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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Aus Kardinals Kunstbesitz: Lempertz versteigert bei der „Alten Kunst“ in Köln Werke aus der Sammlung von Joachim Meisner

Tempus fugit, tempus stat



Johannes Bosschaert, Stillleben mit Blüten und Blättern, Schmetterling und Eidechse, 1624

Johannes Bosschaert, Stillleben mit Blüten und Blättern, Schmetterling und Eidechse, 1624

Die Zeit ist ein eigenwilliges Ding. Mal galoppiert sie hinfort, mal kriecht sie mit der Geschwindigkeit einer Schnecke. Dieser eigenwillige Moment zeigt sich manchmal in Stillleben, etwa in verwelkten Blumen oder überreifem Obst. Der Verweis auf die Vergänglichkeit des Seins, ein im Barock beliebter Topos des Stilllebens, schwingt hier oftmals mit, wenn ihn nicht explizit ein menschlicher Schädel ausformuliert. Seit bisher 394 Jahren sind die prächtigen Blumen in einer Glasvase samt Eidechse und Schmetterling von Johannes Bosschaert verewigt. 1624 malte der Holländer dieses feine Werk, das für die einzelnen verwelkenden Blumen sozusagen in einer künstlerischen Zeitschlaufe existiert: Hier steht die Zeit still. Die farbleuchtende Arbeit sucht nun bei Lempertz in Köln in der Auktion „Alte Kunst“ für 200.000 bis 250.000 Euro einen neuen Freund der ruhenden Vergänglichkeit.


Den Sprung aus Holland nach Italien macht ein Gemälde Francesco Guardis. Es beschreitet als Capriccio den Grat zwischen erfundener und gebauter Architektur, die der Venezianer gekonnt und in atmosphärischer Dichte in Öl festhielt. Das vorliegende Exemplar von 1770/75 versammelt zwei Männer und einen Hund vor einer teils verfallenen Stadtkulisse, die von den Gebäude auf Venedig inspiriert ist (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR). Lempertz versteigert am 16. Mai auch Werke des 19. Jahrhunderts. Hier ist das Frauenbild „La Soubrette“ von Eva Gonzalès, einer Schülerin Edouard Manets, das teuerste Objekt. Die jung verstorbene Künstlerin bezaubert in diesem Werk mit einer nachdenklichen Brünetten in einem weißen Kleid mit roten Streifen. Sie hält ein auffälliges blaues Band in Händen, das vielleicht ihre Kontemplation einleitete. Ein Staubwedel liegt vergessen auf einem Stuhl inmitten des schönen Zimmers mit grüner Landschaftstapete. Hier stehen 120.000 bis 140.000 Euro auf dem Etikett.

Religiöse und profane Figurenbilder bei der Alte Kunst

Die Auktion startet mit religiöser Kunst der Gotik, etwa mit einem Klappaltar des Maestro di Tobia. Der um 1350/70 in Florenz tätige Maler hat in der Mitteltafel die thronende Madonna mit Heiligen zu einer sacra conversazione vereint und ihr auf den Seitenflügeln die Verkündigung, die Kreuzigung und weitere Heilige beigesellt. Das für den Hausgebrauch geschaffene Andachtsbild ist das prominenteste Stück aus der Sammlung des Kölner Kardinals Joachim Meisner, die Lempertz nun zugunsten der Kardinal-Meisner-Stiftung versteigert. Der im vergangenen Jahr verstorbene Kirchenmann hatte die mit 120.000 bis 160.000 Euro bewertete Tafel von der Kölner Künstlerin Hildegard Domizlaff geerbt. In die frühe italienische Malerei reiht sich ein zweiter, Álvaro Pires de Évora zugeschriebener Klappaltar mit zentraler Pietà und zwei heiligen Mönchen sowie einer Verkündigung Mariens auf den Seitenflügeln ein. Der um 1411 im Portugal geborene Künstler, der in der Toskana lebte, positioniert in der spitz zulaufenden Giebelzone des Mittelstücks zudem einen auferstandenen Christus (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR).

Eine melancholische Madonna hielt Adriaen Isenbrant dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts fest. Die Gottesmutter steht mit ihrem Sohn in einer Nische mit Renaissancearchitektur, die den Blick auf eine fruchtbare grüne Landschaft eröffnet. In der Bekrönung verweist der Engel mit dem Kreuz auf das Erlösungswerk des Heilands (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Um eine zentrale Pietà ordnete um 1620 Frans Francken II. die vier Evangelisten und Szenen aus dem Alten Testament. Der Antwerpener Maler nutzt für den Rahmen Grisaillen, damit sie nicht von der zentralen farbigen Beweinung ablenken (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Nach so viel Trauer erfreut die liebevolle Hingabe zwischen der Jungfrau und dem Jesusknaben aus der Hand Adam van Noorts. Der Lehrer Peter Paul Rubens’ hüllt Maria in ein einfaches hellrotes Kleid mit weißem Schal, im Hintergrund führt Joseph den Esel durch eine offene Turmkonstruktion fort (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). In der Welt der römischen Mythologie bewegt sich Johann Carl Loth mit seinem „Schlafenden Bacchus“ von 1670/75. Auf dem barocken Werk in Erdtönen und kräftigem Helldunkel döst der trunkene Weingott nach einem Zechgelage über seinem großen reliefierten Weinkrug (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Wie für Jusepe de Ribera charakteristisch, hat er um 1640 seinen gen Himmel blickenden „Heiligen Franz von Paola“, der ein Blatt mit der Aufschrift „Charitas“ als Verweis auf das Motto seines Ordens in Händen hält, kaum idealisiert wiedergegeben. Dramatisches Schlaglicht definiert das Konterfei vor dunklem Grund. Die rauen Hände, die tiefen Stirnfalten, die hohen und scharfen Wangenknochen, die lange schmale Nase und die geröteten Augen bilden ein ausdrucksstarkes Individuum (Taxe 100.000 bis 140.000 EUR). Ähnlichen Pfaden folgte rund hundert Jahre später Giovanni Battista Piazzetta in seiner Interpretation des Heiligen aus seiner Serie der „Teste“. Der Venezianer konzentriert sich bei seinem Franz von Paola ganz auf das erhobene Antlitz des alten Mannes, der mit verschränkten Händen ergeben in ein überirdisches Licht schaut (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Mit Meisner-Provenienz tritt zudem eine bewegt gestaltete Enthauptung Johannes des Täufers von Franz Anton Maulbertsch für 15.000 bis 18.000 Euro an.

Landschaft

Simon de Vlieger war unter anderem für seine Seelandschaften bekannt und offeriert bei Lempertz nun mit den „Ankernden Schiffen vor einem Deich“ ein treffliches Exemplar dieser Gattung. Der tiefe Horizont mit einem silbrig-grauen Himmel in diffusem Licht und stille See, die einige Segler befahren, verleihen der Holztafel eine beruhigende Wirkung (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Wieder auf festem sicherem Boden bewegt sich Jacob Salomonsz van Ruysdael mit seiner „Baumreichen Landschaft mit Hirten und Tieren“, in der große Hölzer mit weit ausgreifenden Kronen und feinem Blattwerk in den blauen Himmel mit weißen Wattewolken ragen (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Auch Jan Baptist Weenix hat 1656 seine südliche Gegend an Meeresstrand mit Hirten, Schafen und Ziegen und zudem noch mit einer kleinen ruinösen Kapelle und einem Stilllebenmotiv mit Gefäßen angereichert (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Eine Landschaft mit unscheinbarem religiösem Motiv bildet Pierre Patel d.Ä. in seiner Interpretation der „Flucht nach Ägypten“ ab. In der 1657 geschaffenen Arbeit zieht die heilige Familie an antiken, detailfreudig ausformulierten Ruinen vorbei, entlang einer sanft begrünten Flusslandschaft mit verblauten Hügeln in der Ferne. Dies ist wohl die erste von drei bekannten Versionen (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Stillleben und Genre

Pralle, saftige, rote und grüne Trauben leuchten in Peter Binoits Stillleben dem Betrachter in einer großen weißen Porzellanschale entgegen. Bereichernd fügte der Kölner Maler um 1619 noch Pfirsiche, eine aufgeschnittene Melone, Schneckenschalen und einen kecken Piepmatz hinzu (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Birnen, Äpfel, Quitten, Sanddorn und ein paar Pflaumen vereint Juan van der Hamen y León in einem geflochtenen Korb. Das Stillleben hat der Spanier so nah an den Betrachter gesetzt, dass es trotz seiner Schlichtheit einer gewissen monumentalen Wirkung nicht entbehrt. 2012 bei Lempertz schon einmal für netto 180.000 Euro zugeschlagen, sind nun vergleichsweise günstige 120.000 bis 160.000 Euro dafür angesetzt. Sein niederländische Kollege Gerrit Willemsz Heda distanziert seine Gegenstände vielmehr. Auf einem Tisch stehen ein irdener Krug, eine kostbare umgefallene Silbertazza und ein Weinglas, umgeben von Brot, Frisch und Butter. Heda arbeitet meisterlich die unterschiedlichen Oberflächentexturen dieser Mahlzeit heraus (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR).

Bei Jan Fris’ gedecktem Tisch mit Römer, Brot und Fischen auf zwei Platten von 1650 war schon ein Esser zugange (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Voll erblühte rote, weiße und gelbe Blumen in einer Glasvase verewigte David Cornelisz de Heem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Kennzeichnend für den niederländischen Maler sind die zurückhaltende Farbpalette und die harmonische Pyramidalkomposition der Pflanzen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Bunter und eher in einer Art asymmetrischen Welle ordnete Andrea Belvedere sein großes Blumenstillleben. Der Vertreter der neapolitanischen Malerei und Hofmaler Karls II. von Spanien positioniert die leuchtend weißen, violetten, roten, gelben und rosafarbenen Blüten von Päonien, Papageientulpen, Malven, Rittersporn, Iris und Kapuzinerkresse vor dunklen Bergen (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Etwas unauffällig ist der Titel „Musizierende Gesellschaft“ für Lumen van Portengens lustige Runde von drei Männern und drei Frauen wohl aus den 1630er Jahren. Die sehr offenherzige Kleidung der zwei singenden jungen Frauen lässt sie eher als Prostituierte identifizieren. Die alte Kupplerin blickt gerissen den Betrachter an und schenkt gerade Wein in ein Glas. Der dunkle Grund und die starke Seitenbeleuchtung verweisen auf den Einfluss Caravaggios (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Portrait

Joos van Cleve präsentiert uns einen in Grau und Schwarz gekleideten jungen Mann frontal mit grauem Hut vor dunkelgrünem Grund. Sein Blick ist ernst. Bei der halbrund geschlossenen Tafel aus der Zeit um 1509 handelt es sich wohl um das früheste Bildnis des späteren Hofmalers von Franz I. in Frankreich (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). In der Werkstatt Lucas Cranachs d.J. entstand 1561 ein Bildnis von Philipp Melanchthon. Der Reformator, der im Jahr zuvor gestorben war, zeigt sich hier in einem schwarzen weiten Mantel mit einem aufgeschlagenen Buch. Der lateinische Bildtext bietet eine kurze Biografie des Theologen (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Ein repräsentatives Herrscherbild schuf Giovanni Antonio Guardi 1746 von „Ferdinand VI. von Spanien“, der im selben Jahr den Thron bestieg. Bildbeherrschend sind der rote Mantel und der blaue Umhang des Fürsten, der demonstrativ einen Herrscherstab in der Rechten hält und gebieterisch mit einem etwas teigigen Gesicht aus dem Bild blickt (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR).

Ergiebiger sind da malerisch etwa Karel Dujardins wohlhabender kultivierter Mann in eleganter Robe aus den 1660er Jahren (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Niccolò Cassanas älterer bärtiger Admiral, der sich auf seinen Kommandostab stützt (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), oder ein sitzender vornehmer Herr im Brokatrock, Pelzmantel und -mütze samt Hund, der Johann Kupezky zugeschrieben wird (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Die holde Weiblichkeit kommt dann mit dem Konterfei einer adeligen Dame im karmesinroten Kleid und Fächer von Johann Heinrich Tischbein d.Ä. zum Zug (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Noch anmutiger strahlt eine junge Frau im klassizistischen Bildnis seines Neffen Johann Friedrich August Tischbein von 1798 auf (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR).

Plastische Arbeiten

Mehrere gotische Elfenbeinreliefs aus Frankreich bereichern die Auktion, darunter die elegante Ausführung einer Madonna mit den Heiligen Katharina und Johannes dem Täufer unter Spitzbogen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). In britische Gebiete entführt eine Anbetung der Könige aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das stark erhabene Relief in Alabaster aus Nottingham zeigt, wie einer von vier Königen dem neugeborenen Jesuskind einen Pokal übergibt (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Die Sicherheit einer Schutzmantelmadonna gewährt eine bemalte und teilvergoldete Holzarbeit wohl aus dem mitteldeutschen Raum vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die auf leichte Untersicht kalkulierte und bekrönte Maria öffnet ihren Mantel mit der Hilfe zweier Engel (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

In warmem Rotbraun schimmert der filigran und holzsichtig gearbeitete „Heilige Adrianus“ aus der Werkstatt von Dries Holthuys um 1490/1510. Dem Heiligen in Soldatenrüstung sind seine Attribute Amboss und Löwe beigegeben (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). In einer farbigen Fassung ist der berittene „Heilige Martin“ erhalten, der gerade seinen Mantel für den Bettler geteilt hat. Die wohl flämische Arbeit vom Anfang des 16. Jahrhunderts soll 8.000 bis 10.000 Euro einspielen. Ruhe strömt auch eine elegante weibliche Heilige aus dem süddeutschen Raum von etwa 1510/20 aus (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Wahrscheinlich aus niederrheinischen Gefilden stammt die um 1530 datierte Schnitzarbeit „Christus und die zwölf Apostel“. Die Figuren sitzen in einer über dreieinhalb Meter langen Arkadenreihe, mittig ist der Salvator Mundi samt Weltenkugel zu sehen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Die Landschaft im 19. Jahrhundert

Jakob Philipp Hackert entführt in seinem Gemälde von 1804 den Betrachter in das Arnotal mit Fiesole im Hintergrund. Die toskanische Landschaft bevölkert der Maler mit einer Kuhherde und Hirten. Ein großer Baum zur Linken und Bergausläufe zur Rechten rahmen den idealisierten Blick (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). 10.000 Euro günstiger liegt der Schätzpreis für Hackerts ein Jahr jüngere „Ansicht von Maddaloni“. Die Kompositionen ähneln sich, wenn auch hier eine Flusslandschaft der Campagna mit sanften grünen Hügeln zu sehen ist. Beide Gemälde gab Sir John Francis Edward Acton bei seinem Freund Hackert in Auftrag. Beinahe als abstrakte Farbflächen könnte Carl Rottmanns „Morgensonne über dem Meer“ bezeichnet werden. Das Gemälde aus dem Spätwerk mit tiefem Horizont präsentiert eine Bucht, deren dunkle Felsen geringfügig in die Farbstimmung ragen. Dominant sind das strahlende Blau des Meeres und des Himmels sowie das Weiß der Wolken, die zu einer Einheit verschmelzen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Schlicht erscheint Carl Gustav Carus’ „Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein“. Der Maler favorisierte dieses Licht, das seiner Meinung nach die Seele und den Geist berührt. Die kleinen Türen des Tores sind leicht geöffnet und scheinen, zu einem nächtlichen Besuch der Kirche einzuladen. Wie Rottmanns Morgensonne wird auch dieses Werk zugunsten der Kölner Kardinal-Meisner-Stiftung versteigert (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Die Faszination der Antike und ihrer Ruinen hielt Vincenzo Giovannini mehrfach in seinen Veduten fest, so auch in der Ansicht des „Forum Romanum“. Die reiche Wiedergabe der Details in der Architektur, etwa in den kannelierten korinthischen und den schlichteren ionischen Säulen, kontrastiert mit der umliegenden, eher summarisch aufgefassten Architektur Roms im warmen Sonnenlicht (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Italiensehnsucht lebt auch in August Wilhelm Julius Ahlborns „Bucht von Neapel mit Blick auf den Vesuv“ und einigen Mönchen im Vordergrund von 1836 (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR), Johann Nepomuk Schödlbergers „Norditalienischer Landschaft mit heimkehrenden Bauern und Rastenden“ von 1832 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), Wilhelm Brückes Talsenke am Golf von Salerno mit Landbevölkerung aus dem Jahr 1860 (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR) oder in Ludwig Mecklenburgs venezianischer Abendstimmung mit Booten, Dogenpalast und Santa Maria della Salute von 1862 auf (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Markante Motive verewigten zudem Ernst Fries in seinen „Wasserfällen von Tivoli mit dem Ponte Lupo und dem Vesta- und Sibyllentempel“ (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR) und Albert Flamm in seiner „Via Appia“, deren Panorama in der Ferne auf die Kuppel des Petersdoms zusteuert (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Weiter weg in osmanische Gefilde zog es Johann Michael Wittmer in seiner geruhsamen „Orientalischen Szene in Smyrna“ von 1833 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) und Félix Ziem in seiner impressionistischen diesigen Lichtstimmung über Istanbul und dem Bosporus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Portrait, Genre und Skulptur

Beinahe erschreckt blickt die junge Frau mit großen runden Augen aus Sir William Beecheys Bildnis von 1824. Zu sehen ist wohl Miss Lucy Lowndes in einem weißen Seidenkleid samt Haube vor einer flüchtig gemalten Baumlandschaft mit Abendhimmel. Ein warmer weinroter Schal liegt locker um die Schultern der Tochter des Londoner Kaufmanns Thomas Lowndes (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Selbstsicherer mit außergewöhnlichem Hut in Form einer Scheibe gibt sich wohl Alwina Agnes Clementine Bohlen. Der Amerikaner Thomas Sully, der unter anderem an der Royal Academy in London studierte, stellt die Brünette in gelbem Kleid aus der weit verzweigten Sippe der von Bohlen und Halbach um 1830 vor einen farbenreichen Hintergrund (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Eine ernste Miene mit nachdenklichem Blick charakterisiert das „Bildnis eines jungen Bildhauers“ aus der Hand Orest Adamovich Kiprenskys von 1830, der bereits mit sechs Jahren in das Internat der St. Petersburger Kunstakademie aufgenommen wurde. In diesem Gemälde trägt der blonde Bildhauer ein rotes Kopftuch und hüllt sich in seinen dunkelblauen, mit Pelz besetzten Mantel. Seine rechte Hand ruht mit Hammer und Meißel auf einer antikisch wirkenden Büste (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR).

Ein lockerer Pinselstrich und starke Kontraste in hellem Goldgelb und Lindgrün vor dunklem Grund definieren Franz von Lenbachs „Portrait der Marion Lenbach“ von 1899. Die Locken der Kleinen mit auffälliger großer Seidenschlaufe fallen ihr in das blasse Gesicht. Wie eine kleine Erwachsene blickt das Mädchen ernsthaft und ruhig aus dem Bild (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Strenger Ernst kennzeichnet zudem Adolph von Menzels Kreide- und Grafitskizzen einer Frau in Mantel und Hut von 1894 (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR) sowie eines bärtigen Mann im Halbprofil von 1891 (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR). Als Bildhauer treten der Belgier Joseph Geefs mit seiner märchenhaften Figurengruppe „Der junge Fischer und die Sirene“ aus weißem Carrara-Marmor von 1874 für 25.000 bis 30.000 Euro und Adolf von Hildebrand mit seinem von der italienischen Kunst inspirierten nackten Paar auf dem Terrakottarelief „Werbung“ für 30.000 bis 40.000 Euro an.

Die konzentrierte Spannung eines Kindes weiß Friedrich Eduard Meyerheim in der sympathischen Darstellung „Der Geburtstagskorb“ einzufangen. Das blonde Mädchen in dunkler Tracht mit roter Schürze zieht behutsam seine Geschenke aus dem Korb. Ein bereits gedeckter Tisch wartet mit dem Geburtstagskuchen auf die Kleine. Das ausgeführte Ölgemälde samt dazugehöriger Ölstudie gibt es bei Lempertz für 18.000 bis 25.000 Euro. Ein belustigendes Genrebild hielt Jakob Becker 1839 mit dem „Odenthaler Bauernpaar in Tracht auf dem Heimweg von der Kirmes“ fest. Den staubig ockerfarbenen Weg folgend, lüpft der angeheiterte junge Mann seinen Hut, während seine junge Frau ihn mit kritischem Blick am linken Arm stützen muss (Taxe 28.000 bis 35.000 EUR). Humor charakterisiert auch Carl Spitzweg, der in der Auktion mit einer Studie von zwölf Grotesken (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und der Zeichnung „Zechende Bauern“ vorstellig wird (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).

Die Auktion am 16. Mai um 11 Uhr. Die Besichtigung ist noch bis zum 15. Mai zu unterschiedlichen Zeiten möglich. Der Internetkatalog listet die Kunstwerke unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



14.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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