Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 28.04.2018 Auktion 48

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2013 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Trotz hochkarätiger Objekte bleiben die Möbel bei Koller ein schwieriges Segment. Doch mit außergewöhnlichen Stücken waren die Bieter zu überzeugen und für einige Überraschungen gut

Der Frühling ist da!



Lackkabinett, wohl England, um 1700

Lackkabinett, wohl England, um 1700

Frühlingshaft ist das Lackkabinett „A Fleurs“ aus der Zeit um 1700 mit Blumen bemalt. Auf dem dunklen Grund des schlicht quaderförmigen Möbels stechen die bunten Verzierungen besonders hervor und leuchten auf. Frontal umringen Girlanden zwei Bouquets in Vasen, eines je Tür. Sind diese geöffnet, geben sie den Blick auf ungleich große Schubkästchen frei, die noch dichter mit floraler Ornamentik versehen sind. Das blühende Leben steht bei diesem Kabinett geradezu programmatisch im Kontrast zur Düsternis der vorangegangenen Jahreszeit. Zwei Tage nach dem kalendarischen Frühlingsanfang ließ sich ein Interessent bei Koller vielleicht davon leiten und bot 70.000 Franken für das Stück aus England, das nachträglich auf einem italienischem Sockel des 18. Jahrhunderts mit anthropomorphen Stützen gesetzt wurde. Der Zuschlag, der höchste jenes Verkaufstages, entsprach der Forderung des Auktionshauses.


Am 22. März standen in Zürich hauptsächlich Möbel, aber auch Skulpturen, Teppiche, Porzellan und Silber auf dem Programm. Insgesamt gut 54 Prozent der Lose fanden Abnehmer, wobei diese Quote von den Teppichen mit knapp 64 Prozent Verkäufen nach oben gezogen wird. Die übrigen Sparten der Versteigerung, die Koller einen Bruttoumsatz von 2,73 Millionen Franken bescherte, konnten zusammen mit 50,8 Prozent aufwarten. Das Publikum wählte aus dem reichhaltigen Angebot kritisch aus und hielt sich vor allem bei den hoch bewerteten Möbelstücken zurück. So gingen vermeintliche Highlights an die Einlieferer zurück. Dies traf etwa eine venezianische Kommode der Zeit um 1770/80 mit fein geschnitztem und gemaltem Blattwerk für 90.000 bis 140.000 Franken, ein ebenso teures Bureau plat von Jacques Dubois um 1745/50, einen extravaganten Rokokospiegel nach Vorlagen Johann Michael Hoppenhaupts aus dem 19. Jahrhundert für 60.000 bis 90.000 Franken, zwei vergoldete Kaminböcke mit Kriegstrophäen und Sphingen nach Mustern André-Charles Boulles um 1710/20 für 45.000 bis 75.000 Franken oder das siebenteilige Ameublement von Jean-Baptiste Boulard um 1760 mit figurativen Gobelin-Bezügen für 70.000 bis 120.000 Franken. Das Bureau „a gradin“ des Stuttgarter Hoftischlers Johannes Klinckerfuß mit Federzeichnungen der Königin Charlotte Mathilde um 1800 stand zum wiederholten Mal auf dem Programm und musste trotz der um 30.000 Franken auf 90.000 Franken reduzierten Schätzung erneut seine Heimreise antreten.

Zeitlos schöne Offerten französischer Handwerkskunst

Beliebt waren einige französische Einrichtungsgegenstände. Unscheinbar kommt ein kleiner Beistelltisch um 1700 aus Paris daher. Seine Verkleidung mit grünem Horn, das nur durch schwarz-braune Zierfriese durchbrochen wird, zeichnet ihn aus. Das unaufdringliche Objekt sollte 35.000 bis 45.000 Franken einbringen. Ein Liebhaber erhielt den Zuschlag zum Mittelwert dieser Spanne. Quantitativ mehr war mit vier etwas jüngeren Stühlen aus der Zeit um 1720/40 geboten. Die Sitzgelegenheiten mit geschweiften Beinen und senfgelben Seidenbezügen sollten mindestens 12.000 bis 18.000 Franken erlösen, was sich nicht als Problem herausstellte. Erst bei 20.000 Franken fiel der Hammer. Auf ähnlich gerundeten Stützen steht auch Pierre Migeons IV Kommode von 1745/50. Mit eingelegtem Zierwerk, Beschlägen aus vergoldeter Bronze und einer Natursteinplatte schuf er ein hochwertiges, luxuriöses, aber nicht übertrieben prunkvolles Werk. Diese Qualitäten erkannten die Interessenten und überstiegen die Schätzung von bis zu 30.000 Franken im Wettstreit um 8.000 Franken.

Punkten konnten auch Positionen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wieder war ein Beistelltischchen beliebt und diesmal für eine Überraschung gut. Der runde Gueridon, der Martin Carlin und der Zeit um 1765/70 zugeschrieben wird, bietet runde Ablageflächen auf drei Ebenen aus edlem Mahagoni, umrahmt von sich zurückhaltenden Mäanderbandgalerien aus Messing. Die anvisierten 22.000 bis 28.000 Franken waren schnell um 8.000 Franken überschritten. Léonard Boudin schuf in etwa zur gleichen Zeit eine kleine klassizistische Kommode mit drei Schubladen aus demselben Holz. Das geschichtsträchtige Stück, das schon im Louvre ausgestellt war, wurde im Zweiten Weltkrieg geraubt und durch die legendären Monuments Men an seine ursprünglichen Besitzer zurückgeführt. Spuren dieser unsteten Zeiten sind dem Möbel nicht anzusehen. Für 40.000 Franken fand es schließlich einen neuen Besitzer (Taxe 28.000 bis 38.000 SFR).

In ähnlich gutem Zustand ist ein kleines Zylinderbureau von Ferdinand Bury und Jean-Baptiste Tuart I. Der Arbeitstisch um 1775 mit Einlegearbeiten aus Edelhölzern sollte mit 28.000 bis 48.000 Franken etwas mehr als die Kommode einbringen. Dieses Ziel verfehlte er mit 30.000 Franken, blieb damit aber im Rahmen der Erwartung. Die ungefähr zeitgleich von Louis Moreau hergestellte Kommode „A la Grecque“ mit einem Rautenmuster auf den Seitenwänden und zwei Schubladen konnte 8.000 Franken mehr erzielen. Verborgen bleibt die natürliche Struktur des Holzes bei einer weiß gefassten Konsole der Zeit um 1780/85, gefertigt wohl von Henri Jacob. Der antikisierende Wandtisch mit Reliefdarstellungen kaiserlicher Porträts von Cäsar und Kleopatra veranlasste Gebote bis 30.000 Franken (Taxe je 25.000 bis 45.000 SFR).

Als zeitlos stellte sich eine Standuhr heraus, für die ein Interessent 30.000 Franken zu zahlen bereit war. Das in Paris um 1770/75 entstandene Stück mit einem François Duhamel zugeschriebenen, klassizistischen Gehäuse in Pyramidenform sollte 18.000 bis 28.000 Franken einbringen. Bei 30.000 Franken konnte der Auktionator zufrieden den Zuschlag gewähren. Um 8.000 Franken höher stieg die „Aux têtes de Bélier“ betitelte, vasenförmige Pendule der Zeit um 1790 von Jean-Simon Bourdier und Etienne Gobin. Unter anderem der Korpus aus Carrara-Marmor und dessen fein gearbeitete Bronzeapplikationen mit Widderköpfen sollten 38.000 bis 58.000 Franken rechtfertigen. Eine Zimmeruhr der Renaissance mit Mondphase und Glockenstuhl samt Nelkenblumen, datiert auf 1560, stammt zwar nicht aus Frankreich, war aber schon aufgrund ihres Alters ein Highlight dieser Rubrik. 25.000 bis 35.000 Franken waren für die mit Himmelssymbolen bemalte schmiedeeiserne Rarität angesetzt, die wohl von dem in Winterthur tätigen Erhard Liechti stammt. Die Expertenmeinung lag richtig, denn Endgebot waren 32.000 Franken.

Möbel hat ja jeder

Gefragt waren bei Koller Besonderheiten. Die größte Überraschung der Auktion brachte ein kleines Kästchen aus Moskau. Gefertigt zwischen 1908 und 1917 von Grigorij Michailowitsch Sbitnjew zeigt es zentral auf seinem Deckel eine Email-Darstellung des russischen Märchens von Iwan Zarewitsch und dem grauen Wolf. Geometrische und florale Elemente füllen den Rest des Döschens. 1.800 bis 2.600 Franken rief das Auktionshaus auf und maß dem Los entsprechend wenig Bedeutung bei. Trotzdem verliebten sich Kunden in das Stück und trieben den Preis immer höher. Der Hammer fiel bei 26.000 Franken und damit beim für den Einlieferer erfreulichen Zehnfachen der Expertise. In Höhen stiegen ebenso die Gebote für 24 Platzteller, ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert. Mit glattem Spiegel, glatter Fahne und nur einem dezentem umlaufenden Blattfries am Rand wirken diese unscheinbar, wären sie nicht goldglänzend verspiegelt. 42.000 Franken erklomm der gesamte Satz aus der Maison Lapparra (Taxe 20.000 bis 40.000 SFR).

Unterschiedlich waren die Objekte, mit denen Koller weitere Bieterwettstreite auslösen konnte. Ein handwerklich anspruchsvolles historistisches Schiff aus Silber, gefertigt wohl in Hanau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bewegte beispielsweise einen Sammler zu 18.000 Franken (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). Für Liebhaber maritimer Themen war zudem ein eventuell niederländischer Nautiluspokal der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, graviert mit Insekten im Angebot, der noch 1.000 Franken höher kletterte, aber mit seinen erwarteten 18.000 bis 28.000 Franken auch weniger überraschen konnte. Diesen Effekt lösten dafür wieder zwei hölzerne Armillarsphären aus Paris um 1800 aus. Trotz nicht tadellosen Zustands kämpften Kunden um die wissenschaftlichen Objekte und trieben den Preis bis auf 22.000 Franken (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR). Unerwartet kamen für eine wohl Florentiner Pietra-Dura-Platte mit floralem Motiv im Renaissance-Stil, die nach Vorlagen von Jacopo Ligozzi aus der Sammlung der Uffizien gearbeitet worden ist, 24.000 Franken zusammen (Taxe 5.000 bis 9.000 SFR). Auch ein Paar Bronzepferde hat ein berühmtes Vorbild: Schon im 17. Jahrhundert stand die byzantinische Quadriga an der Piazza San Marco in Venedig Modell für die Tierskulpturen. Die erhofften 50.000 bis 70.000 Franken blieben allerdings aus, bei 4.000 Franken unter diesen Vorstellungen stockte das Wetteifern.

Gutes Kunsthandwerk fand bei der Frühjahrsauktion viel Anerkennung. Ein Klassiker dieser Rubrik was das Porzellan aus Meißen, das mit zwei Losen besonders punkten konnte. Mit 65.000 Franken belegte ein Tischleuchter der Manufaktur den zweiten Platz der teuersten Stücke. Das Modell von Johann Gottlieb Kirchner mit einer Bemalung wohl von Johann Gregorius Höroldt von 1727 zeigt auf einer konkav geschwungenen Basis eine Figur, die ein übergroßes Gefäß hält, das als Kerzenständer dient. Starke Farben und feine Verzierungen sowie die Seltenheit des Objekts sollten 40.000 bis 70.000 Franken begründen. Ein lediglich weiß glasiertes Böttgerporzellan-Teeservice aus den Jahren um 1715/20 von Johann Jakob Irminger listete der Katalog bei 30.000 bis 40.000 Franken. Das monochrome Relief aus Kirschblütenzweigen mit kleinen Vögeln verleitete einen Liebhaber zu 61.000 Franken. Die Manufaktur in Sèvres beteiligte sich mit einem neogotischen Vasenpaar um 1840 nach einem Formmodell von Alexandre-Evariste Fragonard mit Spitzbogendekor und Gestalten aus der mittelalterlichen Ritterwelt bei 38.000 Franken erfolgreich an der Auktion (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



11.04.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 11

Seiten: 1  •  2

Adressen (1)Kunstwerke (10)

Bei:


Koller Auktionen AG

Kunstwerk:

Léonard Boudin, Kommode, Paris um 1765
Léonard Boudin, Kommode, Paris um 1765

Kunstwerk:

Martin Carlin zugeschrieben, Gueridon, Paris um 1765/70
Martin Carlin zugeschrieben, Gueridon, Paris um 1765/70

Kunstwerk:

Johann Jakob Irminger, Teeservice, um 1715/20
Johann Jakob Irminger, Teeservice, um 1715/20

Kunstwerk:

Johann Gottlieb Kirchner und Johann Gregorius Höroldt,
 Tischleuchter, um 1727
Johann Gottlieb Kirchner und Johann Gregorius Höroldt, Tischleuchter, um 1727

Kunstwerk:

Pierre Migeon IV, Kommode, Paris um 1745/50
Pierre Migeon IV, Kommode, Paris um 1745/50

Kunstwerk:

Beistelltisch mit grünem Horn, Paris, um 1700
Beistelltisch mit grünem Horn, Paris, um 1700

Kunstwerk:

Paar Bronzepferde, Venedig, 17. Jahrhundert
Paar Bronzepferde, Venedig, 17. Jahrhundert

Kunstwerk:

Erhard Liechti zugeschrieben, Zimmeruhr mit Mondphase, 1560
Erhard Liechti zugeschrieben, Zimmeruhr mit Mondphase, 1560







Louis Moreau, Kommode, Paris um 1775

Louis Moreau, Kommode, Paris um 1775

Taxe: 25.000 - 45.000 SFR

Zuschlag: 38.000,- SFR

Losnummer: 1142

Léonard Boudin, Kommode, Paris um 1765

Léonard Boudin, Kommode, Paris um 1765

Taxe: 28.000 - 38.000 SFR

Zuschlag: 40.000,- SFR

Losnummer: 1147

Beistelltisch mit grünem Horn, Paris, um 1700

Beistelltisch mit grünem Horn, Paris, um 1700

Taxe: 35.000 - 45.000 SFR

Zuschlag: 40.000,- SFR

Losnummer: 1056

Martin Carlin zugeschrieben, Gueridon, Paris um 1765/70

Martin Carlin zugeschrieben, Gueridon, Paris um 1765/70

Taxe: 22.000 - 28.000 SFR

Zuschlag: 36.000,- SFR

Losnummer: 1133

Paar Bronzepferde, Venedig, 17. Jahrhundert

Paar Bronzepferde, Venedig, 17. Jahrhundert

Taxe: 50.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 46.000,- SFR

Losnummer: 1011

Johann Jakob Irminger, Teeservice, um 1715/20

Johann Jakob Irminger, Teeservice, um 1715/20

Taxe: 30.000 - 40.000 SFR

Zuschlag: 61.000,- SFR

Losnummer: 1119

Pierre Migeon IV, Kommode, Paris um 1745/50

Pierre Migeon IV, Kommode, Paris um 1745/50

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Zuschlag: 38.000,- SFR

Losnummer: 1069

Erhard Liechti zugeschrieben, Zimmeruhr mit Mondphase, 1560

Erhard Liechti zugeschrieben, Zimmeruhr mit Mondphase, 1560

Taxe: 25.000 - 35.000 SFR

Zuschlag: 32.000,- SFR

Losnummer: 1005

Johann Gottlieb Kirchner und Johann Gregorius Höroldt, Tischleuchter, um 1727

Johann Gottlieb Kirchner und Johann Gregorius Höroldt, Tischleuchter, um 1727

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 65.000,- SFR

Losnummer: 1073




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce