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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Andreas Sturies hat für seine kommende Auktion eine interessante Auswahl an moderner und zeitgenössischer Kunst zusammengestellt, die auch die kleinen Preise nicht scheut

Die Schokoladenfraktion



Dieter Roth, Ohne Titel (Schokoladenmeer), 1973

Dieter Roth, Ohne Titel (Schokoladenmeer), 1973

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Künstler aus ihrem angestammten Terrain ausbrechen, nicht mehr nur Farbe auf Leinwand aufbringen, zu klassischen Drucktechniken greifen oder aus Holz, Stein oder Bronze ihre Skulpturen fertigen. In seiner Leidenschaft für Verwesung und Verfall griff Dieter Roth zu Lebensmitteln als Basismaterial seiner Kunst. Ab Mitte der 1960er Jahren machten sich auf seinen „Schimmelbildern“ Käse, Wurst, Gewürze, Bananen, Sauermilch, Kakao und andere organische Stoffe breit. Zersetzung und Zerfall kalkulierte Roth als Konstanten seiner Vanitas-Kunstwerke ein. Auch die Schokolade gehörte zu seinen bevorzugten Substanzen. Er fertigte daraus etwa 1969 das ironische Selbstportrait „Löwenselbst“, presste 1970 im „Lauf der Welt“ einen Schokoosterhasen und -nikolaus platt oder versenkte schon einmal einen Gartenzwerg in einer Schokoladensäule. 1973 bestrich Roth zudem den unteren Teil einer Postkarte mit Schokolade, die nun bei Andreas Sturies für 5.000 Euro zu haben ist. Der Düsseldorfer Auktionator erklärt in seinem Katalogtext dazu genüsslich: „Prachtvolle Postkarte mit einer Ansicht des schweizerischen Zugerberges oberhalb eines bedrohlich ansteigenden Schokoladenmeeres, dessen Masse mit offenkundigem Vergnügen an der katastrophischen Dramatik des Geschehens verstrichen ist.“


Aber nicht nur Roth interessierte sich in jenen Jahren für diese Süßigkeit, auch Joseph Beuys fand für sie Verwendung: 1966 applizierte er eine abgebrochene Schokoladentafel auf seiner Schriftcollage „Zwei Fräulein mit leuchtendem Brot“. Sie gehört zum fünften Band der von Wolf Vostell herausgegebenen Reihe „Décollage“ mit Beiträgen zur frühen Fluxuskunst und liegt bei Andreas Sturies in der vollständigen Mappe mit Editionen anderer Künstler, etwa von Ben Vautier, Ludwig Gosewitz, Allan Kaprow, Franz Mon oder Gerhard Rühm, für 10.000 Euro vor. Sowohl Dieter Roth als auch Joseph Beuys beteiligen sich am Auktionsgeschehen mit weiteren Multiples oder Grafiken, Roth etwa noch mit seinem „Motorradfahrer“ von 1969, einem mit Acrylfarbe übergossenen Blechspielzeug (Taxe 5.000 EUR), der gleichaltrigen „Kleinen Landschaft“ mit zwei Schmelzkäsescheiben auf Sandpappe (Taxe 2.500 EUR) oder dem „Selbstportrait“, für das er ebenfalls 1969 einen großen runden Schokoladenfleck auf einer Hartfaserplatte anlegte (Taxe 1.500 EUR). Beuys steuert unter anderem noch die fünf „Fettbriefe“ von 1973 (Taxe 1.500 EUR), die „Magnetische Postkarte“ von 1975 (Taxe 800 EUR) oder die vier skripturalen Aquatintaradierungen „L’Arte è una Zanzara dalle mille Ali“ von 1981 bei (Taxe 4.000 EUR).

Die Klassiker

Das älteste Werk der Versteigerung gehört noch zum deutschen Impressionismus. Um 1890 schuf Max Liebermann mit schnellen Tuschestrichen auf der Rückseite eines Briefes eine kleine holländische Landschaft, deren Reiz im Ausschnitthaften begründet liegt (Taxe 2.500 EUR). Es folgt das frühe 20. Jahrhundert, etwa mit August Mackes lyrischem Linolschnitt „Begrüßung“ von 1912, auf dem ein Reiter in der Natur drei Akten entgegenwinkt (Taxe 2.000 EUR), oder Heinrich Nauens kristallinen Formen auf der Radierung „Park am Morgen“ von 1919 (Taxe 500 EUR). Auch auf Otto Pankoks Blatt „Mühle I“ von 1922 scheint die Welt ein wenig aus den Fugen geraten zu sein (Taxe 1.000 EUR). In lockerer Malweise und intensiver Farbigkeit gab Oswald Petersen 1934 den Blick von einem Innenraum auf eine von südlicher Sonne beschienene Terrasse frei (Taxe 3.000 EUR).

Aus ineinander liegenden Zirkelkreisen konstruierte Johannes Molzahn 1930 auf einer Kohlezeichnung seine maschinenartige „Frau mit Kamm“ (Taxe 6.000 EUR). Skulptural wird es mit zwei weiblichen Bronzegestalten in expressiver Disproportionalität und eigenwilliger Haltung von Otto Coester aus der Mitte der 1920er Jahre (Taxe 1.500 und 1.000 EUR). Als Fotograf macht August Sander auf sich aufmerksam und schickt das bekannte und bewegende Menschenbild „Arbeitslos, Köln 1928“ in die Auktion. Der Vintage aus dem Besitz Heinz Dickmanns soll 5.000 Euro einspielen. Den Wuppertaler Architekten lichtete Sander ebenfalls ab und fertigte 1950/51 zwei Silbergelatineabzüge des gediegen gekleideten Mannes vor kahlem Buschwerk in veränderten Bildausschnitten und unterschiedlichen Kontrasten (Taxe je 2.000 EUR).

Als Alterswerk tritt Karl Schmidt-Rottluffs Früchtestillleben in schwarzer Tusche und leuchtenden Pastellfarben aus den 1950er Jahren an (Taxe 6.000 EUR). In diesem frühen Angebot hat sich auch eines der Highlights der Auktion versteckt: „Elle et Lui sous le Pont“ von Wols aus dem Jahr 1938. Auf der aquarellierten Tuschezeichnung agiert der Deutschfranzose noch mit figurativen Elementen. Doch die erzählerisch eingesetzten Surrealismen beginnen sich aufzulösen. So bleibt der Hintergrund mit den Andeutungen eines Hauses und eines Schiffmastes zwar noch gegenständlich lesbar, aber die beiden vor einer Steinbrücke mit ebenso großer Sicherheit wie erkennbarer Belustigung ausgearbeiteten Hauptfiguren sind als selbständige Formen kaum mehr identifizierbar. Hierfür hat Andreas Sturies vergleichsweise günstige 20.000 Euro angesetzt. In die unmittelbare Nachkriegszeit datieren Carl Buchheisters Aquarell „Komposition graziöse Form“ von 1949 mit zentralem Tropfenelement und César Domelas titellose Temperamalerei mit Kreissegment und frei schwingendem Liniengeflecht von 1952 (Taxe je 2.000 EUR).

Wohin geht die Kunst?

Dann macht sich auch schon die Vielfalt der jüngeren Kunstproduktion breit. Als Vertreter des Action Painting weist sich Sam Francis mit mehreren farbigen Lithografien aus, auf denen er bunte Farbspritzer arrangiert, etwa mit einem Blatt aus der Serie „An 8 Set“ von 1963 (Taxe 2.000 EUR) oder mit „Silver Line“ von 1969, auf der sich eine Trapezstruktur in gedeckterem Kolorit ablesen lässt (Taxe 2.500 EUR). Der Belgier Jef Verheyen stand der ZERO-Bewegung nahe, was sein kreisrunder Tondo mit einem Farbverlauf in dominierendem Graublau mit Abtönungen in Gelb und Rosa um 1965 auch deutlich macht (Taxe 12.000 EUR). In Belgien bleibt es dem Verleger Izi Fiszman. In den 1970er Jahren wollte er die linksgerichteten Ideen von Jean-Claude Garot unterstützen und lud dazu auch Christo ein, der dafür 1977 die kämpferische Wochenzeitschrift „Pour“ in transparente Folie verpackte (Taxe 5.000 EUR).

Ganz minimalistisch gab sich Richard Tuttle 1977 auf seinen sechs Grafiken der Kassette „Two with any Two“ und arbeitete auf den weißen Blättern nur mit Linien und Dreiecken (Taxe 2.000 EUR). Auf klar abgegrenzte geometrische Farbflächen und ihre wechselseitige Wirkung setzte Georg Karl Pfahler 1967 in seiner Hard Edge-Leinwand „Terms I“ (Taxe 4.000 EUR). Den Gegenstand holten dann etwa die Pop Art-Künstler wieder in die Kunst. 1973 griff Jim Dine bei seiner Lithografie-Serie „Ten Winter Tools“ auf Werkzeug und Besteck zurück. Aus der zweiten, reich aquarellierten Auflage des Jahres 1989 offeriert Sturies fünf Blätter für 6.000 Euro. Zwischen Surrealismus und Pop Art changiert Jörg Remés „Blaue Figur“ von 1971, die er wie üblich im Profil zeigt und aus schwellenden wurstartigen Elementen aufbaut (Taxe 2.000 EUR). Als Jahresgabe des Kunstvereins Braunschweig erschien 1973 André Thomkins’ farbige Aquatintaradierung mit dem humorvollen Wortspiel „Backbord Bockbart“ in einer Auflage von 80 Stück (Taxe 300 EUR).

Gerhard Richter tummelt sich gerne an der Schnittstelle zwischen Abstraktion und Figuration. Während sein Farbsiebdruck „Stadt“ von 1968 eine anonyme Wohnsiedlung verzerrt wiedergibt (Taxe 2.000 EUR), wird er zwei Jahre später in seinem farbigen Offset „Seestück II“ ganz fotorealistisch (Taxe 3.000 EUR). Teuerstes Richter-Objekt ist die minimalistische Bleistiftzeichnung auf dem hinteren Vorsatzblatt in der Vorzugsausgabe des Katalogs „Dessins et Aquarelles / Drawings & Watercolors“ von 2012 für 18.000 Euro. Auch Sigmar Polke und Konrad Lueg, Richters Künstlerkollegen aus dem Kapitalistischen Realismus, scherten sich wenig um die Ismen der rivalisierenden Kunstrichtungen, sondern amalgamierten lustvoll viele Stile. So malte Lueg 1965 „Statt Blumen“ rote stilisierte Eichenblätter auf den grünen Leinwandgrund, und Polke lichtete 1973 viermal seine Hand über einer Filmrolle als Schatten ab (Taxe je 5.000 EUR).

An den menschlichen Körper in seiner existentiellen Bedingtheit erinnerte Lothar Fischer 1974 in seiner überlängten Terrakotta „Akt in Stelenform II“ (Taxe 3.000 EUR). In die Gedankenwelt der Bildhauerin Katharina Fritsch kann man mit einem Konvolut von sechs unlimitierten, nicht signierten Editionen aus den späten 1980er Jahren vordringen. Dort treffen etwa die Silhouette einer schwarzen Katze auf die gelbe Gipsfigur einer Madonna oder die geschmacklose Kunststoffvase mit einem Schiff auf die Fotopostkarte „Spaziergänger mit Hund“, den Fritsch 1986 als wandelndes Bildwerk auf der Skulpturenschau in Sonsbeek auftreten ließ (Taxe 3.000 EUR). Die jüngsten Arbeiten stammen aus diesem Jahrtausend, darunter Thomas Demands 2004 für das Kunsthaus Bregenz erstellte Serie „Five Drafts (Simulator)“ aus Fotos brauner, geometrischer Konstrukte (Taxe 3.000 EUR), Thomas Struths als Offset hundert Mal aufgelegte Versuchsanordnung „Magnetic Composite Synthesis Qiagen“ von 2010 (Taxe 600 EUR) oder Jonathan Meeses wildes Selbstportrait „Knacker make it jump!“ von 2014 mit allerlei militärischen Accessoires für 5.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 5. Mai um 14 Uhr im Steigenberger Parkhotel, Königsallee 1a, in Düsseldorf. Die Vorbesichtigung findet bis zum 3. Mai in den Räumen des Auktionshauses statt. Der Katalog ist im Internet unter www.sturies.de abrufbar.

Kontakt:

Dr. Andreas Sturies - Moderne Kunst & Auktionen

Goltsteinstraße 23

DE-40211 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 514 13 54

Telefax:+49 (0211) 514 07 69

E-Mail: auktionen@sturies.de



03.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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