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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Keith Haring war künstlerischer Aktivist der 1980er Jahre und schuf dafür eine eigene Bildsprache. Sie ist nun aus Anlass seines 60. Geburtstags in der Albertina in Wien zu sehen

Ein Alphabet für Jedermann



Keith Haring zählt zu den populärsten Künstlern seiner Zeit. Fast jeder kennt seine Breakdance-Strichmännchen, die Herzen, das Strahlenbaby, den Hund mit dem weit geöffneten Maul. Im Alter von nur 31 Jahren starb er 1990 an den Folgen einer HIV-Erkrankung und hinterließ ein riesiges Œuvre, das sich bis heute ungebrochener Aufmerksamkeit erfreut. Mit der Ausstellung „Keith Haring –The Alphabet“ in der Albertina werden die Arbeiten des US-Amerikaners nun bereits zum dritten Mal in einer umfangreichen Wiener Einzelpräsentation gezeigt. Die Kunsthalle Wien fokussierte mit ihrer 1978 präsentierten Schau auf Harings selten gezeigtes Frühwerk. 1995 präsentierte das Kunsthaus Wien. Museum Hundertwasser mit über 100 Arbeiten eine retrospektiv ausgerichtete Schau. Den runden 60. Geburtstag nimmt nun die Albertina zum Anlass, um die anhaltende Relevanz von Harings ikonischen Kunstwerken zu demonstrieren. Als Kurator wurde Dieter Buchhart gewonnen, der bereits vor drei Jahren die Haring-Personale „Gegen den Strich“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München verantwortete.


Keith Harings Motive sind als Bilder, Poster, Sticker und Graffitis, auf Anstecknadeln, Plakaten, T-Shirts, Kühlschrankmagneten und Schulheften bekannt. Der Künstler der Pop Art wollte „Kunst für Jeden“ machen. Globale Verbreitung und leichte Wiedererkennbarkeit sind die Erfolgsgaranten seiner bunten, menschenfreundlichen und dekorativen Zeichenwelt. Seine kantigen Männchen sind Botschafter für Kondome und gegen Drogen, gegen die Gewalt der Herrschenden, Unterdrückung von Minderheiten, Vorurteile und Barbarei. Keith Haring verstand sein markantes Figuren- und Zeichenarsenal als Alphabet einer Sprache, die jeder verstehen sollte. Ihm glückte, was keinem Pop-Artisten oder Graffiti-Künstler vor ihm gelungen war: er schuf eine universelle Bildzeichensprache, ein „gemaltes Esperanto“, wie der Kunstkritiker Christoph Siemens es einmal treffend bezeichnete, „das im Gegensatz zur Kunstsprache Esperanto auch funktioniert“.

Als Kind seiner Zeit thematisierte Keith Haring die Bedrohungen, die er bereits als Junge erfuhr. Er kämpfte für das Individuum und gegen dessen Unterdrückung durch Diktatur, Rassismus, Kapitalismus und Drogensucht. Er setzte Zeichen gegen die konservative Politik von Ronald Reagan, gegen Gentrifizierung und die Apartheid in Südafrika, er engagierte sich im Kampf gegen AIDS und war in den 1980er Jahren eine jener Stimmen, die vor den Gefahren von Atomkraft und Umweltzerstörung warnte. Eine erste Ausbildung erhielt Keith Haring, der bereits als Kind mit seinem Vater nach Vorlagen aus Comics gezeichnet hatte, ab 1976 an der Ivy School of Professional Art in Pittsburgh. 1978 wechselte er an die New Yorker School of Visual Arts, wo er auch Semiotik studierte und Kenny Scharf, Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat kennenlernte. Inspiriert von der Graffiti-Szene entstanden ab 1979 zunächst Videoperformances und abstrakte Bilder.

Bald erkannte Haring, dass Bilder wie Worte funktionieren können. Seine berühmten „Subway Drawings“ spielen in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle: Von 1980 bis 1985 zeichnete er mit weißer Kreide auf die nicht verkauften und mit schwarzem Papier überklebten Werbetafeln in der New Yorker U-Bahn. Er entwickelte eine systematische Zeichensprache, sein Alphabet, getragen von dem Wunsch, soziale Grenzen zu überwinden. Unterscheidungen zwischen Hoch- und Massenkultur waren für Haring keine relevanten Kriterien. Mit einem überschaubaren Konvolut von immer wieder neu verwendeten Bildzeichen bemalte er ab 1981 die unterschiedlichsten Gegenstände: neben Wänden und Kleidungsstücken, auch Möbel, Vasen, Autos und Abgüsse von Skulpturen. Für den Fotografen Robert Mapplethorpe verwandelte er Grace Jones 1984 in eine Voodoo-Diva und bemalte ganze Räum ebenso wie die Innenfläche seiner eigenen Hand mit einem Mikrokosmos von Details, der an die Wimmelbilder in Kinderbüchern erinnert.

Keith Haring bevorzugte von Anfang an die Linie. In seinen frühen Arbeiten definierte er den Bildraum durch einen gemalten Rand und fasste mehrere Bildtafeln zu comicartigen Zyklen zusammen. Mitte der 1980er Jahre veränderte er die bis dahin von schwarz-weißen Zeichen geprägte Palette zugunsten farbiger Motive. Aus einfachen Motiven wurden mit der Zeit immer komplexer zusammenwachsende Figurenballungen: Ufos, Fernseher, Gesichter und Skelette, Pyramiden, Schlangen, Spermien und Atomkernzeichen. Jedes kleinstes Detail war mit einem anderen verwoben und verknüpft in einem labyrinthischen Netz, in das Haring den Alltag, die Verlockungen und Abgründe des Lebens verwob. Hieroglyphen hinterließen bei ihm seine Spuren, Werke von Jean Dubuffet beeinflussten ihn ebenso wie die von Mark Tobey, Pierre Alechinsky, Zeichnungen von Paul Klee oder die Schreckensszenarien von Hieronymus Bosch. Als Keith Haring im 32. Lebensjahr, nach einer Schaffenszeit von gerade einem Jahrzehnt, an den Folgen von AIDS starb, war er einer der herausragenden Künstler der New Yorker Szene. Noch 1989, ein Jahr vor seinem Tod, gründete er die Keith Haring Foundation, deren Hauptziele bis heute sind, weltweit unterprivilegierten Kindern Ausbildungschancen zu bieten und ein vorurteilsfreies Bewusstsein gegenüber AIDS zu schaffen. Aus dieser Stiftung stammen auch die meisten Arbeiten, die in der Wiener Schau zu sehen sind.

„Kunst ist nichts, wenn sie nicht jedes Segment des Volkes erreicht“, davon war Haring überzeugt. Das Volk erreichte er am besten auf der Straße, in der U-Bahn, auf riesigen Wandgemälden in den Schulen, in seinen Pop-Shops und an der Berliner Mauer. Keith Haring suchte die urbanen Schmuddelecken und machte sie ein bisschen schöner. Im Museumstempel jedoch bleibt von diesem subversiven Engagement nicht viel übrig. Zu dekorativ wirken die gerahmten Arbeiten, ein Effekt, der durch die unterschiedlich farbigen Wände noch verstärkt wird.

Erhellender als manche ‚decodierende’ Erläuterung zu Harings Zeichen-Alphabet, die in Form von Saaltexten zu Motiven wie Atompilz, Gehirn, Computer, Kreuz und Totenkopf gemeinsam mit den Arbeiten präsentiert werden, sind die historischen Verweise, denen die Besucherinnen und Besucher bereits auf der Rolltreppe begegnen. Die kurze fotografische Zeitreise ins Untergeschoß ruft Erinnerungen an die Mondlandung, an Reaktorunglücke, an Massenproteste und an die Ermordung von Martin Luther King und John Lennon wach. Es sind diese fotografischen Bilder, die den Schöpfer der bunten Strichmännchenwelt von neuem als ernsthaften und unbequemen Aktivisten verorten. Als einen politischen Künstler mit einer erstaunlichen Energie, die bis heute nachwirkt.

Die Ausstellung „Keith Haring. The Alphabet“ ist bis zum 24. Juni zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Katalog kostet in der Albertina 29,90 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



12.06.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


16.03.2018, Keith Haring. The Alphabet

Bei:


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