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Armando gestorben

Armando ist in Potsdam gestorben

Armando ist tot. Der niederländische Maler starb am Sonntag in Potsdam. Er wurde 88 Jahre alt. Als Herman Dirk van Dodeweerd kam Armando 1929 in Amsterdam zur Welt. Die Herrschaft der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg prägten seine Kindheit und Jugend und später auch sein künstlerisches Schaffen. Immer wieder bezog er sich in seinen Arbeiten auf die Gräueltaten während des Dritten Reichs. „Die Vergangenheit denkt und gibt zu denken“, schrieb Armando 1973 in Erinnerung an seine Jugend, die er nahe dem NS-Durchgangslager im niederländischen Amersfoort verbrachte. Darauf verweisen die oft dunklen schwarzen Farbtöne in seinen abstrahierten Gemälden und Titel wie „Gefechtsfeld“, „Fahne“, „Der Krieger“ oder „Feldzug“. Erst in seinen späteren Schaffensjahren ließ er mehr Kolorit zu und schuf etwa 2015 aus einem blau-weiß-gelben Farbmeer ein heiteres „Seestück“.

Künstlerisch war Armando ein Autodidakt. Zwar studierte er von 1949 bis 1954 Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität von Amsterdam, doch seine Begabungen als Maler, Schriftsteller, Dichter, Journalist, Bildhauer, Theatermacher, Dokumentarfilmer und Musiker übte er weitgehend ohne eine Ausbildung aus. In dieser Zeit begann er zu malen, zu zeichnen und zu schreiben. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1954 in der Galerie Le Canard in Amsterdam. Neben den Künstlern Kees van Bohemen, Henk Peeters, Jan Henderikse und Jan Schoonhoven gehörte Armando 1958 zu den Gründern der Nederlandse Informele Groep und damit zur Avantgarde seines Heimatlandes. Hier machte er sich als Vertreter einer strengen Schwarz-Weiß- oder Hell-Dunkel-Malerei einen Namen. 1959 trat er der politisch links gerichteten länderübergreifenden Künstlergruppe „Situationistische Internationale“ bei, 1960 hob er die Gruppe Nul mit aus der Taufe und pflegte intensive Kontakte zur internationalen ZERO-Bewegung.

Die Leitmotive seines künstlerischen Schaffens lassen sich auf sein historisches Bewusstsein zurückführen. Armando war fasziniert von der Fragestellung, unter welchen Bedingungen Menschen zur Gewalttätigkeit neigen und wie die Zeit das Vergessen beeinflusst. In seinen Bildern beschäftigte er sich mit Orten, an denen Gewalt und Kriegsverbrechen stattfanden. Armando versuchte zeitlebens, die Schönheit und das Böse in Relation zu setzen: „... diese Schönheit nötigt mich, das Böse in die schuldlose, da amoralische Domäne der Kunst zu überführen. Und sieh: das Böse ist nicht mehr das Böse, es ist Kunst.“ Seinen malerischen Themenfundus setzte er seit 1988 vermehrt bildhauerisch in Bronzearbeiten um. Seine Skulpturen archetypischen Charakters wecken Assoziationen, die fest im allgemeinen kulturellen Bewusstsein verankert sind, etwa an einen „Baum“, eine „Liegende Gestalt“ oder ein „Boot“.

1979 kam Armando als Stipendiat des Künstlerprogramms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Berlin, was zu seiner zweiten Heimat wurde. Aus der geteilten Stadt berichtete er regelmäßig für die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad in der Kolumne „Armando uit Berlijn“. 1982 war Armando zur Documenta 7 nach Kassel geladen, 1984 bespielte er den niederländischen Pavillon auf der 41. Biennale von Venedig. Zudem erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunstpreis Jacob van Looyprijs, den Kunstpreis der Edison Stichting, den Jerg-Ratgeb-Preis der HAP-Grieshaber-Stiftung oder die Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft in Den Haag. 1996 wurde er als Mitglied in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen. Wulf Herzogenrath, der Direktor der Sektion Bildende Kunst, schrieb in seinem Nachruf: „Armando war im positivsten Sinne ein Erzähler. Er hat nie Inhalt und Form strikt voneinander getrennt wie viele andere seiner Generation. Aber er hat auch nie versucht abzubilden, sondern hat seinen Werken die malerische und skulpturale Wahrhaftigkeit als Kunst gegeben und die Stärke und Energie des Mediums genutzt.“ 1998 wurde in Amersfoort das „Armando Museum“ eröffnet. Doch ein Feuer vernichtete am 22. Oktober 2007 das Gebäude und zerstörte Teile der Sammlung.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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