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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Malerei des 19. Jahrhunderts bei Ketterer in München listet bekannte Namen und einige unerwartet günstige Objekte

Der Anfang von Napoleons Fall



Albrecht Adam, Napoleon vor dem brennenden Smolensk, 1836

Albrecht Adam, Napoleon vor dem brennenden Smolensk, 1836

Da sitzt der siegreiche Napoleon auf seinem Schimmel vor dem brennenden Smolensk. Glücklich schaut er nicht drein. Denn was er mit der Eroberung der westrussischen Stadt am 18. August 1812 hinterlassen hat, sind doch nur Zerstörung und Tod. Einzig die auf einer Anhöhe thronende Kathedrale Mariä Entschlafung und die durch den Fluss Dnjepr abgetrennte Altstadt ragen unversehrt aus dem Feuer- und Rauchmeer heraus. So sah es jedenfalls Albrecht Adam, als er 1836 sein gedankenvolles Historiengemälde schuf. Das Geschehen hatte er 24 Jahre zuvor leibhaftig erlebt. Als Hofmaler von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais nahm Adam 1812 am Russlandfeldzug teil, dokumentierte die Ereignisse um die Schlachten in Zeichnungen und legte sie auch schriftlich in seiner Autobiografie nieder, die posthum 1886 veröffentlicht wurde. Will er in der stoischen Nachdenklichkeit Napoleons schon den weiteren Verlauf der Geschichte andeuten? In seiner Autobiografie sprach Adam jedenfalls über das Vorrücken der Grande Armée nach Moskau vom „Grabe von Napoleons Macht und Glanz“.


Das eindrückliche Schlachtengemälde ist nun das Hauptlos in der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ bei Ketterer in München. Angesichts der 145.000 Euro, die das Werk im Juli 2011 bei Neumeister erzielte, sind die jetzt anvisierten 100.000 bis 120.000 Euro nicht zu hoch angesetzt. Wem dies zu martialisch ist, kann am 18. Mai auf ein Werk von Heinrich Adam zurückgreifen. Der ein Jahr jüngere Bruder von Albrecht ließ 1841 seinen Blick vom Nordwesten über Esslingen am Neckar schweifen und straffte den spätgotischen Bau der Frauenkirche und die beiden markanten Türme der frühgotischen Stadtkirche St. Dionys zu einer idealen Ansicht zusammen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Indirekt tritt Eugène de Beauharnais ein zweites Mal auf und zwar in Gestalt seiner Gattin Auguste Amalia, Herzogin von Leuchtenberg. Um 1825 verewigte Josef Karl Stieler die gebürtige Prinzessin von Bayern im klassischen Dreiviertelprofil mit aufwendiger Goldhaube, Perlenschmuck, einem dunkelblauen perlenbesetzten Samtgewand und Hermelinpelz über der linken Schulter als charmante Frau (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Auch Stielers Neffe Friedrich Dürck, der unter anderem Unterricht bei seinem Onkel nahm, steuert ein Damenportrait bei. Er wurde 1835 ausgewählt, um Caroline Krafft, die feingliedrige Tochter des Nürnberger Kaufmanns und ersten deutschen Eisenbahnbetreibers Georg Zacharias Platner, ins rechte Licht zu rücken (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ebenfalls vor dunklen Hintergrund entwickelte Wilhelm Trübner 1876 ein Selbstbildnis im Halbprofil, das den 25jährigen im Schlaglicht mit forschem Blick zeigt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Zu Studienzwecken nahm Anselm Feuerbach um 1857/58 in seiner ersten Zeit in Rom den Kopf eines jungen Italieners mit dunklem Lockenschopf und Kinnbart, einem feinsinnig geschwungenen Mund und prägnanter Nase auf, der mit seinen runden Augen am Betrachter vorbei in die Ferne schaut (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Nicht geklärt ist die Identität des einsamen Wanderers mit langem schwarzem Mantel, der 1905 am Abend im Isartal Albert Weisgerber gegenüberstand. Laut Weisgerber-Spezialist Wilhelm Weber handelt es sich um den Maler Wirbser, vielleicht ein Mitglied der gleichnamigen Münchner Tischlerdynastie. Mehr Milieuschilderungen als Portraits sind Franz von Defreggers anmutige „Kleine Reisigsammlerinnen“ vor dem Wald von 1872 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Hermann Pleuers Reisende am „Stuttgarter Westbahnhof in der Abenddämmerung“ von 1899 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Friedrich Kallmorgen stellt uns in seinem „Sommernachmittag“ zwei junge Mädchen aus dem holländischen Dörfchen Rijsrood vor, die beim Wasserschöpfen am Bach kurz innehalten. Das zwischen Realismus und Impressionismus changierende Gemälde aus dem Jahr 1893 hatte Ketterer schon im vergangenen November für mindestens 18.000 Euro in Angebot, nun ist seine Schätzung auf 12.000 Euro reduziert. Günstiger ist mit 3.500 bis 4.500 Euro sein Blick auf die gotische Katharinenkirche in Hamburg von 1901 in starker Untersicht vom Wasser aus. Eine Stadtvedute liegt zudem mit Willem Koekkoeks holländischer Straßenflucht vor, die er um 1880 aus topografisch exakten Ansichten und erfundener Architektur samt Staffagefiguren pittoresk komponiert hat (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Als Hofmaler von Herzog Max Eugen von Leuchtenberg kam der Münchner Joseph Andreas Weiß 1839 nach St. Petersburg, wo er bis zum Tod seines Dienstherren im Jahr 1852 verblieb. Die russische Metropole wurde zu seinem bevorzugten Motivrepertoire. So komprimierte er auch noch 1866 in perspektivisch verdichteter Form die markanten Gebäude der St. Petersburger Admiralität, der Isaakskathedrale mit ihrer goldenen Kuppel, das eherne Reiterdenkmal Peters des Großen sowie die Zwillingsbauten von Synode und Senat zu einer winterlichen „Schlittenfahrt über die Newa“ (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Weiten Raum nimmt in der Auktion die Landschaftsmalerei ein, vor allem aus dem bayrischen Raum. Da gibt es etwa Adolf Liers weiten Blick über den Starnberger See von Pöcking aus mit kleiner Familie beim Sonntagsspaziergang von 1856/63 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), eine Christian Morgenstern zugeschriebene „Abendstimmung am Starnberger See“ in Nahansicht, Richard von Poschingers „Heuboot bei der Überfahrt“ um 1880 (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR) oder Josef Wengleins Panorama vom Simssee mit Hirte und Schafherde an einem klaren Vorfrühlingstag wohl um 1880 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Hoch in die Berge geht es mit Anton Braith und seinen Kälbern und Schafen, die schon von Wolken umringt sind (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), oder mit Edward Theodore Compton, der 1919 die Einsamkeit, aber auch die grandiose Weite der Berchtesgadener Alpen mit seinem „Hohen Göll vom Watzmann-Hocheck“ feiert (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Auch Heinrich Bürkel lokalisiert seine „Rast vor einem Gasthof“ zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den hohen Bergen und hat sie Genreelementen erzählerisch angereichert (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf südlichen Landschaften. Auf seiner ersten Italienreise zwischen 1838 und 1841 dokumentierte Gustav Friedrich Papperitz auch die archäologischen Stätten von Agrigent und nahm 1840 den auf einem Hügel thronenden Juno-Tempel in Froschperspektive auf (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Ebenso steinig ist die Gegend um die Ziegelhütten im Sabinergebirge von Valentin Ruths aus dem Jahr 1867 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Mit mehr Volk reicherte Oswald Achenbach um 1890 seine „Abendstimmung in den Albaner Bergen“ mit weitschweifenden Blick in die Ebene an (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), ebenso Carl Wuttke seine sonnenbeschienene „Prozession auf Capri“ von 1893 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Nach Korsika verschlug es Carl Maria Nicolaus Hummel, der 1871 die erste von mehreren Versionen seiner „Aussicht vom Col de Sorba bei Vivario mit Pinien“ malte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Als originärer Italiener tritt bei Ketterer Stefano Bruzzi an und schickt seine vier Mädchen bei der sommerlichen „Schafschur“ mit schneebedeckten Alpengipfeln am Horizont für 18.000 bis 24.000 Euro in die Auktion.

Mit der Kunst des Symbolismus neigt sich die Versteigerung ihrem Ende zu. Hier macht sich vor allem Franz von Stuck bemerkbar und fährt seine bekannte Bronzeskulptur der erotischen wie athletischen „Reitenden Amazone“ von 1897 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), das weiße Gipsrelief eines Panflöte blasenden Fauns um 1914/15 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und das dunkel-dräuende Ölgemälde „Forellenweiher“ von 1890 auf (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Sein Schweizer Kollege Adolf Frey-Moock steuert ein etwas geruhsames „Dionysisches Fest“ in antikischer Tempellandschaft um 1920 bei (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Ausdrucksstärker ist da Constantin Meuniers Bronzegruppe „Der verlorene Sohn“. Die beredte Gestik der beiden nackten Figuren von Vater und Sohn spiegelt Verlust, Hoffnung, Versöhnung und Zuneigung gleichermaßen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Hans am Endes fahler, fast monochrom grauer „Mondaufgang“ über einer Moorlandschaft von etwa 1900 nimmt unheimliche Züge an (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Freundlicher ist da Leo Putz’ impressionistisch angehauchter Frauenakt „Auf dem Sofa II (Gusti)“ von 1908 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), lustiger Théophile Alexandre Steinlens zeichnerische Karikatur einer ehrenwerten Familie beim „Kirchgang“ um 1900 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 18. Mai um 16 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft noch bis zum 17. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Online-Katalog listet die Objekte unter www.kettererkunst.de.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



16.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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18.05.2018, Kunst des 19. Jahrhunderts

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Ketterer

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Josef Karl Stieler, Auguste Amalia Prinzessin von
 Bayern. Herzogin von Leuchtenberg, um 1825
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Heinrich Bürkel, Rast vor einem Gasthof in den Bergen, um 1846/57
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Heinrich Adam, Blick auf Esslingen am Neckar, 1841
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Carl Maria Nicolaus Hummel, Aussicht vom Col de Sorba bei
 Vivario mit Pinien. Korsika, 1871
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Christian Morgenstern zugeschrieben, Abendstimmung am
 Starnberger See, um 1850/60
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Kunstwerk:

Albrecht Adam, Napoleon vor dem brennenden Smolensk, 1836
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Adolf Lier, Der Starnberger See von Pöcking aus gesehen, 1856/63

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Josef Karl Stieler, Auguste Amalia Prinzessin von Bayern. Herzogin von Leuchtenberg, um 1825

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Losnummer: 1

Richard von Poschinger, Heuboot bei der Überfahrt, um 1880

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Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

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Carl Maria Nicolaus Hummel, Aussicht vom Col de Sorba bei Vivario mit Pinien. Korsika, 1871

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Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

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Heinrich Bürkel, Rast vor einem Gasthof in den Bergen, um 1846/57

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Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Losnummer: 6

Franz von Defregger, Die kleinen Reisigsammlerinnen, 1872

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Heinrich Adam, Blick auf Esslingen am Neckar, 1841

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Friedrich Dürck, Bildnis Caroline Krafft, geb. Platner, 1835

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Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

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Gustav Friedrich Papperitz, Blick auf den Juno-Tempel in Agrigent, 1840

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