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Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf würdigt Anni Albers mit einer groß angelegten Retrospektive

Die Meisterin der Fadensprache



Anni Albers, Red and Blue Layers, 1954

Anni Albers, Red and Blue Layers, 1954

Annelise Elsa Frieda Fleischmann entspross wie viele Künstler einer wohlhabenden großbürgerlichen Familie: Ihre Mutter stammte aus der Verlegerfamilie Ullstein, ihr Vater war Möbelfabrikant. Doch in Rebellion zum Großbürgertum strebte sie nach einem eher unkonventionellen Leben. Nach Fehlstarts an verschiedenen Schulen und Ablehnung ihrer ersten Bewerbung am Bauhaus in Weimar konnte sie dann schließlich doch am 21. Mai 1922 hier ihr Studium aufnehmen. Da hatte sie bereits den elf Jahre älteren Josef Albers kennengelernt, den sie 1925 heiratete und in dessen Schatten ihr Werk stets wahrgenommen wurde. Beider Schaffen entwickelte sich unabhängig voneinander, aber geistig bewegten sie sich auf einer Ebene, die den Kitt ihres Zusammenlebens bildete und von der tiefen Auffassung einer universellen Sprache der Kunst geprägt war.


Nach der Vermittlung des Basiswissens im Bauhaus-Vorkurs unter Johannes Itten und Georg Muche trat Anni Albers im dritten Semester eher unwillig in die als „Frauenklasse“ titulierte Textilwerkstatt ein. Sie hätte die Glaswerkstatt bevorzugt. Doch recht schnell ließ sie sich von der Handweberei anstecken. Beflügelt von Paul Klee und Wassily Kandinsky, überführte sie die speziellen Voraussetzungen der Jahrtausende alten Handwerkskunst auf der Basis von Kette und Schuss zu neuen zeitgerechten Resultaten. Unter Einbeziehung von harten, weichen, glatten, rauen oder matten Oberflächenqualitäten, Farben und des dominierenden Elements der Textur schuf sie eine eigene Form der Abstraktion, die jener der Malerei in nichts nachsteht.

Um Wechselwirkungen zwischen angewandter und bildender Kunst auszuloten und Grenzüberschreitungen unter verschiedenen Sparten zu wagen, führte Anni Albers die komplexe Technik zur Meisterschaft. Linearität, Serialität, Winkel- oder Kubusformationen spielten später etwa in der Konzeptkunst eine maßgebliche Rolle. Danach erlebten handwerkliche Techniken und Textilen in der bildenden Kunst ein Revival, man denke an Joseph Beuys, Franz Erhard Walther, Eva Hesse oder Rosemarie Trockel, eine Entwicklung, die bis heute auf Biennalen oder der Documenta zu beobachten ist. Anni Albers interessierte sich auch für neue Materialien und erprobte dies bereits 1930 in ihrer Examensarbeit. Für die Produktion eines Schall absorbierenden und Licht reflektierenden Gewebes aus Baumwolle, Raffia und Chenille erhielt sie als erste Weberin überhaupt ihr Bauhausdiplom.

Der amerikanische Architekt Philip Johnson meinte einmal, dieses Gewebe sei ihr „Pass für Amerika“ gewesen. Denn nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland konnte sie ab 1933 in den USA ihre Karriere nachhaltig fortsetzen. Als erste Textilkünstlerin überhaupt durfte Anni Albers 1949 im New Yorker MoMA eine Ausstellung ausrichten und erhielt im Anschluss zahllose Aufträge und Kooperationen, etwa seit 1952 für die Firma Knoll. Nach 1963 gab sie die körperlich fordernde Arbeit am Webstuhl in Etappen auf und wandte sich der Grafik zu. Musterreihungen und Farbkontraste überführte Albers von der Weberei in die Grafik und Prägekunst, die ihr noch größere Freiheiten verschafften.

Nun präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz einen umfangreichen Werküberblick zu Anni Albers. Maria Müller-Schareck, Ann Coxon und Briony Fer, den Kuratoren der Düsseldorfer Schau, die anschließend zur Tate Modern nach London weiterzieht, gelang es unter Einbindung der 1971 gegründeten Albers Foundation trotz der jubiläumsbedingten Ausleihsperre aller Bauhaus-Museen und -Archive rund 300 Exponate zusammenzuführen, was angesichts der Fragilität und extremen Lichtempfindlichkeit vieler Leihgaben den herausragenden Charakter der Ausstellung unterstreicht. Neben vielen Textilien wie Wandbehängen, Raumteilern oder Mustern vermitteln Diagramme, in Gouache und Tinte gezeichnete Entwürfe und Studien sowie Fotografien und Dokumente ein umfassendes Bild von Anni Albers. Auch Schmuckgegenstände, wie eine Halskette aus einem Abflusssieb und Büroklammern, Siebdrucke, Blindprägungen auf Papier oder Schriften stehen für das vielfältige Schaffen der Textilkünstlerin, Designerin, Grafikerin, Lehrerin und Autorin.

Zu Beginn des Rundgangs empfängt ein 1924 gefertigter, geometrisch weißgrau gemusterter Wandbehang aus Baumwolle und Seide als eines der ältesten erhaltenen Werke von Albers die Besucher. Gegenüber markieren 1978 gefertigte Prägedrucke aus der Serie „Mountainous“ das Schaffensende der 1899 in Berlin geborenen und 1994 in Orange im US-Bundesstaat Connecticut verstorbenen Künstlerin. Abstrakt gemusterte Wandbehänge belegen dann die frühe intensive Beschäftigung mit den komplexen Webstrukturen und Fasern. Basis der Streifen, Blöcke, Gitterkompositionen bildet die strenge Grundstruktur von vertikaler Kette und horizontalem Schuss. Wie Bilder behandelte und inszenierte Anni Albers ihre Teppiche. Als sie ab 1933 am Black Mountain College in Asheville, North Carolina, eine Weberei einrichten konnte, standen experimentelle Prozesse im Fokus. Die Begegnung mit der präkolumbischen Kunst auf einer Reise nach Mexiko im Jahr 1935 animierte Albers zur Ausbildung eines abstrakten Formenvokabulars auf der Grundlage alter Zeichensprachen und Techniken.

Nachdem sie 1950 ihrem Ehemann Josef Albers an die Yale University nach New Haven in Connecticut gefolgt war, erhielt sie bedeutende Aufträge und widmete sich den „pictorial weavings“, wie sie ihre Bildwebereien nannte. Diese verstand sie als Kunst an der Wand, als Gemälde, die nicht mit malerischen Mitteln, sondern aus Werkstoffen und Webprozessen geschaffen worden waren. Das 1957 entstandene Gewebe „Thickly Settled“ (Dicht abgelagert) ist nicht nur von Reisen nach Mittel- und Südamerika inspiriert, sondern zeigt auch die Verwandtschaft mit der grafischen Wirkung aus gekratzten und gezeichneten Linien in Paul Klees Bildern. So führte Albers traditionelle Techniken weiter, um sie schöpferisch für eine zeitgemäße Bildsprache einzusetzen.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit verschlungenen, geknoteten Liniengebilden, die sie erst malerisch fixierte und schließlich webte, sowie ihrer Zusammenarbeit mit bedeutenden Architekten der Moderne. Mit ihnen konzipierte sie die textile Ausstattung als integralen Teil von Bauten. Mitte der 1950er Jahre gestaltete die protestantisch getaufte, aus einer konvertierten jüdischen Familie stammende Künstlerin einen modernen Entwurf für die Umhüllung des Thoraschreins in der Synagoge Emanu-El in Dallas. Textilmuster für die Industrie, private Aufträge sowie späte, im Siebdruckverfahren auf Stoffe aufgebrachte Muster leiten ihren Abschied vom Weben in der Mitte der 1960er Jahre ein. Auch in der nunmehr vorherrschenden Druckgrafik verfolgte Anni Albers ihr Interesse an Musterbildungen aus Farben, Texturen und Oberflächenqualitäten in diversen Varianten, Wiederholungen oder fortwährenden Wechseln weiter. Erst mit ihren Drucken erfuhr sie Anerkennung als Künstlerin. „Ich meine, wenn eine Arbeit mit Fäden entsteht, dann wird sie als Handwerk betrachtet, auf Papier wird sie als Kunst angesehen“, stellte sie dazu im Jahr 1985 fest.

Die Ausstellung „Anni Albers“ ist bis zum 9. September zu besichtigen. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Kinder und Jugendliche zahlen 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 36 Euro kostet.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

E-Mail: info@kunstsammlung.de



19.06.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Kunstsammlung NRW

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Anni Albers, Studie zu einem unausgeführten Wandbehang,
 1926
Anni Albers, Studie zu einem unausgeführten Wandbehang, 1926

Variabilder:

Anni Albers in ihrem Studio im Black Mountain College, 1937
Anni Albers in ihrem Studio im Black Mountain College, 1937

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Anni Albers, Six Prayers, 1965/66
Anni Albers, Six Prayers, 1965/66

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Anni Albers, With Verticals, 1946
Anni Albers, With Verticals, 1946

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in der
 Ausstellung „Anni Albers“
in der Ausstellung „Anni Albers“

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in der
 Ausstellung „Anni Albers“
in der Ausstellung „Anni Albers“

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Anni Albers und Alexander Reed, Halskette, um 1940
Anni Albers und Alexander Reed, Halskette, um 1940







Anni Albers, Studie zu einem unausgeführten Wandbehang, 1926

Anni Albers, Studie zu einem unausgeführten Wandbehang, 1926

Anni Albers in ihrem Studio im Black Mountain College, 1937

Anni Albers in ihrem Studio im Black Mountain College, 1937

Anni Albers, Six Prayers, 1965/66

Anni Albers, Six Prayers, 1965/66

Anni Albers, With Verticals, 1946

Anni Albers, With Verticals, 1946

in der Ausstellung „Anni Albers“

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Anni Albers und Alexander Reed, Halskette, um 1940

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Anni Albers, Knot, 1947

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Gunta Stölzl, Wandbehang, 1927/64

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Anni Albers, Nylonteppich, um 1959

Anni Albers, Nylonteppich, um 1959

Anni Albers, Studie zu „Camino Real“, um 1967

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Anni Albers, Entwurf für einen Nylonteppich, 1959

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