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Raubkunst und Täuschung in Frankfurt

Gruppe der Silberobjekte, die 2017 im Rahmen der Provenienzforschung der ehemaligen Sammlung Pinkus/Ehrlich zugeordnet werden konnten

Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt thematisiert in seiner aktuellen Kabinettausstallung das Problem der NS-Raubkunst am Beispiel von Silberarbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Pinkus/Ehrlich. Seit drei Jahren untersucht das Museum seine Bestände auf unrechtmäßige angeeignete Objekte aus jüdischem Besitz unter den Nationalsozialisten. 2017 ergab sich im Falle der Sammlung von Joseph Pinkus (1829-1909) aus Neustadt in Oberschlesien und seiner Tochter Hedwig Ehrlich (1864-1948) eine unerwartete Entdeckung.

Hedwig Ehrlich, die mit dem Mediziner und Forscher Paul Ehrlich verheiratet war und ab 1899 in Frankfurt lebte, musste aufgrund der Verfolgung der Juden 1939 in die Schweiz emigrieren. Die Silberarbeiten deponierte sie bei der Dresdner Bank. Ein Jahr später wurden diese Werke im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden beschlagnahmt, an die Städtische Darlehensanstalt überführt und „verwertet“: Einige Objekte kamen in das jetzige Museum für Angewandte Kunst, damals das Museum für Kunsthandwerk. 1949 restituierte das Haus 55 Silberarbeiten an die rechtmäßigen Besitzer mit Ausnahme von zwölf Posten, die im Inventarbuch als im Krieg verbrannt notiert waren.

Die Provenienzforschung aber offenbarte, dass die vermeintlich zerstörten Arbeiten intakt in der Museumssammlung erhalten sind. Nach dem Krieg wurde gezielt die Herkunft einiger Exponate manipuliert, damit sie eine unbedenkliche Geschichte aufweisen. Entsprechend verdeutlicht die Schau hier auch den Verbleib der Silberobjekte bis in die Gegenwart und präsentiert zudem noch die zehn 1982 von den Nachfahren der Familie Ehrlich rechtmäßig erworbenen Silberarbeiten. Was mit den wieder der Sammlung Pinkus/Ehrlich zugewiesenen Pokale, Schalen, Bestecke, Uhren und Schusseln geschieht, ist noch unklar. Denn 1966 wurde für die zwölf verloren geglaubten Objekte auf Ebene der Bundesregierung eine Entschädigung gezahlt. Das Museum für Angewandte Kunst hat jedenfalls mit den Erben und den entsprechenden Bundesbehörden Kontakt aufgenommen.

Die Ausstellung „Geraubt. Gesammelt. Getäuscht. Die Sammlung Pinkus/Ehrlich und das Museum Angewandte Kunst“ läuft vom 7. Juni bis zum 14. Oktober. Das Museum für Angewandte Kunst hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Museum für Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
D-60594 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69 – 212 340 37
Telefax: +49 (0)69 – 212 307 03

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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 die 2017 im Rahmen der Provenienzforschung der ehemaligen Sammlung Pinkus/Ehrlich zugeordnet werden konnten
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