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Walter Becker in Singen

Das Kunstmuseum Singen will mit seiner aktuellen Schau auf den wenig bekannten Maler und Grafiker Walter Becker aufmerksam machen. Der deutsche Spätexpressionist, 1893 in Essen geboren und 1984 in Tutzing am Starnberger See verstorben, arbeitete zunächst als Grafiker und Illustrator der Werke der Weltliteratur, bevor er sich der Malerei zuwandte. Seine kraftvollen, ausdrucksstarken und die Fläche betonenden Arbeiten umfassen Gemälde stiller Melancholie bis zu ungestümer Lebendigkeit. Für seine Bilder nutzte er Seherlebnisse, Erinnerungen, Träume und die griechische Mythologie. Die etwa 90 Arbeiten der Retrospektive sollen die Werkentwicklung Beckers und seinen eigenwilligen Beitrag zur Kunst der Moderne im 20. Jahrhundert vorstellen.

Walter Becker wurde an der Essener Kunstgewerbeschule sowie der Karlsruher Kunstakademie zum Grafiker ausgebildet. Er war Mitglied der Heidelberger „Gemeinschaft“ um den Kunstwissenschaftler Wilhelm Fraenger und der „Gruppe Rih“ in Karlsruhe. 1922 zog es ihn in die Meisterklasse des Bildhauers und Malers Karl Albiker an der Kunstakademie in Dresden. In den 1920er Jahren illustrierte er bibliophile Buchausgaben, etwa von Jean Paul, E.T.A. Hoffmann oder Fjodor Dostojewski. Damit erzielte er die Anerkennung der Fachwelt und des Publikums. Die 1930er und 1940er Jahre waren sowohl künstlerisch wie auch körperlich schwierig für Becker. So hatte er ein Lungenleiden, und 1937 wurden mehrere seiner Arbeiten für die Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt. 1938 wandte sich Walter Becker der Malerei zu, nachdem ihn in Tutzing der Cellist Ludwig Hoelscher dazu anregt hatte. Zentral ist die Hinwendung zur Fläche und kräftigen reinen Farben der Fauves sowie der Künstler von Brücke und Blauer Reiter.

Meist bannte Walter Becker Akte, Interieur- und Straßenszenen auf die Leinwand. 1957 entstand „Der Spaziergang“. In einer Parklandschaft gehen zwei stilisierte Damen an einem stärker abstrahierten bärtigen Mann vorbei. Der Hintergrund besitzt keine Raumtiefe und wirkt wie ein hochgeklapptes Bild, das die blühenden Bäume erahnen lässt. Die zwei schlanken gelängten Frauen mit ihren eckigen Gesichtern und angewinkelten Ellbogen schweben eher über dem Pfad, als dass sie ihn tatsächlich beschreiten. Von 1952 bis 1958 lehrte Becker Malerei an der Karlsruher Kunstakademie. Hierauf folgt der Höhepunkt in seinem Werk. 1968 begann der Künstler zu Erblinden, malte weniger und konnte ab 1974 kaum noch sehen.

Die Ausstellung „Walter Becker (1893-1984). Traum und Wirklichkeit. Malerei und Grafik“ läuft vom 15. Juli bis zum 23. September. Das Kunstmuseum Singen hat dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Begleitend erscheint die zweite erweiterte Auflage von Ingrid von der Dollens Monografie zu Walter Becker, die im Museum 18 Euro kostet.

Kunstmuseum Singen
Ekkehardstraße 10
D-78224 Singen

Telefon: +49 (0)7731 – 85 271
Telefax: +49 (0)7731 – 85 373

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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15.07.2018, Walter Becker (1893-1984). Traum und Wirklichkeit

Bei:


Städtisches Kunstmuseum Singen

Künstler:

Walter Becker








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