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Verschollenes Oelze-Gemälde fürs Städel

Lange Zeit galt das „Archaische Fragment“ von Richard Oelze als verschollenen. Nun konnten das Städel Museum und der Städelsche Museums-Verein in Frankfurt das Gemälde aus dem Jahr 1935 aus Privatbesitz ankaufen. Unterstützt wurden sie dabei von der Kulturstiftung der Länder und der Kurt und Marga Möllgaard-Stiftung. Beim dem surrealistischen Werk handelt es sich um eines von drei großformatigen Gemälden aus Oelzes wichtigster Schaffensphase in Paris. Die beiden anderen Arbeiten, die „Erwartung“ von 1935/36 und die „Täglichen Drangsale“ von 1934, hängen im Museum of Modern Art in New York und in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Bereits ein Jahr nach seiner Entstehung wurde das „Archaische Fragment“ auf der für die internationale Verbreitung des Surrealismus zentralen „International Surrealist Exhibition“ in London neben Werken von Max Ernst, Salvador Dalí und Man Ray präsentiert. Danach war es in den 1940er Jahren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen. Das Städel, das bisher nur wenige Werke des Surrealismus präsentieren kann, freut sich nun über den Ankauf des Schlüsselwerks von Oelze.

Auch auf diesem rätselhaften Bild macht Richard Oelze eine andere, zweite Wirklichkeit aus den verdrängten Tiefen der Seele sichtbar. Ein eigenartiges Mischwesen – nicht wirklich ein Mensch, aber auch nicht nur Vogel oder Pflanze – schwebt in der Weite einer Landschaft, im Hintergrund Fjorde und Wasser als Sinnbild des Traumhaften. Der Titel „Archaisches Fragment“ spielt auf primitive Triebe an, die die Surrealisten mit dem Rückgriff auf die Psychoanalyse im Unbewussten gefangen sahen. Oelze spricht hier und in anderen Werken verborgene Ängste und Begierden in grotesken Metamorphosen an. In oft erotisch aufgeladenen Landschaften treten verstörend real wirkende Figuren in einer surrealen Körperlichkeit auf die grell erleuchtete Szenerie. Die seelischen „Inbilder“, so Oelze, lassen das Unbewusste in einem irrealen Ausdruck erscheinen.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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