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Stern-Gemälde bleibt Weinsberg erhalten

Gerrit Claesz Bleker, Weiber von Weinsberg, 1624

Weinsberg hat ein Raubkunst-Gemälde aus der Sammlung des jüdischen Kunsthändlers Max Stern an dessen Erben restituiert und wieder aufgekauft. Somit bleibt das für das dortige Weibertreu-Museum bedeutende Kunstobjekt des niederländischen Barockmalers Gerrit Claesz Bleker der nordwürttembergischen Stadt erhalten. Den Ankauf des für die Stadtgeschichte wichtigen Schlüsselwerks aus dem Jahr 1624 finanzierten die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Kunststiftung der Kreissparkasse Heilbronn, die Stiftung Würth und die Firma Vollert Anlagenbau.

Auf Blekers Gemälde spielt sich eine mittelalterliche Szene aus dem Jahr 1140 ab. Nach langer Belagerung war es dem deutschen König Konrad III. gelungen, die Burg Weinsberg nahe Heilbronn zur Kapitulation zu zwingen. Den Frauen der Besiegten gestattete er, ihr teuerstes Hab und Gut, sofern sie es nur tragen konnten, mit sich zu nehmen. Doch nicht etwa Gold und Silber, sondern ihre dem Tod geweihten Männer schleppten die Frauen huckepack am König vorbei. Als mittelalterliche Tugendlegende verbildlicht Bleker in seinem Gemälde „Die Weiber von Weinsberg“ den Triumph der weiblichen Loyalität und List gegenüber männlicher Kriegsgewalt. Zugleich propagiert das Historienbild die vorbildliche Verhaltensweise eines Herrschers: Konrad III. hielt sein Versprechen und ließ die Männer frei.

Das Kunstwerk gehört seit 1968 der Stadt Weinsberg und hängt seit 1985 im Weibertreu-Museum. Im Jahr 2015 erhoben die Erben Sterns, die McGill University und die Concordia University in Montreal sowie die Hebrew University in Jerusalem, die gemeinsam das „Max Stern Art Restitution Project“ initiiert haben, einen Anspruch auf Blekers Gemälde. 1937 war es nachweislich noch im Besitz der Düsseldorfer Kunsthandlung von Max Stern gewesen, der das Familiengeschäft 1934 übernommen hatte. Bereits im folgenden Jahr erhielt er ein Schreiben der Reichskammer der bildenden Künste, das ihm die weitere Ausführung seines Berufs untersagte. Vor seiner Emigration, die Max Stern schließlich nach Kanada führte, musste er großen Teil seines Warenbestandes verkaufen, um die Reichsfluchtsteuer zu bezahlen. Seit 2002 engagiert sich das „Max Stern Art Restitution Project“ um die Wiederauffindung und Restitution von rund 400 Kunstwerken aus seinem ehemaligen Besitz.

Eigentlich sollte die Restitution von Blekers Bild im Herbst in Düsseldorf stattfinden. Doch die Stadt sagte eine geplante Ausstellung über Leben und Tätigkeit Sterns im vergangenen November ab und machte dafür die aktuellen Auskunfts- und Restitutionsgesuche in deutschen Museen verantwortlich, die im Zusammenhang mit der einstigen Galerie von Max Stern stehen. Ronald S. Lauder, Vorsitzender der Commission for Art Recovery und Präsident des Jüdischen Weltkongress, kritisierte daher erneut die Haltung Düsseldorfs und sagte: „Die Rückgabe des Bildes ‚Die Weiber von Weinsberg‘ beweist, dass faire und gerechte Lösungen möglich sind, wenn alle beteiligten Parteien zur Zusammenarbeit bereit sind. In jüngster Zeit hat das Max Stern Art Restitution Project nicht überall in Deutschland die Unterstützung erhalten, die es hätte erhalten sollen – das gilt insbesondere für die Stadt Düsseldorf, die die Arbeit des Max Stern Art Restitution Project nicht mit dem gebotenen Respekt behandelt hat. Das muss sich umgehend ändern.“


07.05.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Gerrit Claesz Bleker, Weiber von Weinsberg, 1624
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