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Marion Ermer Preis 2018 vergeben

Die Gewinner des diesjährigen Marion Ermer Preises stehen fest. Die sechsköpfige Jury wählte die vier Künstler Fine Bieler, Ronny Bulik, Kirill Glushchenko und Jana Schulz aus. Sie dürfen sich nun über ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro freuen. Außerdem wird ab dem 6. Dezember eine Ausstellung mit ihren Arbeiten im Museum der Bildenden Künste in Leipzig zu sehen sein, zu der auch ein Katalog erscheinen wird. Alle vier haben an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert, wohnen in der sächsischen Stadt und arbeiten variierend mit Malerei, Druckgrafik, Zeichnung, Skulptur, Installation, Medienkunst und Performance.

Die 1987 geborene Fine Bieler überzeugte mit ihren Arbeiten, in denen sie gesellschaftliche und politische Konstruktionen erforscht und aufzeigt. Es gehe ihr dabei um die Dekonstruktion und das Hinterfragen von vorgefertigten Bildern und Denkmustern, so die Begründung der Jury, die weiter ausführt: „Die Künstlerin spürt den Parametern und Mechanismen nach, aus denen sich die heutige Welt zusammensetzt. Dabei untersucht sie, wie sich der israelische Nationalstaat auf die Landschaft auswirkt. Sie hinterfragt, wie tradierte Vorstellungen, etwa aus der Literatur von Karl May entnommen, das europäische oder deutsche Weltbild prägen. Mit ihrer verhaltenen dokumentarischen Bildsprache liefert sie dabei keine endgültigen Antworten, sondern trägt mit ihren Reflektionen zu aktuellen Diskussionen bei.“

Bei dem ein Jahr älteren Ronny Bulik sprach sich die Jury für seine prozesshaften Videoarbeiten in collagenartigem Aufbau aus, die er selbst als chorografische Bilderflut mit einem dramaturgischen Handlungsstrang begreift. Hier führt sie aus: „Begleitet von treibender elektronischer Musik und Sounds eröffnet sich eine schnelle, vibrierende Welt voller zeitgenössischer Codierungen. Buliks Arbeiten entwickeln eine Sogkraft, der man sich nur schwer entziehen kann. In seinen Arbeiten thematisiert der Künstler zudem den Werkbegriff des Videos. So verfremdet er seine filmischen Aufnahmen zu Zeichnungen und Malereien und öffnet das Spannungsfeld zwischen Digitalem und Analogem.“

„Kirill Glushchenko kombiniert in seiner Arbeit äußerst intelligent Fiktion und Realität“, so das Preisgremium über den 1983 in Kaliningrad geborenen Russen. „Was ist Rekonstruktion und was reine Konstruktion? Zugreifend auf vielfältiges Archiv- und Forschungsmaterial lässt er die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Ausgedachtem verschwimmen. Als Publikation und installative Rekonstruktionen zeichnet der Künstler die Geschichte des Hotel Venets in Ulyanovsk (Russland) nach, welches 1967 anlässlich des 50. Jahrestages der Oktoberrevolution errichtet wurde. Er setzt sich darin mit den damaligen Vorstellungen und Richtlinien des ‚Idealen‘ auseinander.“

Bei Jana Schulz, Jahrgang 1984, lobte die Jury ihre Videoarbeiten, in denen sie einfühlsame Porträts von hauptsächlich männlichen Protagonisten schildert. Mit ihnen gewähre sie Einblicke in Subkulturen, die dem Großteil der Gesellschaft – vor allem Frauen – und auch der Künstlerin selbst meist verborgen bleiben. „Ohne Klischees zu bedienen, stellt Schulz männliches Verhalten und Gemeinschaftsgefühl in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten. Ihr Blick ist dabei distanziert, jedoch in keiner Weise kalt, sondern verdichtet sich zu unaufdringlichen, teils abstrakt wirkenden Sequenzen, die zwischen Fremdheit und Nähe changieren“, so das Preisgremium.

Mit dem Marion Ermer Preis fördert die gleichnamige Stiftung junge Künstlerinnen und Künstler aus den neuen Bundesländern. Die etwa 200 Bewerber durften maximal 35 Jahre alt sein, einen festen Wohnsitz in den neuen Bundesländern haben und auch ihre Ausbildung an einer der dortigen Kunsthochschulen absolviert haben. Die Marion Ermer Stiftung wurde 1992 als erste private Kulturstiftung in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung gegründet. Seit 2001 vergibt sie den Maion Ermer Preis und setzt damit klar einen Schwerpunkt auf der Förderung junger zeitgenössischer Kunst.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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