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Per Kirkeby gestorben

Per Kirkeby, Backsteinskulptur für Recklinghausen, 1996

Per Kirkeby ist tot. Der dänische Maler, Grafiker und Bildhauer starb am Mittwoch in seiner Heimatstadt Kopenhagen. Er wurde 79 Jahre alt. Kirkeby galt als einer der wichtigsten Vertreter der dänischen Gegenwartskunst und war international für seine von der Natur inspirierten, abstrakten Gemälde und seine architektonisch aufgebauten Backsteinskulpturen bekannt, die auch auf etlichen öffentlichen Plätzen in Deutschland stehen.

Per Kirkeby, der am 1. September 1938 in Kopenhagen zur Welt kam, studierte von 1957 bis 1964 zunächst Geologie an der Universität in Kopenhagen, bevor er der von Poul Gernes und Troels Andersen neu gegründeten Künstlergruppe „Den Eksperimenterende Kunstskole“ beitrat. Dort beschäftigte sich Kirkeby mit grafischen Arbeiten, Collagen aus Modezeitschriften im Gestus der Pop Art, 8-mm-Filmen und Installationen und fand schließlich zu einer Bildsprache, die facettenreich und in verschiedenen künstlerischen Medien um Metamorphosen der Natur kreist. Expeditionen führten ihn nach Grönland, zu den Maya-Kulturen nach Mittelamerika oder in die Arktis. Die dortigen Erlebnisse schlugen sich in seiner Kunst nieder.

Obwohl das primäre Thema des ausgebildeten Naturwissenschaftlers die Natur und er vorrangig Maler war, beteiligte er sich an den Happenings der 1960er Jahre und arbeitete mit Künstlern wie Joseph Beuys, Henning Christiansen, Nam June Paik und Charlotte Moorman zusammen. In seinem malerischen Werk lassen sich Landschaften, Himmel, Bäume, Flüsse, Naturerscheinungen wie Gewitter und Lichtstimmungen erahnen. Seine Gemälde kommen geologischen Landkarten mit ästhetischem Anspruch gleich. In seinen Erinnerungen hatten sich Gebilde festgesetzt, die Kirkeby in übereinander liegenden und zerfließenden Malschichten oft in hoher Farbdichte und kraftvoller Gestik auf die Leinwand projizierte.

Daneben schuf Per Kirkeby seit Mitte der 1960er Jahre seine monolithischen Backsteinskulpturen, die auf die Sprache der Architektur zurückgreifen. 1973 vollendete er in Ikast auf Jütland eine dieser Backsteinwerke in Gestalt eines kleinen begehbaren Hauses. Auch sein Beitrag für die Skulptur Projekte in Münster von 1987, seine Kunstmauer vor dem Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main von 1996 oder die gleichaltrige sechsbogige Skulptur am Lohtor in Recklinghausen arbeiten mit Versatzstücken aus der Baukunst. Schließlich entwarf Kirkeby auch mehrere Gebäude, etwa für die Stiftung Insel Hombroich. Auch mit der Material Bronze hatte er sich seit etwa 1980 beschäftigt, dabei nahm er thematisch aber wieder mehr den Bezug zur Natur und den Menschen auf.

Seine Werke waren etwa in der Tate Modern in London, im Museum of Modern Art und im Metropolitan Museum in New York, im Ludwig Museum in Köln, im Shanghai Zendai Museum of Modern Art oder im Centre Pompidou in Paris und vor allem in zahlreichen Museen seines Heimatlandes zu sehen. Außerdem nahm Per Kirkeby an den wichtigsten großen Kunstschauen teil, so an der Documenta in den Jahren 1982 und 1992, mehrfach an der Biennale in Venedig oder 1994 an der Biennale in São Paulo. 1978 wurde er als Professor an die Kunstakademie Karlsruhe berufen, von 1989 bis 2000 lehrte er in selber Funktion an der Städelschule in Frankfurt am Main. Zudem erhielt Per Kirkeby zahlreiche Auszeichnungen so 1987 die Thorvaldsen Medaillen, 1990 den Kunstpreis der Nord/LB und die Prins Eugens Medalje, 1996 den Coutts Contemporary Art Foundation Award und den Henrik-Steffens-Preis der Alfred Toepfer Stiftung oder 2003 den Herbert-Boeckl-Preis.


11.05.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Per Kirkeby, Backsteinskulptur für Recklinghausen, 1996
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