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Mindmachines und Grenzwahrnehmungen bei den Wiener Festwochen 2018

Wo endet menschliche Erfahrung?



Das Potential des menschlichen Körpers für wahrnehmungs- und bewusstseinsverändernde Prozesse ist eines der zentralen Themen der diesjährigen Festwochen in Wien. Die Stichworte „Mindmachines“ und „Grenzerfahrungen“ sind daher häufig verwendete Begriffe bei der Beschreibung zahlreicher Produktionen und Formate, die seit dem 11. Mai und noch bis Mitte Juni zu sehen sind. Den Anfang machte eine Koproduktion des britischen Künstlers und Autors Liam Gillick mit der Musikband New Order aus Manchester. In „Σ(No,12k,Lg,18Wfw) New Order + Liam Gillick: So it goes“ dekonstruierten Gillick und New Order gemeinsam mit dem Komponisten Joe Duddell das Material der Band und setzen es für ein inszeniertes Konzert neu zusammen. Gillick reagierte während des Events auf die Musik der New Wave- und Post Punk-Helden aus Manchester und schuf mit viel Nebel, Laser und Stroboskop-Einsatz eine seiner charakteristischen Lichtarchitekturen, die in der Halle im Wiener Museumsquartier dann doch etwas wehmütig die Erinnerung an das Konzert der Gruppe Kraftwerk im vergangenen Jahr aufkommen ließ.


Mut brauchte, wer sich der Performance-Installation „Phobiarama“ von Dries Verhoeven aussetzte. Der Holländer, der bekannt dafür ist, sein Publikum in seine Projekte zu involvieren, war 2008 schon einmal von den Festwochen mit einem Werk beauftragt worden. Dieses Mal brachte er sein „Theater der Angst“ nach Wien. In einer Art Geisterbahn wurde die Besucher*innen während der 45minütigen Fahrt auf Kirmeswägelchen durch eine abgedunkelte Halle gefahren. Fernsehbilder verbreiteten Schreckensnachrichten, und als Bären und Horrorclowns verkleidete Männer potenzierten den Grusel. Mit „Phobiarama“ thematisiert Verhoeven mögliche Gefahren für Gesellschaft und Demokratie. In der Realität wird die Verunsicherung durch das Schüren von Ängsten von Politiker*innen allerdings deutlich subtiler betrieben. Verhoevens verharmlosende Performance verpuffte im Geisterzug.

Die junge koreanische Künstlerin Jisun Kim ließ in ihrer akustisch-mechanischen Thesen-Performance „Deep Present“ vier künstliche Intelligenzen miteinander auf der Bühne über die Perspektiven des Outsourcings von menschlichem Denkvermögen verhandeln und stellte dabei Fragen über mögliche Zukunftsperspektiven. Kritik am militärisch-technischen Komplex der USA prallte auf Zukunftsskepsis, Superintelligenz auf buddhistische Erfahrung. Hauptprotagonist von „Deep Present“ ist AIBO, ein Roboterhund, den der japanische Konzern Sony von 1999 bis 2006 fertigen ließ. Das Publikum erlebte Gespräche zwischen dem Geschöpf, das sein Denken auslagern wird, und jenen Wesen, die diese Aufgabe übernehmen sollen. Erkenntnisse und Fragen, die aus der Begegnung dieser konträren Denkwelten entstehen, blitzten auf und verschwanden wieder. Letztendlich kratzten Jisun Kims Protagonisten aber nur oberflächlich an den wesentlichen Fragen.

„Micro | macro – the planck universe“ heißt die Installation des Klang- und Videokünstlers Ryoji Ikeda, die bereits 2015 im Karlsruher ZKM als Prolog zur Ausstellung „Infosphäre“ gezeigt wurde. Der japanische Künstler befasst sich mit Daten, Licht und Klang auf der Grundlage mathematischer Methoden und physikalischer Theorien, um zeitlich wie räumlich komplexe Präsentationen zu schaffen. „The planck universe“ wurde am CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung, entwickelt, wo Ryoji Ikeda 2014 und 2015 einen Gastkünstleraufenthalt absolvierte. Die Planck-Skala dient Wissenschaftler*innen dazu, kleinste Längen oder Zeitintervalle zu beschreiben. Jenseits dieser Skala, wo Konzepte wie Raum und Zeit ihren Sinn verlieren, ist die zeitgenössische Physik auf spekulative Theorien angewiesen. Für „micro | macro“ sich hat die Halle E im Museumsquartier für die Dauer der Festwochen in eine überdimensionale Welt aus bewegten Bildern und Klängen verwandelt – ein Imaginationsfeld zwischen Quantenphysik, empirischem Experiment und menschlicher Empfindung, das komplexe physikalische Theorien in eine sinnliche Erfahrung übersetzt. Das Publikum betritt eine Welt aus Daten, Teilchen, Licht und Klang, die die Größendimensionen des Universums in ihren Extrembereichen für Auge und Ohr wahrnehmbar macht. Ryoji Ikeda hat damit ein akustisches wie visuelles Feuerwerk geschaffen, das die Kluft zwischen theoretischem Verständnis und sinnlicher Wahrnehmung überwindet.

Mit „FEED.X“, einer multimedialen Installation des österreichischen Künstlers Kurt Hentschläger, in der sich die Besucher*innen frei bewegen, wird eine weitere Arbeit gezeigt, die laut Pressetext „bewusstseinserweiternde, spirituelle Erfahrung“ bescheren kann. Im Mittelpunkt der performativen Installation steht die Frage nach den Grenzen der menschlichen Wahrnehmung. Diese lotet Hentschläger durch das Wechselspiel von sensorischem Entzug und Überforderung aus. Einer Videoprojektion animierter 3D-Figuren, die sich in schwebenden Choreografien über eine Leinwand bewegen, folgt ein Sinnesamalgam aus künstlichem Nebel, Stroboskoplicht und Sub-Bass-Frequenzen. Die Trennung zwischen innerer und äußerer Wahrnehmung verschwimmt in einem Raum ohne Referenzen, in einem scheinbar endlosen, kaleidoskopischen Raum, mit dem Ziel, die Sinne zu überfluten und die Besucher*innen dazu anzuregen, eigene Bilder zu projizieren und produzieren. Eine grenzgängerische Performance mit psychedelischer Grenzerfahrung für das Publikum.

Die subtile Grenze zwischen Natürlichkeit und Artifiziellem thematisiert Cyprien Gaillard. Der 1980 in Paris geborene und derzeit äußerst angesagte Künstler lebt in New York und Berlin. Für seine Videoarbeit „KOE“ von 2015, die während der Festwochen in den Gösserhallen präsentiert wird, filmte Gaillard den Flug eines Schwarms von exotischen Halsbandsittichen in der nordrhein-westfälischen Stadt Düsseldorf. Der grün gefiederte Vogel stammt ursprünglich aus Afrika und Asien und wurde als Käfigvogel nach Europa gebracht. In der westdeutschen Landeshauptstadt konnte die Papageienart eine unbesetzte Nische im Ökosystem finden und sich erfolgreich vermehren. In Zeitlupe dokumentiert der Film den Flug der gefiederten Immigranten, die sich mit Einsetzen der Dämmerung zum allabendlichen Ritual der Schlafplatzsuche in den Platanen der Luxuseinkaufsstraße Königsallee versammeln. Vor dem Hintergrund der kühlen, städtischen, einst visionären Bauten scheint im entschlossenen Flug der Vögel der Beginn einer Rückeroberung des urbanen Terrains anzuklingen.

Die Wiener Festwochen laufen noch bis zum 17. Juni. Das gesamte Programm ist unter www.festwochen.at einsehbar.

www.festwochen.at



01.06.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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