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Die Heimkehr der „Mutter Ey“

Otto Dix, Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey, 1924

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen konnte das „Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey“ von Otto Dix aus dem Jahr 1924 für ihren Bestand erwerben. Es war bereits seit mehreren Jahren als Leihgabe aus Privatbesitz in der Landesgalerie in Düsseldorf ausgestellt. Johanna Ey war eine bedeutende Kunsthändlerin und Mäzenin, vor allem für die Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“, der auch der 1891 in Gera geborene Maler Otto Dix eng verbunden war. In ihrer Bäckerei in der Ratinger Straße 45 und später in ihrer Galerie „Junge Kunst – Frau Ey“ förderte, vermittelte und bemutterte sie zahlreiche Schauspieler, Journalisten, Musiker und insbesondere Maler. Ey hatte Dix 1922 überhaupt erst von Dresden nach Düsseldorf geholt. 1921 hatte sie sein Werk „Meine Eltern I“ an das Wallraf-Richartz-Museum in Köln verkauft, für Dix wie für Ey einer ihrer größten Erfolge.

Johanna Ey kam als junge Frau nach Düsseldorf. Ihre Ehe mit dem Braumeister Robert Ey wurde trotz zahlreicher Kinder früh geschieden. 1907 eröffnete sie ihr erstes Geschäft. Der Kritiker Heinrich Wilhelm Keim bezeichnete sie 1925 als „die gute Mutter Ey, die meistgemalte Frau Deutschlands, die Hebamme und Amme der jungen Kunst in Düsseldorf“. Dix stellt die gestandene Frau aus einfachen Verhältnissen in königlicher Manier dar. Säule und roter Vorhang sind ebenso von frühneuzeitlichen Herrscherportraits entlehnt, wie die purpurne, pelzbesetzte Robe und der spanische, kronenartige Kamm in ihrem Haar. Mit diesen Pathosformeln kontrastieren das mollig-gutmütige und zugleich resolute Gesicht der Johanna Ey und ihre fast übergroßen tatkräftigen Hände.

Das Bild markiert die Wandlung des Künstlers Otto Dix vom expressiven Dadaisten zum neusachlichen Porträtisten, der seine Mitmenschen schonungslos im Bild fixierte. Dix’ Portrait der Kunsthändlerin zeigt die unverhohlene Analyse eines Menschen und gleichzeitig, wie kraftvoll die Farbgebung eine Person charakterisieren kann. Von der Ausstattung her verschaffte der Künstler seiner Galeristin einen großen Auftritt in barocker Bildtradition. Nun kehrt sie dauerhaft an den Ort ihres Wirkens zurück, denn die Kunstsammlung ist nur wenige Meter von der ehemaligen Bäckerei der Frau Ey entfernt. Der Ankauf konnte durch die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie der Kulturstiftung der Länder realisiert werden. Es ist derzeit das einzige Werk von Otto Dix in dieser Sammlung.


10.07.2018

Quelle: Kunstmark.com/Maria Schabel

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 1924
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