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Der Neubau der Mannheimer Kunsthalle hat eröffnet

Brücken zu Cloudspeichern der Kunst



Die Kunsthalle Mannheim ist eröffnet

Die Kunsthalle Mannheim ist eröffnet

„Wie kann man neben einem Jugendstilbau nur einen solch rostigen Kasten setzen?“, meinte eine ältere Mannheimerin vor der neuen Kunsthalle gegenüber dem markanten Wasserturm. Rechenzentrum, mathematisches Institut, technische Einrichtung? In der Tat erschließt sich die Funktion des braungrau schimmernden, von einem filigranen Metallgewebe eingehüllten Kubus’ erst spät. Ein nach rechts verschobener Einschnitt neben „Zwei sich kreuzenden Sinuswellen“ von Dan Graham eröffnet den Zugang. Vorbei an Martin Honerts magisch leuchtendem Glaskubus „Laterne“ führt der Weg erneut abschwenkend ins Zentrum. Über die gesamte Haushöhe von 22 Metern erstreckt sich das taghell belichtete Atrium. Der nach oben zum Glasdach führende Blick geht an ungleichen weißen Rastern vorbei. Stege, Brücken, Terrassen und vorspringende oder in den Hintergrund gerückte Kuben gruppieren sich um den mittigen Platz, so als türme sich hier eine Quadratstadt en miniature in der großen Quadratstadt auf. Einziges rundes Element ist der weit in die Halle geschobene Thekenring mit der Kasse. Mit ihm werden die Besucher sanft in den Museumsneubau hineingezogen, ohne dass es ihnen so recht bewusst wird.


Die Architekten um den globalen Player Meinhard von Gerkan sind nach dreijähriger Bauzeit auch im Museumsbereich in ihrer deutschen Heimat angekommen. Den für Stadien, unterschiedlich genutzten Großhallen, chinesische Trabantenstädte oder Bahnhöfe bekannten Hamburger Baumeistern war bisher die Errichtung von Museen lediglich in Peking und Hanoi vergönnt. Ihre formal reduzierte, auf straffe ordnende Funktionalität und Signifikanz der Nutzung ausgelegte Sprache bezieht sich in Mannheim jedoch nicht nur aus der Stadtcharakteristik rundum. Grundlage für den Entwurf des fast 70 Millionen Euro teuren Baus waren neue Präsentation- und Vermittlungsformen als „Museum in Bewegung“ in einer „Stadt in der Stadt“.

Mit der Entwicklung neuer Technologien verändern sich auch Inhalte, Arbeitsweisen und Vermittlungsformen bildender Kunst. Dies spiegelt die eng mit einer neuen digitalen Strategie verknüpfte Innenkonzeption. Schon im kostenlos zugänglichen Atrium steht man vor ihrem Kern, der „Collection Wall“. 16 große, wie eine Plakatwand zusammenhängende Monitore sind mit innovativer Gestenfunktion ausgestattet, mittels derer man den hauseigenen Kunstbestand abrufen kann. Ein Multimedia-Guide und weitere, für rund zwei Millionen Euro eingerichtete digitale Instrumente laden dazu ein, selbst aktiv zu werden, Favoriten auszuwählen, individuelle Touren oder Kataloge zusammenzustellen und mit Freunden zu teilen.

Die Architektur signalisiert, wie sich im digitalen Zeitalter das Kunstmuseum immer weiter weg von repräsentativen Funktionen hin zu einem Widersprüche und Kontroversen provozierenden Freiraum bewegt. „Das Museum ist eine Agentur für Fremdheitsvermittlung, ist politisch und trägt Verantwortung für eine diskursive Demokratie“, so Direktorin Ulrike Lorenz auf der Eröffnungspressekonferenz. Weiter betonte sie selbstbewusst: „Dies ist erste programmatische Museumsneubau des 21. Jahrhunderts, der dies verkörpert.“ In den Kuben und überleitenden Flächen folgen Präsentation und Vermittlung dieser Idee in teils gewöhnungsbedürftigen dialogischen Arrangements.

Im Obergeschoss angekommen, steht der Besucher vor Rebecca Horns „Inferno“ aus elf eisernen, von der Decke kaskadenartig herabstürzenden Bettgestellen. Deren Geflecht kann vor dem riesigen Panoramafenster zum Friedrichsplatz seine Wirkung auch wegen der allzu starken Konkurrenz mit dem Metallgewebe der Fassade leider nicht wie gewünscht entfalten, und der begleitende, von Violinen untermalte Abgesang geht im Betrieb unter. Im angrenzenden Kubus steht man unvermittelt in einer Menschenmenge. Plastische Figuren in willkürlichen Gebärden von Auguste Rodins 1881 gegossener, aus dem Paradies vertriebener „Eva“ bis hin zu Tony Craggs „Läufer“ aus dem Jahr 2009 repräsentieren einen Schwerpunkt der Kollektion. Die benutzbare „Arena“ der Amerikanerin Rita McBride nimmt den gesamten folgenden Raum in Beschlag und verstellt den Blick auf Edouard Manets Epochenwerk von der „Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“, womit der Augenblick einer öffentlichen Todesinszenierung im Rahmen von Staatswillkür zur Diskussion gestellt werden soll.

Arbeiten von Richard Long, Mario Merz, Klaus Rinke oder Gunter Frentzel stellen dann unter dem Oberbegriff „Form und Antiform“ divergierende skulpturale Strömungen der letzten 100 Jahre in einem Saal vor, der wie eine offene Landschaft konzipiert wurde. Erlesene Gemälde und Plastiken klassisch moderner Meister aus dem Kunsthallenbestand demonstrieren im größten Kubus den hochkarätigen Fundus, ergänzt durch ein Schaudepot im obersten Stockwerk. Hier wurde ein Raumwürfel im Rohbauzustand belassen, in dessen dunkler, rauer Atmosphäre sich William Kentridges Meditation „The Refusal of Time“ ausbreitet. Geschaffen für die Documenta 13, gehört die Rauminstallation aus Videos und skurrilen klappernden Gerätschaften – ein Statement gegen den Tod – zu den bekannten zeitgenössischen Arbeiten im Haus.

Etwas unerwartet ist die nachfolgende Begegnung mit einem anderen Genre. Auf einer eigens entworfenen Regallandschaft versammeln sich 270 Keramikobjekte. Um der offiziellen Kunstdoktrin auszuweichen, schafften die Verantwortlichen der Kunsthalle nach 1933 Vasen, Schalen oder Platten an, die noch nie ausgestellt wurden und ein erstaunliches formales Potential entfalten. Aus täglichen Beobachtungen montierte Objekte von Bogomir Ecker und flinke Fotografien von Florian Slotawa führen sie fort. Anselm Kiefers Schaffen ist ein eigener Kubus vorbehalten. Aus rohen Materialien gestaltet er Landschaften als Orte der Erinnerung an die deutsche Geschichte und Mythologie, lediglich konfrontiert mit einer Abendlandschaft von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1824. Von hier aus gelangt man direkt in Thomas Hirschhorns Albtraumszenario „The Fire Was Here“, eine Kritik an Konsumwelt und Kapitalismus, ehe der lautlose Schrei des Papstes von Francis Bacon ins Treppenhaus weist.

Egal ob Seiten- oder Oberlichtkuben, geschlossene Säle oder Zwischenterrassen, der Besucher, der den Parcours zwangslos absolviert, verliert dank geschickter Durchblicke zum Atrium nie die Orientierung. Drei Säle im Erdgeschoss sind für Sonderausstellungen vorgesehen. Das Museum, das sich von Anbeginn als Ort der aktuellen Kunst begriffen hat, konnte Jeff Wall für die Eröffnungsschau gewinnen. Als Künstler treibe er die Malerei mit den Mitteln der Fotografie in die Zukunft, so Ulrike Lorenz zu ihrer Wahl. Schwerpunkt der 30 in sechs Sektionen untergliederten Arbeiten sind Bilder aus der jüngeren Vergangenheit. Leuchtkästen oder Schwarzweiß-Abzüge ergänzen eine Auswahl von neueren Farbabzügen. Ausgangspunkt ist das Werk „Search of Premises“ aus dem Jahr 2009. Hier hat Jeff Wall die Spurensuche und Beweisaufnahme an einem Tatort inszeniert. Sämtliche alltäglichen, atmosphärisch dichten Motive provozieren durch narrative Gesten, Kompositionen oder Wörter nach Enträtselung der fingierten Stories, die Macht- und Wahrheitsfragen fotografischer Bilder aufwerfen. Der Ausstellungstitel „Appearance“ – Erscheinung – spielt bereits auf die Frage nach der Realität des Sujets an.

Den von Hermann Billing geplanten und 1909 eröffneten Jugendstil-Altbau erreicht man durch eine Passage, die demnächst von einer Lichtinstallation James Turrells bespielt wird. In den deutlich kleineren historischen Kabinetten und Galerien nehmen sinnigerweise drei weitere Ausstellungen Bezug auf die Museumsgeschichte. Die Schau „(Wieder)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“ führt die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf Sammlungen und Akteure vor Augen. In „Erinnern. Aus der Geschichte einer Institution“ werden drei bedeutende Ausstellungen reflektiert. Mit der 1925 ausgerichteten Schau „Die Neue Sachlichkeit“ hat die Mannheimer Kunsthalle Kunstgeschichte geschrieben. Aber auch die Präsentation „Eine neue Richtung der Malerei“ von 1957 und die Ausstellung „Der ausgesparte Mensch“ von 1975 spiegeln den Kunstdiskurs ihrer Zeit. Die Graphische Sammlung zeigt den Nachlass des Mannheimer Hofmalers Carl Kuntz. Seine Blätter tragen die ersten Inventarnummern und haben damit die Sammlung der Kunsthalle Mannheim begründet.

Die Mannheimer Kunsthalle bietet ein gelungenes nebeneinander von Alt und Neu. Die Intention einer breiten gesellschaftlichen Teilhabe mithilfe moderner digitaler Medien und Vermittlungsformen gilt es uneingeschränkt zu begrüßen. Bei allem Drang zur dialogischen Inszenierung und virtuellen Hilfestellung: Die Begegnung mit dem Original ist durch nichts zu ersetzen, und die Hauptstränge der Kunstentwicklung samt aller Nebenwege sollten nicht allzu sehr aus dem Blick geraten. Was die Qualität der Kunst, ihre historische Relevanz und ihre Wirkung impliziert, sollte in der Bildungsinstitution Museum immer niveauvoll offen wie ideologiefrei vermittelt werden. Die neuen Räume der Mannheimer Kunsthalle bieten zusammen mit dem Altbau dazu exzellente Voraussetzungen.

Die Kunsthalle Mannheim hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Jeff Wall-Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop 29,80 Euro kostet.

Kontakt:

Kunsthalle Mannheim

Friedrichsplatz 4

DE-68165 Mannheim

Telefon:+49 (0621) 29 36 423

Telefax:+49 (0621) 29 36 412

E-Mail: kunsthalle@mannheim.de



05.06.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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im zentralen Atrium der Kunsthalle Mannheim
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im zentralen Atrium der Kunsthalle Mannheim
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Martin Honert, Laterne. Nachts leuchten die Sterne, 2000
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Die Kunsthalle Mannheim vom Friedrichsplatz aus
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Tony Cragg, The
 Runner, 2009
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Regallandschaft in
 Kubus 5 mit der erstmals präsentierten Keramiksammlung der Kunsthalle Mannheim
Regallandschaft in Kubus 5 mit der erstmals präsentierten Keramiksammlung der Kunsthalle Mannheim

Variabilder:

im Kubus 2 mit vorwiegend plastischen Arbeiten der Kunsthalle Mannheim
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Künstler:

Carl Kuntz







Martin Honert, Laterne. Nachts leuchten die Sterne, 2000

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im zentralen Atrium der Kunsthalle Mannheim

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Die Kunsthalle Mannheim vom Friedrichsplatz aus

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im Kubus 2 mit vorwiegend plastischen Arbeiten der Kunsthalle Mannheim

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Rebecca Horn, o.T. (Inferno), 1993

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Tony Cragg, The Runner, 2009

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Kubus 3 mit der „Arena“ von Rita McBride

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Blick ins Schaudepot der Kunsthalle Mannheim

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Nam June Paik, Australopithecus Man, 1991

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Jeff Wall vor seinem programmatischen Ausstellungswerk „Search of Premises“ von 2009

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im zentralen Atrium der Kunsthalle Mannheim

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Blick von der Dachterrasse durch das Metallgewebe auf den Friedrichsplatz

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