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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Museumreife Werke bei der modernen und zeitgenössischen Kunst von Grisebach in Berlin

Eine traurige Ägypterin



Große schwarze Mandelaugen und ein blasses Gesicht, gerahmt von dunklem Haar mit einem weißen Band, dazu schlichte Farben in Weiß und Blau definieren das Portrait, das Max Beckmann 1942 malte und „Weiblicher Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ nannte. Dieses melancholische ausdruckstarke Bildnis ist einer der Topposten bei der Auktion „Ausgewählte Werke“, mit der Grisebach seinem Frühjahrshöhepunkt zustrebt. Die traurige, geheimnisvolle Ägypterin mit ihrem halb verschatteten, von unten beleuchteten Gesicht bewegt sich als einzige im siebenstelligen Bereich und soll 1,5 bis 2 Millionen Euro einspielen. Die Mehrzahl der Arbeiten, darunter auch Druckgrafiken, Arbeiten auf Papier, Gemälde, Skulpturen und Fotografien, liegen zwischen vier- und sechsstelligen Beträgen. Bei den Zeitgenossen geht der teuerste Preis an Anselm Kiefers materialintensive Schichtungen „Für Velimir Chlebnikow“ von 2004/05. Das dreckige Meer in Braun-, Grau-, Schwarz- und Weißtönen, vor dem ein rostiges bleiernes U-Boot schwebt, ist mit 700.000 bis 1 Million Euro beziffert.


Am 31. Mai reihen sich in bei Grisebach in Berlin Highlights der deutschen und internationalen Kunst aneinander. Sommerlich leuchtender Expressionismus findet sich in Gabriele Münters „Kohlgrubenstraße (Murnau)“ von 1908 mit blauen Schatten auf dem grünen Rasen und roten Blüten in den Bäumen vor azurblauem Himmel (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Die Welt des lyrischen Traums in Grün-Blau mit Akzenten in Flieder und Gelb zaubert Marc Chagall in „La joie“ von 1955/57 herbei. In der Gouache fliegt ein Liebespaar einer Art Blumenstrauß entlang, nur um einem schwebenden Hahn mit Geige im Mondlicht entgegenzutreten (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Mit dieser Schätzung haben die Experten bei Grisebach zudem Günther Ueckers dichtes Nagelbild von 1985 mit dem sich ergebenden Titel „Interferenzen“ bewertet.

Ausgewählte Werke

Für den Schweizer Industriellen Camille Bauer fertigte Edouard Vuillard 1922 fünf Gemälde zur Ausstattung von dessen Haus in Basel. Bauer ließ Vuillard freie Hand, und so entschied sich der Franzose unter anderem für Darstellungen aus Pariser Museen, etwa den Mittelalter-Saal im Musée des Arts décoratifs mit einer Frau und einem Kind als Besuchern. Die Farbskizze des Mitbegründers der Nabis setzt die Museumsbesucherin einer Madonna gegenüber, farbige Glasfenstern sind rechts positioniert (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Eine effektvolle Arbeit auf Papier ist Paul Cézannes „L’Allée des marronniers au Jas de Bouffan“ um 1890/95. Hier konzentriert er sich auf seine charakteristischen Farbteile, die diagonal ineinander dringen, etwa im Grün und Grauviolett der Baumstämme. Die zarte Arbeit lässt die Bäume mit dem anschließenden Haus beinahe zu einer rhythmischen Einheit werden (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Harmonie von Maschinenteilen und Menschen weiß Fernand Léger in „Les constructeurs (marine)“ 1953 zu erzielen. Wohl an einem Strand, wie es der Titel erklärt, befinden sich diese voluminösen Gestalten, die eine Art Stillleben überschneidenden und gebrochene Rohre, Flügelteile und dekorative Schraffuren bereichern (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR).

Zwei rätselhafte einander zugeneigte Männer hielt Emil Nolde mit klaren Konturstrichen über farblich ausdrucksstarkem changierendem Grund in intensivem Gelb, Blauviolett und neutraleren Ockertönen für der Serie „Phantasien“ zu Beginn der 1930er Jahre fest (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Nolde gelang es ebenfalls, bewegte Farbwolken und ihre Übergänge um 1935 zu einer beeindruckenden Landschaftsabstraktion zu verdichten. Seine „Große dunkle Wolke“ schimmert in Braun- und Rottönen neben einem königsblauen und gelben Himmel, der sich im unteren Bildrand, wohl in einem Gewässer, nochmals spiegelt. Ein leuchtendes Rot forciert die Unterseite der Wolke zu einem intensivierenden Gegensatz heraus. Noldes Aquarell ist eine gekonnte Gratwanderung zwischen Gegenständlichkeit und der Freude an gestalterischer Kraft des Kolorits (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). In dieser Technik wusste Emil Nolde zudem, Blumen gekonnt und farbstark einzufangen, so auch um 1930 in den gelben „Dahlien und Rudbeckien“ in leuchtendem Magenta (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Abstrakt

Unregelmäßige schwarze Linien, Quadrate, Pyramiden, Kreise und Polygone schweben wie durch den Weltraum mit verwirrender Tiefenperspektive in Georg Muches dunkel bunten Werk von 1916 mit Gelb, Blau, Rot, viel Schwarz und Grün. Die Rhythmik der Form, der Kontrast der Farben mit dem begleitenden schwarzen Umhang lassen das Auge endlos wandern (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Zunächst fühlt man sich an Bakterienkulturen einer Petrischale erinnert, dann mag es doch eine Aufnahme kleiner Inselgruppen in einem karibischen Meer sein – den Assoziationen für Max Ernsts „Lustrée matinale“ von 1966 sind kaum Grenzen gesetzt. Der besondere Reiz liegt zudem in der Farbharmonie aus Grün, Azur und spärlichem, akzentuiert eingesetztem Violett dieser schönen abstrakten Arbeit des Surrealisten (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Die Stofflichkeit in Emil Schumachers „Pagan“ von 1977/78 ist durch Grate und Furchen in der reliefhaften roten und schmalweißen Oberfläche ersichtlich (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Landschaft

Der deutsche Impressionist Max Liebermann wirft in einem Pastell von 1900 seinen „Blick aus dem Wohnzimmerfenster des Künstlers auf die Straße Unter den Linden“ im Schnee. Ein grauer winterlicher Himmel mit fahlem Licht lässt den Schnee schwach neben den schwarzen laublosen Bäumen aufleuchten (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Ecken und Kanten definieren Lyonel Feiningers ausdrucksstarke Waldlandschaft „Die kleine Försterei“ von 1920. In leuchtendem Gelb schimmert das Forsthaus, umgeben von diversen Grünnuancen der abstrahierten hochgewachsenen Bäume des Waldes. Rote Akzente finden sich im danebenliegenden kleinen Häuschen und den Baumstämmen der rechten zwei Tannen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Während Feininger seine Tuschfederzeichnung „Strasse in Paris“ von 1909 mit zahlreichen karikaturhaften Personen belebt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), kommt Walter Leistikow bei seinem „Hubertussee im Grunewald“ im milden Abendlicht um 1903 ganz ohne Menschen aus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Stillleben und Portrait

Zwischen pastos auflösender Malerei und einem noch erkennbaren Motiv liegen Lovis Corinths „Astern im Kelchglas“ von 1924. Letztlich sind nur die strahlend blauen und roten Blüten mit ihrem grünen Blattwerk näher definiert. Der Rest geht mit der Farbskala aus Weiß, Rot, Blau und Graunuancen in das Reich der Abstraktion über, auch wenn hier wohl ein weißes Tischtuch vermutet werden darf. Der Pinselstrich dynamisiert die gesamte Leinwand (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Ganz anders die Interpretation der „Lilien“ des Expressionisten Erich Heckel im Jahr 1912. Wie zarte weiße Trompeten erheben sich die Blumen vor einem Grund in roten, schwarzen und blauen Farbsegmenten mit gelben Akzenten, den Heckel durch Konturlinien festgefügt hat (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Paula Modersohn-Becker erzeugt im „Mädchen in Dämmerung mit karierter Bluse“ um 1904 tiefe Ruhe. Das Mädchen mit seinem irdenen Kolorit aus Ocker, Braunrot und gedämpften Rosé scheint Teil der umgebenden Natur zu sein, die es mit ihren gebeugten Bäumen in derselben Farbpalette rahmen (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Eine ähnliche Ruhe wusste auch Käthe Kollwitz in ihrem „Selbstbildnis mit geschlossenen Augen nach hinten geneigt“ von 1909 zu erwirken. Ihre charakteristischen Gesichtszüge sind entspannt, fast schlafend und bezaubern mit ihrer einfachen Schilderung in Kreide auf hellbraunem Bütten (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). In strenger Frontalansicht steht Heinrich George im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und blauer Krawatte 1928 Gert Heinrich Wollheim für ein Halbportrait mit lockerem Pinselstrich Modell. Etwas griesgrämig blickt der blonde Schauspieler mit Bart aus dem Bild, wobei seine massige Gestalt eine hohe Präsenz ausstrahlt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Beinahe schüchtern steht eine ältere Dame in ihrem hübschen braunen Blumenkleid mit edler rosafarbener Spitze an Säumen und Kragen. Wie üblich verlieht ihr Fernando Botero die für ihn typische Massigkeit. Eine neckische schwarzbraune Katze mit grüner Schleife begleitet am unteren Bildrand ihre Herrin und will wohl verbotener Weise mit der Spitze des Saumes spielen. 1969 malte Botero „La Abuelita“, das Großmütterchen, in diesem zartfühlenden Bildnis (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). 35 Jahre jünger ist Boteros Frauenakt „Mujer peinándose“: Eine Rothaarige frisiert ihre langen Haare eben mit einem Kamm. Den korpulenten Leib der Sitzenden bedeckt nur sparsam ein weißes Tuch mit gelbem Blütenmotiv. Die intime Szene aus dem Jahr 2004 präsentiert eine in sich ruhende, gelassene und doch etwas eitel wirkende Frau (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR).

Skulptur

In einem festen Querrechteck steht die „Grasende Kuh II“ auf ihrer runden Plinthe, die Ewald Mataré 1930 in goldbraun patinierter Bronze schuf. Die betont stilisiert-vereinfachende Formsprache verleiht dem beleibten Wesen eine gewisse Noblesse und Eleganz (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Eine Sinfonie aus unterschiedlich langen, geknickten und divers eng gruppierten Stahllinien formte Norbert Kricke 1958 zu seiner kunstvollen „Raumplastik“. Jede Blickachse offenbart eine neue dynamische Ansicht des schimmernden Metalls, der geworfenen Schatten und der in den Raum greifende Drähte, die durch die Luft tanzen (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Stabiler hingegen sind die „Zwei Füße“ von Horst Antes. 1968 setzte er die aufrecht gehenden Beine in einen großen Käfig, wobei die Füße zu den Köpfen der Figuren werden, ein großes Auge erhalten und durch Körerteile als Mann und Frau ausgewiesen sind (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Moderne Kunst

Neben den 40 „Ausgewählten Werken“ stehen am 1. Juni weitere 230 Objekte auf dem Programm, die Grisebach unter „Moderner Kunst“ zusammengefasst hat. Hier sind die günstigeren Arbeiten verzeichnet, die oftmals nicht die ganz bekannten Namen, dafür aber einige Entdeckungen bereithalten, etwa den 1884 in der Ukraine geborenen Wladimir Zabotin. Mit seinen beiden homoerotisch tanzenden Frauen im „Kabarett“ von 1921 weist er sich als realistischer Beobachter in der Zeit der Weimarer Republik aus (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), genauso wie Jeanne Mammen in ihrer Tuschfederzeichnung „Reiterinnen“ um 1931 (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Als neusachlich und veristisch lassen sich zudem Edmond-Amédée Heuzés schonungslose Aktdarstellung „Femme à sa toilette“ von 1926 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), Willy Jaeckels Ölgemälde „Liegender weiblicher Akt“ um 1924/25 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), Otto Nückels überdimensionierter „Schutzmann“ von 1928 beim Regeln des Verkehrs (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) oder Paul Hartmanns „Bildnis einer Frau“ in weiß-gelb gestreiftem Pullover von 1947 ansprechen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Ein ernstes Portrait einer eleganten Frau voller Selbstbewusstsein in modischem rotem Kleid hat Lotte Laserstein in ihrer um 1931 entstandenen „Dame mit roter Baskenmütze“ entwickelt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Ein stilisiertes, aus Farbflächen gepuzzeltes Männergesicht mit ausdrucksstarker Farbigkeit aquarellierte Paul Goesch in den 1920er Jahren (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). In eine „Kirmes zwischen Vergnügen und Tod“ schaukelt sich Maryan Zurek 1940 auf seinem Weltuntergangsbild hinein (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Eine Art komprimierte Version eines zeitgenössischen Hieronymus Bosch mag Friedrich Schröder-Sonnensterns lustig-schreckliche Arbeit einer fliehenden Frau vor Gevatter Tod von 1956 sein. Er hat seiner Zeichnung auch den sprechenden Titel „Das mondmoralische Schicksalsduplikat oder der Wettlauf zwischen Tod und Leben“ gegeben (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Es geht aber auch idyllischer zu. Die liebliche Welt der toskanischen Landschaft bei blauem Himmel schildert Hans Purrmanns sommerlich lichter „Blick über Florenz“ von 1935 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Theo von Brockhusen nimmt uns in seinem nachimpressionistischen Gemälde von 1910 zum Strand in Nieuport mit (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR), Otto Modersohn zu den saftigen Wiesen, weidenden Pferden und badenden Menschen in seinem „Sommertag an der Wümme“ von 1912 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), und Franz Lenk lässt 1937 die thüringische Kleinstadt „Orlamünde im Nebel“ still und verhalten aufleben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). René Paresce entwirft 1931 mit „Il Castello“ eine vorfrühlingshafte, ebenfalls ruhige Landschaft an einem der vielen südlichen Seen im Gebirge (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Innerhalb der friedlichen Welt des Interieurs bewegt sich Henri Matisse in einer Tuschezeichnung des Jahres 1941 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), und Arnold Topp probiert 1922 eine gegenstandslose „Komposition mit Farbflächen“ in dunklem gedecktem Kolorit aus (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Zeitgenössische Kunst - Gegenständlich

Das Rollschuhfahren gehört wohl zu einer der amüsantesten, wenn auch mitunter mit vorprogrammierten Stürzen verbundenen Freizeitbeschäftigungen. Konrad Klapheck monumentalisiert eine gekippten Rollschuh vor blauem Grund in seinem 1969 entstandenen Gemälde „Müßiggang“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Obwohl Klapheck 1988 im „Traum vom Fliegen“ im Gegenständlichen bleibt, ist sein Werk nicht minder kryptisch. Eine besondere Schraube mit Einfräsungen und Löchern schwebt im Raum und hat als Begleitung eine Art Stecker. Grisebach kann sowohl die Studie auf Transparentpapier für 30.000 bis 40.000 Euro, als auch das ausgeführte Gemälde für 100.000 bis 150.000 Euro offerieren. Amüsanter und weniger rätselhaft als sein deutscher Kollege gibt sich Keith Haring. So winkt sein „Kind“ von 1989 freundlich aus dem Blatt, und der gleichzeitig entstandene „Mann“ schwebt mit einem X auf der Brust wie ein Geist auf dem Papier (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Verspieltheit und minimale Mitteln sind auch Thomas Bayrle und seinem „Cowboy“ von 1970 zu eigen. Parallele Geraden überziehen das Blatt und bilden mit geringer Verformung das abstrahierte Antlitz des Kuhhirten mit dem auffälligen Hut (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Zwischen Figuration und Abstraktion changiert das Schaffen Gerhard Richters. Schon sein „Vorhang III (hell)“ von 1965 lässt sich nicht eindeutig einer der beiden Kategorien zuordnen. 2012 fertigte Richter nach dem Ölgemälde den digitalen Tintenstrahldruck „Vorhang“ in einer Auflage von 25 Stück für den Verein der Freunde der Berliner Nationalgalerie an. Die Falten des geschlossenen Vorhangs in einem bläulichen Weiß sollen sich zu 100.000 bis 150.000 Euro aufschwingen. Dominierendes Schwarz mit weißer Krakelee und oben ein verwischtes Dunkelblau hielt Richter 1995 in „Souvenir“ fest, einem von 64 Unikaten, für die ein großes Verschiebebild in 64 Teile zerschnitten wurde (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Das Spiel mit Realität, der Wahrnehmung und dem Räumlichen wird 2007 in dem Gemälde „Zwei Räume“ des Polen Slawomir Elsner deutlich. Zwei alte weiße Wände eines Zimmers tragen in absplitterndem Hellblau die Formen der Weltmeere und Seen, so dass die südlichen Kontinente der Erde weiß und verzerrt hervortreten (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Vorwiegend abstrakt präsentiert sich die fünfteilige Arbeit von Michel Majerus von 1996/2000. Der Luxemburger griff dabei auf das militärische Tarnmuster jedoch in Rosa, Weiß und Rot zurück, aber auch auf den Klempner Super Mario des Computerspiels von Nintendo, der durch das Weltall fliegt, schrieb auf eine der quadratischen Tafeln „pop is terror“ und erging sich in gestischen Farbschlachten (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Abstrakt

Auf Arnulf Rainers Arbeit „Schwarze Übermalung“ von 1961 verschlingt eine Art schwarzes Lock mit Fransen fast alles mit Ausnahme einer kleinen hellbeigen Ecke (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Der strengen Ordnung breiter Geraden in Form von fünf nebeneinandergeordnete Diagonalen in Graunuancen widmete sich Kenneth Noland 1979 in „PK 0106“, in Rotnuancen in „PK 0107“ (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR). Vergleichbar sind Anton Stankowskis farbbetonte „Flächen durch Schrägen“ von 1995 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Günter Fruhtrunk rot-blaues „champ dynamique“ von 1962 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) oder Bridget Rileys streng vertikale Gouache „Study for ‚Midi‘“ von 1983 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Der Antipode hierzu ist Gotthard Graubners „Farbraumkörper“ von 1975, der in mattem Grau-Beige mit einigen Sprenkeln für das Volumen der Farbe steht (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Auf die Qualität der Farbe setzte 1963 zudem Verena Loewensberg, als sie von einer hochrechteckigen Leinwand in Türkisblau einen hellblauen Kiel abtrennte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Für die Konzeptkunst stehen Hanne Darbovens visualisierte Kalenderdaten mit dem Titel „Konstruktionen“ von 1968 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), Hans-Peter Feldmanns sechs Künstlerbücher mit dem Titel „Bilder“ von 1969 bis 1971 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder Kris Martins „Mandi II“ von 2002, eine von ihm programmierte Solari Klappen-Uhr mit unbeschrifteten Klappen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Bei Oscar Murillo ist es der Schmutz seines Ateliers, der ihm als Materialgrundlage dient, so auch bei seiner Collage „perhaps there’re easier ways (I)“ von 2012 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Schon ins Dreidimensionale dringt Marc Cavells „Gewellte Form“ von 1971 vor, deren kurvige weiße Edelstahllamellen ein dunkles Schattenbild werfen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Eine Symbiose aus kleiner Plastik mit Malerei geht auch Günther Uecker 1988 in „Handlung“ ein. Die Leinwand überziehen dynamische graue breite Pinselzüge in unregelmäßigen Kurven. Darüber hinaus überziehen Steine mit Nägeln das Werk und lassen damit die Tat der Erschaffung nachvollziehen (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR).

Skulptur und Fotografie

Wie eine Art Raumfahrer in einem zukunftsträchtigen Science Fiction-Film erscheint der weiße Marmorkopf in Yang Maoyuans „Look inside Gattamelata“ von 2005. Nur Hals, Ohren, ein Teil der Haare, Augen und Wangenknochen sind näher ausgeführt. Über dem Rest zieht sich eine Maske, die die Kugelform des Kopfes betont und dem italienischen Condottiere der Renaissance den Mund verschließt. Dieses Exemplar aus einer fünfer Auflage besticht mit der feinen Ausarbeitung sowie den befremdlichen Modifikationen des chinesischen Künstlers (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Gleich daneben steht im Katalog Stephan Balkenhols kleiner, aus Wawa-Holz geschnitzter Toten-„Schädel“ auf hoher Stele von 2002 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Rainer Fetting hat Willy Brandt 1996 in schreitender Pose, im Anzug und mit erhobener Linken unterlebensgroß in Bronze gegossen und ihn noch mit einer gelben, blauen und rosafarbenen Farbschicht überzogen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Auch Franz West kombinierte 1990 Farbe mit seiner Plastik. Ein drapierter hellblauer Handschuh bekrönt das Papiermaché in einer geschwungenen Form am oberen Tentakel (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR).

Wolfgang Tillmans entführt in „Freischwimmer 21“ von 2004 in die filigrane und zarte Welt eines fadenartigen Konstrukts in Rosatönen. Es handelt sich um eine Fortentwicklung der Fotogramme aus den 1920er Jahren, also ein Spiel mit der Dunkelkammer und den technischen Möglichkeiten des Bildentwicklungs- und Belichtungsprozesses (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Wieder in der Welt des Greifbaren bewegt sich der deutsche Fotokünstler 1996 mit „Kate McQueen“. Das legendäre Model Kate Moss blickt in ihrem diaphanen Oberteil mit Blumenstickerei strahlend in die Kamera, wobei ein Meer an Kartoffeln, Tomaten und Erdbeeren vor ihr liegt (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Barbara Probst nimmt die Kunstwelt selbst in den Blick und gibt mit dem schwarzweißen Foto „My Museum“ von 1993/94 ihre Vorstellung von einem zentralen Kunstinstitut (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Bei Thomas Ruff stehen sich der erotische Hintern einer Frau in „nudes nu 07“ aus der Serie der weichgezeichneten Internetpornobilder von 2000 (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR) und die bunte, ebenfalls vom klassischen Fotogramm inspirierte Abstraktion „ch.phg.03“ von 2013 gegenüber (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 31. Mai um 18 Uhr. Am 1. Juni folgt um 11 Uhr die „Moderne Kunst“, um 18 Uhr. Die Besichtigung findet noch bis zum 28. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr, am 29. Mai von 10 bis 15 Uhr statt. Der Katalog ist online unter www.grisebach.com abrufbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.de



27.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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