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Polnisches Künstlerduo KwieKulik in Karlsruhe

Der Badische Kunstverein widmet dem polnischen Künstlerduo KwieKulik die erste Retrospektive in Deutschland. Die Karlsruher Schau „She and He“ ist der erste Teil der vier Ausstellungsblöcke zur Feier des 200jährigen Bestehens eines der ältesten Kunstvereine der BRD. Zwischen 1971 und 1987 arbeiteten Zofia Kulik und ihr damaliger Partner Przemyslaw Kwiek als „KwieKulik“ zusammen. Bereits während ihres Kunststudiums an der Warschauer Kunstakademie entwickelten sie radikale und interdisziplinäre Methoden innerhalb der existierenden kulturellen und politischen Prozesse im sozialistischen System. Für ihre Kunst, die in Filmen, Fotografien, Installationen, Skulptur und vor allem Performances ihren Ausdruck fand, prägte das Duo den Begriff der „Aktivitäten“. Da ihre Projekte oftmals einen ephemeren und laborhaften Charakter besitzen, ist die Schau dokumentarisch angelegt, versucht aber zugleich den jüngeren, mehr bildorientierten Arbeiten der 1980er Jahre gerecht zu werden. Neben frühen Arbeiten aus der individuellen Praxis Zofia Kuliks und Przemyslaw Kwieks gibt sie einen Einblick auf die diversen Stationen von KwieKulik, darunter mit der wichtigen Fotoserie „Activities with Dobromierz“ von 1972/74. Zwei aktuelle Videoarbeiten Zofia Kuliks sind ebenfalls in die Ausstellung integriert.

KwieKulik entwickelten eine eigene performative Strategie, die von der Theorie der „Open Form“ des Architekten Oskar Hansen und den Übungen von Jerzy Jarnuszkiewicz beeinflusst war, die beide an der Warschauer Akademie unterrichteten. Das Künstlerpaar interessierte sich für die Entstehung neuer, ephemerer und prozessorientierten Medien und Materialien, die seinem künstlerischen und politischen Denken entsprachen. Dabei wandten sie sich ebenso den Errungenschaften wissenschaftlicher Methoden in Mathematik, Kybernetik und Praxeologie zu, der Lehre vom menschlichen Handeln. KwieKulik trennten Politik und Kunst nicht voneinander und suchten nach einer radikalen Neuinterpretation der Rolle des Kunstschaffenden in der Gesellschaft, so die Kuratorin Anja Casser. Die künstlerische und private Existenz des Paares wurde zum Modell einer fortlaufenden politischen Aktion.

Ihre Kunst sucht kollektive Prozesse und die Autorschaft wird zugunsten der Gemeinschaftlichkeit aufgegeben: Spiele, Gruppen- und Interaktionen sind nur einige der künstlerisch-pädagogischen Mittel, die KwieKulik seit den frühen 1970er Jahren anwandten, um Teilnehmer in ihre Arbeit einzubeziehen und unbegrenzte Kommunikation zu ermöglichen, so etwa in „Excusion“ von 1970 oder in der Werkgruppe „Visual Games“. Um ihren neuen Methoden einen Namen zu geben entwickelten die Künstler eine eigene Terminologie. So versteh sich „Parasitic Art“ als Aktion mit Arbeitern anderer Künstler; „Consciously Bad Art“ widmet sich der Aufgabe, bewusst schlechte Werke herzustellen. In den 1980er Jahren begannen Zofia Kulik und Przemyslaw Kwiek ihre Rollen als genauer und unabhängiger voneinander zu definieren. Ihre Arbeiten sind nun weniger improvisiert und spontan, dafür aber bildhafter und nach genaueren Vorgaben geschaffen.

KwieKulik eröffnete 1974 einen eigenen Kunstraum in ihrer Warschauer Wohnung. Dieses PDDIU, Studio of Activities, Documentation and Propagation, lud zu regelmäßigen öffentlichen Treffen ein, um Kunst zu zeigen und zu diskutieren. Hieraus resultierte das spätere KwieKulik-Archiv mit seinen Fotografien, Dias, Filmmaterial, Texten, Zeichnungen und Drucken. Die Schau möchte nicht nur den Versuch der Kontextualisierung unternehmen, sondern fragt auch nach den gegenwärtigen und zukünftigen Möglichkeiten eines Umgangs mit diesem und weiteren künstlerischen Archiven.

Die Ausstellung „KwieKulik. She and He“ läuft bis zum 1. Juli. Der Badische Kunstverein hat dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro; freitags ab 14 Uhr ist er frei.

Badischer Kunstverein
Waldstraße 3
D-76133 Karlsruhe

Telefon: +49 (0)721 – 28 226
Telefax: +49 (0)721 – 29 773

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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