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Wie hat das Bauhaus das Werk von Paul Klee beeinflusst – dieser Frage geht die Pinakothek der Moderne in München in der großen Ausstellung „Konstruktion des Geheimnisses“ nach. Klees Affinität zur Musik thematisiert nur einen Steinwurf entfernt die Galerie Thomas

Ein Romantiker unter Rationalisten



Paul Klee, Wachstum der Nachtpflanzen, 1922

Paul Klee, Wachstum der Nachtpflanzen, 1922

Für alle Abtrünnigen des übersteigerten Technikglaubens gab es am Bauhaus ein Schimpfwort: Romantiker. Paul Klee lehrte von 1920 bis 1930 an diesem Labor der Moderne, und wer seine Gemälde aus dieser Zeit in der bemerkenswerten Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ betrachtet, die derzeit in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen ist, kommt zu dem Schluss, dass Klee sich gern beschimpfen ließ. Während Marianne Brandt aus Halbkugeln, Dreiecken und runden Scheiben Gefäße kreierte, suchte Klee in seinen Bildern weiterhin nach den kosmischen Zusammenhängen. Kalligrafische Gebilde fliegen in seinem 1928 entstandenen Gemälde „Erzengel“ über pastellfarbene Quadrate, die sich zu einem Stimmungsteppich zusammensetzen. Die subtile Rätselhaftigkeit verdrängt nicht die Faszination. Im Gegenteil: Klee hielt an seinem Grundthema fest, die Grenzen des Rationalen zu überschreiten und dem Unergründlichen eine künstlerische Form zu geben. Unerklärlich und zugleich visionär türmt er fast gleiche Formen übereinander, die am Grund so dunkel sind wie der Fond des Blattes und sich durch immer heller werdende Farben vor dem Auge des Betrachters in die Höhe erheben. „Wachstum der Nachtpflanzen“ nannte Klee 1922 diese Phantasie eines Naturphänomens.


Klee, der immer von sich behauptete, dass seine Kunst diesseits nicht zu fassen sei, und das Bauhaus, das selbst die Kunst auf den Geist einer rationalen, technisierten Serien-Welt einschwören wollte – das allein sind zwei schwer miteinander vereinbare Gegensätze. Spurlos konnte das an dem Künstler, der das Chaos der Welt und das Chaos im Kopf mit der Poesie seiner Szenen ordnen wollte, nicht vorübergehen. Wie es in Paul Klee damals aussah, verdeutlicht die melancholisch-skurrile Ölpause „Gespenst eines Genies“ von 1922. In zittrigen Strichen umreißt der damals 43jährige einen Mann mit kleinem Körper und großem Kopf. In der Brust, wo die Seele sitzt, betreibt ein Hampelmann eine gewaltige Maschine, die sich im Kopf festgesetzt hat. Konkreter formulierte er in seinem Text „exakte versuche im bereich der kunst“ seine Ablehnung gegenüber einer Kunst, die Phantasie, Intuition und Spielerei vernachlässigt zugunsten einer funktionalistischen Idee, und rief sogar zur „konstruktion des geheimnisses“ auf.

Aber der nüchterne Fortschrittsgeist der Avantgardisten dringt auch in die Gedankenwelt Klees. Einige seiner Werke werden linearer und geometrischer. In exakter Zentralperspektive komponiert er ein Blatt mit schwebenden Häusern, und 1930, kurz bevor er das Bauhaus verließ, entsteht das Figuren-Aquarell „Springer“, das wie ein Beispiel aus dem Lehrbuch der Konstruktivisten aussieht. In Paul Klee rumoren die Gegensätze. Immer wieder eröffnet er den Dialog mit dem Kosmischen, so auch in seinem rätselhaften Bild „vor dem Blitz“ von 1923, in dem zwei braune Pfeile unterhalb einer blutroten Sonne aufeinander zusteuern. Das Spiel der Energiefelder setzt Klee fort, indem er durch vertikale Streifen, die von hellem Gelb ins dunkle Grün übergehen, einen magischen Raum des Geschehens schafft.

Geometrische Grundformen sind das Vokabular der Bauhäusler. Auch Klee benutzt sie, aber anders als Theo van Doesburg. Der Kopf der holländischen Künstlergruppe „De Stijl“ sah in der konstruktiven Kunst kein Mittel zur Entdeckung kosmischer Geheimnisse, sondern ein Werkzeug, um den Fortschritt der Menschheit zu organisieren. Klee hingegen baute mithilfe des von ihm erfundenen Prinzips der bewegten Linie und mit einem leuchtenden Farbspektrum schwebende Architekturphantasien und turmartige Kathedralen der Abstraktion. Nach den vielen Klee-Ausstellungen der letzten Jahrzehnte hat Kurator Oliver Kase von der Pinakothek der Modernen etwas geschafft, an das viele nicht mehr glaubten. Es gibt eine neue Facette im Werk Paul Klees zu entdecken, der es zudem an Aktualität nicht fehlt. Das Ringen um das richtige Maß zwischen geistigem und technischem Fortschritt.

Dass Klee sich nicht von der rationalen Motoren- und Maschinengläubigkeit der 1920er Jahre beirren ließ, diese These untermauert – gegenüber der Neuen Pinakothek – zudem eine intime und doch von musealem Anspruch bestimmte Ausstellung in der Galerie Thomas. Kuratiert wurde sie von Christine Hopfengart, viele Jahre Direktorin der Paul-Klee-Stiftung in Bern. Klees Affinität zur Musik und zum Theater zeigt sich nicht nur in so thematisch eindeutigen Werken wie „Komische Alte“, in der aus Symbolen und verfremdeten Versatzstücken ein surreal-skurriles Gesicht gezaubert wird, oder in der verwunschen wirkenden, bizarren Szene „Kleine Komoedie auf der Wiese“ von 1922. Auch in manchen Landschaften und Architekturstücken erscheinen Strukturen, Rhythmen und Zeichen wie etwa Taktstriche, denen Klees tiefes musikalisches Verständnis zugrunde liegt.

Verkäuflich von den 40 ausgestellten Werken ist nur ein Bruchteil. Darunter das Herzstück der Schau, das um 1923 entstandene Aquarell „Die Sängerin L. als Fiordiligi“, eine Figur aus Mozarts „Cosi fan tutte“. Sein Preis – eine siebenstellige Summe. Werke dieses Formats sind selten auf dem Markt. Und wenn eine Galerie eine Ausstellung präsentieren will, die auf diesem Niveau angesiedelt ist, ist sie heute auf Leihgaben angewiesen.

Die große Klee-Ausstellung in der Pinakothek nimmt auch das Franz Marc Museum in Kochel, das selbst bedeutende Blätter Klees besitzt, zum Anlass, sich erneut dem Werk des Franz Marc-Freundes zu widmen. Unter dem Titel „Landschaften. Eine kleine Reise ins Land der besseren Erkenntnis“, verdeutlicht sie, dass Landschaft bei Paul Klee kein wirklicher, sondern ein imaginärer Ort ist, der das Unsichtbare fassbar macht.

Die Ausstellungen „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ und „Paul Klee Landschaften. Eine Reise ins Land der besseren Erkenntnis“ laufen bis zum 10. Juni, „Paul Klee. Musik und Theater in Leben und Werk“ in der Galerie Thomas bis zum 12. Mai. Die Pinakothek der Moderne hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, jeden Sonntag für alle 1 Euro. Das Franz Marc Museum steht täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr gegen ein Entgelt von regulär 8,50 Euro, ermäßigt 6 Euro bzw. 3,50 Euro offen. Die Galerie Thomas hat montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Zu allen Ausstellungen erschienen wissenschaftlich bearbeitete Kataloge. „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet an der Museumskasse 39,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro. Das Katalogbuch „Paul Klee – Musik und Theater in Leben und Werk“ mit zahlreichen dokumentarischen Fotografien wurde von Christine Hopfengart herausgeben und vom Wienand Verlag zum Preis von 38 Euro verlegt. „Paul Klee Landschaften. Eine Reise ins Land der besseren Erkenntnis“, herausgegeben von der Franz Marc Gesellschaft durch Cathrin Klingsöhr-Leroy, kostet 22 Euro.

Franz Marc Museum
Franz Marc Park 8-10
D-82431 Kochel am See

Telefon: +49 (0)8851 – 92 48 80
Telefax: +49 (0)8851 – 92 48 815

Galerie Thomas
Türkenstraße 16
D-80333 München

Telefon: +49 (0)89 – 290 008 0
Telefax: +49 (0)89 – 290 008 88

Kontakt:

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 23 805 360

E-Mail: info@pinakothek.de



27.04.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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