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Frank Auerbach und Lucian Freud im Städel

Das Städel Museum in Frankfurt widmet sich in der Schau „Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ den Bildnissen der zwei befreundeten Künstler. Diesem Genre wandten sich die beiden ab den 1940/50er Jahren zu und bannten es zunächst in Öl und später auch im Medium der Radierung in ihren jeweiligen Londoner Ateliers. Die 40 Zeichnungen und Grafiken der Ausstellung legen einen Schwerpunkt auf Bildnisse ab den 1970er Jahren, die laut Kuratorin Regina Freyberger zu den kompromisslosesten und innovativsten der zeitgenössischen Kunst gehören. Mit der Schau werden zudem mehrere Neuerwerbungen aus dem Werk der Künstler für das Städel sowie Schenkungen aus Privatbesitz vorgestellt.

Lucian Freund und Frank Auerbach verband neben der gegenseitigen Wertschätzung auch ein ähnliches Schicksal. Als Söhne jüdischer Familien mussten sie noch im Kindesalter vor den Nationalsozialisten nach England flüchten. Ihre Arbeiten kennzeichnet trotz stilistischer Unterschiede eine ähnliche Strategie: Über Wochen oder Jahre hinweg beobachteten und portraitierten Freud sowie Auerbach dieselben Menschen aus ihrer Umgebung. „Wiederholung und Beschränkung sind ihnen Mittel der Konzentration auf der Suche nach Erkenntnis: über das Gegenüber, über sich selbst und über die Welt“, so Freyberger.

Lucian Freud und Frank Auerbach strebten ein tieferes Verständnis der sichtbaren Welt an, wobei es ihnen nicht um Abbildhaftigkeit, sondern um Wahrheit ging. Das Resultat sind unterschiedliche Ergebnisse und Erkenntnisse, die sie in der für sie typischen kritischen und unsentimentalen Selbstreflexion festhielten. Frank Auerbachs Grafitzeichnung „Self-Portrait“ von 2017 durchzieht ein abstraktes und energisches Gespinst aus Strichen. Mittig konzentriert es sich durch dunklere nervöse Konturen zu einem menschlichen Antlitz. Lucian Freuds Radierung „Self-Portrait: Reflection“ von 1996 besticht mit ausdrucksstarken Schattierungen und nahezu malerisch beschreibenden Strichen.

Repräsentative Bildnisse sucht man bei beiden Künstlern vergebens, so verewigte Lucian Freund 1987 den Politiker Lord Arnold Goodman mit wirrem Haar in einem gelben Schalfanzug. Die öffentliche Person interessierte weder Freud noch Auerbach, vielmehr ist es der Mensch mit seiner Präsenz und Kreatürlichkeit. Daher sind die meisten Modelle bei Freud auch nackt und unverstellt, was das Motiv des Schlafens im Schaffen beider Künstler erklärt. Ihre Modelle stammen aus der näheren Umgebung der Maler, etwa die eigenen Kinder oder Freunde. Eindringlich ist Freuds Radierung des Schriftstellers und Fotografen Bruce Bernard von 1985: Die unregelmäßigen und herabhängenden Gesichtszüge des Mannes mittleren Alters lassen ihn melancholisch und in Gedanken versunken wirken.

Die Ausstellung „Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter“ läuft bis zum 12. August. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Für Kinder unter 12 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog für 15 Euro.

Städel Museum
Schaumainkai 63
D-60596 Frankfurt am Main

Telefon: +49 (0)69 – 60 50 98 0
Telefax: +49 (0)69 – 60 50 98 111

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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