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Grafik und Schmuck der 1968er in Berlin

1968 fanden mehrere politische Ereignisse und ein gesellschaftlicher Wandel statt, die sich auch in der Kunst spürbar machten. Mit der Doppelausstellung „2 x 68“ thematisiert das Bröhan-Museum in Berlin zum einen das Grafikdesign des Pariser Kollektivs Grapus, zum anderen den Schmuckgipfel im tschechoslowakischen Jablonec während des Prager Frühlings. Hier trafen Schmuckkünstler aus Ost und West aufeinander und schufen Arbeiten, die zum ersten Mal wieder zu sehen sind. Begleitend haben die Kuratoren eine kleine Dokumentation zum politischen Geschehen des Jahres 1968 zusammengestellt. Zur Grapus-Schau in Berlin gestalteten ehemalige Mitglieder des Kollektivs exklusiv das Ausstellungsplakat.

Einen greifbaren Ausdruck der Studenten- und Arbeiterrevolten des Pariser Mai ’68 die politischen Arbeiten von Grapus. Studenten besetzten die École des Arts Décoratifs in der Hauptstadt. Das dortige Atelier Populaire, die Druckwerkstatt, wurde 1970 zum Gründungsort der Gruppe Grapus mit Pierre Bernard, François Miehe und Gérard Paris-Clavel. In den sechs Folgejahren kamen noch Jean-Paul Bachollet und der Beuys-Schüler Alex Jordan hinzu. Zentral für die Werke von Grapus war die Solidarität mit den streikenden Arbeitern, Kapitalismuskritik oder der Glaube, mit guter Gestaltung zum sozialen Wandel beitragen zu können. Entsprechend lehnte das Kollektiv, das sich 1990 auflöste, die kommerzielle Werbung ab und arbeitete zum Beispiel für die Kommunistische Partei, die Gewerkschaft CGT, für soziale Organisationen und nach 1981 auch für Ministerien. Grapus bricht mit Sehgewohnheiten und nutzt Handschriften, unscharfe Fotos, Flecken und verschiedene Collageelemente in den Druckerzeugnissen. Das Plakat „Fête de la jeunesse“, Fest der Jugend, von 1976 präsentiert vor leuchtend gelben Hintergrund ein blaues Portrait von Karl Marx mit Taucherbrille. Sechs Jahre später verbindet Grapus ein gelbes Smiley mit Hitlers charakteristischer Frisur und Bart zu einer Karikatur, die noch die Ohren von Mickey Mouse erhält. Die Augen bilden die Trikolore sowie das Symbol der Sowjetunion mit Sichel und Hammer. Dieses Plakat warb 1982 für die eigene Ausstellung im jetzigen Musée des Arts Décoratif.

Während der kurzen liberalen Phase des Prager Frühlings fand im nordböhmischen Jablonec nad Nisou das 1. Internationale Silberschmuck-Symposium statt. Schmuckkünstler aus Ost und West kamen hier trotz Eisernem Vorhang Dank der Einladung des Tschechoslowakischen Künstlerverbands zusammen. In der Schau sind 70 damals entstandene und zukunftsweisende Arbeiten der als Begründer des Autorenschmucks geltenden Künstler versammelt, darunter von Jerzey Zaremski, Elisabeth Defner-Kodré und Helfried Kodré, Darina Horváthová, Eleonora Rejtharová, Manaba Magomedova oder Anton Cepka. Hermann Jüngers Halsschmuck erinnert mit den Gelenken und kleinen Stangen an eine dekorative Maschine, Bruno Martinazzis Brosche wirkt wie ein vereinfacht stilisiertes halboffenes Auge, und die Rumänin Florica Farcasu schuf eine filigrane Halskette aus silbernen Fäden und Glassteinen, die wie eine tragbare silberne kinetische Arbeit erscheint.

Die Doppelausstellung „2 x 68. Das französische Grafikerkollektiv Grapus. Jablonec 68 – Der Ost-West-Schmuckgipfel“ läuft bis zum 3. Oktober. Das Bröhan-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro; jeden ersten Mittwoch im Monat ist er frei. Der begleitende Katalog zu Grapus kostet im Museum 14 Euro; die Publikation zu Jablonec ist für 29 Euro zu haben.

Bröhan-Museum
Schlossstraße 1a
D-14059 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 326 906 00
Telefax: +49 (0)30 – 326 906 26

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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