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Wechselwirkung von Fotografie und Malerei in Nürnberg

Eduard Schleich d.Ä., Aufziehendes Gewitter, 1850/55

In der aktuellen Schau „Licht und Leinwand“ geht das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg dem Verhältnis zwischen Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert nach. Die etwa 260 Exponate umfassen einen Zeitraum von den 1840er bis in die 1910er Jahre und damit „vom Beginn der Fotografie bis zu dem Moment, als sie erstmals als Kunstform anerkannt wird“, so die Kuratorin Leonie Beiersdorf. Des Weiteren will sie einen neuen Blick auf den Gemäldebestand des 19. Jahrhunderts werfen und hat dazu auch Arbeiten ausgesucht, die erstmals zu sehen sind.

1839 wurde in Paris die Daguerreotypie öffentlich vorgeführt. Dieses frühe, wenn auch aufwendige fotografische Verfahren konnte erstmals das Lichtbild dauerhaft auf einer Platte fixieren. Die Folgen waren breit gestreut, so begleiteten die neue Technik Skepsis und Sorgen, aber auch Künstlerstolz und Hoffnung. Zunächst betrieben Maler die Fotoateliers. In der Schau sind dazu frühe Daguerreotypien gemalten Portraits gegenübergestellt. Die Schnelligkeit des Lichtbildes und sein geringerer Preis führten bei Malern zu Existenzängsten. Hatten bisher Künstler Ansichten fremder Länder oder Bauwerke festgehalten, etwa Leopold Carl Müller die „Kalifengräbern in Cairo“, bedrohte auch hier das neue Kollodium-Nassplatten-Verfahren mit mehreren Abzügen ihren Broterwerb. Sein Konkurrent war etwa Francis Frith, der in den 1860er Jahren Aufnahmen der Pyramiden von Gizeh und von Kairos Totenstadt machte.

Bald ertönte Kritik gegen die Konturschärfe und quasi-dokumentarische Präzision der Fotografie. Das Medium könne lediglich Abbilder schaffen, der Malerei hingegen gelinge es, tiefer zu gehen und die Wahrheit einzufangen. So waren zum Beispiel Friedrich Voltz und Eduard Schleich d.Ä. in ihren Gemälden einerseits um starke Naturnähe bemüht, andererseits gelang es ihnen dennoch, das Gesehene zu deuten, etwa in Schleichs atmosphärischem „Aufziehendem Gewitter“ von 1850/55. Die Fotografie folgte den Wegen der bildenden Kunst. So regte Henry Peach Robinson seine Kollegen an, sich an den Prinzipien der Malerei zu schulen: Robinson kombinierte unterschiedliche Glasplatten miteinander, setzte Naturausschnitte und Himmel aus verschiedenen Kontexten zusammen und retuschierte Übergänge mit dem Pinsel. Damit folgte er dem malerisch-akademischen Usus. Diese Kombinationsdrucke führten um 1865 zu stimmungsvollen „malerischen“ Effekten.

Neue Einsichten erlaubte die Objektivität der Kamera. Die Chronofotografie zerlegte durch seriell geschaltete Kameras schnelle Bewegungsabläufe in Einzelbilder. Berühmte Beispiele sind Eadweard Muybridges Aufnahmen eines galoppierenden Pferdes oder des Flügelschlags eines fliegenden Vogels. Damit konnte die falsche Wahrnehmung in der Malerei korrigiert werden. Entgegen der Vermutung bewies die Fotografie, dass bei einem galoppierenden Pferd stets ein Fuß den Boden berührt und nicht wie in Gemälden alle vier Beine von sich streckt. Maler wie Lovis Corinth nutzten zudem den „Schnappschuss-Effekt“, wie im Portrait seiner Frau „Charlotte Berend-Corinth“ von 1912.

Die Ausstellung „Licht und Leinwand. Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert“ ist bis zum 9. September zu sehen. Das Germanische Nationalmuseum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog für 28 Euro.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
D-90402 Nürnberg

Telefon: +49 (0)911 – 13 31 0
Telefax: +49 (0)911 – 13 31 20

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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10.05.2018, Licht und Leinwand. Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert

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Eduard Schleich d.Ä., Aufziehendes Gewitter, 1850/55
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 Kalifengräbern in Cairo (Naturstudie), 1873/75
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