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Julian Charrière offenbart in der Kunsthalle Mainz seine Sicht auf die Natur und den Menschen

Ein Vulkan verändert die Welt – Kokosöl erobert sie zurück



Was wie nichts in der Mainzer Kunsthalle aussieht, ist eine hochkomplexe Auseinandersetzung mit einem weltumspannenden Problem, dem sich Julian Charrière angenommen hat. Stefanie Böttcher, die Direktorin der Kunsthalle, hat den Schweizer Shootingstar der jungen Kunstszene zum zweiten Mal eingeladen, nach der Gruppenschau „Biotopia“ nun für eine Einzelausstellung. Und auch diesmal bilden die Reisen, die Charrière sein Leben lang unternommen hat, die Grundlage seiner künstlerischen Arbeit und für das Projekt in Mainz: „An Invitation to Disappear“. Es geht um Tambora, einen Vulkan auf der indonesischen Insel Sumbawa, der 1815 ausgebrochen ist, damals die ganze Welt verändert und seinem wörtlich übersetzten Namen „Einladung zum Verschwinden“ alle Ehre gemacht hat.


Der Ausbruch des damals 4000 Meter hohen Vulkans, der heute nur noch 2850 Meter misst, ist die größte verzeichnete Eruption der Menschheitsgeschichte. In deren Folge legte sich eine Aerolsolwolke um die Erdatmosphäre und brachte die Temperaturen weltweit zum Sinken. Missernten, Hungersnöte und Seuchen waren die Folgen. Das Jahr 1816 ging als das „Jahr ohne Sommer“ in die Weltgeschichte ein. Durch die Katastrophe starben direkt rund 71.000 Menschen, die indirekten weltweiten Opferzahlen lassen sich nicht beziffern.

Julian Charrière, geboren 1987 in Morges im Schweizer Kanton Waadt, hat bei Olafur Eliasson an der Universität der Künste in Berlin studiert und von ihm seine Liebe zu Phänomenen der Natur übernommen. 2016 erhielt Charrière das Goslarer Kaiserringstipendium für junge Kunst, ein Jahr später den renommierten Berliner GASAG-Kunstpreis der eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie beinhaltet, die in September stattfinden wird. Mit der amerikanischen Philosophin Dehlia Hannah hat Julian Charrière nun den Vulkan erwandert und ist auf etwas gestoßen, das nur mittelbar mit dem Berg zu tun, aber die Künstlerseele ins Schwingen gebracht hat. Es war die Monokultur von Ölpalmen, die weite Teile des indonesischen Landschaftsbilds formt. Ölpalmen wohin das Auge reicht, streng angeordnet in einem endlosen rhythmischen Muster. Palmöl findet sich in allem, was uns Tag für Tag umgibt, in Lebensmitteln, Kosmetika und Treibstoff.

Mit Palmöl konfrontiert Julian Charrières Ausstellungsinstallation, die in Halle eins mit polierten Edelstahlpaletten beginnt und im Turm ganz oben in einem Dschungel aus echten Baumarkt- und Ikea-Pflanzen endet. Sogar eine Ölpalme aus dem botanischen Garten in Berlin ist dabei. Auf den Edelstahlpaletten stapeln sich bräunlich-orangefarbene Quader wie feiste Ziegel. Sie bestehen aus gepresstem Palmöl. Es hat die Konsistenz von Butter, schmilzt und bröckelt in diesem eigentlich sehr kühlen Raum vor sich hin. Eingehüllt wird die Installation von feinen Nebelschwaden, erzeugt von einem Generator, der mit Palmöl betrieben wird und vorne weißen Dunst und hinten Abgase ausspuckt. Über einer Jakobsleiter zündelt ein Lichtbogen als Zeichen sichtbarer Energie.

Die Halle zwei ist durch eine Tür verschlossen. Rechts vor der Tür läuft im „Alten Turm“ eine Endlosschleife von gefundenem Videomaterial, in dem Charrière nur eine Tätigkeit zeigt: das Abholzen von Wäldern, die Vernichtung von Lebensraum und Klimagarantie, wie es für die Gewinnung von Palmöl gang und gäbe ist. Im Raum zieht eine überdimensionierte Lavalampe die Blicke auf sich. In der gläsernen Säule befindet sich eine rote Flüssigkeit, die durch eine darunter verbaute Wachstumslampe erwärmt wird und ihre Viskosität dem Palmöl verdankt. Eine komplette Wand im Raum hat Julian Charrière in eine Aschecollage verwandelt nach den Aufzeichnungen von Alfred Russel Wallace, der unabhängig von Darwin im 19. Jahrhundert eine Evolutionstheorie erstellt hat. Die Asche, die der Künstler verwendet, hat er am Vulkan Tambora gesammelt. Das Bildwerk in seinen schwarz-grauen Abstufungen wirkt wie eine überdimensionierte Frottage, direkt an Blättern und Pflanzen abgerieben.

Die Halle drei bildet das Herzstück der Ausstellung. Charrière präsentiert einen 75 Minuten langen Film in einer Palmölplantage als Inszenierung eines Rave-Konzerts mit Bühne und allem, was dazu gehört. Nur eine Zutat hat er ausgelassen: den Menschen. Nebel, Lichtblitze, Sound, Dunkelheit bilden den Film, der den Besucher durch Musik in einen Rauschzustand versetzt und auf den exzessiven Raubbau an der Natur anspielt. „An Invitation to Disappear“ verweist nicht nur auf die wörtliche Übersetzung von „Tambora“, sondern auch auf heimliche und öffentliche Prozesse, Materialien und Entwicklungen, die die Natur zerstören und den Menschen seiner Lebensgrundlage berauben. Charrières Ausstellung gleitet an einem nicht einfach so ab – trotz Palmöl.

Die Ausstellung „Julian Charrière – An Invitation to Disappear“ ist bis zum 8. Juli zu sehen. Die Kunsthalle Mainz hat dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Mainz

Am Zollhafen 3-5

DE-55118 Mainz

+49 (06131) 12 69 36

+49 (06131) 12 69 37

E-Mail: mail@kunsthalle-mainz.de



26.06.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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