Venezolaner 1974 seine Arbeit „Ohne Titel (Escritura)“. Den Hintergrund füllt ein breiter dunkler Querbalken, der von feinen hellen vertikalen Linien durchzogen ist. Darüber und darunter ist die Fläche weiß. Mit Nylonfäden sind vor diesem strukturierten Grund gebogene Drähte gespannt, die damit zu schweben scheinen. Je nach Blickwinkel ergibt ihr Zusammenspiel einen unterschiedlich raumgreifenden Eindruck. Steht der Betrachter frontal, lassen sich am ehesten noch Schriftzeichen vermuten, die im Titel verankert sind. Das Interesse an dem mit 240.000 bis 320.000 Euro ausgewiesenen Stück war im Dorotheum groß, und die Kunden würdigten den Spannungsreichtum und die Multiperspektivität in ihren Geboten: Erst bei 400.000 Euro fiel der Hammer.


Mit 81 Prozent verkaufter Offerten setzte das Dorotheum am 16. Mai in Wien netto über 6 Millionen Euro um. Neben Soto hatte daran vor allem der italienische Avantgardist Lucio Fontana einen großen Anteil. Gleich zwei seiner „Concetti Spaziali“, seiner räumlichen Konzepte, führen die Spitzenliste der Auktion an. Eine fluoreszierend rosafarbene Leinwand von 1964/65 hat Fontana mittig und senkrecht mit einem Schnitt durchzogen, durch den die Kanten in den Raum wellen. Ein solches Durchbrechen der Fläche hin zur Plastizität machte Fontana weltberühmt. Obwohl das Los seine Schätzung von mindestens 480.000 Euro mit einem Zuschlag von 450.000 Euro knapp verpasste, wurde es das teuerste der Versteigerung. Knapp dahinter folgte eine etwas jüngere und größere Version aus dem Jahr 1968 in sattem Grün, die bei 440.000 Euro vom Auktionspult trat (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Preiswerter war Fontanas „Battaglia“ aus dem Jahr 1950. Der Teller, auf dem zwei abstrakte Fechter vollplastisch hervortreten, ging für 40.000 Euro im Rahmen der Erwartung weg.

Raumgreifende italienische Kunst

Nicht nur Fontana machte sich die dritte Dimension zunutze. Eine besondere Leuchtkraft strahlen Carla Accardis „Segni rosa“ von 1967 aus. Übereinander liegende Schichten aus kurzen rosafarbenen Wellen suggerieren Tiefe, während ihre Zwischenräume frei gelassen sind. Damit wird der Blick durch das Werk möglich, denn die ornamenthafte Bemalung ist auf eine durchsichtige Folie angebracht, durch die lediglich der Holzrahmen zu sehen ist. Mit einem Erlös von 95.000 Euro konnte das ungewöhnliche Stück oberhalb seiner Taxe von 50.000 bis 80.000 Euro begeistern. Für eine Überraschung war auch Marcello Morandinis Relief „Ohne Titel (81/1971)“ aus dem Jahr 1971 gut. Winkel, auf der einen Seite weiß und auf der anderen schwarz gefasst, sind auf einer Platte verschiedenen ausgerichtet und erzeugen spannungsreiche optische Effekte. Zahlreiche Gebote ließen die Schätzung von 13.000 bis 18.000 Euro schnell hinter sich, der Zuschlag erfolgte erst bei 32.000 Euro. Licht und Schatten sind genauso bei Enrico Castellani ein zentrales Element, denn durch sie entsteht ein Muster auf seiner von Mulden und Spitzen systematisch durchzogenen geschwungenen Leinwand. Die „Superficie bianca“ von 1994 brachte es auf 72.000 Euro (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Rhythmisch fällt Licht bei Dadamaino durch ein ebenfalls weißes Lochraster. „Volume a moduli sfasati“ von 1960 überstieg mit 45.000 Euro seine Erwartungen von 20.000 bis 30.000 Euro.

Emilio Vedova, ein Hauptvertreter des italienischen Informel, trat unter anderem mit „Per una protesta No. 6 – Dal ciclo della protesta“ aus dem Jahr 1953 hervor. Das große Format mit seiner zumeist schwarzweißen gestischen Malerei, die in der Mitte der Komposition ihren Höhepunkt findet, charakterisieren die kleinen roten, gelben oder türkisfarbenen Flächen. Ein Interessent war bereit, mit 350.000 Euro nah an die obere Preisvorstellung von 380.000 Euro zu gehen. Vedovas schmales monochromes Hochformat „Per la Spagna, n. 11“ von 1962 konnte diese hinter sich lassen. 190.000 Euro spendierte ein Liebhaber für das noch weniger geordnet wirkende jüngere Bild mit seinem wilden Pinselduktus (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Bei Antonio Sanfilippo ergeben die Linien Binnenformen, die wie Schriftzeichen anmuten. Diese komponierte er in Weiß vor schwarzen Grund, unterbrochen nur von wenigen roten und hellbraunen Bereichen. „Numerosi Spazi 1“ ging für 46.000 Euro weg (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Renato Birolli setzte dem ein Jahr später leuchtend bunte Töne entgegen, inspiriert von den Freilichtmalereien der französischen Impressionisten. „Il verde delle Cinque Terre“ konzentriert diese für 85.000 Euro vor satten Grün im Zentrum (Taxe 75.000 bis 110.000 EUR). Ein strahlendes Himmelblau trug Alighiero Boetti 1981 mit Wasserfarben auf Papier auf, wodurch eine abgestufte gestreifte Wolkentextur zusammenkam. Unterbrochen ist diese von zahlreichen Flugzeugzeichnungen in Bleistift, die in verschiedene Richtungen fliegen. Der Himmelsraum ist geradezu überfüllt an den militärischen und zivilen Maschinen, die „Cieli ad alta quota“ mit 98.000 Euro nah an die obere Schätzung von 100.000 Euro brachten. 2004 klebte Emilio Isgrò Fliegen auf eine Holztafel um einen weitgehend geschwärzten Text mit der Anspielung auf die Seeungeheuer Skylla und Charybdis aus Homers Odyssee. Im antiken Mythos treten diese zwischen Sizilien und Italien, der Heimat des Künstlers, in Aktion. Das tiefgründige „Scilla e Cariddi“ wurde mit 42.000 Euro gewürdigt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Die Österreicher und ihre deutschen Nachbarn

Für mehrere Überraschungen sorgte der Österreicher Arnulf Rainer. Er überarbeitete Fotos seines Selbst in dynamischen Posen expressiv mit Ölfarbe und -kreide. „Holiday“, das den Künstler sitzend mit den Fäusten vor dem Mund zeigt, stieg von 10.000 Euro auf unerwartete 24.000 Euro. Ein titelloses Porträt mit wilden Blick von 1969 erreichte denselben Preis (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Auf immerhin 19.000 Euro kamen seine „Schwarzen Früchte“ aus dem Jahr 1972, auf denen Rainer seine gekreuzte Körperhaltung durch dicke schwarze Striche betont (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Maria Lassnig malte 1992/93 ausdrucksstark ein Sammlerpaar und brachte damit ebenso Akteure der Kunstszene ins Bild. Intensiv blickt besonders die Frau, als würde sie den Betrachter selbst als artifizielles Werk ansehen. Mit 100.000 Euro respektierte das „Collector-couple“ die untere Taxgrenze. Im Jahr 1988 schuf Max Weiler „Himmel-Rot“. In vollkommener Abstraktion greifen ein roter Balken oben und eine blaue Fläche unten in das weißgelbe Zentrum über. Weiche Übergänge wie am echten Himmel haben die Farben nicht, vielmehr stehen sie spannungsreich getrennt voneinander, was einem Käufer 50.000 Euro wert war (Taxe 38.000 bis 50.000 EUR). Auch Herbert Brandls Gemälde sind wie eine Erinnerung an natürliche Phänomene. Auf einer titellosen Leinwand evozierte er 2005 einen rot bis violett leuchtenden Abendhimmel, der im Dorotheum mit 36.000 Euro umworben wurde (Taxe 24.000 bis 36.000 EUR).

Deutschland war vor allem mit dem Informel prominent vertreten. Hans Hartung komponierte 1963 grüne Spitzen auf eine schwarze Leinwand, die aus einem bogenförmigen Zentrum mit Strichbündeln hervortreten. Kontraststark beinhalten diese Übergänge dunkle satte und helle, fast weißliche Töne. Das systematisch mit „T 1963 K43“ betitelte Ölgemälde sprang auf 150.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Über seine Bewertung schaffte es ebenfalls „T 1970 H21“ mit 95.000 Euro. Hartungs Acrylmalerei in hellgrüner Palette auf blauem Grund dominieren diesmal die helleren Töne, die wie von parallelen schwungvollen Kratzern durchzogen sind (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Ähnlich dynamisch, aber die Leinwand füllend, sind die braun-schwarzen Rakelschwünge von Karl Otto Götz. „Scouge“ von 1958 erhielt einen der oberen Taxe entsprechenden Zuschlag von 32.000 Euro.

Gotthard Graubner reduzierte sein Kolorit bis zur Monochromie. In der Spannung verschiedener übereinander gelagerter Schichten untersuchte er in den 1960er Jahren Zusammenhänge zwischen Farbe, Fläche und Raum, etwa auch bei der beigefarbenen Gouache von 1963, die nun 45.000 Euro einspielte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Lichtkunst repräsentierte Adolf Luther mit einer Plastik von 1990. Im Raster angeordnete konkave und konvexe Spiegel beziehen den Betrachter und seine Umgebung direkt ins „Sphärische Spiegelobjekt“ ein, das mit 95.000 Euro nah an seine Schätzung von 100.000 bis 150.000 Euro kam. Die Freiburgerin Katharina Grosse füllte im Jahr 2000 eine Leinwand rechts mit grünen breiten Querstrichen und links mit einer orangebraunen senkrechten Übermalung. 95.000 Euro waren ihr Lohn (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Noch jünger ist Anselm Kiefers „Floß der Medusa“. Die Collage aus zwei Fotografien von 2003, die er mit Kohle überarbeitete, zeigt eine Treppe vor einer eisbergähnlichen Situation. Die untere Taxe von 80.000 Euro wurde erreicht.

Internationale Offerten

Als ein Hauptvertreter der Op-Art gilt der Wahlfranzose Victor Vasarely. In verschieden gestauchte Quadrate setzte er 1971/74 Kreise. Die Verformungen sorgen für die optische Illusion des Vor- und Zurücktreten der geometrischen Gebilde als scheinbare Kugelsegmente. Die aufgerufenen 45.000 bis 65.000 Euro waren schnell überschritten, einem Kunden war das psychedelische „Biond-W“ 85.000 Euro wert. Etwa zeitgleich schuf er gelbbraune Quadrate und Kreise, die zur Mitte hin immer kleiner werden und sich abwechselnd überlagern. „NAP-EY“, angelehnt an die Lichteffekte der Kuppel des Pantheons in Rom, brachte es auf 55.000 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Der Däne Asger Jorn, der zeitweise ebenso in Paris tätig war, verfolgte einen anderen Stil. Pastos, expressiv und bunt ist das abstrakte „Liebeslächeln“ von 1958, bei dem das Gesicht derart verzerrt auftritt, dass es eher wie eine Fratze wirkt. Schräg schwappt es nun für 85.000 Euro mit dickem gelbem Mund über seine blaue Umgebung (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Ein Highlight des Abends war mit anvisierten 300.000 bis 400.000 Euro Philip Gustons „Untitled“. Der Abstrakte Expressionist übermalte eine gelbliche Platte, die vor allem an den Rändern noch sichtbar ist, mit Öl in mehreren Ebenen. Die leuchtenden Rot-, Grün-, Gelb- und Blautöne befinden sich weiter vorn als die gedeckten und gemischten Farben. In der Mitte der Taxe stoppten die Gebote für den Amerikaner. Gustons Landsmann Andy Warhol porträtierte 1984 Diane Keaton monochrom in Silber und Schwarz. Das nach links gerichtete Gesicht setzte er, seiner seriellen Manier entsprechend, zweifach nebeneinander und variierte nur den Hintergrund. „Two Diane Keaton“ verfehlte seine Bewertung von 200.000 bis 300.000 Euro um 20.000 Euro. Der Kanadier Jean-Paul Riopelle zog mit einer Spachtel die Ölfarbe dick über den Bildträger. Spannungsreiche Übergänge, die zusammen eine gestische Dynamik erzeugen, prägen eine Leinwand um 1959 und rechtfertigten 120.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Die Japanerin Yayoi Kusama legte 1997 netzartig weiße Bögen über den türkisfarbenen Grund. „Nets 21“ füllt in dieser Art das gesamte Querformat, das für 180.000 Euro überraschend hoch vermittelt wurde (Taxe 100.000 bis 140.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



17.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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